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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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QUAGLIO, Giulio

 

1. QUAGLIO, Giulio (Juius) II (Thieme- Becker Bd.27, S. 494)
Im 17. und 18. Jahrhundert auch Quaglia frei übersetzt aus dem Lateinischen Qualeus . So wie der Vater Giovanni Maria hat auch der Sohn Fresken mit Qualius signiert (Bergamini, S.17).
Gualio, Quaigio (Salzburger Landesarchiv, Hofbaumeisterei- Alte Bauakten, A I 3)

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Freskomaler

3. BIOGRAPHIE

* 1668, in Laino
† 3.7.1751, ebd.
Laut Mitteilung von Frz. Stelè, Laibach (Thieme- Becker Bd.27,S.494)


Sohn des Giovanni Maria Quaglio und der Lucia Traversa. Vom Vater Giovanni Maria Quaglio wird berichtet, dass er Schüler
von Tintoretto war (Fontana S.13). Es ist nicht bekannt wie Giulio seine Kindheit verbracht hat, noch wer sein erster Meister
war. Nach Trinko und Marini waren es sein Vater und sein Onkel, die ihm Lehrmeister waren. Thieme-Becker, Lanzi, und
Di Maniano nennen Giovanni Battista Recchi in Como als seinen Lehrmeister. Thieme-Becker nennt ihn des weiteren als Schüler des Marcantonio Franceschini in Bologna.

Die ersten Arbeiten Quaglios widerspiegeln die Einflüsse von Carracci und Correggio, aber auch von Cignani, Canuti und Pasinelli, aber im besonderen von Franceschini (Bergamini S.19). Zunächst war Giulio Quaglio in seiner Heimat tätig. Thalnitscher berichtet, dass Quaglia in Bologna militärische Szenen malte. Parma wird in seinem Testament erwähnt, in Zusammenhang mit dem Grafen Pallavicino, seinem Schuldner; es dokumentiert die Zahlungsmoral jener Zeit. Besonders in diesem speziellen Fall, da Quaglio in seinen jungen Jahren beim Grafen Pallavicino in Parma arbeitete. Es gibt keine Notizen über Aufenthalte Quaglios in Venedig, weder zu Studienzwecken noch aus Arbeitsgründen. Venedig war die Stadt, die auf
dem Weg nach Udine und dann nach Laibach lag. Die Motive sind unbekannt, warum Giulio Quaglio im Jahr 1692 nach Udine übersiedelte, mit höchster Wahrscheinlichkeit war es ein Arbeitsauftrag. Er blieb ein Jahrzehnt im Friaul bevor er dann nach Gradisca d`Isonzo und Görz weiterzog.

1694 heiratete Giulio Quaglio in Udine die fünfzehnjährige Margherita Novo, Tochter des Gio. Batta Novo und seiner Frau Angelica. Wie aus dem Testament von 1733 hervorgeht und im `Situs animarum di Laino` vom 1733 und vom 1743 berichtet wird, hatte das Paar sieben Kinder, fünf Söhne und zwei Töchter. Raffaele (ca. 1695), Michelangelo (1696), Angelica (1698?), Lucia (1700?), Giovanni Maria (1709), Giovanni Battista (1711), Domenico (1714).

Raffaele begleitete seinen Vater als Maler zwischen 1721- 1723 nach Laibach und arbeitete wahrscheinlich mit seinem Vater
bis Ende der zwanziger Jahre, denn wie aus dem Testament von 1733 hervorgeht, war Raffaele 1733 schon gestorben. Michelangelo wurde Pfarrer, er starb im Jahr 1764. Er war es, der den Tod seines Vaters am Samstag, 3. Juli 1751 in der
„Sala juris“ in Laino bekannt gab. Giovanni Maria wurde auch Maler, er lebte in der Familie und war dem Vater über viele
Jahre eine Hilfe. Er heiratete 1713 Gaetana Ferrabosco , sie hatten sieben Kinder. Domenico, der Jüngste der Söhne, war
nach dem Vater der bekannteste Quaglio. Domenico half
zunächst als Maler seinen Vater, er wurde z.B. als Zwölfjähriger
1726 in Gorlago, wo sein Vater arbeitete, als Farbreiber bezahlt. Ab 1736 arbeitete er selbständig.
Nachdem Giovanni
Quaglios Frau, Margherita Novo nach 1716 verstarb, heiratete er 1720 die achtundzwanzigjährige Giovanna Forabosco,
aus dieser Ehe gingen keine Kinder hervor.
Zwischen 1692/ 1700 und 1705 arbeitete Giuglio Quaglio im Friaul; 1700/02 in
der Gegend von Görz
und Gradisca; 1702/06 und 1721/23 in Laibach; 1707/08 in Graz, Meerscheinschlössl; 1709 in Salzburg, Schloss Klesheim; nach1723 arbeitete Giuglio Quaglio wieder in seiner Heimat. Seit ca. 1716 ausgedehnter Werkstattbetrieb unter Beteiligung des Sohnes Raffaello.

