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SCIASSIA, Domenico

 

1. SCIASSIA, Domenico
Sciasca, Stiassia, Schiassia

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Architekt, Hofbaumeister von St. Lambrecht und Mariazell in der Steiermark

3. BIOGRAPHIE

Geboren 1599 oder 1603 in Roveredo, Graubünden, CH.
Gestorben 19.02.1679 in Graz, A. Begraben in der Kirche Mariazell.

Erscheint 1633 in Roveredo (urkdl. „Domeni Sciaca“)

„Domenico Sciassia kann nach dem heutigen Wissensstand als Klosterarchitekt par exellence bezeichnet werden. (...) Die umfangreichen Barockisierungen (...) zeigen keine allgemein verbindliche Typologie (Zit. Fidler, S. 329) So ist z.B. Lilienfeld gitterförmig angeordnet, während St. Lamprecht asymetrisch angelegt ist. Dabei ist die Disposition der einzelnen Trakte bei S. durch eine Raumflucht und hofseitigem Korridor gekennzeichnet, an deren Kreuzpunkten sich breite Pfeilerhallen bilden.

„Die Fassadengestaltung des Architekten Domenico Sciassia ist noch dem oberitalienischen Cinquecento- Ideal verpflichtet.“ (Zit. Fidler S. 329) Dabei verzichtet er auf eine vertikale Fassadenakzentuierung; deren horizontale Betonung erreicht er durch Gurtgesimse.

Auch seine Kirchenbauten sind traditionell orientiert. Bei seinen Neubauten handelt es sich um schlichte Saal- oder Wandpfeilerräume mit Seitenkapellen und Emporen. Die Vierung der kreuzförmigen GRe bedeckte er oft mit einem Kreuzgewölbe oder einer Tamburkuppel.

Laut Wastler handle es sich bei Sciassia um die bedeutendste Künstlerpersönlichkeit der„zweiten Periode italienischer Invasion“. (Vgl. List, S. 893)

Der Kunsthistoriker Feuchtmüller sieht Sciassia als den wesentlichen Baumeister der Köflacher Kirche an, während Kohlbach auf Grund der von Hanns Koren wiederentdeckten Chronik des Dechants Ludwig Stampfer an der Zuweisung an den BRUDER Domenicos, CYPRIAN DEN ÄLTEREN, festhält. Er räumt aber ein, dass Domenico, der hier als Polier tätig gewesen ist, diesen in den „ausschlaggebenden ersten anderthalb Baujahren“ sozusagen „verdrängte“. (Vgl. List, S. 893)

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Er ist der Sohn von Francesco und hatte zwei Brüder: Rigo und Francesco.

Zuletzt arbeitet er als Maurer- und Baumeister in Neuburg an der Donau

„Die Literatur versagt jede Auskunft über des Meisters Vaterstadt, Schule und sonstige Thätigkeit (...).“ (Zit. Der Kirchenschmuck 12. Jg., Graz, 1881, S. 142.)

1633 scheint er im Verzeichnis der Confraternità del SS. Rosario in Roveredo auf.

Domenico kam angeblich um 1620 nach Krems und heiratet um 1629/30 die Witwe Barbara Heckhenmayer, geb. Lechner, die den Sohn Balthasar in die Ehe einbrachte. (Vgl. Wurzer T.)

In Göttweig ist S. seit 1635 urkundlich fassbar. Er arbeitet dort unter Cypriano Biasino und übernahm nach dessen Tod 1636 die Bauleitung. Noch 1651 ist Sciassia in Göttweig mit einer Stiftung urkundlich bekannt.

Mit Barbara Heckhenmayer hatte Sciassia einen weiteren Sohn, Johannes Cyprian, der um 1630/31 in Göttweig auf die Welt gekommen sein soll. Johannes Cyprian studierte bis 1658 an den Jesuitenschulen in Graz und Judenburg, später in Wien und Padua, wo er 1663 zum phil. et med. Doktor promovierte.

Sciassias Frau Barbara starb am 18.7.1671 in Aflenz. Dies Datum muss aber nicht stimmen, denn bereits 1654 heiratet Domenico Sciassia Eva Constantina Spazzo in Krems (demnach müsste seine erste Frau bereits vorher gestorben sein)

Eva Constantina Spazzo war die leibliche Tochter von Giovanni Battista Spazzo und die Stieftochter von Cypriano Biasino.

1659 kaufte Sciassia ein Haus im Hülbenviertel zu Krems, das er aber 1666 wieder verkaufte und nach Graz übersiedelte. Dort verstarb er am 19.2.1679. (Vgl. Fidler S. 309f)

 

5. WERKE

(STEIERMARK)

5.1 Stift. St. Lamprecht
1639 wurde Sciassia von Göttweig nach St. Lamprecht bestellt und mit dem Umbau des Stiftes (1640- 44) zu St. Lamprecht beauftragt. (Vertrag vom 2.3.1640) (Vgl. Fidler S. 313f) Am 11.6.1640 wurde der Grundstein gelegt. Bis 1658 waren beide Stiftshöfe vollendet; bis 1678 wurde noch die Bibliothek über dem Kapitelsaal erweitert; 1679 lag der Bau fünf Jahre lang still, da S. verstorben war; die Vollendung des Baus unter der Leitung von Blasius Ruess brachte Änderungen mit sich.

