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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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STANETTI, Giovanni

 

1. STANETTI, Giovanni (Johann)
Stanety

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Bildhauer

3. BIOGRAPHIE

* 1663 Oberglogau/Glogowku (Oberschlesien, Kr. Neustadt)
† 19.7.1726, Wien

Er wurde von Prinz Eugen von Savoyen von Venedig nach Wien berufen (RIESENHUBER), für den er zusammen mit seiner Werkstätte zwischen 1700 und 1721 Steinfiguren für die Ballustrade des Unteren Belvedere in Wien schuf.
Aus der Zeit nach 1700 stammt auch die Relieffigur des Siegfried Grafen Sarau auf dessen Grabstein in der Deutschordens-kirche, in der Singerstraße, 1010 Wien (DEHIO,1954, ThB).

Um 1701bis 1703 schuf er die Engelsreigen-Glorie an der Bekrönung des Mariazeller Hochaltars von Fischer von Erlach in
der Steiermark.

1707 und 1708 errichtete er für den kaiserlichen Hof zwei Alkoven im kaiserlichen Lustschloss Favorita (heute Theresianum
auf der Wieden, 1040 Wien).

1710 arbeitete er die Vasen für die Torbauten des Harrach'schen Schlosses in Bruck an der Leitha (NÖ) und 1711 werden
ihm 20 Vasen für das Harrach'sche Schloss Aschach an der Donau (OÖ) bezahlt.

1712 wird er, nach dem Tod Kaiser Josef I., als kaiserlicher Kammerbildhauer bestätigt, an dessen Castrum doloris von
Fischer von Erlach in der Augustinerkirche, er 1711 mitarbeitete, und 1714 dafür vom Hof eine Zahlung erhielt (BRIX).

Zwischen 1714 und 1718 arbeitete Stanetti an der Dreifaltigkeitssäule auf dem Hauptplatz in Baden bei Wien in NÖ (Link-Möglichkeit zu: www.baden-bei-wien.at), zu der noch eine Entwurfszeichnung, wahrscheinlich von Stanettis Hand und nicht
wie irrtümlich vermutet von Martin Altomonte im Städt. Rollett-Museum Baden existiert.

1725 schuf er die Giebelfigur der Vorhalle der Karlskirche in Wien: die Apotheose des heiligen Karl Borromäus auf einem Wolkenballen, nebst Engelskopf und Kind sowie auch das Giebelrelief mit der Darstellung des Erlöschens der Pest in Wien.

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Johann Stanetti wurde zwar in Oberschlesien geboren, dürfte dann aber in Venedig ansässig gewesen sein, wo er vielleicht seine Ausbildung erhielt und von wo er von Prinz Eugen von Savoyen nach Wien geholt wurde (RIESENHUBER).
Am 14.2.1695 heiratet er in Wien die Witwe des Bildhauers Adam Kracker und taucht in den Wiener Urkunden am 12.8.1710 noch als bürgerlicher Bildhauer als Trauzeuge und am 2.2.1721 als Hofkammerbildhauer-Trauzeuge auf.

Eventuell besteht eine Verwandtschaft zu dem Bildhauer Dionysius Stanetti (?- 1767 Körmöcbánya/Ungarn), von dem sich einige Werke in der Budapester Nationalgalerie erhalten haben.

Giovanni Stanetti arbeitete v.a. auch im Umkreis von Johann Bernhard Fischer von Erlach (siehe: Trauergerüst für Kaiser
Josef I., Mariazeller Hochaltar und Wiener Karlskirche).

Er scheint eine größere Werkstätte besessen zu haben, aus der z.B. die Bildhauer Ingenuin Lechleitner, Jakob Schletterer (1700-1774) und Johann Christoph Mader (1697-1761), der u.a. die Reliefs (ev. zusammen mit Schletterer) der zwei Säulen
vor der Wiener Karlskirche ausführte, als seine Schüler hervorgingen.

 
5. WERKE

5.1 Relieffigur des Siegfried Grafen Sarau auf dessen Grabstein in der Deutschordenskirche
Singerstraße, 1010 Wien; um 1700

5.2 1711 Mitarbeit am Castrum doloris (Trauergerüst) für Kaiser Joseph I. von J.B. Fischer von Erlach in der Wiener Augustinerkirche, zusammen mit den Bildhauern Franz Caspar und Benedikt Stöber, für die er 1714 vom Hof 930 Gulden ausbezahlt bekam (SCHLAGER, S.54, 99, 100).
Es ist möglich, dass er auch hierfür, wie auch schon beim Mariazeller Hochaltar, die Engelsglorie schuf.

5.3 Steinfiguren für die Balustrade des Unteren Belvedere, mit Werkstättenmitarbeit zwischen 1700 und 1721
Themen: Frauenraub, Kampf um Frauen, Gorgo usw.
Dass es sich dabei um Werke von seiner Hand handelt, dafür gibt es zwar keine Überlieferung, aber es wird allgemein angenommen, da seiner Witwe 1726 von Prinz Eugen ein größerer Betrag ausbezahlt wurde und Beyer 1779 berichtet, dass Stanetti viele antike Marmorbüsten "in das k.k. Lustschloss Belvedere versetzt" hat (BAUM,S.481).
Ebenso werden diese Figuren von Albert Ilg Giovanni Stanetti und seinem Schüler Lechleitner zugeschrieben.