Abb. 1 Die Orte, in denen es Arbeiten von Giulio Quaglio gibt.
 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Es gilt als gesichert, dass seit den Jahren 1716 Giulio Quaglio mit Mitarbeitern arbeitete, die zumindest anfangs als
Farbreiber und mit anderen Hilfsdiensten beschäftigt waren.

Der erste richtige Schüler von Giulio Quaglio war Carlo Innocenzo Carloni, der ihn als Sechzehnjähriger nach Laibach
begleitete. Giovanni Gregorio Thalnischer, Bruder des Dekans des Kapitels von Laibach, Antonio Talnitscher, der Giulio
Quaglio nach Laibach gerufen hat, beschreibt den Schüler Carloni als sehr geschickt und von großer Schnelligkeit.
Talnitscher berichtet ferner, dass Giulio Quaglio am 2. November 1703 mit Carloni und vier weiteren Sch ülern nach Laino zurückkehrte um zu überwintern.

Für den Werkstattbetrieb nicht unwichtig waren seine Söhne Raffaele, Domenico, Giovanni Maria und dessen Sohn.

 

5. WERKE

(SALZBURG)

5.1 Schloss Klesheim, Salzburg
1709 fertigte Giulio Quaglio in zwei Sälen des Schlosses Klesheim Fresken an (Guldan 1964,S.188-1899)
(Preimsberger 1964, S.337)( Martin, 1926, S.177).

Im Salzburger Landesarchiv, Hofbaumeisterei – Alte Bauakten, A I 3, wird berichtet: 1709, am 8.Juli

„Dem Giulio Gualio hab ich, von Rehlingen, auf sein Anhalten in Hoffnung der gnädigsten Ratifikation zu Einkaufung der Farben und um sich mit Esswaren zu versehen, a conto seines Gedings 50fl. gegen Bescheinung abfolgen lassen und denselben zu Cleshaimb neben dem Gartendirektorn in ein Zimmer logiert. Mit seiner Arbeit wird er nach dem notwendig gemachten neuen Anwurf und präparierten Farben sodann gleich den Anfang machen, in dessen hat er schene Zeichnungen von dem kleineren
in das gressere aufs Papier gemacht“.

1709, am 15.Juli

„Zu Cleshaimb hat der welsche Maller negst verwichnen Donnerstag in der hf. Retirade wirklich zu malen angefangen und vermeint, mit dem mitteren Feld, worin der Abrahamb, wie ihme die 3 Engel erscheinen, vergestellt würdet, bis negsten
Mittwoch fertig zu werden. Ich, von Rehlingen, so viel ich davon verstehe, und dermahlen erkennen kann, glaube, dass Ihre hochfürstl. Gnaden ein gnädigstes Contento an dieser Mahlerey haben werden“.

1709, am 5.September

„Der Giulio Qualgio wird heute oder morgen mit völliger Ausmahlung der hf. Retirade fertig und wird alsdann für die gnädigst bewilligten 200fl. das Cabinet zu mahlen anfangen“.....

Heute sind die Fresken nicht mehr zu sehen. Vom Fresko, im sogenannten Cabinet, „Abraham und drei Engel“ bleibt nur
eine dokumentarische Erinnerung, während das zweite Fresko, „Das Opfer Noahs“, das sich im Saal „Retirade“ befindet,
1969 übertüncht wurde.(Sedlmayr,1969 S.263-265).

