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PRATO, Giovanni Domenico

 

1. PRATO, Giovanni Domeniko (Domenikus; Johann Domenico)
Prato Dominikus (RAPP, 623); Prato Johann Domenico (ULMER, 1936, 160)

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Baumeister (ZENDRALLI, 1958, 116), Stadtbaumeister (DEHIO, 422)

3. BIOGRAPHIE

seit 1604/05 in Bregenz urk. erwähnt;
aus Roveredo/Graubünden (SAYN-WITTGENSTEIN, 53)

Geburts- und Sterbedatum sowie der Geburtsort scheinen in der einschlägigen Literatur nicht auf.

1608 bezw. 1612/1614 wird Giovanni Domenico Prato im Zusammenhang mit der Erneuerung des Schlosses Hohenbregenz
auf dem Gebhardsberg genannt (SANDNER, 30).
1609 wird er mit dem Neubau einer Kirche anstatt der baufälligen Kapelle für die Franziskaner-Tertiarinnen des Klosters Thalbach betraut. Die Klosterkirche „ward erbaut durch den welschen Baumeister Domenico Prato“ (CH/VLA, 27ff.).

Keine weiteren Daten bekannt.
 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Giovanni Domenico Prato gehört wie Benedetto Prato zu jenen Graubündner Baumeistern, die als eine der ersten die Schule
der oberitalienischen „Muratori“ nach Deutschland brachten. Seit der Mitte des 16. Jh. erfolgte eine starke Auswanderung aus dem südl. vom Bernardino gelegenen Tal Misox nach den deutschen Landen, wo die Graubündner „Magistri“ als namhafte Baumeister und Stukkatoren zwischen Rhein und Donau, aber hauptsächlich in Süddeutschland, anzutreffen waren (ZENDRALLI, 1930, 12).
Auch in Bregenz ließen sich Baumeister mit dem Namen Prato nieder. Das Verwandtschaftsverhältnis Giovanni Domenicos
zu Benedetto Prato, seit 1599 urkundl. erwähnt, und zu Andrea Prato, ab 1617 nachweisbar, ist leider nicht bekannt. Benedetto Prato führte zw. 1599/1602 die Turmerhöhung des Martinsturmes in Bregenz durch, Andrea Prato ist zw. 1627/30 „mit seinen Knechten“ für die Pfarrkirche St. Gallus tätig. Auch als Dolmetscher wurde er verwendet. 1637 ist er laut Steuerbuch nicht mehr am Leben (SANDNER, 30f.). Genannt in der Literatur wird auch Giulio Prato („Bratus, aus Italia“), 1627 als Meister in Biberach tätig (ZENDRALLI, 1958, 116).

Auftraggeber für die Errichtung der neuen Kirche im Thalbach war der Bregenzer Stadtammann und Stadtbaumeister Othmar Wegelin, „der das Mauerwerk einem ital. Maurermeister namens Dominikus Prato übergab“ (RAPP, 623). Der ganze Bau „kam nur auf 2159 fl. 34 Kr. zu stehen“ (ebd.).
Später arbeitete Prato auch für den Grafen Kaspar von Hohenems. Über dessen Betreiben erklärte er sich 1617 bereit, im
Dienst des Salzburger Erzbischofs Marcus Sittikus in Hohenems als Bau- und Werkmeister zu wirken. Der Erzbischof war
ein Bruder von Graf Kaspar und wünschte, dass die Fassade der Hohenemser Kirche, die Esaias Gruber d. Ä. 1578/1581
mit einem seitlichen Turm errichtet hatte, zu einer Doppelturmfassade ausgebaut werde. Die Pläne dazu hatte der Salzburger Hof- und Dombaumeister Santino Solari verfasst.

1617 war Giovanni Domenico Prato nach Salzburg gereist, um mit ihm das Projekt zu besprechen. Das Vorhaben wurde aber nicht ausgeführt, lediglich der Giebel, für den Esaias Gruber im Jahre 1619 zwei Visierungen machte, wurde erhöht. Im April 1620 wurde Prato dafür ein Monatssold ausbezahlt (SANDNER, 31).
 

