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DARIA, Giovanni Antonio

 

1. DARIA, Giovanni Antonio (G.A.)
Dario

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Architekt, Steinschneider, Steinmetzmeister, Hofkammerportier

3. BIOGRAPHIE

Der starke Bezug mancher seiner Werke zur römischen Kunst lässt einen Aufenthalt bzw. eine Ausbildung in Rom möglich erscheinen.

1659 wird er erstmals in Salzburg erwähnt, wo er vermutlich ab 1656 die Errichtung des Residenzbrunnens (vollendet 1661) leitete. Der formale Zusammenhang mit Werken von Berninis in Rom (Triton- und Vierströmebrunnen) ist augenscheinlich.
Die in der Literatur immer wieder angeführte Tätigkeiten Darias als Bildhauer ist bislang nicht nachgewiesen. Als Nachfahre
von Dombaumeister Santino Solari stand Daria mehr als zwei Jahrzehnte in Diensten der Salzburger Erzbischöfe.
Oft genannt bei Arbeiten: Pflasterung der vier Domkapellen (1659/60), Errichtung der Dombögen (1658 bis 1663 erbaut als bauliche Verbindung zwischen Dom und Stift St. Peter bzw. Residenz), Seitenschiffaltäre (1668 bis 1671) im Dom sowie des Erentrudbrunnens (1667) im Stift Nonnberg. 1671 bis 1674 entstand nach den Dombögen mit der Wallfahrtskirche Maria Plain ein weiteres Hauptwerk.
Die Schlichtheit seiner Werke und die Orientierung an vorherigen Objekten (z.B. Dom) zeigen Darias konservative Einstellung. Die für die oberitalienischen Künstler in Salzburg zunehmend ungünstigen Zeiten hatten auch für Daria Folgen:1675 blieb seine Bewerbung um das Hofmaurermeisteramt erfolglos (Salzburg, LA, Hofbauamtsakten). 1686 im Stift St. Florian, wo er drei Jahre lang als Werkmeister die Steinmetzen in der Schlosskapelle zu Marbach beaufsichtigte. In St. Florian entstanden unter seiner Leitung Seitenaltäre, Marmorportale in den Kapellen-Durchgängen und das Wappenschild von Propst David am Hochaltar der Stiftskirche.

Nach erster Ehe mit Francesca Garuo Allio aus Scaria, heiratete er 1689 Eva Katharina Gruber aus St. Florian, mit der er
zwei Kinder hatte und eine Gastwirtschaft betrieben haben soll. In Salzburg erinnert eine nach ihm benannte Gasse an Daria (HAINISCH, Dehio-Handbuch. Oberösterreich. Wien 1958, S. 266).

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Nachfahre von Michele De Ario.

 

5. WERKE (OBERÖSTERREICH)

5.1 St. Florian (BH Linz-Land) - Stiftskirche Mariae Himmelfahrt
Hl. Barbara-Sakraments-, Hl. Kreuz- und Hl. Magdalena Altar im linken Seitenschiff, um 1690/1700.
Alle Seitenaltäre
entstanden Anfang des 18. Jhs.

Rundgang:
Den Barbara-Altar fertigte Giovanni Antonio Daria , wobei das Bild von Wenzel Halbax 1694 gemalt wurde.
Der Anna-Altar (Hl. Nikolaus und Hl. Donatus) stammt von Leonhard Sattler aus dem Jahre 1718 und zeigt ein Bild von
Leopold Schulz von 1837.

Der Sakramentsaltar stammt ebenfalls von Giovanni Antonio Daria und trägt ein von Leopold Schulz 1848 gefertigtes Bild.
Die Kanzel wurde aus schwarzem Marmor (Schalldeckel aus Lindenholz) von Johann Michael Leither (Lilienfeld), mit plastischem Schmuck von Josef Reßler (Wien) 1755 angefertigt, und stellt ein Prachtwerk des Rokoko dar.

Ein weiterer Stück von Giovanni Antonio Daria ist der Kreuzaltar, mit wiederum einem Bild von Leopold Schulz von 1864.

Der Augustinus-Altar wurde von Giovanni B. Bianco , die Statuen (Hl. Ambrosius und Hl. Monika) von Leonhard Sattler 1720, und das Bild von Johann Michael Rottmayr 1719 (an Stelle des früheren Bildes von Wenzel Halbax bis 1843 auf dem Altar,
dann durch ein Bild von Leopold Schulz ersetzt; 1954 restauriert und wieder aufgestellt) gefertigt.