Die Malerei wurde in den fünfziger Jahren von Remigio Marini (Marini, 1958 S.146) gesehen und beschrieben.

Die Darstellung „Das Opfer Noahs“ ist sehr lebhaft und originell, mit grandiosen Figuren aber auch einer lyrischen Landschaft und in der Ferne einer zierlichen Prozession von Tieren, die nach der Sintflut aus der Arche kommen. Alles wird vereint durch einen großen bunten Regenbogen.

Der Auftrag der Farben, das chiaroscuro, die Intensität des Ausdruckes und die gekonnte Pinselführung zeigen den besten Quaglio (Bergamini, S. 201).

Abb. 2 Das Opfer Noahs

(STEIERMARK)

5.2 Meerscheinschlössl, Graz
Im zentralen Saal des eleganten Gebäudes, der an den Wänden neoklassischen Stuck aus dem Jahr 1780 besitzt, hat
Quaglio die große Decke mit der Darstellung „Triumph der christlichen Religion über das Heidentum“ freskiert.

Abb. 3 Triumph der christlichen Religion über das Heidentum Quaglio wiederholte damit das Motiv, das er schon zehn Jahre vorher im Palazzo Antonini in Udine behandelt hatte. In einem Eck des Freskos hinterliess Quaglio Unterschrift und Datum: „IULIUS QUALEUS / DE LAYNO COMENSI / PIN. ANNO MDCCVIII“.

Der Saal ist quadratisch, aber Quaglio stellt seine Komposition in einen Kreis, begrenzt durch einen gekrümmten Architrav,
mit Kolonnaden, einer Balustrade und anderen halbverdeckten architektonischen Elementen in den vier Ecken. Leicht aus der Mitte gerückt malt Quaglio eine junge nackte Frau (Symbol für die Wahrheit) auf Wolken sitzend, in einer Hand hält sie das Buch der Weisheit, in der anderen die Sonnenscheibe, die die gesamte Szene erhellt. Ringsherum vom Licht an den Rand gedrängt in Gruppen die heidnischen Götter mit ihren Attributen: Merkur, Neptun, Mars, Apoll, Diana, Venus, auch Herkules, Saturn, Jupiter und flatternde Putten.

Nach Brucher (Brucher, S. 54-59) arbeitete Quaglio über zwei Sommer, um die anspruchsvolle Arbeit zu vollenden, die er
1706 begann.

Während Marini diese Arbeit von Quaglio als weniger geglückt und als mittelmäßig bezeichnet, (Marini S.145-146) - er
vergleicht sie mit Arbeiten in Udine und Laibach - schreibt Cankar (Cankar, S. 81, 189-190) dass sich Quaglio im Vergleich
zu seinen Arbeiten in Udine sehr perfektioniert hat. Im besonderen die Modellierung der Körper und die diskrete Lichtführung sind nach Cankar geglückt. Er bescheinigt Quaglio, dass sein Stiel an Reife gewonnen hat.

Zwischen diese so unterschiedlichen Äußerungen stellt sich Brucher (Brucher, S. 54-59).

Im Jahr 1980 wurden die Fresken von Miriam Porta restauriert.

5.3 Dom St. Nikolaus, Laibach
Fresken im Presbiterium, der Kuppel, der Decke des Langhauses und der Sakristei.

Giovanni Gregorio Thalnitscher, Bruder des Dekans und Autor einer detaillierten Chronik in Latein, dokumentiert die Arbeiten
des Baus der Kathedrale, vom Anfang der Arbeiten 1701 bis zur Weihe des Doms 1707. Er schreibt, dass der Dekan mittels Giovanni Andrea de Coppinis und des Grafen Francesco de Lanthieri den vortrefflichen Maler Giulio Quaglio für die Maler-
arbeiten gewinnen konnte, dass Quaglio den Auftrag sehr gern annahm und dass das Stipendium und die Verpflegung, auch seines Schülers Carlo Carloni, sofort fixiert wurden.

Gleichzeitig wurden dem Mailänder Tommaso Ferrata, der mit drei Schülern ( zwei davon Söhne) am 2. Mai 1703 nach Laibach kam, die Stuckarbeiten anvertraut. Am gleichen Tag wurde mit Giulio Quaglio die Übereinkunft getroffen über die Malereien im Gewölbe an den Wänden des Presbiteriums und über drei Darstellungen an der Außenwand des Domes.

