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CONSEGLIO, Carlo

 

1. CONSEGLIO, CARLO (Carolo, Stefan Karl)
Conelio, Consello, Consenio, Consiglio
(Sauer, S 565)

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Stuckateur

3. BIOGRAPHIE

Conseglio Carlo ist ein Tiroler Stuckateur im 17 Jahrhundert.
Er ist eventuell ein Verwandter Carlo Conselio’s (Thieme, S 318)
.

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Conseglio Carlo ist 1656-96 in und um Wien sowie auch im Trento tätig, meist bei Projekten der Baumeister-Familie Delai. Mitglieder der Familie Delai aus dem Scaria d’Intelvi tragen als Stadtbaumeister von Bozen zum wachsenden Ansehen von Bozen auf dem Gebiet der Architektur bei. Für die Innenausstattung ihrer Bauten berufen die Delai meist Lombardische Stuckateure unter denen Simon Delai, Gerolamo Aliprandi, Andrea Pelli und Carlo Conseglio (Bozen und Neustift) von Rasmo an erster Stelle genannt werden (Rasmo, 1985, S 63 - 64). Conseglio Carlo ist nachweislich zwischen 1682-85 in Bozen. 1656 wird er für Stuckarbeiten an der Fassade des Palazzo Abensberg-Traun in Wien bezahlt. 1661/62 wird er zum Schlossbau des Grafen Windhag in Münzbach hinzugezogen. 1664 Stuckierung der Sakristei der Pfarrkirche zu Maria Taferl/NÖ. Weiters Stuckarbeiten im Kloster Neustift bei Brixen (Nocacella) sowie 1694/95 den schwere Akanthusschmuck in der Kuppel der Hl. Grabkirche in Bozen, wo er auch die Chiesa della Visitazione stuckiert (Saur, S 566).

 

5. WERKE

(SÜDTIROL)

5.1 Hl. Grabkirche am Kalvarienberg, Bozen
Die Kalvarienbergkirche (Hl. Grabkirche, Grabkirche am Virgl) in Bozen wurde von Andre und Peter Delai (1683/1684) erbaut - der schwere Akanthusstuck schnitt Carlo Conseglio (1694/1695) (Egg, 1972, S 156). Bei der Hl. Grabeskirche am Kalvarienberg handelt es sich um einen hochbarocken Kreuzkuppelbau mit verlängertem Chorarm, Kuppel und Laterne. Die Wandgemälde an der Kuppel zeigen lt. Weingartner (1951) zahlreiche größere und kleiner Bilder Szenen nach der Auferstehung Christi, theologische Tugenden, allegorische Figuren usw. Diese werden von gemalten Rahmen und Ornamenten zusammengehalten. Die Bilder stammen von Gabriel Kessler und Johann Hueber, die Stuckaturen im Gewölbe sind von Carlo Conseglio (Wundram, S 96, Weingartner, 1951, S 43): Als weitere beteiligte Stuckateure werden von Petr Fidler Andrea Pelli und Hieronimus Aliprandi angegeben (Naredi-Rainer, S 27). Die Kalvarienbergkirche wurde zwischen 1987 und 1990 restauriert, dabei wurden die Gemälde von Kessler und Hueber gereinigt, sowie die Stuckaturen von Carlo Conseglio ergänzt und von Übermalungen befreit – Maurer: Franz Egger aus Bozen, Restaurator: Pescoller (Gruber, S 61)
.

5.2 Gnadenkapelle, Augustiner-Chorherrenstift, Neustift
Die Stiftskirche „Unserer Lieben Frau“ des Augustiner-Chorherrenstifts (1142 gegründet) in Neustift wurde 1198 errichtet. Sie ist eine dreischiffige Basilika mit drei Apsiden und einem Westturm. Unter Propst Fortunat Troyer (1678 – 1707) erlebte das Ausgustiner-Chorherrenstift einen baulichen Aufschwung. Die alte gotische Gnadenkapelle wurde abgerissen und 1695 von Giovanni Battista und Simone Delai neu angebaut, die Barockisierung des südlichen Stiftstrakts erfolgte durch Andrea und Pietro Delai. Der Stiftskirchenumbau erfolgte 1742-1744 (Naredi-Rainer, S 31)
.

