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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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PACOBELLO, Martin

 

1. PACOBELLO, Martin (Martino)
Paccobello, Pacobel, Pocabello

 

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Bildhauer, Steinbildhauer

 

3. BIOGRAPHIE

† 04.02.1630, in Graz

Die Geburtsdaten von Martin Pacobello sind nicht bekannt. Die Familie Pacobello ist vermutlich um 1600 aus Oberitalien eingewandert und ließ sich als Steinbildhauer in Kärnten und Steiermark nieder. NECKHEIM (1957, 594) zitiert Quellen,
nach denen Martin vorwiegend in Kärnten verweilte und gegen Ende seines Lebens zu seinem Bruder Philibert nach Graz
zog - jedenfalls stand Pacobello seit seiner Ankunft im Dienst der Kärntner Stände und zeichnet sich in dieser Zeit verant-wortlich für eine große Anzahl an Grabdenkmälern, Epitaphen, Wappengrab- und Gedenksteine und schließlich auch beschauliche Kindergrabsteine in Klagenfurt, wo er außerdem eine Werkstatt mit Gesellen führte.

Zu den ersten bekannten Werken Martins zählt das 1604 gearbeitete Familienepitaph für Georg Siegmund von Neuhaus in
der Propsteikirche von Gurnitz. Ausgehend von diesem, das in der Gestaltung dem traditionellem Schema des Familien-grabsteines verpflichteten Grabmahl entspricht, sind Pacobello eine Reihe weiterer Epitaphe in Kärnten zuzuschreiben (PLIEGER 2003, 388). Am 19. Mai 1606 wird Martin Pacobello, der selbst seinen Familiennamen mit Pocabello beschrieb,
zum landschaftlichen Bildhauer und Polier ernannt (NECKHEIM 1957, 615). Insbesondere die Aufträge ab 1612 für den
Gurker Dom, wo er neben dem monumentalen Grabmal für den Probst Karl Grimming weitere, heute nicht mehr eruierbare Grabdenkmäler bildhauerisch erarbeitete, gelten als bedeutend. Eine vertragliche Vereinbarung zur Errichtung eines Hoch-
altars für den Dom zu Gurk erfolgte 1618 und erneut 1623 mit dem Dompropst Georg III. von Vitzdom, jedoch kam es nicht
zur vollendeten Ausführung (LÖW 1928, 9ff). 1626 wurde Pacobello von dem Projekt entlassen, bzw. es folgte ein Rechts-
streit, der 1629 gegen den Bildhauer entschied. Im Übrigen übernahm der Bildhauer Michael Hönel aus Sachsen den Auftrag und vollendete diese herausragende Arbeit bis 1632 (GINHART-GRIMSCHITZ 1930, 128).

Das Grabdenkmal für Freiherrn von Stadl im Dom zu Graz 1629 zählt zu den letzten Arbeiten Pacobellos, der schließlich
1630 verstarb.

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Martins Bruder Philibert, er starb 1627 in Graz, etablierte sich ebenfalls als Steinbildhauer mit Tätigkeitsschwerpunkt in der Steiermark. Unter anderem zählen zwei Marmorwappen für Erzherzog Ferdinand und seine erste Gemahlin Maria Anna von Bayern in Graz von 1603 zu seinen gesicherten Werken (THIEME-BECKER 1932, 166).

 

5. WERKE

(KÄRNTEN)

Die Grabmalplastiken Pacobellos ordnen sich keiner Schematisierung unter, sondern zählen insgesamt durch eine individuell gewählte Note bezüglich des Materials und der Ausführung als charakteristische Einzelwerke. NECKHEIM (1957, 617) beschreibt Martin Pacobellos Œuvre, das in der stilistischen Umsetzung zwischen Renaissance und Barock einzustufen
ist, als qualitativ hochwertig und das trotzdem in nur sehr geringem Maß Vorbildfunktion für die damalige zeitgenössische Steinplastik erlebte.

1604
5.1 Gurnitz, Propsteikirche: Familienepitaph für Siegmund von Neuhaus. Aus hellem Marmor, signiert mit MP.

1605
5.2 Villach, Stadthauspfarrkirche St. Jakob: Wappengrabstein für Paul und Oswald Dorn. Aus weißem Marmor, signiert MP.
5.3 Rosegg, Pfarrkirche: Wappengrabstein für Abraham Höhenkircher. Aus hellgrauem Marmor, 232 x 92 cm, signiert MP.

1607
5.4: Hochosterwitz, Schlosskirche: Wappenstein für Franz Khevenhüller. Aus schwarzem und weißem Marmor,
226 x 117 cm, signiert MP.

1609
5.5 Moosburg, Pfarrkirche: Figurales Grabdenkmal für Ulrich von Ernau. Aus verschiedenen Marmorarten, ca. 320 x 190 cm, signiert MP.
5.6 Moosburg, Pfarrkirche: Wappentafel der Ernau. Aus weißem Marmor,
Durchmesser 32 cm.
5.7 Klagenfurt, Landesmuseum: Wappentafel für Ludwig von Dietrichstein. Aus schwarzem und weißen Marmor,
31 x 31 cm, signiert MP.

1610
5.8 Klagenfurt, Stadtpfarrkirche: Figuraler Grabstein für seine Tochter Katharina Pacobello.
Aus hellem Marmor, 96 x 52 cm, Pacobello nennt sich in der Legende.
5.9 Wolfsberg, Stadtpfarrkirche: Wappengrabstein für Laurenz Fries. Aus hellgrauem Marmor, 88 x 49 cm.

