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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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RIVA, Antonio

 

1. RIVA, Antonio Giuseppe
Riua (NIEDERSTEINER, 1997, 353)

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Arch. Stuckateur, Architekt, Bauführer, Bauleiter, Baumeister (NIEDERSTEINER, 1997, 354)

3. BIOGRAPHIE

Baumeister von Roveredo (Graubünden)

* 29.4.1713, Valenciennes (laut Eintragung im Totenbuch von Roveredo), dagegen Paulus: gegen Ende 1714 in Bonn
(Thieme-Becker, S. 393)

Kam mit Gaspare Zuccalli nach Bayern, arbeitete zunächst als Polier unter demselben beim Bau der Oswaldkirche in Traunstein (1675). 1681 als Maurermeister und Bürger in Landshut aufgenommen.

1680 bis 1685 unter Enrico Zuccalli an der "Sommerresidenz" der Münchener Residenz (Grottenhof) tätig. 1683 in Landshut (Voranschläge für Neubau der abgebrannten Propstei). Dann als "churfürstlicher Maurermeister" in München, 1689 in
Tegernsee (Einziehung des Querschiffs und der Westempore der Klosterkirche). Erbaut 1691/92 die Wallfahrtskirche
Mariahilf zu Vilshofen. Erhält 1691 den Bau des fürstlichen Liechtensteinschen Gartenpalais in der Rossau in Wien
übertragen (der ihm aber auf Grund des Einspruchs der Wiener Maurerzeche wieder entzogen wird), führt 1692/94 den
Bau des fürstlichen Kaunitzschen Palais (des späteren Liechtensteinschen Stadtpalais) ebenda bis zum 1. Stock (muss
nach Ankauf dess. durch Fürst Joh. Adam v. Liechtenstein dem G. Gabrieli weichen). 1694 bei den Dombauarbeiten in
Passau zugezogen. Hat 1695 nach Plänen E. Zuccallis die Leitung des Umbaus der Residenz zu Lüttich für Kurbischof
Jos. Kl. v. Köln inne, ebenso 1697 die des Schlossbaus zu Bonn für denselben.

1697 tätig beim Innenumbau des Domes zu Regensburg. Erhält 1701 vom Kurbischof ein Haus in Bonn geschenkt, wo er seitdem ansässig geblieben zu sein scheint (Thieme-Becker, S. 393).
 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

In seinem Testament aus dem Jahre 1704 bezeichnete sich Riva selbst als der Sohn des verstorbenen Antonio Riva,
Architekt des Kurfürsten zu Kölln. Seine Schwester Jacobina war ab 1680 mit Domenico Magzin in Vilsbiburg verheiratet,
ein Halbbruder war Christoforo Domenico Zuccalli II. Das Hochzeitsdatum von Antonio Riva und seiner Frau Orsola de Christoforis ist nicht bekannt, der Ehe entstammten zwei Töchter: Maria Maddalena (geb. 17.11 1688) und Dominica
Antonia Margarita (geb. 20.6.1690); (NIEDERSTEINER, 1997, 354, 355).

Mit der Familie Zuccalli verbanden den Künstler nicht nur verwandtschaftliche Bande, sondern auch gemeinsame Bauaus-führungen. Mit dem Münchner Hofmaurermeister Gaspare Zuccalli war er u.a. in Traunstein tätig, mit Enrico Zuccalli arbeitete
er vor allem in Wien bei Graf Kaunitz und baute für den Kurfürsten von Köln, Joseph Clemens, die Residenz in Bonn, wobei in beiden Fällen Zuccalli die Planung über hatte (NIEDERSTEINER, 1997, 359-361).

Mit Domenico Martinelli verbanden ihn gemeinsame Arbeiten in Ungarn und Brünn, die Planungen Martinellis unter Mitarbeit Rivas sind bei diesen Objekten gesichert (LORENZ, 1991, 167-213).

Zu seinen Mäzenen zählte die kurfürstliche Familie, vor allem Albrecht Sigismund, Herzog in Bayern, Bischof von Freising
und Regensburg, Probst des Kollegialstifts Altötting, der auch Wegbereiter für die späteren Arbeiten Rivas in Köln und Bonn war. Dort war es Kurfürst Joseph Clemens, der Rivas Arbeiten besonders schätzte und ihm am 12.9.1701 „ein Haus und einen Bauplatz“ an der Josephsstrasse in Bonn zukommen ließ (NIEDERSTEINER, 1997, 355, 356).
5. WERKE (WIEN)

5.1 Tegernsee - Pfarrkirche St. Quirinus, ehem. Benediktinerabteikirche
Gegen Ende des 17. Jhd's wurde das Klostergebäude erneuert (der Auftrag zur Planung ging an den Münchener Hofbaumeister Enrico Zuccalli). Die Bauleitung hatte anfänglich Antonio Riva inne und ging später an Achmuzer und Gunetzrhainer über (Ausstellungsstrasse, S. 151).