5.2 1643/ 47 Köflach, BH Voitsberg, Dekanatskirche Hl. Magdalena, Neubau.

5.3 Wallfahrtskirche Maria Geburt
1644/ 83 Mariazell, BH Bruck an der Mur, Wallfahrtskirche Maria Geburt, Umbau; am 6. Mai 1644 Beginn der Umbauarbeiten; nach Abbruch des got. Chores 1654 dem ursprüng. got. 3schiff. Langhaus beiderseits 2 Reihen von je 5 Kapellen mit darüber liegenden Emporen angebaut; der danach beg. Ostteil der Kirche jenseits Gnadenkapelle. Beim Tod des Abtes (15.02.1662) im Rohbau vollendet, mit Ausnahme der Kuppel. Die beiden Seitentürme an der Westfassade von Sciassia unter dem nachfolgenden Abt Franz von Kaltenhausen (1662- 1707) umgebaut. Der Umbau des got. Mittelturms, den ebenfalls Sciassia plante, wurde nicht ausgeführt.

5.4 1647/ 49 St. Lamprecht, Pavillon im Stiftsgarten.

5.5 Sebastianiberg, Pfarre Mariazell, BH Bruck an der Mur, Filial- Kirche in Kreuzform mit drei Altären.
Sciassia wird als „Baumeister des Servitenklosters in Maria- Langegg“ genannt (Vgl. Fidler S. 328)

5.6 St. Gotthard. Graz
St. Gotthard, BH Graz Umgebung, Weihe St. Gotthard 1659; von Sciassia erbaute, kleine Kuppelkirche über griech. Kreuz; 1808 abgerissen.

5.7 Stiftskirche, Vorau
1660/62 Barocke Umbauarbeiten an der Stiftskirche in Vorau. (Vgl. Fidler S. 326f)

5.8 Judenburg, BH Judenburg, Stadtpfarrkirche St. Nikolaus, Langhaus, Neubau.

5.9 1669/76 Mautern, BH Leoben, Klosterkirche Hl. Barbara, seit 1827 Redemptoristen- Kolster. Stadtbrand (1670).

5.10 St. Lamprechter Stiftshof, Graz.
1674/76 St. Lamprechter Stiftshof in Graz. An der Stelle des Hauses des NÖ Regierungsrates Gallus Brenner errichteter Stiftshof, in dem S. eine Wohnung bezog und dort 1679 verstarb.

Zuschreibung:

5.11 vor 1640 Teilnahme am Bau der Göttweiger Stiftskirche (Krypta) und Langhaus fassaden (1668) und am Bau der Stiftskirche St. Florian.

5.12 St. Lamprecht, Ren.- Portal der Stiftskirche.

5.13 Probstei des Stiftes St. Lamprecht in Aflenz, BH Bruck an der Mur: Baugeschichte weitgehend unklar. der Nordflügel ist spätgotisch, die drei restlichen Flügel wurden im Stile Sciassias umgebaut. Ab 1663 lebt Sciassia dort zusammen mit seiner Familie.

5.14 Pfarrkirche St. Veit bei Graz und Wallfahrtskirche Maria Taferl.

(NIEDERÖSTERREICH)

5.15 Vor 1639 Beteiligung Sciassia am Umbau des Zisterzienserstiftes in Lilienfeld, bevor er dessen Bauleitung übernahm. Es kann ihm der Umbau der um den Baukern gelegene ma. Trakte zugeschrieben werden, was eine Zuschreibung des Gesamtkonzeptes ermöglichen würde. (Vgl. Fidler S. 311f). Ss. Gesamte Tätigkeit in Lilienfeld ist nur indirekt urkundlich belegt.

5.16 Kapuzinerkloster in Und. BH Krems Land.

Zuschreibung

5.17 kam er wahrscheinlich nach Krems, wo er angeblich an der Kirche zu St. Veit unter der Leitung von Cyprian Biasino mitarbeitete.

6. ABBILDUNGEN

(NIEDERÖSTERREICH UND STEIERMARK)

6.1 Portrait Domenico Sciassia.
Quelle: Fidler Petr, Domenico Sciassia und seine Landsleute in Österreich und im Königreich Ungarn, in: Kühlental Michael (Hrsg.), Graubündner Baumeister und Stukkateure. Beiträge zur Erforschung ihrer Tätigkeit im mitteleuropäischen Raum, Locarno 1997.

6.2 Lilienfeld.
Quelle: Fidler Petr, Domenico Sciassia und seine Landsleute in Österreich und im Königreich Ungarn, in: Kühlental Michael (Hrsg.), Graubündner Baumeister und Stukkateure. Beiträge zur Erforschung ihrer Tätigkeit im mitteleuropäischen Raum, Locarno 1997.