Thalnitscher schreibt weiter, dass Quaglio am 7. Mai 1703 mit den Arbeiten begann und als erstes das Gewölbe des Presbiteriums freskierte, nachdem Ferrata die Ornamentstukkaturen beendet hatte.

Er thematisierte im Zentrum des Gewölbes den Ursprung der Diözese von Laibach, die Stiftung und die Bestätigung. In den Mauerteilen zwischen den Fenstern ist rechts Kaiser Ferdinand dargestellt wie er dem Bischof Ziga Lamberg die Dokumente
der Gründung der Diözese überreicht, links ist Papst Pius II abgebildet, er überreicht Ziga Lamberg die Bulle zur Ernennung
als Bischof von von Laibach.

Abb. 4 Decke des Presbiteriums. Im Zentrum die Gründung der Diözese von Laibach.

Mit Hilfe der Unterlagen von Thalnitscher kann die Chronologie der Arbeiten verfolgt werden (Bergamini, S.173).

1703: Fresken im Gewölbe der Kapelle des Allerheiligsten (linkes Querschiff); Evangelisten in den Zwickeln der Kuppel;
Fresken in der Kuppel der Kapelle des Hl. Disma (rechtes Querschiff); Putti, Heilige und Allegorien im Gewölbe und der
oberen Zone des Presbiteriums.

1704: Altarbild des Hl. Disma. Am 2. November 1703 fuhr Quaglio von Laibach nach Laino um zu Hause zu überwintern.
Das Altarbild des Hl. Disma malte er in Laino, es ist das einzige Ölbild von Quaglio in Laibach wie uns Thalnitscher berichtet (Bergamini, S.180).

Wieder zurück in Laibach, arbeitete Quaglio zunächst an der Außenwand des Domes (Fresken des Hl. Zaharias und des Johannes des Täufers).

Weiters fertigte er die Geschichten aus dem Leben des Hl. Nikolaus an den Seitenwänden des Presbiteriums an. Wie Thalnitscher berichtet sind es selten dargestellte Wunder des Hl Nikolaus. Erstes bild links:

Abb. 5 Der Hl. Nikolaus rettet drei Bürger von Mira vor der Enthauptung.

Zweites Bild links:

Abb. 6 Der Hl Nikolaus rettet die Pilger.

Zweites Bild rechts:

Abb. 7 Der Hl Nikolaus rettet die Pilger vor dem Teufel.

Erstes Bild rechts:

Abb. 8 Der Hl. Nikolaus rettet die Bevölkerung von Mira vor dem Hungertod.

In diesem letzten Bild fügt Quaglio am unteren rechten Rand sein eigenes Porträt ein und darunter Datum und Unterschrift: „ JULIUS QALIUS / DE LAYNO CON/ INUEN. ET PINX./ ANNO MDCCIIII

Es muss auf die Restaurierungen des achtzehnten Jahrhunderts zurückzuführen sein, dass nicht wie auf sämtlichen signierten Arbeiten der Name QUALEUS aufscheint ( Bergamini, S.180). Im selben Jahr fertigte Quaglio Fresken an der Decke der Sakristei an.

1705/1706: Deckenfresken im Mittelschiff. Das große Fresko im Mittelschiff zeigt im Mittelteil in einem gemalten Rahmen die Glorie des Hl. Nikolaus und an den Rändern die Christenverfolgung unter Nero und Diokletian. Zwischen den Fenstern stellt Quaglio die zwölf Apostel sitzend dar und in den Stichkappen neben symbolischen Figuren Engel.

An der Innenseite der Westwand sind zwei Szenen aus dem Leben des Hl. Nikolaus dargestellt, die heute zum Teil von der Orgel verdeckt sind.

Am Gewölbe der Sakristei in einem Rund mit einem Rahmen aus Festons stellt Quaglio „Die Bestrafung des Oza“ dar.

An der Südseite der Außenmauer der Kirche malt Quaglio die Verkündigung Mariens und an der Nordseite die Taufe Christi. Beide Arbeiten wurden ein erstes Mal 1872 von Janez Wolf und 1920 von Matej Sternen restauriert. Von der originalen Malerei ist heute sehr wenig übrig (Bergamini, S.183).