5. WERKE (VORARLBERG)

5.1 Hohenbregenz
Die Burg Hohenbregenz geht auf eine Gründung der Grafen von Bregenz als Mittelpunktsburg vor das Jahr 1097 zurück
(DEHIO, 70). Nach Erbanfall an verschiedene Grafengeschlechter verbleibt sie bis ins 15. Jh. in montfortischem Besitz.
Danach Verkauf an Österreich und damit Sitz österreichischer Vögte, die dem Tiroler Landesfürsten unterstanden.
Maximilian III. war bestrebt, die Westgrenze militärisch zu sichern und ließ diverse Umbauten vornehmen, die vor allem
der Verteidigung dienen sollten (Abb. 6.1.4; 6.1.5).
1604–1606 wurde die Burganlage Hohenbregenz vom Baumeister Giovanni Domenico Prato –- vermutlich nach seinen eigenen Plänen (DEHIO, 70) – nach dem damaligen Stand der Fortifikationskunst mit „newen Pasteyen, Porten und Wasserbrunnen“ erneuert (SANDNER, 30). So wurde das nach Osten gelegene Tor, das vom Kanzelfelsen leicht unter Beschuss genommen werden konnte, von ihm an die Westecke der Burg verlegt und mit einer Zugbrücke versehen (Abb. 6.1.3). Der neue zwei-geschossige Torbau wird von zwei vorspringenden Halbtürmen flankiert und hat eine rustizierte Schaufront. Das Rundbogentor
ist einfach gestaltet und zeigt heute noch die Zugbrückenblende, den Mauerrücksprung, der die Zugbrücke aufnahm
(Abb. 6.1.2). Hofseitig schlossen eine Freitreppe und das Mesnerhaus an, das 1964 abgebrochen wurde und als Restaurant
neu errichtet wurde.
Bereits in den Jahren 1608–1614 erfolgte ein neuerlicher Ausbau der Anlage, der neben Prato auch den Innsbrucker Hofbau-meister Bartolomeo Lucchese mit der Errichtung einer neuen Bastei beschäftigte. Damit war Hohenbregenz zu einer starken Festung geworden. Trotzdem wurde im Jänner 1647 die Burg von den Schweden kampflos genommen und bei ihrem Abzug gesprengt. Teile der Umfassungsmauer und der „Brunnenturm“ mit der ehemaligen Zisterne sind heute noch erhalten.

