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FRANCIA, Domenico

 

1. FRANCIA, Domenico (Dominicus Maria [Nicolo])

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Architektur-, Dekorations-, Quadratur- und Perspektivmaler, Theateringenieur, Architekt?

3. BIOGRAPHIE

* 19.10.1702, in Bologna
im August des Jahres 1758, ebenda durch Sturz von Treppe während Arbeiten im Nonnenkloster  SS. Concezione.

Die älteste erhaltene Biographie über Franica ist in dem Werk Vite de’ Pittori Bolognesi aus dem Jahre 1769 erhalten.

Schon während Francias Schulzeit wurde sein zeichnerisches Talent erkannt, dass ihm in seinem weiteren Leben große
Erfolge in Bologna, Wien, Stockholm, Lissabon und Rom einbringen sollte.

Die erste Ausbildung genoss er ab 1717 bei Marcoantonio Franceschini, wobei er besonderes bei der Figurenmalerei Talent zeigte. Nachdem sein Können und das Interesse an Architektur stieg, ermöglichte ihm sein Vater, Francesco Maria Francia, ein Studium bei Ferdinando Galli Bibiena, der aus Wien stammte aber seit 1717 wieder in Bologna ansässig war. Nachdem sein ungeheueres Talent nach kurzer Zeit von Bibiena nicht mehr ausreichend weiter gefördert werden konnte, empfiehlt ihn
sein Lehrer seinem Sohn Guiseppe, der gerade am Wiener Hof  beschäftigt war.

Also reiste er 1723 zu seinem ersten Arbeitsauftrag nach Wien, wo er zunächchst eine Stelle als Gehilfe zur Ausstattung der Krönungsfeierlichkeiten für Karl VI. in Prag. In den nächsten Jahren folgten Arbeitsaufträge in Wien, Bologna und Mähren, die ihm große Erfolge einbrachten. Sogar Karl VI. war von seiner Arbeit so begeistert, dass er in einer Audienz persönlich zu Francias Werk gratulierte.

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Das Jahr 1736 brachte eine Wende in seinem Leben, da er an den schwedischen Königshof berufen wurde, an dem er,
zum „pittore di camera, ed architetto del Re di Svezia“ ernannt, drei Jahre arbeitete.
In Schweden hatte er nicht nur beruflichen Erfolg sondern arbeitete auch an seinem privaten Leben. Er lernte dort seine zukünftige Frau, Märta Forsström kennen, mit der er fünf Söhne und fünf Töchter hatte. Nachdem sein Vertrag in Schweden nicht verlängert wird, zieht Francia am 16.6.1744 mit seiner Familie nach Lissabon und kurze Zeit später dann nach Wien.
In Österreich folgten zahlreiche Aufträge, die sein erlangtes Können zeigen.

Aus einer Monographie ist uns bekannt, dass der Künstler Daniel Gran anerkannte Quadraturmaler wie Gaetano Fanti, Antonio Tassi, Franz Joseph Wiedon und auch Domenico Francia beauftragte und sie gesondert honorierte. Weiters
beschreibt er Francia als einen Maler, der eher architektonische Ornamente als Decken und Wand aufreißender Raum-prospekte anfertigen kann. Francia arbeitet mehrere Male an Daniel Grans Seite, z.B. in Klosterneuburg und Herzogenburg.

„Francias Auffassung von Quadraturmalerei ist äußerst vielseitig, da er zum einen Dekorationen malt, die den Raum nur unwesentlich illusionistisch erweitern und eher an gemalte Stukkaturen erinnern, zum anderen aber setzt er antike-strenge Ädikulen auf seine Attikazonen, die die zum Himmel geöffnete Decke betonen, bzw. erlaubt illusionistische Durchblicke in klassisch-strenge Architekturräume.
Die Malereien setzen sich vornehmlich aus architektonischen Versatzstücken zusammen: Breite, scheinbar stuckierte Gurtbänder und flach gekrümmte, kassettierte Deckengewölbe, relativ niedrige Attikazonen mit verkröpften Gesimsen und verschiedenförmigen Giebelfeldern, agraffenartige Schlusssteine und Kartuschen, deren Rahmen in sich verschlingenden Bändern enden.
Im Sinne des barocchetto verleiht Francia seinem Motivrepertoire sehr phantasievolle Erscheinungsformen, lässt Voluten sich äußerst dynamisch einrollen und ausschweifen, zieht Kartuschenrahmungen weit auseinander und führt Akantusblätter in
bizarr-krausen Formen aus, die an Rocaillen erinnern; dazu tritt eine dramatische Beleuchtung mit starkem Licht-Schatten-Kontrasten.“

Anzumerken ist noch, dass Francia seine Werke in Öl gemalt hat und nicht wie üblich al fresco.
 