Auch die Fresken im Inneren des Domes wurden verschiedentlich restauriert, außer der Generalrestaurierung 1859 auch anlässlich des zweihundertjährigen Bestehens des Doms und das letzte Mal im Jahr 1965 unter der Leitung des Malers Zeleznik.

Sämtliche Arbeiten beendete Giulio Quaglio am 21. August 1706.

Die große Kuppel trägt heute Fresken des slovenischen Malers Matej Langus (1792-1855), des letzten Barockmalers
Sloveniens (Smole 1982).

Die große Kuppel wie sie sich heute präsentiert wurde im Jahr 1841 errichtet. Zur Zeit Quaglios war nicht genügend Geld zur Finanzierung der Kuppel zur Verfügung, so wurde eine provisorische Kuppel aus Holz errichtet, die von Giulio Quaglio mit illusionistischer Malerei ausgestaltet wurde. Bei der Errichtung der neuen Kuppel wurde das Werk von Quaglio zerstört. Zwei Fragmente mit Heiligendarstellungen wurden von Jozef Kalasanc Erberg gerettet und restauriert. Sie befinden sich heute im Narodni Muzej in Laibach.

Abb. 9; 10 Zwei Fragmente aus der Kuppel von 1703

Die Umbauarbeiten überdauerten in den Pendentifs der Kuppel die Darstellungen der vier Evangelisten, an ihnen kann man die Kuppelgestaltung von Quaglio erahnen.

Thalnitscher berichtet ferner, dass Quaglio bei der Reise in seine Heimat nach Laino, am 2. November 1703 außer von Carloni von vier weiteren Schülern, von denen die Namen nicht bekannt sind, begleitet wurde.

Die Fresken des Doms stellen einen komplexen theologischen und geschichtlichen Zyklus dar, augenscheinlich wurde Quaglio vom Dekan Antonio Thalnitscher beraten (Bergamini, S.183).

Sämtliche bis jetzt aufgezählten Malereien wurden von Quaglio zwischen 1703 und 1706 ausgeführt; Quaglio kehrte 1721nach Laibach zurück und malte bis 1723 die Seitenkapellen und die Wände des Querschiffes aus.

Giulio Quaglio wurde vom Domkapitel nach Laibach gerufen, um die Bibliothek des Seminars auszumalen, bei der Gelegenheit wurde er auch beauftragt auf Spesen des Herrn Codelli die Kapelle der Dreifaltigkeit auszumalen. Da man vom Resultat an-
getan war beauftragte man Quaglio die restlichen fünf Kapellen auch noch auszumalen. Außer der Verköstigung und der Unterkunft für ihn und seinen Sohn Raffaele, der in begleitete, wurden zweihundert fl. vereinbart.

Die sechs Kapellen haben eine gleiche Struktur, in denen sich die Malereien nach einem gleichen Schema einfügen. Allegorische Figuren oder Propheten in den inneren Wandflächen der Eingangspfeiler, Engel im Bogen des Pfeilers, passende Episoden zum Heiligen der jeweiligen Kapelle an den Seitenwänden und im Gewölbe, mit zentralem Motiv zwischen gemalten architektonischen Elementen. In die Kirche eintretend links sind die Kapellen der Hl. Barbara, dem Hl. Georg und der Hl. Dreifaltigkeit geweiht; rechts der Hl. Maria Magdalena, dem Erlöser und dem Hl. Andreas.

Die Hilfe des Sohnes Raffaele und anderer Gehilfen, unter ihnen wahrscheinlich auch Franc Jelovsek, und unglückliche Restaurierungen machen diesen Freskenzyklus stilistisch sehr uneinheitlich.

Nach Izidor Cankar sind diese Fresken von Raffaele Quaglio ( Cankar, S.243). Gleicher Meinung ist auch Sumi (Sumi, S.20).

Die Kapelle der Dreifaltigkeit, die als erste ausgemalt wurde, ist wie aus den Dokumenten hervorgeht, von Giulio Quaglio ausgemalt worden. Was die anderen fünf betrifft so wird angenommen, dass Giulio und Raffaele Quaglio die Dekorationen der Gewölbe malten, während die Fresken an den Wänden von Gehilfen ausgeführt wurden( Bergamini, S.259).