5.2 Kirche des Hl. Antonius im Kloster Thalbach
Das Franziskaner-Tertiarinnenkloster Thalbach, urk. 1336 und 1449 als „Sammnun“ der Frauen zu Bregenz erwähnt
(DEHIO, 72), entstand aus bescheidenen Anfängen. Der Ursprung dieses Frauenklosters geht auf zwei leibliche Schwestern
aus Bregenz zurück, die 1336 nach der Schenkung eines kleinen Hauses im Thalbach beschlossen, in den damals – auch
in dieser Gegend schon bekannten – dritten Orden des Hl. Franziskus Seraph. einzutreten (RAPP, 607).
Anfangs ohne eigene Kapelle in ihrem einfachen Klösterlein, erhielten die Franziskanerinnen später ein eigenes Haus-
Sacellum, das „im Jahre 1485, am 17. März, mit einem Altar vom Konstanzer Weihbischof Daniel zu Ehren des
Hl. Antonius des Eremiten eingeweiht worden“ war (RAPP, 613).
Laut Originalurkunde wurde den Schwestern - auf deren Bitten hin - „anno Domini 1564, die vero 22. mensis Februarii“ vom Fürstbischof zu Konstanz und Kardinal der Zwölfapostelkirche zu Rom, Marcus Sittikus, die Erlaubnis erteilt, in der neuen Kapelle das heiligste Sakrament aufzubewahren (RAPP, 615).
Im Jahre 1608 ersuchte die „Meisterin“ Ursula Egg mit Zustimmung ihres Konvents um den Neubau einer Kirche. Mit der Errichtung wurde der Stadtbaumeister Giovanni Domenico Prato beauftragt (RAPP, 623).
Am 24. April 1609, am Freitag in der Osterwoche, wurde zum letzten Male in der alten Hauskapelle die Messe gelesen.
Bald darauf wurde mit der Abtragung des Daches und Holzwerkes begonnen. Am 13. Mai wurde durch Franz Andreas
v. Raitenau der Grundstein zur neuen Kirche gelegt. Der Bau ging so rasch vonstatten, dass bereits am 3. September des-selben Jahres der Dachstuhl aufgesetzt werden konnte.
Am 8. November 1609 wurde auf einem provisorischen Altar von P. Laurentius, dem Guardian der Franziskaner zu Konstanz,
die erste hl. Messe gelesen und am 17.Jänner 1611 wurden am Fest des hl. Kirchenpatrons Antonius Einsiedler das neue Gotteshaus und die drei Altäre durch den Konstanzer Weihbischof Johann Jakob konsekriert (ULMER, 1936, 160).
Die von Prato erbaute Kirche steht im Ostflügel des Klosters, parallel zum Nordtrakt (Abb.6.2.1; 6.2.2). Es ist ein schlichter
Bau unter einem relativ steilen Satteldach (6.2.3). 2-jochiger Saalbau mit Flachdecke, dessen Langschiff zum größeren Teil
von der Empore des Nonnenchores im W überdeckt ist. Eingezogener rundbogiger Chorbogen auf Pilastern, eingezogener ⅝-Chor mit Stichkappengewölbe auf Wandpfeilern (Abb. 6.2.4). Segmentbogenfenster. Auf beiden Seiten Rundbogentüren
in die Sakristeien. Rückseitig Aufgang zur Empore und zum Klostertrakt (DEHIO, 73).
1674/77 Neubau, 1715 durch Leonhard Albrecht verändert.
In den Jahren 1674/1677 erfolgte unter den Baumeistern Michael Thumb aus Bezau und Michael Kuen von Bregenz der
Neubau der Klosteranlage so wie sie heute noch steht (ULMER, 1934, 21).
Bei der Aufhebung des Klosters unter Kaiser Joseph II. gelangten glücklicherweise die meisten Schriftstücke, die die 450-
jährige Geschichte dieses Frauenklosters dokumentieren, in das damalige k.k. Statthaltereiarchiv in Innsbruck (RAPP, 605). Heute in der Universitätsbibliothek Innsbruck.

6. ABBILDUNGEN (VORARLBERG)

6.1 Hohenbregenz

Prato_Hohenbregenz_AnsichtW_Schwaerzler
Prato_Hohenbregenz_AnsichtNW_Schwaerzler
Prato_Hohenbregenz_Grundriss_Schwaerzler
6.1.1
Hohenbregenz, Ansicht von W
www.burgen-austria.com
6.1.2
Hohenbregenz von NW, Torbau
http://mitglied.lycos.de
6.1.3
Hohenbregenz, Grundriss
Held, 89.
Prato_Hohenbregenz_vordemAusbau_Schwaerzler
Prato_Hohenbregenz_Umbau_Schwaerzler
Prato_Hohenbregenz_MatthaeusMerian_Schwaerzler
6.1.4
Hohenbregenz bis zum Ausbau
von Prato, 1605-1608 http://mitglied.lycos.de
6.1.5
Hohenbregenz „vermehret und repariert“, bis 1647 http://mitglied.lycos.de
6.1.6
Hohenbregenz
Matthäus Merian, vor 1643
www.burgen-austria.com


6.2 Kirche des Hl. Antonius im Kloster Thalbach

Prato_Bregenz_Kloster Thalbach_Schwaerzler
Prato_Bregenz_Kloster Thalbach_Luftaufnahme_Schwaerzler
6.2.1
Kloster Thalbach, Bregenz
www.thework-fso.org.
6.2.2
Kloster Thalbach, Luftaufnahme Marienberger Nachrichten 1981/82/6
Prato_Bregenz_Kloster Thalbach_privat_Schwaerzler
Prato_Bregenz_Kloster Thalbach_Chor_privat_Schwaerzler
6.2.3
Klosterkirche Thalbach, Bregenz, privat
6.2.4
Klosterkirche Thalbach, Chor, privat

