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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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ROSSI, Domenico II

 

1. ROSSI, Domenico II (Domenico Egidio, Domenico Egidio de Rossi)

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Maler, Architekt, Stadtplaner, Vedutenmaler, Zeichner, Dekorateur

3. BIOGRAPHIE

* 1.9.1659, in Fano bei Rimini
† um 1742

Nach einer in Bologna absolvierten Ausbildung zum Freskenmaler bzw. zum Quadraturmaler, war Domenico Egidio Rossi 1687/88 - 1697 in Böhmen und Wien als Architekt (in einem Brief von 1692 ist allerdings auch die Rede von einer Tätigkeit als Maler und Aufsicht für Maurer und Stuckaturarbeiten, auch die Beschaffung von Möbeln und deren Entwurf gehörte zu seiner Arbeit) tätig.

1692 erhält er die Zusage in den Dienst der Familie Czernin aufgenommen zu werden. 1693 wird er auf Grund einer Schlägerei polizeilich gesucht und flieht nach Wien. Ab 1697 finden wir ihn unter Marktgraf Ludwig Wilhelm I. in Baden, von dem er den Auftrag für das Schloss Rastatt und dorthin ausgerichtete Stadtanlage erhält. In einer Verquickung italienisch-österreichischen Baustils mit einem deutlichen Einfluss aus Frankreich (Versailles) errichtet Rossi bis ca. 1707 die früheste rheinische Barockanlage. Diese Anlage sollte Vorbild sein für die Stadtanlage von Karsruhe unter Marktgraf Karl Wilhelm von Baden - Durlach (ab 1715).

Für den 1698 gestarteten Wiederaufbau der 1689 abgebrannten Stadtkirche entwarf Rossi die Pläne, die dann unter dem Schlossbaumeister G. Mazza ausgeführt wurden.

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Italienische Architektenfamilie; Vater Giuseppe Rossi, Mutter Christina.

In Rastatt lebte Rossi zusammen mit seiner Frau Anna Magdalena und den vier gemeinsamen Kindern bis zum Tode des Markgrafen im Januar 1707. Der Witwe des Markgrafen wurde der Hofbaumeister zu teuer, so dass sie ihn 1707 wenige Wochen nach dem Tod des Markgrafen aus ihren Diensten entließ. Daraufhin kehrte Rossi 1708 nach Italien zurück, wo er für den Herzog von Parma, Francesco Maria Farnese, tätig wurde. 1708 wurde Rossi von der Markgräfin wegen Schäden am Dachstuhl und den Decken des Rastatter Schlosses zur Verantwortung gezogen und 1708 in Mantua zunächst verhaftet, aber bald wieder auf freien Fuß gesetzt.

 
5. WERKE (WIEN)

5.1 1687/89 Palais Caprara, Wallnerstraße, Wien. Auftraggeber war Enea Silvio Caprara, Bologna.
Auf Grund dieses Auftrags ist Rossi vemutlich nach Österreich gekommen.

1687 kauft der aus einer Bologneser Familie stammende Generalfeldmarschall Enea Silvio Graf von Caprara ein Haus an der Wallnerstraße, doch er ließ es sehr bald abreißen. Elf Jahre später, im Auftrag des Grafen von Caprara, errichtete der ebenfalls aus Bologna stammende Architekt Domenico Egidio Rossi das Palais Caprara. Er orientierte sich bei der Planung an der damals in Italien üblichen Palastarchitektur. Für das Hauptportal, Gesimse, Stufen und andere Bauteile wurde harter Kaiserstein aus dem Kaiserlichen Steinbruch verwendet.