6.3 St. Lamprecht, Originalgrundrisse nach D. Sciassia.
Quelle: Fidler Petr, Domenico Sciassia und seine Landsleute in Österreich und im Königreich Ungarn, in: Kühlental Michael (Hrsg.), Graubündner Baumeister und Stukkateure. Beiträge zur Erforschung ihrer Tätigkeit im mitteleuropäischen Raum, Locarno 1997.

6.4 St. Lamprecht.
Quelle: Fidler Petr, Domenico Sciassia und seine Landsleute in Österreich und im Königreich Ungarn, in: Kühlental Michael (Hrsg.), Graubündner Baumeister und Stukkateure. Beiträge zur Erforschung ihrer Tätigkeit im mitteleuropäischen Raum, Locarno 1997.

6.5 Köflach, GR.
Quelle: Fidler Petr, Domenico Sciassia und seine Landsleute in Österreich und im Königreich Ungarn, in: Kühlental Michael (Hrsg.), Graubündner Baumeister und Stukkateure. Beiträge zur Erforschung ihrer Tätigkeit im mitteleuropäischen Raum, Locarno 1997.

6.6 Mariazell, GR.
Quelle: Fidler Petr, Domenico Sciassia und seine Landsleute in Österreich und im Königreich Ungarn, in: Kühlental Michael (Hrsg.), Graubündner Baumeister und Stukkateure. Beiträge zur Erforschung ihrer Tätigkeit im mitteleuropäischen Raum, Locarno 1997.

6.7 Judenburg, GR.
Quelle: Fidler Petr, Domenico Sciassia und seine Landsleute in Österreich und im Königreich Ungarn, in: Kühlental Michael (Hrsg.), Graubündner Baumeister und Stukkateure. Beiträge zur Erforschung ihrer Tätigkeit im mitteleuropäischen Raum, Locarno 1997.

6.8 Vorau, GR.
Quelle: Fidler Petr, Domenico Sciassia und seine Landsleute in Österreich und im Königreich Ungarn, in: Kühlental Michael (Hrsg.), Graubündner Baumeister und Stukkateure. Beiträge zur Erforschung ihrer Tätigkeit im mitteleuropäischen Raum, Locarno 1997.

6.9 Probstei Aflenz.
Quelle: Fidler Petr, Domenico Sciassia und seine Landsleute in Österreich und im Königreich Ungarn, in: Kühlental Michael (Hrsg.), Graubündner Baumeister und Stukkateure. Beiträge zur Erforschung ihrer Tätigkeit im mitteleuropäischen Raum, Locarno 1997.

6.10 Schloss St. Gotthard
Quelle: Fidler Petr, Domenico Sciassia und seine Landsleute in Österreich und im Königreich Ungarn, in: Kühlental Michael (Hrsg.), Graubündner Baumeister und Stukkateure. Beiträge zur Erforschung ihrer Tätigkeit im mitteleuropäischen Raum, Locarno 1997.

6.11 Taferl, GR.
Quelle: Fidler Petr, Domenico Sciassia und seine Landsleute in Österreich und im Königreich Ungarn, in: Kühlental Michael (Hrsg.), Graubündner Baumeister und Stukkateure. Beiträge zur Erforschung ihrer Tätigkeit im mitteleuropäischen Raum, Locarno 1997.

7. BIBLIOGRAPHIE

Brun C., Schweizerisches Künstler- Lexikon, ed. Schweizerischer Kunstverein, Bd. III, Frauenfeld, 1913, S. 102f.
Dehio-Handbuch Steiermark, Wien 1982.
Der Kirchenschmuck 12. Jg., Graz, 1881, S. 18f; 51f; 142.
Fidler Petr, Domenico Sciassia und seine Landsleute in Österreich und im Königreich Ungarn, in: Koller L., Die Comasken Cipriano Biasino und Domenico Schiassia, 1955.
Kühlental Michael (Hrsg.), Graubündner Baumeister und Stukkateure. Beiträge zur Erforschung ihrer Tätigkeit im mitteleuropäischen Raum, Locarno 1997, S. 309ff.
Friess N., Domenico Schiassia (diss., U. Graz, 1980).
List R., Kunst und Künstler in der Steiermark, Ried im Innkreis, 1967- 82, S. 893f.
Riesenhuber Martin, Die kirchliche Barockkunst in Österreich, Linz, 1924, S. 262; 307; 361; 373;
SAUR, Allgemeines Künstler Lexikon. Die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Band 9, München, 1992, S. 116.
THIEME BECKER VOLLMER, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler, Bd. XXX, Leipzig 1907, S. 394.
Turner Jane, The dictionary of Art, London/New York, Bd. XXVIII, 1996, S. 198f.
Wurzer T., Dominikus Sciassia, der Erbauer des Stiftes St. Lamprecht... Phil. Diss., Graz, 1928.
Zendralli A.M., Graubündner Baumeister, Zürich 1930.

 
©Oskar Verant, Juni 2009

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