7. BIBLIOGRAPHIE

ALEMANIA, Zeitschrift für alle Gebiete des Wissens und der Kunst mit besonderer Berücksichtigung der Heimatkunde, Jg. 3, Dornbirn 1929.
Bericht über den Ursprung und die Verehrung des wunderthätigen Gnadenbildes der Mutter Gottes im Kloster der Dominikanerinnen zu Thalbach bei Bregenz, Einsiedeln 1864.
Caravale, Mario/Angiolini, Hélène, Dizionario biografico degli italiani, div. Bd.
DEHIO, Georg, Handbuch der Kunstdenkmäler in den Donau- und Alpengauen, Berlin 1943.
DEHIO-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Vorarlberg, Wien 1983.
FIDLER, Petr, Architektur des Seicento. Baumeister, Architekten und Bauten des Wiener Hofkreises, Innsbruck 1990.
HELD, Heinz, Vorarlberg und Liechtenstein. Landschaft, Geschichte und Kultur im ›Ländle‹ und im Fürstentum, Köln 1988.
Klosterchronik Thalbach (Tertiarinnen), Landesarchiv, S. 27ff.
KÜHLENTHAL, Michael, Graubündner Baumeister und Stukkateure: Beiträge zur Erforschung ihrer Tätigkeit im mitteleuropäischen Raum, Locarno 1997.
neuhauser, Walter, Der Thalbacher Übergabekatalog von 1783, in: Gedenkschrift Eberhard Tiefenthaler, Graz 1996.
PFISTER, Max, Baumeister aus Graubünden – Wegbereiter des Barock: die auswärtige Tätigkeit der Bündner Baumeister und Stukkateure in Süddeutschland, Österreich und Polen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, Chur 1993.
Rapp, Ulrich, Topographisch-historische Beschreibung des Generalvikariates Vorarlberg, Bd. 2, Brixen 1896.
ULMER, Andreas, Die Gotteshäuser Vorarlbergs in Wort und Bild, Bregenz 1934.
ULMER, Andreas, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, Heft 63,
Friedrichshafen a.B. 1936.
SAYN-WITTGEnSTEIN, Franz zu, Vorarlberg und Liechtenstein, München 1889.
SANDNER, Oscar, Graubündner Baumeister als Barockbringer: der Bregenzer Martinsturm und der Barockbeginn am Bodensee, in: Vorarlberg eine Vierteljahreszeitschrift, Jg. 7, 1969, Heft 2.
Saur, Allgemeines Künstler-Lexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, div. Bd. Universitätsbibliothek Innsbruck, Katalog-Handschrift, Cod. 914/4, Thalbach an UB, 1783.
ZENDRALLI, Arnoldo M., I magistri Grigioni: architetti e costruttori, scultori, stuccatori e pittori – dal 16. al 18. secolo, Poschiavo 1958.

ZENDRALLI, Arnoldo M., Graubündner Baumeister und Stukkatoren in deutschen Landen zur Barock- und Rokokozeit,
Zürich 1930.

 
©Franz & Gerlind M. Schwärzler, April 2005

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

DEHIO

DEHIO-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Vorarlberg, Wien 1983.

ULMER, 1934

ULMER, Andreas, Die Gotteshäuser Vorarlbergs in Wort und Bild, Bregenz 1934.

ULMER, 1936 ULMER, Andreas, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, Heft 63, Friedrichshafen a. B. 1936.
CH/VLA Klosterchronik Thalbach (Tertiarinnen), Vorarlberger Landesarchiv, S. 27ff.
ZENDRALLI, 1930 ZENDRALLI, Arnoldo M., Graubündner Baumeister und Stukkatoren in deutschen Landen zur Barock- und Rokokozeit, Zürich 1930.
ZENDRALLI, 1958 ZENDRALLI, Arnoldo M., I magistri Grigioni: architetti e costruttori, scultori, stuccatori e pittori – dal 16. al 18. secolo, Poschiavo 1958.
fl. Floren(us), Florin, Gulden
Kr. Kronen
VLA Vorarlberger Landesarchiv

 

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