5. WERKE

(NIEDERÖSTERREICH)

5.1 Orangerie von Schloss Weikersdorf
Als Francia von einem Bolognaaufenthalt nach Wien zurückkehrte, fertigte er ab 1732 Architektur- und Perspektivmalereien
in der Orangerie des Schlosses Weikersdorf an. Bei Renovierungen wurden die Malereien jedoch von Schülern der Malerschule in Schloss Leesdorf weiß übermalt und das Werk geriet mit den Jahren in Vergessenheit. Allein zwei alte Fotografien, die sich im Archiv des Rollettmuseums in Baden bei Wien befinden, belegen heute noch die Existenz des Werkes von Francia in der Orangerie.

5.2 Herzogenburg
1748 kam Francia nach Herzogenburg, wo er in der Stifts- und Pfarrkirche Hll. Georg und Stefan vom Propst Frigdian Knecht (1740-1775) Aufträge für die illusionistischen Architektur- und Ornamentmalereien oberhalb des Hauptgesimses erhielt.
1748/49 arbeitete er im Presbyterium und anschließend 1751/55 im Langhaus. Zwischenzeitlich gestaltete er auch die Architekturmalerei der Bibliothek des Stiftes. 1756 war Francia abschließend noch im Oratorium tätig.
Im Archiv von Herzogenburg befinden sich noch Rechnungen, die Auskünfte über den Auftraggeber, Vertragsbedingungen,
Lohn und andere Details geben.

5.3 Wallfahrtkirche Maria Dreieichen
Architektonische Malereien der Wallfahrtkirche Maria Dreieichen, die Paul Troger 1752 freskierte, werden Francia zugeschrieben.

5.4 Heiligenkreuz-Gutenbrunn
In der Marienkapelle von Heiligenkreuz-Gutenbrunn, eine private zweistöckige Schlosskapelle des Wiener Weihbischofs
Franz Anton Marxer, wurden die Ornamentmalereien von Francia angefertigt. Das Deckenfresko hingegen stammt von Paul Troger, der eine Himmelfahrt Mariens in der Flachdecke schuf. Im Volksmund wird diese Kapelle daher auch Trogerkapelle genannt. Im Jahr 1755 überarbeitete Domenico Francia seine Arbeite wegen Neu- und Umbauarbeiten.

5.5 Klosterneuburg
Im Zuge eines, von Kaiser Karl VI. angefangenen Projektes –dem Ausbau des Chorherrenstiftes Klosterneuburg zu einem österreichischen Escorial, wurde der Künstler Daniel Gran mit der Ausmalung der Decke in dem noch unfertigen Marmorsaal 1749 beauftragt. Sein größter Wunsch war es, für die Architekturmalerei den ihm schon aus Arbeiten in Herzogenburg bekannten Maler Domenicus Francia zu verpflichten. Ein Vertrag wurde dann tatsächlich am 3. August 1749 abgeschlossen, durch die umfangreichen Arbeiten in Herzogenburg konnte Francia aber erst 1756 mit seinem Auftrag in Klosterneuburg beginnen. 

5.6 Pfarrkirche von Haitzendorf
An der Durchgangsstraße des Ortes Haitzendorf im pol. Bezirk Krems befindet sich die Pfarrkirche hl. Ulrich. Die Kirche
besteht aus einem gotischen Chor, einem W-Turm des 16. Jh. und einem barocken Langhaus aus der ersten Hälfte des
18. Jh., dessen Kern bis zur zweiten Hälfte des 14. Jhdts. zu datieren ist. An der gekehlten Flachdecke des Saalraumes befanden sich drei geschwungene Stuckspiegel mit ornamentaler und vegetabiler Stuckzier die 1777 von Domenico Francia angefertigt wurden. Schon ein Jahr danach stürzte die Decke ein, wurde aber von dem Stuckateur Leopold Hogl wieder hergestellt. Auch im zweijochigen Chor mit 5/8 Schluss aus dem 14. Jh. hat Francia das Gewölbe und die Wandflächen mit Stuck im ¾ Viertel des 18. Jh. ausgestattet.
Ob die barocke Wandmalerei im Inneren des, in der NW-Ecke des Areals gelegenen Pavillons, ebenfalls von Domenico
Francia ist, ist unklar. Die schlecht erhaltenen Malereien zeigt unter anderem ein täuschend echtes Fenster das offen zu
sein scheint und mit Efeu bewachsen ist.

5.7 Schloss Leesdorf
Im Obergeschoss des Schlosses Leesdorf befindet sich ein Deckenfresko mit einer allegorischen Darstellung des Chronos,
der von vier Puttengruppen begleitet wird. Gerahmt ist das Ganze von einer reich gegliederten Scheinarchitektur, die sich über gemaltem, von Hermenpilastern getragenem Gebälk befinden. Ein Beweiß für Francias Anstellung liegt in diesem Falle nicht
vor, aber der Stil und die Tatsache, dass Daniel Gran, an dessen Seite er oft gearbeitet hat, hier tätig war, liegt die Vermutung nahe, dass die Scheinarchitektur im Schloss Leesdorf von Francia stammt.