5.2 Freising - Kardinal-Döpfner-Haus, ehem. Fürstbischöfliche Residenz
Von der ehem. Residenz nach Osten zum Dom führt ein Gang, der sog. Fürstengang, der Verbindungsgang von der Residenz zum Dom (Dehio 1990, S. 315), der einen hölzernen Vorgängerbau ersetzt und im Jahre 1682 möglicherweise von Antonio Riva errichtet wurde (Ausstellungsstrasse, S.171

5.3 Freising - ehem. Fürstbischöfliches Lyzeum und Gymnasium (Marienplatz 7)
begonnen 1695 vermutlich nach Bauplan von Antonio Riva (Dehio 1990, S. 324).


5.4 Freising - Spitalkirche Hl. Geist
Das Spital in Verlängerung der Westseite der Kirche wurde 1685-88 erbaut, zuerst nach Plänen von Antonio Riva, dann von Johann Jakob Maffiol (Dehio 1990, S. 318).

5.5  Freising - Kath.-Pfarrkirche St. Georg
Ein neuer Turm wurde 1679-89 als Ersatz des westlichen Dachreiters gebaut. Baumeister war zunächst Sebastian Zwinger, dann Antonio Riva als „Landshuter Stadtbaumeister“ (Dehio 1990, S. 317).

5.6 Indersdorf - Kloster
Die jetzigen Bautrakte entstammen im wesentlichen dem Neubau von 1694-1704 nach Entwürfen von Antonio Riva
(Dehio 1990, S. 470).

5.7 Herrenchiemsee - ehem. Klostergebäude, sog. Altes Schloss
Bräuhausstock
Neuerbauung unter Plänen des Graubündner Antonio Riva (Dehio 1990, S. 419).

5.8 Traunstein - Kath. Stadtpfarrkirche St. Oswald
Um 1675-1690 weitgehender Neubau des Langhauses nach Plänen des kurfürstlichen Hofbaumeisters Kaspar Zuccalli durch Antonio Riva und Lorenzo Sciasca aus Roveredo (Dehio 1990, S. 1179).

5.9 Wien -
Palais Liechtenstein
Mit Gabrielli und Martinelli erbaute Riva 1694ff. das Liechtensteinsche Majoratshaus zu Wien sowie das Gartenpalais.
Der erste Bau wurde 1711, der letztere 1708 vollendet (Riesenhuber, S. 232).

Hat mit Gabrielli und Martinelli 1691ff. den Liechtensteinschen Palast und das Gartenpalais erbaut (Riesenhuber, S. 248).
Bis 1694 war Riva mit dem Bau des Liechtensteinschen Palais in der Bankgasse zu Wien beschäftigt.
Am 24. September 1691erhält Riva den Bau des des fürstlichen Liechtensteinschen Gartenpalais in der Rossau übertragen, jedoch aufgrund des Einspruches der Wiener Maurerzeche wird er ihm wieder entzogen (NIEDERSTEINER, 1997, 359).

Bauführung des Stadtpalais Kaunitz-Liechtenstein
1688 beauftragte Graf Dominicus Andreas von Kaunitz Antonio Riva mit der Bauführung seines Wiener Stadtpalais, das nach den Plänen von Enrico Zuccalli gebaut werden sollte. Kaunitz, der 1682-88 als Gesandter in München tätig war, dürfte bereits damals Kontakt mit den beiden Baukünstlern gehabt haben. (LORENZ, 1980, 17) Der Vertrag mit Riva wurde jedoch erst am 7.4.1692 unterschrieben (NIEDERSTEINER, 1997, 357).

Während dieser Bau und seine Planung viele Jahre als sicheres Werk Domenico Martinellis galten, ist nun aufgrund von Dokumenten aus dem Liechtensteinarchiv und erst später aufgefundenen Zeichnungen bestätigt, dass die Planung auf
Zuccalli zurückzuführen ist und Martinelli ab 1692/93? als Bauleiter nur noch für kleinere Änderungen im Innenbereich, aber
auch für eine Korrektur der Fassadengestaltung verantwortlich war (in einer Abrechung Antonio Rivas zu Jahresende 1693 wird Domenico Martinelli erstmals erwähnt). (LORENZ, 1980, 16-19). Jedoch liegt ein Werkriss Martinellis vom 9. August 1692 auf, der sich bereits damals mit der Umgestaltung des Hauptgebälks beschäftigt hatte (LORENZ, 1991, 229).

Bereits im Jahre 1688 ist die Bauführung Rivas bezüglich Abbrucharbeiten des Altbestandes und kleinen Umbauarbeiten dokumentiert. Am 16. Juli 1692 wird Riva trotz des Widerstandes der Wiener Maurerzeche als Bauführer in seinem Amt bestätigt. Am 23. April 1694 wurde der Rohbau des Palastes an Fürst Johann Adam Andreas von Liechtenstein verkauft. Anstelle von Antonio Riva wurde nun Gabriele de Gabrieli mit der Bauführung betraut, Martinelli behielt die Bauleitung bis 1699/1700. (LORENZ,1980, 17-21)

5.10  Aurolzmünster (BH Ried) - Schloss
Nach Plänen Joh. Kaspar Zuccallis von dem „passauischen Baumeister“ Antonio Riva 1691-1711 erbaut (Dehio 1958, S. 33).