Die Gnadenkapelle wurde an der nördlichen Landhausmauer 1695 als Zentralbau mit quadratischem Grundriss angebaut (siehe Grundriss). Carlo Conseglio schuf die „kräftigen Blattwerk-Stuckaturen“ und Putten, die Medaillonfresken (Marienleben) stammen von Kaspar Waldmann (1696); (Wundram, S 284 – 286). Egg beschreibt ein quadratisches Untergeschoss mit einer im Osten halbkreisförmigen Alatarapsis und im Süden, sowie im Norden nach außen vortretende Nischen. Im Oberbau sind achteckige Fenster, darüber halbrunde und dreieckige Giebel, die durch eine Kuppel mit Laterne abgeschlossen werden.

Im Inneren entsteht die Achteckigkeit auf quadratischem Grundriss durch die über die Ecken gestellten Doppelpilaster (Egg, 1972, S 156). Weiters stuckiert er im Kloster Neustift vermutlich den Kapitelsaal, außerdem 1680 den Korridor im Südtrakt (Saur, S 565).

6. ABBILDUNGEN

(SÜDTIROL)

6.1 Grundriss, Hl. Grabkirche am Kalvarienberg, Bozen
In: Naredi-Rainer Paul (HG), Madersbacher Lukas (HG): Kunst in Tirol – vom Barock bis in die Gegenwart, Kunstgeschichtliche Studien, Neue Folge, Band 4; Innsbruck, 2007, S 27

6.2 Außenansicht, Hl. Grabkirche am Kalvarienberg, Bozen
In: Egg Erich: Kunst in Tirol. Baukunst und Plastik. 2. Auflage, Innsbruck, 1972, S 157

6.3 GR Stiftskirche Neustift
In: Naredi-Rainer Paul (HG), Madersbacher Lukas (HG): Kunst in Tirol – vom Barock bis in die Gegenwart, Kunstgeschichtliche Studien, Neue Folge, Band 4; Innsbruck, 2007, S 31

6.4 Gewölbe der Gnadenkapelle, Neustift
Gewölbe mit Stuckaturen
In: Egg Erich: Kunst in Tirol. Baukunst und Plastik. 2. Auflage, Innsbruck, 1972, S 157

7. BIBLIOGRAPHIE

Egg Erich: Kunst in Tirol. Baukunst und Plastik. 2. Auflage, Innsbruck, 1972
Egg Erich: Kunst im Südtiroler Unterland. Bozen, 1988
Gruber Karl: Monumenta Sacra – 60 Jahre Kunst- und Denkmalpflege in der Diözese Bozen-Brixen 1945 – 2005. Bozen, 2006
Naredi-Rainer Paul (HG), Madersbacher Lukas (HG): Kunst in Tirol – vom Barock bis in die Gegenwart, Kunstgeschichtliche Studien, Neue Folge, Band 4; Innsbruck, 2007
Rasmo Nicolò: Kunstschätze Südtirols, Rosenheim, 1985
Sauer, Allgemeines Künstlerlexikon – die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Band 20, München Leipzig 1997
Thieme Ulrich (HG), Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Siebter Band, Leipzig 1912
Weingartner Josef: Die Kunstdenkmäler Südtirols, Band II, Bozen mit Umgebung – Unterland – Burggrafenamt – Vintschgau.
2. Auflage, Innsbruck 1951

Wundram Manfred (HG): Reclams Kunstführer Italien II,2, Südtirol – Trentino – Venezia Giulia – Friaul – Veneto,
Baudenkmäler und Museen. 2. Auflage, Stuttgart 1972. S 96

 
©Andrea Fink, Dezember 2008

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