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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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FUGA, Anzolo

 

1. FUGA, Anzolo (Angelo, Ansolo)
Fuger

 

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Grafiker, Glaskünstler, Glasdesigner

 

3. BIOGRAPHIE

* 21.08.1914, Murano
† 24.06.1998, Murano

Zwischen 1934 und 1939 studierte Fuga am "Istituto d'Arte di Venezia" Grafik mit Diplomabschluss bei dem arrivierten
Grafiker Guido Balsamo Stella (1882-1941) und beteiligte sich ab 1938 zusammen mit Stella am Aufbau der Flachglas-
Abteilung (SAUR 2005, 180; NEUWIRTH 1987, 322f). Fuga arbeitete bis 1943 für die "Cristalleria di Venezia e Murano",
bevor er mit seinem Bruder Giuseppe Fuga (1919-2004), einem ausgebildetem Glas-Techniker erste Überlegungen für die Gründung eines eigenen Ateliers anstellte (SAUR 2005, 180) und schließlich mit der Etablierung als "Anzolo Fuga & C." (BAROVIER MENTASTI 2005, 11) die Ausgangsstätte für eine Vielzahl von hochwertigen Glaserzeugnissen bedeutete,
bei der Anzolo für Design und Entwurf und Giuseppe für technische Belange verantwortlich war. Ausgeführt wurden die
eigenen profanen und sakralen Entwürfe meist in musivischer Glasmalerei mit figürlichen, oftmals farblich verfremdeten Darstellungen. NEUWIRTH (1987, 323) erwähnt den historisierenden Stil in Kombination mit Schwarzlotmalerei bei den Auftragsarbeiten - in späteren Ausführungen wurden charakteristische Glasteile, wie Aventurin-, Murrinen- oder Filigranglas
aus Muraneser Glashütten integriert! Das Flachglas-Atelier der beiden existierte bis zum Ausscheiden von Giuseppe Fuga
1955, wurde aber von Anzolo ab 1958 vorerst wieder allein eröffnet, um es dann bis 1984 gemeinsam mit seinem Sohn
Flavio zu leiten. Anzolo Fuga war 1948 mit der Bezeichnung "Anzolo Fuga e Fratelli" an der XXIV. Biennale in Venedig
vertreten. Gerade die rege nationale und internationale Ausstellungstätigkeit war ein wichtiges Instrument der Präsentation
neuer Entwürfe, Techniken und Verfeinerungen im Bereich von Design und Ausführung von modernem Glas. Unter anderem wurden zahlreiche Hohlglasentwürfe für A.VE.M. auf den Biennalen in Venedig zwischen 1956-64 und 1968 ausgestellt
(SAUR 2005, 180). Dementsprechend florierend zeigte sich die Auftragslage für Anzolo Fugas Glasfenster und Glasobjekte. Zwischen 1951 bis 1972 war Anzolo Fuga Direktor und Dozent an der "Scuola di Disegno per Vetrai Abate Zanetti" in Murano (BAROVIER MENTASTI 2005, 28).

Einige Auftragsarbeiten: 40 Fenster für das Instituto Leone in Mailand, 1954; Fenster zum Thema Glasblasen für Vetreria Estevan Rossetto in Murano, 1962; rundes Deckenfenster im Palazzo Barbarigo in Venedig, 1965; 48 Scheiben für die
Fenster der Pfarrkirche St. Egyden in Kärnten, 1973; Fenster in der Großen Synagoge in Jerusalem, 1978-83. Mit seinem
Sohn Flavio
: Fenster zur Erinnerung an Ashley Clarke in der Chiesa di San Vio in Venedig, 1985; zwei abstrakte Fenster
nach einem Entwurf von Albert Melauner im Foyer del Palazzo II della Provincia in Bozen, 1987 u.v.m.
1986 erhielt Fuga den Preis "Una Vita per il Vetro" von der Handelskammer in Venedig verliehen.