5.4 Schloss Pustal, Skofja Loka
Nachdem Giulio Quaglio am 21. August 1706 die Dekorationsarbeiten im Laibacher Dom beendet hatte, wurde er von Marco Oblak nach Skofja Loka (Locopolim) berufen, um dort die kleine Kapelle des Schlosses von Pustel (Burgsthal) zu freskieren (Thalnitsche, S. 62).

Das Fresko von Quaglio in Pustal bedeckt die gesamte Hinterwand der Kapelle, es stellt die Kreuzabnahme Jesu dar. Unterschrift und Datum sind am unteren Bildrand links lesbar: „IULIUS QUALEUS / P. Anno 1706“.

Abb. 11 Kreuzabnahme

Das Fresko lehnt sich im Großen und Ganzen an das Fresko der Kreuzigung in der Kapelle des „ Monte di Pietà“ in Udine an, das von Quaglio 1694 geschaffen wurde. Zum Teil veränderte Quaglio aber Personen und Farben. Nach Marini kann Quaglio zumindest auf der Ebene des Schemas von der Suggestion des Meisterwerkes von Rubens in Antwerpen beeinflusst worden sein (Marini, S.145).

Die rhetorische Gestik der Personen, welche längs der Diagonale angeordnet sind ohne dass sie den Raum überfüllen, und die Intensität des Ausdruckes machen das Bild zu einem der gelungensten und poetischsten Werke Quaglios (Bergamini, S.189).

5.5 Pieve di S. Anna, Cerkno
Es ist sicher, dass sich Giulio Quaglio 1707, wahrscheinlich auf der Reise von Skofja Loka in seine Heimat, in Cerkno aufhielt. Er fertigte dort ein Ölbild an ( „Die Jungfrau Maria mit den Eltern“), das den Hauptaltar der Pfarrkirche schmückt.

Abb. 12 Jungfrau Maria mit den Eltern

Die intensiven Farben der Kleider, die in raffinierten chiaroscuri modelliert sind, die gelungenen anatomischen Proportionen, besonders der Hände, die ausgewogene Platzierung der Personen mit Maria als Kind, die die untere Bildhälfte mit der oberen verbindet, weist das Bild als eines der gelungensten Ölbilder des Malers von Laino aus (Bergamini, S.191).

Die Existenz eines Werkes von Quaglio in dieser Berggegend legt die Vermutung nahe, dass in Slowenien noch weitere bis jetzt nicht bekannte Arbeiten von Giulio Quaglio existieren können, da Quaglio in den Jahren in Laibach neben den Arbeiten im Dom wahrscheinlich auch andere Arbeitsaufträge nicht verschmähte (Bergamini, S. 191).

5.6 Bibliothek des Seminars in Laibach; Dekoration des Gewölbes
Eines der wichtigsten Barockbauwerke von Laibach ist das bischöfliche Seminar. Architekten waren Martinuzzi, Zuliani und Luca Mislej.

Für die Malereien im Gewölbe der Bibliothek wurde Giulio Quaglio aus Laino vom Domkapitel nach Laibach berufen (Steska, S:15-20). Für fünfhundert fl., unterstützt von seinem Sohn Raffaele, beendete Quaglio die Fresken in August des Jahres 1721. Die Malerei besteht aus einem großen zentralen Deckengemälde mit den allegorischen Darstellungen „Theologie“ , „Glauben“,
„Hoffnung“, und „Barmherzigkeit“. Auf einem bewegten Rahmen sitzend sind vier hl. Theologen dargestellt: Carlo Borromeo, Franziskus von Sales, Bonaventura und Thomas von Aquin. Außerhalb des Rahmens auf Wolken sind vier Kirchenväter dargestellt: Ambrosius, Augustinus, Girolamo und Gregorius.

Die Stichkappen sind mit Engeln, Propheten, Gelehrte, und Dichtern bemalt. Die Mauerstücke zwischen den Stichkappen
sind mit monochromen Ovalen gestaltet, in denen Sibyllen sich dem Studium widmen.