5.4 Karlskirche Wien
Figur des Hl. Karl Borromäus (Apotheose) auf dem Giebelscheitel der Vorhalle inkl. Wolkenballen, Engelskopf und Kind.

5.5 Giebelfeldrelief - "Das Erlöschen der Pest in Wien", um 1725
Bei der Karlskirche in Wien handelt es sich um die Pfarrkirche des heiligen Karl Borromäus, der der Namenspatron Kaiser
Karl VI. war, der ihm diese Kirche 1713 zur Abwendung der Pest gelobt hatte.
Ab 1714 wurde sie von Johann Bernhard Fischer von Erlach ( 1656 - 1723) erbaut und bis 1739 von Joseph Emanuel Fischer
von Erlach vollendet (DEHIO 1993)
.

5.6 Mariazell (Steiermark)
Plastische Dekoration des Grazienaltar und der Große Altar (beide von Fischer von Erlach dem Älteren und dem Jüngeren)
von Stanetti: Engelsfiguren am Hochaltar in Mariazell.

5.7 Bruck an der Leitha (Burgenland)
Bildhauer Stanetti arbeitet im Herbst 1710 an den Vasen für den Torbau des Schloss Harrach.

5.8 Baden (NÖ)
1714 Dreifaltigkeitssäule in Weilburg; hoher dreiseitige Unterbau mit neun Reliefdarstellungen und drei liegenden Figuren in Nischen; Wolkenballen mit Himmelkugel und unbefleckte Jungfrau.

5.9 Deutschordenskirche (Wien)
Im Kircheninneren befindet sich eine Reliefplatte des Sigfr. Grafen Saurau, die 1700 von J. Stanetti gearbeitet wurde.
6. ABBILDUNGEN

5.1 (CD-Rom: stan_05)
Grabstein des Siegfried Grafen Sarau in der Deutschordenskirche, Singerstraße, 1010 Wien; um 1700 (Foto: Ch. Strahner)

5.2 (CD-Rom: stan_06)
Castrum doloris für Kaiser Joseph I. 1711 in der Augustinerkirche Wien, Stich von Delsenbach im Historischen Museum der Stadt Wien, in: Sedlmayr Hans, Johann Bernhard Fischer von Erlach, Wien 1976

5.3 (CD-Rom: stan_02/stan_01)
Steinfiguren für die Balustrade des Unteren Belvedere, zwischen 1700 und 1721 (Foto: Ch.Strahner)

Frauenraub-Skuptur auf der Balustrade des Unteren Belvedere (Foto: Ch. Strahner)
5.4 (CD-Rom: stan_03)
Apotheose des Hl. Borromäus auf dem Giebelscheitel der Vorhalle der Karlskirche in Wien, um 1725 (Foto: Ch.Strahner)

5.5 (CD-Rom: stan_04)
"Das Erlöschen der Pest in Wien", Detail aus dem Giebelrelief der Vorhalle der Karlskirche in Wien, um 1725
(Foto: Ch.Strahner)

7. BIBLIOGRAPHIE

AURENHAMMER Hans, Ikonographie und Ikonologie des Belvedere-Gartens, in: Wiener Jahrbuch f.Kunstgeschichte XVII (XXI), 1956, S.87
BAUM Elfriede, Katalog des Österr. Barockmuseums im Unteren Belvedere, Wien-München 1980, S.481, 603f.
BEYER Chr.F.W., Österr.'s Merkwürdigkeiten die Bild- und Baukunst betreffend, dem Fürsten Wenzel von Kaunitz-Riedberg gewidmet, Wien1779
BRIX Michael, D. Trauerdekorationen f. d. Habsburger in den Erblanden: Studien zur ephemeren Architektur d. 16. bis 18. Jahrhunderts, Kiel 1971, Univ.Diss.
DEHIO-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs,Wien, II. bis IX. und XX. Bezirk, Wien 1993
DEHIO-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Wien, Wien 1954
DEHIO-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Niederösterreich, 1953
Deutsche Kunst- und Denkmalpflege,1935,S.239
GRIMSCHITZ Bruno, Joh. Lucas v. Hildebrandt, Wien 1932; S.52
ILG A., Prinz Eugen von Savoyen als Kunstfreund, Wien 1889
ILG A., Die Fischer v. Erlach, 1, Wien 1895, S.98
KATALOG d. Barockmus. im U. Belvedere, Wien 1923
KATALOG der 36. Wechselausstellung der Österr. Galerie im Oberen Belvedere, Wien 1955
LIST R., Kunst u. Künstler in der Steiermark, Ried i.Innkreis 1967-82
LHOTSKY A., Festschrift des Kunsthist. Museums zur Feier des 50-jährigen Bestandes, Wien 1945
ÖKT XVIII, Österr. Kunstopographie, Bd. XVIII, Baden/NÖ, Wien 1924, p.LXVII,S.43f.
Quellen zur Geschichte der Stadt Wien, 1.Abt. Bd VI, 1908, Nr. 7077, 7273, 8247, 12676
RIESENHUBER Martin, Die kirchliche Barockkunst in Österreich, Linz 1924, S. 453ff, 472, 480, 496
SCHLAGER J.E., in: Archiv f. österr. Geschichte, 2, 1850, S.759
SEDLMAYR Hans, Johann Bernhard Fischer von Erlach, Wien 1976
THIEME-BECKER, 1938

 
©Christine Strahner, April 2002 und Verena Malfertheiner, o.J.

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