Der Schutzengel-Altar ist ein Werk von Giovanni B. Bianco und Bild von Michael Willmann (ca. 1700).

Der Maria-Magdalena-Altar wurde von Giovanni Antonio Daria gefertigt und trägt ein Bild von Andrea Celesti (Venedig;
um 1700).

Mit der Fertigung des Kirchenstühles begann Stephan Jegg (St. Florian) 1697. Auf der West-Empore befindet sich die
1770 bis 1774 (1875, 1930, 1946 bis 1951 umgebaut) gefertigte Hauptorgel (sogenannte „Bruckner-Orgel“) von Franz Xaver Krismann (Laibach). Das spätbarocke Gehäuse stammt von Johann Christian Jegg . Das prachtvolle Abschlussgitter das
durch seine Leichtigkeit die Vorhalle besonders wirkungsvollen erscheinen lässt, entstand unter Hans Meßner (Passau)
1698.

Lend, Pfarrkirche und Pfarrhof: um 1674 bzw. 1671 oder 1673
Salzburg, ehemalige Hofbibliothek (heute: Hauptpost): Planung des SW-Flügels, ausgeführt 1657 bis 1662
Salzburg, St. Peter: 12 Tragaltäre, 1676
Seekirchen, Stiftskirche: Erweiterungsbau, um 1670
Tittmoning, Stiftskirche: Turmausbau, 1672

(SALZBURG)

5.2 Wallfahrtskirche Maria Plain
Die Kirche wurde in den Jahren 1671 bis 1674 von G. A. Daria im Auftrag des Erzbischofs Max Gandolph Kuenberg erbaut. Doppeltürmige zweigeschossige und fünfachsige Süd-Fassade, Chor mit 3/8-Schluss. Nach Norden gerichteter einschiffiger
Bau mit Seitenkapellen.

5.3 Kollegiatstifts- und Dekanatskirche Hl. Petrus
Die Kirche befindet sich in Seekirchen (Bezirk Salzburg-Umgebung). Der ursprüngliche Bau aus dem 15. Jahrhundert wurde großteils bei einem Brand 1669 zerstört. Um 1670 wurde das Langhaus unter der Leitung von G. A. Daria neu erbaut.

5.4 S. Domherrensakristei - Dombögen
Der Dom steht mit der Residenz und dem der Residenzfront am Domplatz nachgebildeten Trakte des Stiftes St. Peter durch
die Dombögen in Verbindung. Diese wurden um 1660 von G. A. Daria erbaut.

5.5 Nonnberg - Brunnen
Im Küchenhof des Benediktinerinnen-Klosters Nonnberg befindet sich ein Brunnen von G. A. Daria. Mit Erentrudisstatue (Gründerin des Klosters).

5.6 S. Residenzbrunnen ... fragwürdige Zuordnung
Der 1656 bis 1661 errichtete acht-passförmige Brunnen wurde offenbar G. A. Daria zugeschrieben. Laut DEHIO Salzburg
kommt hierfür aber eher Tommaso Garona in Frage.

5.7 S. Dom - Kapellenaltäre
Die Kapellenaltäre wurden um 1670 nach Entwürfen G. A. Darias ausgeführt. Gschweifte Mensen und seitliche Postamente mit Wappen des Erzbischofs Max Gandolph Kuenburg; einfacher Ädikulaaufbau mit Säulen, Kompositkapitellen, Gebälk und gesprengten Giebel.

5.8 Domplatz – Klostergebäude – Fassade
Die Fassade des Konventtrakts am Domplatz, 1657/62 als Entsprechungs zum gegenüberliegenden Flügel der Residenz
nach Plänen von G. A. Daria errichtet und ähnlich gegliedert. Auch einige Figuren werden ihm zugeschrieben, z.B. die Propheten Moses und Elias.

6. ABBILDUNGEN (SALZBURG)

Maria Plein, AußenansichtMaria Plein, Grundriss

zu 5.2:     Wallfahrtskirche Maria Plain
                  Links: Außenansicht
                  Rechts: Grundriss

(Bilder: Franz Fuhrmann, Kirchen in Salzburg, Dehio Salzburg)

Seekirchen, Dekanatskirche Hl. Petrus mit Krypta

zu 5.3:     Seekirchen, Kollegiatstifts- und Dekanatskirche Hl. Petrus mit Krypta, Grundriss

(Bild: Dehio Salzburg, 1986)  

 

7. BIBLIOGRAPHIE

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