Abb. 13 Deckenfresko „Allegorie der Theologie“

Am Ende des XIX. Jahrhunderts wurden die Fresken restauriert.

Izidor Cankar ist der Meinung, dass diese Fresken unter der Leitung von Giulio Quaglio von seinen Söhnen und Schülern ausgeführt wurden (Cankar, S. 82-83, 190, 243).

Marini hingegen ist der Auffassung, dass die Fresken wegen der geschickten Konstruktion der Figuren, ihrer Platzierung in diesem schwierigen architektonischen Rahmen, der die Linien der Architektur hervorhebt ohne in den Vordergrund zu treten, sowie die Grazie der weiblichen Figuren und der Engel, auf Giulio Qualio als Freskant hinweisen (Marini, S.152).

Diese Fresken zeigen eine Stiländerung des Malers, der die robusten und dynamischen Formen seines Frühwerkes aufgibt
und sie in die Nähe des Rokoko bringt (Bergamini, S.252).

5.7 Komen (Komeno), Kirche Hl. Maria, Obrsljan; Fresken im Gewölbe
Auf dem Heimweg von Laibach nach Laino hielt sich Quaglio in Komen auf, um dort das Gewölbe in der kleinen Kirche zur Hl. Maria Obrsljan zu freskieren. Unterschrift und Datum am unteren Ende des Freskos zeugen davon. „IULIUS QUALEUS / DE LAYNO COMENS / P. ANNO MDCCXXIIII “.
Das Tonnengewölbe im Presbiterium ist dekoriert mit zwei zentralen Tondi, sie stellen die Dreifaltigkeit und die Himmelfahrt Mariens dar.

Abb. 14 Detail der Fresken im Gewölbe
In den sechs Lünetten sind Szenen aus dem Leben der Jungfrau Maria dargestellt.

Es ist dokumentiert, dass der Sohn Quaglios, Raffaele, ihn 1723 nach Laibach begleitete. So wird angenommen, dass Vater und Sohn gemeinsam die Fresken in der Kirche angefertigt haben, wahrscheinlich der Vater die Figuren und der Sohn die architektonische Dekoration (Bergamini, S.261).
Trinko und Ursic schreiben die Fresken dem Sohn Raffaele zu (Trinko,S.254; Ursic, 1986 S.123, 1988 S.92).
Auch Marini schreibt die Fresken der Schule des Giulio Quaglio zu ( Marini, S.152).

6. ABBILDUNGEN

Abb. 1 Orte, in denen es Werke von Giulio Guaglio gibt. Bergamini, S.368/369
Abb. 2 „Das Opfer Noahs“. Bergamini, S.202; Verlag St. Peter Salzburg.
Abb. 3 „Triumph der christlichen Religion über das Heidentum“. Bergamini, S.197
Abb. 4 „Die Gründung der Diözese von Laibach“, Gewölbe des Presbiteriums. Bergamini, S.179; Marjan Smerke, Laibach
Abb. 5 „Der Hl. Nikolaus rettet drei Bürger von Mira vor der Enthauptung“. Bergamini, S.178; Marjam Smerke, Laibach
Abb. 6 „Der Hl. Nikolaus rettet die Pilger“. Bergamini, S.178; Marjam Smerke, Laibach
Abb. 7 „Der Hl. Nikolaus rettet die Pilger vor dem Teufel“. Bergamini, S. 178; Marjam Smerke, Laibach
Abb. 8 „Der Hl. Nikolaus rettet die Bevölkerung von Mira vor dem Hungertod“. Bergamini, S. 178; Marjam Smerke, Laibach
Abb. 9/10 Zwei Fragmente aus der Kuppel von 1703. Bergamini, S.185; Narodin Muzej, Laibach
Abb. 11 „Kreuzabnahme“. Bergamini, S.188; Marjan Smerke, Lubiana
Abb. 12 „Jungfrau Maria mit den Eltern“. Bergamini, S.190
Abb. 13 „Allegorie der Theologie”. Bergamini, S. 250
Abb. 14
Detail der Fresken im Gewölbe, Obrsljan. Bergamini, S. 260; Marjam Smerke, Laibach

 
7. BIBLIOGRAPHIE

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©Hubert Profanter, November 2004

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