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FINELLI, Carlo

 

1. FINELLI, Carlo

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Bildhauer

3. BIOGRAPHIE

* 04.04.1782 (Saur), 25.04.1785 (ThB und Diz), in Carrara
† 06.09.1853
, in Rom

Sohn des Bildhauers Vitale Finelli und der Maria Antonia Silici. Nachfahre einer berühmten Bildhauerdynastie; Bruder von
Pietro Finelli. Der Vater führt ihn früh in die Kunst ein. Um 1800 begibt er sich zu seinem Bruder, dem er bis 1803 in seiner Bildhauerwerkstatt in der Via S.Nicola da Tolentino zur Seite steht.

Er begegnet den bedeutendsten Vertretern der römischen Kunstszene (u.a. Antonio Canova ).1803 gewinnt er einen von der ABA Florenz veranstalteten Wettbewerb. In diesen Jahren beginnt seine berufliche Karriere als Bildhauer. Für den Konferenz-saal des Quirinalspalastes gestaltet er den Fries aus Gips „Triumph Julius Cäsars als Pendant zu Bertel Thorvaldsens berühmten Triumph Alexanders in Babylon.1814/15 fertigt er vier Büsten berühmter Persönlichkeiten (Ghiberti, Masaccio, Ariosto, Petrarca ), die Canova seinen Schülern für die Sammlung im Pantheon in Auftrag gegeben hatte.

Die bekanntesten Werke entstehen in den 1820er Jahren und sind nur durch eine Reihe von Zeichnungen überliefert.
Er beliefert englische und russische Auftraggeber mit klass.-mythol. Themen. In den 1830-er Jahren gibt Finelli diese
Produktion auf und wendet sich hauptsächlich religiösen Themen zu, die er streng klassizistisch ausführt. Finelli gehörte
neben Antonio Canova und Bertel Thorwaldsen zu den wichtigsten Vertretern der römischen Skulpturen des 19. Jht. Er ist Mitglied der bedeutendsten Akademien, wie der römischen Accad. di San Luca, der ABA Carrara, der Accademia Ligustica
und des Französischen Instituts.

Nach testamentarischer Verfügung wurde der Hauptteil seines umfangreichen Nachlasses für karitative Zwecke bestimmt.
Der Rest wurde für Finellis Grabmonument verwendet, das von dem Bildhauer Rinaldo Rinaldi in der römischen Kirche San Bernardo alle Terme errichtet wurde.
 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Als Sohn des Bildhauers Vitale Finelli kam er schon früh in Kontatkt mit Kunstwerken in der eigenen Werkstatt des Vaters. Auch sein älterer Bruder Pietro (*1770 ) war sein Lehrer. Schon früh gewann er Wettbewerbe und Preise. Sein berühmtester Lehrmeister war Canova. Das verhalf ihm zu Anerkennung. Bald hatte er nun ununterbrochen große Aufträge in ganz Europa. (Graf Razumowsky,Herzog von Devonshire, Prinz  Demidoff, Fürst Barjatinskij, um nur einige zu nennen.) Natürlich bekam er auch in seinem Vaterland  zahlreiche Aufträge (Siehe Werke! ).

 

5. WERKE

(WIEN)

Penzinger Pfarrkirche, Grabmal Barbara Haller-Rottmann (1812 ). Es ist das Grabmal der jung verstorbenen Frau des
Politikers Ignaz Ritter von Rottmann, Landrechtspräsident der Region Lemberg, Wien; Aufstellungsdatum 1812 aus Marmor.
Die Grabinschrift für die mit 38 Jahren verstorbene Frau ist am Granitsockel angebracht: „Barbara e gene halleriana X DEC MDCCLXVII nata fundato stipendiohalleriano sideribus erepta est XVIII apr MDCCCV. Ad Cineres fratris delecti coniugIs pientissimae ign  de rottmann scama consiliis int praeses fori nobil leopol monumentum posuit MDCCCXII“: (Barbara aus
dem Geschlecht Haller, geb. am 10. 12. 1767, ist nach Errichtung der Hallerschen Stiftung am 18.4.1805 gestorben.
Ignaz von Rottmann, Präsident im Landrat der vornehmen Stadt Lemberg, hat 1812 zu den Überresten des geliebten
Bruders der sehr guten Gattin das Denkmal gestiftet) ;(Kirchenführer Wien-Penzing S 9f).
Den Auftrag bekam zunächst Canova, der jedoch wegen Überlastung die Arbeit weiter verwies. Es ist eine frühe Darstellung einer „auferstandenen Seele“ (in England von John Flaxman entwickelt). Das Denkmal sollte ursprünglich in Lemberg auge-
stellt werden, blieb aber wegen der napoleonischen Kriege in Wien. Es zeigt eine weibliche, nach oben blickende Gestalt 
auf der Erdkugel schwebend, die mit der rechten Hand den Schleier hebt und in der Linken eine Lilie hält. Die Seele, die der Erde entflieht blickt unschuldig gegen den Himmel.

