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CHIAPANNI, Bartolomeo

 

1. CHIAPPANI, Bartolomeo

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Glockengießer, Glockengießerunternehmen (Firmenbezeichnung ab 1875)

3. BIOGRAPHIE

Bartolomeo Chiappani d. Ältere gründete 1754 eine Glockengießerei in Trient und führte diese bis 1790. Ihm folgte sein Sohn Lorenzo Chiappani, der das Geschäft bis 1844 führte. Lorenzo Chiappani war ein begabter Violinespieler und äußerst an Physik interessiert. Er verstarb 1845 und soll in seiner Berufslaufbahn über 1000 Glocken gegossen haben. Ab 1844 übernahm Bartolomeo Chiappani d. Jüngere (Sohn des Lorenzo) die Agenden des Unternehmens. Er galt als virtuoser Cellospieler. Bis zu seinem Tod 1875 soll er über 1500 Glocken gegossen haben, u.a. für Salurn, Marling, Rodeneck, Strigno, St. Pauls/Eppan und für den Bozener Dom. Erhalten blieben eine große Glocke aus Marling (1847) sowie die große Bozener Domglocke von 1845 (Oktavglocke).
Ihm folgte Karl Chiappani, der 1875 das Unternehmen übernahm und unter dem Firmennahmen „Bartolomeo Chiappani“ fortführte. Technischer Direktor des Unternehmens wurde sein Bruder Guido Chiappani. Karl Chiappani floh nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges nach Italien und verstarb in Mailand. Die Firma wurde nach Kriegsende von der Firma L. Colbacchini übernommen. (Alle Angaben vgl. Wernisch 2006, S. 272f.)

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

„In Trient, der Hauptstadt des Trentino, befand sich eine der bedeutendsten Gussstätten der K. & K. Monarchie, die ihren Ruhm hauptsächlich der Firma Chiappani verdankt. Hier waren schon seit dem Mittelalter Glockengießer tätig, über die aber fast nichts bekannt ist, denn vor dem 19. Jh. haben diese nur sehr selten in die deutschsprachigen Gebiete geliefert.“ Zitat aus: Wernisch 2006, S. 272.

Das Glockengießerunternehmen Chiappani in Trient gehörte zu den berühmtesten und größten Glockengießereien der K. & K. Monarchie.  (vgl. Wernisch 2006, S. 261)
Die meisten der Südtiroler Glocken wurden von verschiedenen oberitalinischen Gießereien in den 1920er und 1930er Jahren gegossen (z.B. Colbacchini u.a.).  (vgl. Wernisch 2006, S. 261)

 

5. WERKE

(SÜDTIROL)

Im Gegensatz zu Österreich blieben in Südtirol/Italien eine Reihe von Chiappani-Glocken erhalten, so die großen Glocken von Gries (Durchmesser 201 cm), Meran (Durchmesser ca. 175 cm), und Marienberg (Durchmesser 154 cm). (vgl. Wernisch 2006, S. 273)
Eine Auflistung aller bekannten Glocken des Familienunternehmens finden sich in: Wernisch 2006, S. 273. Hier findet sich ein Auszug der wichtigsten Glocken:

5.1. Bozen, Herz-Jesu-Kirche
Die Kirche in der Rauschertorgasse wurde von den Eucharistinern erbaut, die sich hier 1897 niederließen. Der Bau wurde von Johann Bittner in Bozen als neoromanische Kirche entworfen. Förderer der Kirche ist die Familie von Zallinger-Stillendorf.
Bartolomeo Chiappani schuf eine der sieben Glocken, datiert mit 1908.
Lt. Wernisch 2006, S. 273: 7 Glocken von Chiappani

5.2. Lengstein, Pfarrkirche zur hl. Ottilia
Eine der Glocken stammt von  der Firma „Bartolomeo Chiappani“, datiert mit 1902 (Weingartner 1991, 150).

5.3. Maria Weißenstein, Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau
Weißenstein ist als größte Marienwallfahrt Tirols bekannt und wurde nach dem Fund eines Gnadenbildes 1553 zuerst als Kapelle und 1638 nach Plänen von Johann B. Delai aus Bozen begonnen und 1654 von Steinmetz Anton Santa aus Petersberg vollendet. Die Kirche wurde 1673 geweiht. „Bartolomeo Chiappani“ schuf eine Glocke für die Kirche, datiert mit 1885 (Weingartner 1991, 416).

5.4. Branzoll, Pfarrkirche zum Heiligen Herzen Jesu
Die Ende des 19. Jahrhunderts in neoromanischem Stil errichtete Kirche beherbergt zwei Glocken von „Bartolomeo Chiappani“, Trient, 1891 (Weingartner 1991, 417).

5.5. St. Walburg, Pfarrkirche hl. Walburga
Für die 1278 erstmals erwähnte Pfarrkirche hl. Walburga schuf Bartolomeo Chiappani drei Glocken, datiert mit 1867 (Weingartner 1991, 526).

5.6. Marling, Pfarrkirche zu Mariä Himmelfahrt
Die Glocke von Bartolomeo Chiappani wird mit 1847 datiert und gilt als eine der wohlklingendsten Glocken Südtirols (Weingartner 1991, 545).

5.7. Schweinsteg, Pfarrkirche hl. Ursula
Die Pfarrkirche Hl. Ursula in Schweinsteg wurde im 16. Jahrhundert errichtet und nach einem Brand 1895 neu aufgebaut. Die neue Glocke der Kirche von „Bartolomeo Chiappani“ wird mit 1905 datiert (Weingartner 1991, 670).

5.8. St. Martin in Passeier, Pfarrkirche hl. Martin
Mit 1882 datierte Glocke von „Bartolomeo Chiappani“, Trient (Weingartner 1991, 675).

5.9. Rabenstein, Pfarrkirche zum hl. Herzen Jesu
Die Kirche wurde 1744 errichtet und nach der Zerstörung durch eine Lawine 1888 nach den Plänen des Wiener Dombaumeisters Friedrich Schmidt 1889 neu erbaut. Die beiden Glocken von „Bartolomeo Chiappani“ werden mit 1845 und 1885 datiert (Weingartner 1991, 703).

5.10. Platt, Pfarrkirche zu den Heiligen Ursula und Sebastian
Die Pfarrkirche der hll. Ursula und Sebastian wurde 1456 geweiht, der seitliche Spitzturm vermutlich 1470 errichtet. Bartolomeo Chiappani schuf eine Glocke für die Kirche, die mit 1864 datiert wird (Weingartner 1991, 704).

5.11. Gries/Bozen, Stiftskirche
10 Glocken auf g°, datiert 1895 (lt. Wernisch 2006, S. 273)

5.12. Burgeis, Benediktinerstift Marienberg, Stiftskirche zu Unserer Lieben Frau
6 Glocken auf c´, datiert 1898 (lt. Wernisch 2006, S. 273)

5.13. Sillian, Pfarrkirche
5 Glocken auf b°, datiert 1905 (lt. Wernisch 2006, S. 273)

 

 

7. BIBLIOGRAPHIE

Dorfbuch Marling, hrsg. von der Raiffeisenkasse Marling, Bozen 1989
WEINGARTNER, Josef: Die Kunstdenkmäler Südtirols, Band 2, Bozen/Innsbruck/Wien 1991
WERNISCH, Jörg: Glockenkunde von Österreich, Lienz 2006

 
©Dr. Verena Konrad, März 2009

 

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