6. ABBILDUNGEN

(NIEDERÖSTERREICH)

Abb. 1: Francia Domenico, Crespi, Vite de’Pittori Bolognesi, 1769
Abb. 2: Orangerie Wand und Decke (Archivfoto, Rolettmuseum Baden)
Abb. 3: Deckenansicht (Archivfoto, Rolettmuseum Baden)
Abb. 4: Fassade der Orangerie (Privatfoto)

Abb. 5: Herzogenburg: Deckel der Quittungen,
Archiv Stift Herzogenburg, StA.H.4.1.-F.616a/5; Foto: Jill Tatzreiter
Abb. 6: Herzogenburg: 1748 wird Francias erster Lohn in der Höhe von 50 Gulden erwähnt,
Archiv Stift Herzogenburg; Foto: Jill Tatzreiter
Abb. 7: Herzogenburg: Nennung des Auftraggebers Propst Frigdian,
Archiv Stift Herzogenburg; Foto: Jill Tatzreiter
Abb. 8: Herzogenburg: Contract zur Anfertigung des Gurtes im Presbyteriums 1751,
Archiv Stift Herzogenburg; Foto: Jill Tatzreiter

Abb. 9: Herzogenburg: Francias Unterschrift mit vollem Namen,
Archiv Stift Herzogenburg; Foto: Jill Tatzreiter
Abb. 11: Wallfahrtskirche Maria Dreieichen; Foto: Jill Tatzreiter
Abb. 12: Wallfahrtskirche Maria Dreieichen, Langhaus; Foto: Jill Tatzreiter
Abb. 13: Wallfahrtskirche Maria Dreieichen, Deckenfresko von Paul Troger; Foto: Jill Tatzreiter
Abb. 14: Heiligenkreuz-Gutenbrunn: li. Kirche, re Schloss, Turm dahinter von Kapelle;
Foto: Jill Tatzreiter
Abb. 15: Heiligenkreuz-Gutenbrunn, Schlosstrakt; Foto: Jill Tatzreiter
Abb. 16: Heiligenkreuz-Gutenbrunn, Kapelle: Presbyterium; Foto: Jill Tatzreiter
Abb. 17: Heiligenkreuz-Gutenbrunn, Kapelle: Bogenfeld; Foto: Jill Tatzreiter
Abb. 18: Heiligenkreuz-Gutenbrunn, Kapelle: Detailansicht; Foto: Jill Tatzreiter
Abb. 19: Heiligenkreuz-Gutenbrunn, Kapelle: Detailansicht; Foto: Jill Tatzreiter
Abb. 20: Stiftskirche Klosterneuburg, Deckenansicht mit Scheinarchitektur
Foto freundlich zur Verfügung gestellt von MMag. Wolfgang Huber, Stiftsmuseum Klosterneuburg
Abb. 21: Stiftskirche Klosterneuburg, Deckenansicht mit Scheinarchitektur
Foto freundlich zur Verfügung gestellt von MMag. Wolfgang Huber, Stiftsmuseum Klosterneuburg

Abb. 22-26: Pfarrkirche von Haitzendorf; Fotos: Jill Tatzreiter

7. BIBLIOGRAPHIE

CRESPI, Vite de’ Pittori Bolognesi. 1769
DEHIO-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich, südlich der Donau, Wien, 2003
DREXLER, Karl, Das Stift Klosterneuburg. Wien, 1894
FUTSCHEK, Angelika, Die Leesdorfer Babenberger-Bilder. Katalogblätter des Rollettmuseums Baden, Nr. 49, Baden, 2004
KNAB, Eckhart, Daniel Gran. Wien, 1970
KNALL-BRSKOVSKY, U., Italienische Quadraturisten in Österreich. Dissertation zur Kunstgeschichte, Wien, 1984
LORENZ, Hellmut, Geschichte der bildenden Kunst in Österreich. Barock, Wien-München, 1999
PAUKER, Wolfgang, Daniel Gran und seine Beziehungen zum Stift Klosterneuburg. In Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg,
Hg. von Mitgliedern des Chorherrenstiftes, Wien, 1908
SAUR, Allgemeines Künstlerlexikon. Die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Bd. 43, München-Leipzig, 2004
THIEME, Ulrich, BECKER, Felix, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Bd. 12, Leipzig, 1916
Kunstgutinventar, Pfarre Hl. Ulrich in Haitzendorf, Ordner III, Inventarnummer 9688/85-9688/146, Dekanat Hadersdorf, 2004

Weitere Bilder
http://www.stift-herzogenburg.at/index.php?submenu=12&content=200
http://www.stift-klosterneuburg.at
http://www.burgen-austria.com/Archiv.asp?Artikel=Heiligenkreuz

 
©Jill Tatzreiter, Juni 2007

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