6. ABBILDUNGEN

5.9 Riva, Palais Liechtenstein Palais Liechtenstein

5.9 Riva, Gartenpalais Liechtenstein Gartenpalais Liechtenstein

5.10 Riva, Schloss Aurolzmünster Schloss Aurolzmünster

http://www.museumonline.at/2002/hs-aurolzmuenster/

5.6 Riva, Kloster Indersdorf Kloster Indersdorf

http://www.markt-indersdorf.de/kultur/kult_fg.htm

5.5 Riva, Freising, Stadtpfarrkirche St. Georg Freising: Stadtpfarrkirche St. Georg

 
7. BIBLIOGRAPHIE

Anzeiger für schweizerische Altertumskunde, N. F. 34 (1932), p. 191
Ausstellungsstrasse Barock & Rokoko. Mailand: Edizioni Charta, 1999
Benezit: Dictionnaire des peintres sculpteurs dessinateurs et graveurs, Band 11. Gründ, 1999
Dehio, G.: Die Kunstdenkmäler Österreichs, Oberösterreich. Wien: Anton Schroll & Co, 1958
Dehio, G.: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern. Deutscher Kunstverlag, 1990
Guby, R.: Die niederbayrischen Donauklöster (Süddeutsche Kunstbücher, 1/2). Wien [o.J.], p.8
Hartig, M.: Bayerns Klöster und ihre Kunstschätze, I/1 (1913), p. XIX, 58
Jahrbuch des kunsthistorischen Institutes, 13 (Wien 1919), p. 7 f, 10, 15
Jahrbuch für Kunstgeschichte, 1: 1921/22 (Wien 1923), p. 131
Karlinger, H.: Bayerische Kunstgeschichte. München, 1928, p. 168
Klapheck, R.: Baukunst am Nieder-Rhein, 2 (1919) 8, 14, 240
Kunstdenkmäler Bayern 1/2 (1902) 1508, 1718; Niederbayern,3 (1919) 46 (Ricca); 14 (1926); 16 (1927); 17 (1927)
Kunstgeschichtliches Jahrbuch der k. k. Zentralkommission, 5 (1911), Beibl.,
p. 105, 108, 112
Österreichische Kunstchronik, 1 (1926) Nr. 8 p. 5
Paulus, R. A. L.: Der Baumeister Henrico Zuccalli am kurbayerischen Hofe zu München . Strassburg, 1912
Popp, H.: Die Architektur der Barock- und Rokokozeit in Deutschland und der Schweiz. Stuttgart: Hoffmann, 1913, p. 98
Riesenhuber, M.: Die kirchliche Barockkunst in Österreich. Linz: Verlag der "Christlichen Kunstblätter", 1924
Seidl, O.: Die Kirchen und Kapellen des Dekanates Tegernsee. Eichstätt [o.J.], p. 129
Thieme-Becker: Künstlerlexikon, 28. Leipzig, 1934
Zendralli, A. M.: Graubündner Baumeister und Stukkatoren in deutschen Landen zur Barock- und Rokokozeit. Zürich, 1930

Im Hausarchiv der Regierenden Fürsten von Liechtenstein/Wien gibt es vier Dokumente, die auf Riva Bezug haben bzw. in
denen er genannt wird. In den Kartons 1195 und 1196 befinden sich noch weitere Schriftstücke, u.zw. eine Abrechnung Rivas von Unkosten, die 1690 im Zusammenhang mit dem Bau des Majoratshauses entstanden waren (8. Mai 1691 bzw. 17. Dezember 1693), ferner zwei Kontrakte des Grafen Kaunitz mit Riva (7. April 1692 und 15. Dezember 1693) sowie eine Abrechnung Rivas vom 9. November 1693.

sowie:

LORENZ, Hellmut, Domenico Martinelli und die österreichische Barockarchitektur, Wien 1991
LORENZ; Hellmut, Enrico Zuccallis Projekt für den Wiener Stadtpalast Kaunitz-Liechtenstein, in: Österreichische Zeitschrift
für Kunst und Denkmalpflege 34/1980
LORENZ, Hellmut, Geschichte der bildenden Kunst, Barock, Bd.4, München 1999
NIEDERSTEINER; Christoph, Der Stukkator Zuccalli und seine Verwandten, in: Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen
an der Donau, 1997
THIEME-BECKER XXVIII, Allgemeines Lexikon von der Antike bis zur Gegenwart, München 1992

©Victoria Neuner und Gerlinde Graninger, Feber 2004

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