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SOLAR, Anton

 

1. SOLAR, Anton (Anthoni, Antonio)
Sollar, Solari, Solario

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Baumeister, (Architekt)

3. BIOGRAPHIE

Wahrscheinlich aus Venedig stammend (Geschichte der Stadt Graz; 2003) oder aus der Südschweiz zugewandert (Landes-chronik Steiermark), geboren 18.05.1672 in Graz, Sohn des Stuckateurs und Maurers Joh. Bapt. Solla[r] (beerdigt 4.01.1616, Bürger und Maurer in Graz) und Bruder des Steinmetz Johann Baptist Sollar (Bürger und Steinmetz in Graz).

Eine Verwandtschaft zum Meister Santino Solari ist nicht auszuschließen (Das Landhaus in Graz).

Erstmals wird er 1641 in den Grazer Matrikeln genannt. Vor 1642 scheint er aber bei keinem Bau in Graz urkundlich auf
(Das Landhaus in Graz). Am Bau des Grazer Landhauses war er von 1642 bis1644 beschäftigt. 1643 bis1645 war er Polier
beim Bau des ständischen Zeughauses in Graz. Aus Platzgründen entschlossen sich die Stände dazu ein geräumiges Zeughaus errichten zu lassen und beauftragten dafür den Baumeister Anton(io) Solar(io), der ein fünf-geschossiges Gebäude
mit einem Verbindungsflügel zum Landhaus errichtete.
Er wurde zum Baumeister bzw. Polier des Zeughause in Graz gewählt; im Jahre 1642 schloss er einen Contract mit der Landschaft ab, nach welchem er, offenbar nach Plänen des Adam von Wundegger, im Stile der deutschen Renaissance, das Landhaus „nach dem aufgerichteten, verglichenen und unterschriebenen Modell“ ausführt. Dafür erhielt er 1613 (?) fl.7β6 υ.
(Das Landhaus); die Bauarbeiten dauerten von 1643 bis1645.
In seinem Spannzettel nennt er sich „Baumeister der illustren Herren der Republik“ das lässt auf eine italienische,
venezianische Lehre (Herkunft) schließen (Das Landhaus).
Zwischen 1649 und 1650 führte er Reparaturen am Grazer Landhaus und im darauffolgenden Jahr (1650/51) am eisernen
Tor desselben durch.
1653 wird ihm ein Sohn Franz Isidor getauft, am 10. Nov. 1657 stirbt seine Frau Franziska.
Aus dem Jahre 1670 (April) ist eine „Beschau-Relation“, offensichtlich ein Gutachten bezüglich einer Mauer zwischen den Grundstücken des Abtes von St. Lambrecht und Maximilian, Dompropst von Seckau, die Anlass zu Streit gab, erhalten; gezeichnet; „Antonio Sollar“, „Hanns Parz“, „Domenicho Tore“ und „Franz Isidorus Carlon“, „Alle vier Bu(ü)rger vnd Mauer-
meister alhie (allhier)“ (Archivalische Vorarbeiten zur Kunsttopographie Graz).
Solar selbst verstarb Mitte Mai 1672 und wurde am 20. Mai auf dem Grazer Andräfriedhof beigesetzt (Geschichte der Stadt Graz).

Anton Solar hatte ein eigenes Siegel (siehe: Das Landhaus Graz. S. 27). 
 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Wahrscheinlicher Herkunftsort: Venedig.

Anton Sollar ist nicht zu verwechseln mit Ignazio Solari, der um 1646 als Maler (in Salzburg?) wirkte und vermutlich der Sohn Santinio Solaris war.

Sohn des Stuckateurs und Maurers Joh. Bapt. Solla[r] (beerdigt 4.01.1616, Bürger und Maurer in Graz) und wahrscheinlich Bruder des Steinmetz Johann Baptist Sollar (Bürger und Steinmetz in Graz). Eine Verwandtschaft zum Meister Santino Solari (erbaute 1614-1634 den Dom zu Salzburg) ist nicht auszuschließen (Das Landhaus).
 

5. WERKE (STEIERMARK)

5.1 1643 bis 1645 Polier beim Bau des ständischen Zeughauses in Graz. Solar errichtete ein fünfgeschossiges Zeughaus,
das heute noch fast unverändert erhalten ist. Der nüchterne Zweckbau im Stil des Frühbarock weist nur an der Hauptfassade künstlerisches Beiwerk auf (ausgeführt von Giovanni Mamol). In der großen überwölbten Halle im Erdgeschoss wurden die Geschütze samt Munition untergebracht und in den darüber liegenden vier Stockwerksälen wurden die Handwaffen mit Zubehör aufbewahrt. Ursprünglich waren diese Säle durch Querwände in drei Kammern unterteilt, die Wände wurden aber im 19. Jh. Entfernt (Landeschronik).

5.2 1649/50 Reparaturen am Grazer Landhaus (Thieme-Becker)
5.3 1650/51 Reparaturen am eisernen Tor des Grazer Landhauses  (Thieme-Becker)
5.4 Stiegenaufgang zur Grazer Stiegenkirche

6. BIBLIOGRAPHIE

BRUNNER Walter, Geschichte der Stadt Graz, Bd. 4, Stadtlexikon, im Auftrag des Kulturamtes der Stadt Graz, Graz 2003.
DEHIO-Handbuch, d.dtsch. Kunstdenkmäler, 2. Abt. Österr., Bd. 1, 1933.
KRENN, Das Landhaus in Graz, in: Landeschronik STEIERMARK, Hrg. Zitzenbacher Walter, Wien 1988.
SAUR, Allgemeines Künstlerlexikon, Band 9, K.G. Saur, München Leipzig 2000.
SCHMÖLZER Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur österreichischen Kunsttopographie, Graz, Adels- und Freihäuser, herausgegeben vom Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Rechtsabteilung 6, Graz 1993.
THIEME-BECKER, Künstlerlexikon, Bd. 31, Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler, Leipzig 1937.
WASTLER Josef, Das Landhaus in Graz – Entstehung, Baugeschichte und künstl. Bedeutung, Wien 1890.

 
©Verena Malfertheiner, o.J.

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