Die Bedeutung des künstlerischen Œuvres Anzolo Fugas liegt vor allem in seinen Glasgefäßen, die uneingeschränkt als eigenständige plastische Objekte dem eigentlichen Verwendungszweck entrückt sind und von HEIREMAN (zitiert bei
SAUR 2005, 180, HEIREMAN 1993) als dreidimensionale transparente Glasfenster bezeichnet werden - der Schwerpunkt
liegt dabei beim Spiel mit Farben und Formen, transparentem und opakem Glas.
 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Fugas künstlerische Ausprägung kommt nicht von ungefähr, immerhin erfolgte die urkundliche Erwähnung der Familie um Manfredo Fuga in Murano bereits im 14. Jahrhundert (BAROVIER MENTASTI 2005, 9), wobei der prosperierende Aufstieg
einer großen Anzahl an Familienmitgliedern - quer durch die Jahrhunderte - vor allem der Glaserzeugung bzw. Glasbearbeitung zuzu sprechen ist. BAROVIER MENTASTI (2005, 9) erwähnt einleitend das "Goldene Buch" von Murano, ein 1605 veröffent-lichtes Kompendium mit den Namen der Mitglieder, die sich mit der Kristallbearbeitung beschäftigten und in dem 19 Mitglieder der Familie aufscheinen. In dem Sinn zählen die Mitglieder der Fuga zu den ältesten urkundlich erfassten Familien in Murano. Unter anderem eröffnete im Jahr 1681 Pasqualin Fuga in Verona eine Glasmanufaktur und weitere Mitglieder der Familie Fuga zählten im 17. und 18. Jahrhundert zu den führenden Mitgliedern der Glasbläserzunft. Aus Notizen geht hervor, dass 1746 ein Mitglied der Fugas in Graz anscheinend ohne Erlaubnis als Glaserzeuger tätig war (BAROVIER MENTASTI 2005, 10).
Anzolos Vater, Emilio Fuga war leitender künstlerisch-technischer Direktor für die "Cristalleria di Venezia" in Murano. Seine Mutter Adelaide Barovier stammte ebenfalls aus einer seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aktiven Glaserbläser-
dynastie in Murano.

Der Vorname Anzolo als antike venezianische Version für Angelo ist vermutlich eine Anspielung auf Anzolo Barovier, den Erfinder des Venezianischen Kristalls im 15. Jahrhundert. Auch Anzolos Großvater Angelo Fuga machte mit der Praxis
des Gravierens von Spiegel am Beginn des 19. Jahrhunderts auf sich aufmerksam.

Anzolo Fugas Sohn Flavio, geboren 1953, ist Glaskünstler und Restaurator in Venedig.

 
5. WERKE

(KÄRNTEN)

5.1 48 Scheiben zu den Fenstern der neuen Pfarrkirche "Hl. Ägydius" in St. Egyden an der Drau, Marktgemeinde Velden, 1973.

Der Auftrag erging im Zuge des architektonisch zentral orientierten Kirchenneubaus 1973 an Anzolo Fuga. Thematisch
beziehen sich die Darstellungen zum einen auf die kirchengeschichtliche Entwicklung Kärntens, der Türkenbelagerung im
15. Jahrhundert und zum anderen zeigen sie Szenen aus dem zweiten vatikanischen Konzil.
 

6. ABBILDUNGEN

(KÄRNTEN)

6.1
Glasfenster der neuen Pfarrkirche von St. Egyden/Drau in der Marktgemeinde Velden. Auswahl von fünf Beispielen. Bildnachweis: Pfarre St. Egyden/Drau [www.kath-kirche-kaernten.at; http://web.utanet.at/petricil/index.html] (Januar 2007)

 
7. BIBLIOGRAPHIE

BAROVIER MENTASTI, Rosa, Anzolo Fuga. Murano Glass Artist. Designs for A.V.E.M. 1955 - 1968, Foreword by
Evan Lobel, New York 2005.
DEHIO-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Kärnten, neu bearbeitet von Ernst Bacher u.a., Wien 1976, 21981, 32001.
FALTBLATT, Galleria San Vidal, Vetrate istoriate di Anzolo Fuga, Venedig 1958.
NEUWIRTH, Waltraud, Italienisches Glas 1950 - 1960, Wien 1987.
RICKE, Helmut, SCHMITT, Eva (Hgg.), Italienisches Glas. Murano - Mailand 1930 - 1970,   Die Sammlung der Steinberg Foundation, München, New York 1996.
SAUR, Allgemeines Künstlerlexikon, Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Band 46, München, Leipzig 2005,
Seite 180.

Online:
Murano Magic, 2002.

Weiterführende Literatur:
HEIREMANS, Marc, Art Glass from Murano, Stuttgart 1993.
HEIREMANS, Marc, Murano Glass. Themes and Variations 1910 - 1970, Stuttgart 2002.

 

©Eleonora Bliem-Scolari, Mai 2007

 

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