Finelli_Grabmal Rottmann

Die Marmorfigur ist fast lebensgroß, leicht nach vorne geneigt und nur mit dem Faltenwurf an der Kugel befestigt.
Das Monument inspirierte Theodor Körner (1791-1813) zu seinem Sonett „Vor dem Grabmal von Penzing“:

Der Staub zerfällt, die letzten Stürme toben,
des Lebens raue Töne verklingen,
und durch des Grabes stille Dämmerung
schwingt die befreite Seele sich nach oben.
Schon ist der Erde düst´rer Kreis bezwungen,
die Nebel sind aus ihrer Bahn zerstoben,
den Schleier hat die kühne Hand gehoben,
ins Meer des Urlichts ist der Blick gedrungen.
Ein Lilienstrauß, bedeutungsvolle Sprossen,
die nur den Kelch der Sonne aufgeschlossen,
sind ihres Sieges freudige Genossen.
Die Phantasie bewegt die Marmorglieder.
Das Vaterland empfängt den En gel wieder.
Und Ahnung dämmert aus der Heimat nieder. (Hietzing, Heimatbuch)

Im Dehio Wien, X-XIX bis XXIII Bez. Verlag Schroll,1996,S 279 wird dieses Grabmal Finelli Carlo zugeschrieben.
Finelli Carlo war ein produktiver Künstler, ganz in den Bahnen Canovas wandelnd. Er war ein geschickter Nachempfinder
und Nachahmer der Antike und Renaissance, indem er eine entschiedene Wendung sowohl zum Naturalismus wie zum Idealismus vermied (ThB, Bd 11 580 ). Seine Arbeiten sind glatt und akademisch.
In der Behandlung des Marmors war er Thorwaldsen überlegen.

(allgemein) - bearbeitet von Wilfried Dür:

BOLOGNA - Bibl.dell’Archiginnasio: weibl Marmorbüste,1850

CARRARA
ABA: Tanzende Horen,Gipsgruppe, 1824
Hl. Michael wirft Luzifer nieder, 1836
Hebe, Bleistift Zeichnung, 1822
Venus in der Muschel, 1824
Venus rafft ihre Gewänder, 1829
Amor und Psyche, Bleistift, 1804
Aktstudien, Federzeichnung, 1807-1810

FLORENZ - Uffizien: Studien, Büste eines Stephanritters, Marmor, 1846

MAILAND
Brera:Terrakottarelief Alfieri, 1805
GAM: Odyseus bringt Astynome zu nu Chryses, Flachrelief, 1808
Tizian, Marmorbüste, 1809
Napoleon verteilt mit Minerva  Lorbeerkränze, Marmor, 1811
Hebe, Marmor, 1835

NEAPEL
S.Francesco di Paola: Hl Matthäus, Marmor,1836
Privat Slg. Amor quält die Liebe, Marmor,1822

NOVARA - Dom: Putten mit Fruchtkörben, Bronze,1835

ROM
Priv Slg, Grazien, Marmor, 1829
Büsten Masaccio, Ghiberti, Petrarca, Ariost, 1814/15

TURIN - Hl. Michael; Marmor

URBINO - Dom: Raphael, Marmorstatue, 1847

VICENZA
Chiesa del Cimetrio Comunale,Grabmonument Milan Massari, 1835
Die meisten seiner mythologischen Figuren kamen in den Besitz englischer und russischer Kunstfreunde

MOSKAU
Graf Rasomowski :Juno mit Mars und zwei mythl Reliefs
Fürst Baraskin:Venus in der Muschel
Graf Demidoff: Horen

OXFORD
Graf Oxford: Venus Urania
Herzog v. Devonshire: 2 Venusstatuen

Amor mit dem Schmetterling

6. ABBILDUNGEN

(WIEN)

Abb 1: Carlo Finelli, Grabmal für Barbara Rottmann, Marmor
Abbildungsnachweis: Dia, Pfarre Penzing Nr. 211, freundlicherweise übergeben von Ing. Karl Koller, Bezirksmuseum Penzing

7. BIBLIOGRAPHIE

BIANCHETTI/L Gierut, Antologia d’arte 1974, 25-34
BIENAIME F., Protagonisti del classicismo a Roma nell’Ottocento (K).R. 2003 Nr. 47
CHECCHETELLI,Carlo, Finelli e le sue opere,1854
DARMSTAEDTER ROBERT, Reclams Künstlerlexikon, Stuttgart 1979.DEHIO Wien, Die Kunstdenkmäler Österreichs,
Verlag Schroll, Wien München, 1954, S 166
Dehio Wien, 14. Bezirk, Wien 1996, S 279
DIZIONARIO, Biografico degli Italiani, Roma, Bd. 48, 530-532
FIDLER PETR, Architektur des Seicento, Baumeister, rchitekten und Bauten des Wiener Hofkreises, Innsbruck 1990
FINELLI CARLO [III.], MUSETTI BARBARA, Carlo Finelli, Verlag silvana, Milano 2002
Hietzing, Heimatbuch, Wien, 1925, S 265 f
KENWORTHY BROWNE, Apollo 96:1972, (Okt) 326 s,331
Kirchenführer Wien-Penzing, Pfarrkirche zum Hl. Jakobus d.Ä.
KRONTHALER, Kennst du die Kirchen Wiens? Penzinger Kirche, Wien 1959, S 37f
LA GIPSOTECA dell’ABA di Carrara, Massa 1991, 82 s.
MUSETTI B.; Studi di storia dell’arte 12: 2001, 153-169
ROSETTI, L’Arcangelo S.Michele, scult. Di Finelli, Rom 1839
SAUR, Allgemeines Künstlerlexikon, München-Leipzig, 2004, Bd. 40, S 109-110
THIEME und BECKER, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler. Bd. 11, S 580-582
URLICHS, Thorwaldsen in Rom, 1887, p. 7

 
©Wilfried Dür, November 2004; überarbeitet von Mag. Daria Daniaux, 2006¸ Dr. Adelheid Gassner-Briem, 2007 und Sabine Schwienbacher, 2008

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