5.2 Mitarbeit am Palais Czernin, Prag, Hradscin, ab 1692

5.3
Gartenarchitekt im Palais in der Leopoldstadt in Wien ( im Besitz der Familie Czernin)
1687 erwarb Fürst Johann Adam Andreas von Liechtenstein einen Garten mit benachbarten Wiesen des Grafen Weikhard von Auersperg in der Roßau. Im südlichen Teil des Grundstücks ließ der Fürst ein Palais errichten. Für den Bau des Palais lobte von Liechtenstein 1688 einen Wettbewerb aus. Den Wettbewerb gewann Domenico Egidio Rossi, der aber schon 1692 durch Domenico Martinelli ersetzt wurde.

5.4
Barocke Stadtanlage Rastatt, 1697 - 1707


5.5
Rastatter Schloss, 1697 - 1707


5.6 Stadtpfarrkirche Durlach
, 1698

5.7. Das Rossi-Haus entstand um 1700 im Rahmen des vom Architekten Domenico Egidio Rossi durchgeführten Schlossneubaus und der Anlage der neuen Residenzstadt Rastatt. Das Rossi-Haus wurde als Kavaliersgebäude in unmittelbarer Nähe zum Rastatter Schloss des Türkenlouis errichtet. Es war eines der wertvollsten privaten Wohngebäude der Stadt.

5.8. Die St. Alexander Kirche ist die katholische Stadtkirche von Rastatt.
Die Kirche wurde im Jahre 1756 von dem markgräflichen Baumeister Johann Peter Ernst Rohrer erbaut, nachdem bereits im Jahre 1701 von Domenico Egidio Rossi die Fundamente für die Kirche angelegt wurden.

 

5. ABBILDUNGEN

6.1 Rossi-Haus; Foto: Martin Dürrschnabel; http://de.wikipedia.org/wiki/Rossi-Haus, Zugriff: 8.12.2009

6.2 Palais Czernin Prag; Foto: Ludek; http://de.wikipedia.org/wiki/Palais_Czernin_(Prag), Zugriff: 8.12.2009

6.3 Schloss Rastatt; Foto: Martin Dürrschnabel; http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Rastatt; Zugriff: 8.12.09

6.4 Palais Caprara-Geymüller; http://de.wikipedia.org/wiki/Palais_Caprara-Geym%C3%BCller; Zugriff: 8.12.09


 
7. BIBLIOGRAPHIE

1. Eintrag in der Chronik der Stadt Fano aus dem Jahre 1756 :" 1700 Rossi Domen. Architteto del Palazzo di Baden,
Durlac, ecc."
LOHMEYER, K. Beiträge zur Baugeschichte des Rastatter Schlosses. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins.
BDXXVII, 1912, S. 296 ff.
LORENZ, H., RIZZI W. G., Domenico Egidio Rossi, Die Originalpläne für das Wiener Gartenpalais Liechtenstein, Jahrbuch
für Kunstgeschichte, Wie, 1980
PASSAVANT, G. Studie über Domenico Egidio Rossi und seine baukünstlerische Tätigkeit innerhalb des süddeutschen
und österreichischen Barock, Karlsruhe, 1967
ROSSI, D.E. Seine Briefe über den Durlacher Schlossbau. Zeitschrift für Geschichte der Architektur, 1913, S 215ff
ROSSI, D. E. und seine Schlossbauten. Repetitorium für Kunstwissenschaften, 1917, S.193 ff
RIZZI,W.G. Der Festsaal des Palais Caprara, Z. Kst. Denkmalpflege, 1-2/1989, S. 26-32
THE DICTIONARY OF ART, Band 27, ed. By Jane Turner in 34 volumes, Groves Dictionaries, Inc.,New York, 1996

THIEME-BECKER, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler, Band XXIX, 1935, S 56f

http://de.wikipedia.org/wiki/Domenico_Egidio_Rossi, Zugriff 8.12.2009 http://barock.suite101.de/article.cfm/der_baumeister_domenico_egidio_rossi#ixzz0YnJgjCcF, Zugriff 8.12.2009

©Ruth Haas, Mai 2005; ergänzt von Petra Gröbner, Dezember 2009

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