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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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MARTINELLI, Francesco

 

1. MARTINELLI, Francesco (Franz)

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Architekt, Baumeister, Maurermeister

3. BIOGRAPHIE

* 165;1 am Comer See
† 28.10.1708, in Wien

Über Martinellis familiärer Herkunft ist nichts bekannt. Die Verwandtschaft mit Domenico Martinelli gilt als unwahrscheinlich.
Am 23.11.1681 heiratet der Baumeister im Wiener Stephansdom. Dies ist der erste belegbare Hinweis für Martinellis Auf-
enthalt in Wien. Martinelli ist Vater dreier Söhne: Franz Xaver ( ?.?.?), Anton Erhard (* ?.?.1684/1686? † 13.09.1747) und
Johann Baptist I. (* 08.02.1701 † 21.06.1754) Martinelli.

1683 liefert er sein Meisterstück als Baumeister ab (THIEME, S.163). Wahrscheinlich war er hauptsächlich als ausführender Baumeister tätig. In Wien ist die Beteiligung Martinellis am Bau der Peterskirche, der Servitenkirche und am Palais Esterházy belegt.

Ein Vertrag vom 1. März 1687 mit dem Maurermeister belegt, dass er im Stift Heiligenkreuz (NÖ) tätig war. 1695 bis 1702 führt Martinelli den Bau der Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Frauenkirchen (Burgenland), im Auftrag des Fürsten
P aul I. Esterhazy, durch. Am 28.10.1708 stirbt der Baumeister in Wien.

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Der wichtigste Auftraggeber Martinellis war Fürst Paul I. Esterházy; für ihn war er in Wien und in Ungarn als ausführender Baumeister tätig.

Martinellis ältester Sohn, Franz Xaver, war als Hofbaumeister tätig. Die beiden anderen, Anton Erhard und Johann Baptist I. betätigten sich als entwerfende Baufirmeninhaber. Seine Söhne waren in Wien vollständig integriert.

 

5. WERKE

(WIEN)

5.1 Servitenkirche Mariä Verkündigung, Wien IX, 1684
1651 - 1670 wird die Kirche unter der Bauleitung von Carlo Carlone erbaut. Wahrscheinlich ist auch er der Planverfasser
des Zentralbaues. Während der Türkenbelagerung 1683 wird die Kirche leicht beschädigt und 1684 wird Francesco Martinelli
mit den Ausbesserungsarbeiten beauftragt. Schon 1685 war die Restaurierung der Kirche vollendet.

5.2 Palais Esterházy, Wien I, 1685
Auf dem Areal, wo das Palais Esterházy errichtet wurde, standen zuvor mehrere Bürgerhäuser, die Paul I. Esterházy erwarb. Die Bürgerhäuser stammten aus dem 13. und 14. Jh. Am 11. Juli 1685 schloss Paul I. Esterházy mit dem bürgerlichen Maurermeister Francesco Martinelli einen Vertrag, in welchen sich dieser zu Umbauarbeiten der Bürgerhäuser verpflichtete (Vertrag zitiert in PERGER, S.25). Aus diesem Dokument ersieht man, dass damals noch kein Neubau, sondern bloß Adaptionsarbeiten vorgesehen waren. 1695 wurden die Freihäuser dann aber doch durch einen Neubau ersetzt. Bei der Frage nach dem Verfasser der Pläne, gehen die Meinungen in der Literatur auseinander.
Gängig ist die Zuschreibung "Art des Giovanni Pietro Tencala"(PERGER, S.29), der zwischen 1688 und 1699 in Wien tätig
war. Es wird aber auch der am Palais und anderen Esterházy Bauten beschäftigte Maurermeister Francesco Martinelli als Planverfasser in Erwägung gezogen (PERGER, S.29)
.

5.3 Peterskirche, Wien I, 1701- 33
1679 veranlasste Kaiser Leopold I. den Bau der Peterskirche. Die Pläne stammen ursprünglich von Gabriel Montani, von
Lukas von Hildebrandt wurden sie verändert und ausgeführt. 1701 erfolgt die Grundsteinlegung. 1733 war der Zentralbau
mit Kuppel fertiggestellt. Unter den Baumeistern erscheint auch Francesco Martinelli auf.

(BURGENLAND)

5.4 Der Neubau der Pfarr- und Wallfahrtskirche (Basilika) Mariä Himmelfahrt von Frauenkirchen wurde vom
Architekten und Baumeister F. Martinelli im Auftrag des Fürsten Paul I. Esterházy durchgeführt. Die Grundsteinlegung des Kirchenbaues erfolgte 1695, die Fertigstellung 1702 und noch im gleichen Jahr am 19.11.1702 wurde schließlich die Weihe
der Kirche vollzogen.
Die einheitliche und mächtige Barockkirche von Frauenkirchen liegt auf einem freien Platz in der SO-Ecke des Marktplatzes.
Sie gilt mit einer Länge von 53 Metern, einer Breite von 18 Metern und einer Höhe von 23 Metern als die größte Kirche Burgenlands, die etwa 2000 Menschen Platz bietet. Die Fresken im Inneren der Kirche stammen vom italienischen Künstler Luca Antonio Colombo (Columba) und werden durch die reiche Stuckierung von Pietro Antonio Conti ergänzt, wodurch der gesamte Kirchenraum seine barocke Eleganz erhält.