1611
5.10 Klagenfurt, Landesmuseum: Wappentafel für Anna von Dietrichstein-Moosheim. Aus schwarzem und weißem
Marmor, 31 x 31 cm.

1612
5.11 Gurk, Dom: Figurales Grabdenkmal für Karl von Grimming. Verschiedenfarbiger Marmor, ca. 360 x 160 cm.
5.12 Klagenfurt, Stadtpfarrkirche: Wappengrabstein für Joachim Weinzieher. Hellgrauer Marmor, 184 x 107 cm.
5.13 Himmelberg bei Schloss Biberstein: Grenzstein Prägrad-Ossiach-Piberstein. Aus gelblichem Marmor, bereits
verwitterte Stellen.
5.14 Maria Saal, Karner: Wappengrabstein Hans Pruggmayr zu Tentschach. Aus weißem Marmor, 166 x 77 cm.

1613
5.15 St. Veit a.d. Glan, Stadtpfarrkirche: Figuraler Grabstein Nikolaus Platzer. Aus weißem Marmor, 118 x 62 cm.
5.16 Ruine Landskron, ehemalige Kapelle: Wappengrabstein für Bartholomäus Khevenhüller. Aus gelblichem Marmor.

1617
5.17 Gurk, Dom: Grabstein für Chorherrn Mellensteiner. Verschollen.

1618
-Gurk, Vertrag mit Propst Vitzdom wegen der Errichtung eines neuen Hochaltars.
-St. Paul i. Lavanttal, Vertrag mit Abt Hieronymus Marchstaller wegen verschiedener Arbeiten für die Stiftskirche.

1619
5.18 St. Paul i. Lavanttal, Stiftskirche: Taufstein. Aus verschiedenfarbigen Marmor.

1621
5.19 St. Veit a. d. Glan, Stadtpfarrkirche: Figuraler Grabstein für Philipp Jakob Platzer. Weißer Marmor, 118 x 62 cm.

1623
29. September 1623, zweiter Vertrag mit Probst Vitzdom wegen des Gurker Hochaltars.

Nicht datiert:
5.20 Klagenfurt, Landesmuseum Wappentafel der Khevenhüller.

(STEIERMARK)

1616
5.21 Murau: Grabstein für Ferdinand Graf von Ortenburg-Salamanka, Gemahl der Anna Neumann. Verschollen.

1623
5.22 Murau, Kapuzinerkirche: Grabplatte für Anna Neumann, Gräfin Schwarzenberg. Aus verschiedenfarbigem Marmor.

1629
5.23 Graz, Dom: Wappengrabstein für Freiherrn von Stadl. Weißer Marmor.

Die Werkangaben stammen aus NECKHEIM (1957, 615f).

 

6. ABBILDUNGEN

(KÄRNTEN)

Zu 5.5:
6.1
Grabdenkmal für Ulrich von Ernau, 1609.
Bildnachweis: NECKHEIM, Carinthia 1957, 609.

6.2
Wappentafel der Ernau, 1609.
Bildnachweis: NECKHEIM, Carinthia 1957, 603.

Zu 5.8:
6.3
Grabstein Katharina Pacobello, 1610.
Bildnachweis: NECKHEIM, Carinthia 1957, 597.

 
7. BIBLIOGRAPHIE

DEHIO-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Österreich, I. Band, Die Kunstdenkmäler in Kärnten, Salzburg, Steiermark, Tirol und Vorarlberg, Dagobert Frey und Karl Ginhart (Hgg.), Wien, Berlin 21938.
DEHIO-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Kärnten, neu bearbeitet von Ernst Bacher u.a., Wien 1976, 21981.
GINHART, Karl, GRIMSCHITZ, Bruno, Der Dom zu Gurk, Wien 1930.
GINHART, Karl, Die bildende Kunst in Kärnten von etwa 1530-1690, in: Die bildende Kunst in Österreich, Karl Ginhart (Hg.), Baden bei Wien 1939, Seite 43-81.
LÖW, Josef, Von Pacobello bis Hönel, Geschichte des Gurker Hochaltarplanes, in: Carinthia I., 118. Jg., Klagenfurt 1928,
Seite 9-15.
NECKHEIM, Günther Hermann, Der Bildhauer Martin Pacobello, Ein Beitrag zur Kunstgeschichte Kärntens im Frühbarock, in: Carinthia I., Geschichtliche und volkskundliche Beiträge zur Heimatkunde Kärntens, geleitet von Gotbert Moro, 147. Jg., Klagenfurt 1957, Seite 594-619.
NEUBAUER-KIENZL, Barbara (Hg.), DEUER Wilhelm, MAHLKNECHT Eduard, Barock in Kärnten, Klagenfurt 2000.
PLIEGER, Cornelia, Plastik der Renaissance, in: ROSENAUER, Artur (Hg.), Geschichte der Bildenden Kunst in Österreich, Spätmittelalter bis Renaissance, München, Berlin 2003, Seite 307-393.
THIEME-BECKER, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Hans Vollmer (Hg.),
Leipzig 1932, Band 26, Seite 128.
THIEME-BECKER, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Hans Vollmer (Hg.),
Leipzig 1933, Band 27, Seite 166.
TUSCHNIG, Julius Heinz, Die Bildnerei und Malerei in Steiermark von etwa 1530-1690, in: Die bildende Kunst in Österreich,
Karl Ginhart (Hg.), Baden bei Wien 1939,
Seite 82-100.

           
 
©Eleonora Bliem-Scolari, Mai 2007

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