6. ABBILDUNGEN

(WIEN)

5.1. Servitenkirche, Grundriss, Innen- und Außenansichten, Bildnachweis: Schnerich, S. 182ff.
5.2. Palais Esterházy, Außenfassade, Bildnachweis: Perger, Abb.1

(BURGENLAND)

5.4 Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt von Frauenkirchen
5.4.1 Grundriß : Bildnachweis: FREY, 1929, S. XVII
5.4.2 Kupferstich mit Medaillon des Fürsten Paul I. von Hans Frank von Landgraff,1702 (1703?):
Bildnachweis: PERSCHY, 1995, S. 124

5.4.3. Fassade : Bildnachweis: CZEIKE, 1988, S. 146

 
7. BIBLIOGRAPHIE

Berichte und Mitteilungen des Alterthums- Vereines zu Wien. Bd. XVIII, Wien 1879, S.143, 158.
CZEIKE, Felix, Wien, Kunst, Kultur und Geschichte der Donaumetropole, DuMont Kunstreiseführer, Köln 1999; S.150.
DEHIO, Wien, Die Kunstdenkmäler Österreichs, von Justus Schmidt und Hans Tietze, Neubearbeitet von Anton Macku und Erwin Neumann, Verl. von Anton Schroll & Co. Wien- München 1954; S. 37, 143, 144.
KIRCHENFÜHRER, Nr. 819, Hugo Schnell (Hg.) Servitenkirche Wien, Verl. Schnell & Steiner, München- Zürich 1965.
KRAUS, Wolfgang; MÜLLER, Peter, Wiener Palais, Blanckenstein Verl., München- Wien 1991; S.62.
PERGER, Richard, Das Palais Esterházy in der Wallnerstraße zu Wien, Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, Publikationsreihe des Vereins für Geschichte der Stadt Wien, Band 27, Verein für Geschichte der Stadt
Wien, Wien 1999; S.25, S.29.
RIESENHUBER, Martin P., Die kirchliche Barockkunst in Österreich, Verl. der christlichen Kunstblätter, Linz 1924; S. 249.
SCHNERICH, Alfred, Wiens Kirchen und Kapellen in Kunst- und Kulturgeschichtlicher Darstellung, Amalthea Verl., Zürich, Leipzig, Wien, 1921.
THIEME, Ulrich, BECKER, Felix, Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, E.A. Seemann, Leipzig 1930; S.164.

weiters:

CZEIKE, Felix, Das Burgenland, Kunstreiseführer, DuMond Verl., Köln 1988, S. 174-178. (ABB.: Fassade Frauenkirchen,
S. 146)
FIDLER, Peter, Habil. Schrift: Architektur des Seicento, Baumeister, Architekten und Bauten des Wiener Hofkreises,
Innsbruck 1990, S. 47f.
FREY, Dagobert, Kunsthistorisches Institut des Bundesdenkmalamtes (Hg.), Das Burgenland, seine Bauten und
Kunstschätze, Verl. Anton Schroll & Co, Wien 1929; S. XVIf., (ABB.: Grundriß von Frauenkirchen, S. XVII)
HAJDECKI, Die Dynasten-Familien der italienischen Bau- und Maurermeister der Barocke in Wien, Berichte des Altertums-Vereines zu Wien, XXXIX, Wien 1906, S. 55ff.
KIRCHENFÜHRER, Basilika Frauenkirchen, Christliche Kunststätten Österreichs, Nr. 17, Verlag St. Peter (Rupertuswerk), Salzburg 1961; S. 1-8
PERSCHY, Jakob Michael: Burgenländische Landesausstellung, Die Fürsten Esterházy, Magnaten Diplomaten und Mäzene, Eisenstadt 1995; (ABB.: Kupferstich von Frauenkirchen von 1702 (1703?), S. 124)
RABER, P. Ludwig, Franziskanerkloster Frauenkirchen (Hg.), Frauenkirchen, Burgenland, Reischl-Druck, Salzburg 19??
(nach 1971); S. 1-5
RIESENHUBER, Martin P., Die kirchliche Barockkunst in Österreich, Verl. der Christlichen Kunstblätter, Linz 1924; S. 248
SCHLATZER, P. Michael, Basilika Frauenkirchen, Burgenland, Verlag St. Peter, Salzburg 2000; S. 10, 12
SCHMELLER-KITT, Adelheid, Dehio-Handbuch Burgenland, Verl. Anton Schroll & Co, Wien 1980; S. 100ff.
THIEME, Ulrich, BECKER, Felix, Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 24,
Verl. E. A. Seemann, Leipzig 1930; S. 164 (163ff.)

©Katharina Furxer und Sonja Kölbersberger, April 2005

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