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CASTELLO, Elia

 

1. CASTELLO, Elia

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Architekt, Bildhauer, Stuckateur, Mosaizist, Maler

3. BIOGRAPHIE

* 1572 in Melide/Como (laut SAUR, Allg. Künstlerlexikon in Millesimo/Provinz Como);
†  23.1.1602 in Salzburg (laut Pirckmayer am 1.1.1608)

Mit 30 Jahren geht Elia Castello nach Salzburg, wo er Hofbaumeister des Erzbischofs Wolf Dietrich von Salzburg (laut SAUR, Allg. Künstlerlexikon Wolf Dietrich von Raitenau) wird. Er verbindet in seinen (Bau-)Werken die italienische Renaissance mit dem Frühbarock. Castello stirbt in Salzburg und liegt auf dem Sebastiankirchhof begraben.


 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Elia Castellos Brüder Pietro und Antonio sind ebenfalls Künstler; sie arbeiten als Stuckateure unter anderem für Francesco Marziano in Wettingen. Die Brüder errichten Elias Grabmal mit einer Büste des Verstorbenen.

Wichtigster (und in der Literatur als einziger aufscheinender) Auftraggeber Castellos ist der Salzburger Erzbischof Wolf
Dietrich, für den der Künstler auch ein Mausoleum errichtet und ausstattet.

 

5. WERKE

(SALZBURG)

5.1 Gabrielskapelle des Sebastianfriedhofs, Salzburg
1595 wurde auf dem alten Domfriedhof - der mit Arkaden gerahmte Sebastianfriedhof ganz nach italienischem Vorbild eines „Campo Santo“ gestaltet (Hellmut Lorenz 1994, 14). Die Gabrielskapelle befindet sich in der Mitte des Friedhofs und wurde
als Mausoleum für Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau zwischen 1597 und 1603 errichtet (Dehio Salzburg 1986, 622).
Den Bau sowie die innenarchitektonische Ausstattung stammen von Elia Castello selbst bzw. wurden nach seinen Plänen vollendet, lt. Epitaph verstarb er am  23.1.1602 (Thieme 1912, 149; Reclams Kunstführer 1974, 592).
Der kreisrunde Zentralbau weist eine rechteckige Apsis auf und ist durch toskanische Pilaster gegliedert. Über dem Gebälk erstrecken sich ein ausladendes Abschlussgesims und ein leicht geschweiftes Kuppeldach mit Gaupen. Das Portal ist durch eine profilierte Umrahmung, Gebälk und Dreiecksgiebel hervorgehoben. Zusätzlich ist im Giebel das Wappen des Erzbischofs Wolf Dietrich eingearbeitet. Der zylindrische Innenraum wird nach oben hin zur Kuppel durch ein Gebälk abgegrenzt, die Wand darunter ist mit bunten quadratischen Fliesen, schachbrettartig mit Vorherrschen von Weiß (Reclams Kunstführer 1974, 591), verkleidet. Gegliedert wird die Kuppel  durch vergoldete Blattstaudenrippen und vier Ochsenaugen, dazwischen glänzen Fliesen in Form von Rhomben in den Farben blau und rot (Reclams Kunstführer 1974, 591). Im Scheitel des Triumphbogens ist das Wappen des Erzbischofs angebracht. Der Altarraum ist quadratisch mit rechteckigen Fenstern und Fliesenmosaike im Blattrankenornament. Über dem mit Stuck verzierten Gebälk breitet sich ein Tonnengewölbe mit Stuckkassetten und farbigen Reliefs aus, das wahrscheinlich auch von Elia Castello stammt. Es zeigt die vier Kardinaltugenden, die vier Kirchenväter und in der Mitte das Wappen des Erzbischofs Wolf Dietrich. Über dem Portal im Hauptraum befinden sich Fenster und in den Diagonalachsen vier gerahmte Nischen mit überlebensgroßen Stuckfiguren der vier Evangelisten (Dehio Salzburg 1986, 622).
Elia Castello hat durch seine besondere Verwendung der glasierten Fliesen den Grundstein für eine neue blühende  Keramikindustrie in Salzburg gelegt (Thieme 1912, 149).

5.2 Neue Residenz (Mozartplatz 1)
In diesem fürstlichen Wohngebäude aus dem 17. Jahrhundert, heute Sitz der Landesregierung, war Elia Castello tätig.
1602 stattete er mehrere Prunkräume im zweiten Stock, dem piano nobile, aus. Die spiegelgewölbten Räume, teils mit zusätzlichen Stichkappen versehen und mit reichem, buntem Stuckdekor sind einzigartig. Bemerkenswert ist auch die verwendete Technik, und zwar handelt es sich um in der Masse - u.a. auch Spiegel - eingefärbten Stuck (Reclams Kunst-
führer 1974, 607).
Die Decke dieser fünf Räume (Tugendsaal, Gloriensaal, Ständesaal, Feldherrensaal, Badezimmer) weist Flächen deckend ornamentalen Stuck sowie einzelne Felder mit figuralen Darstellungen in Hochrelief auf. Das Gebälk drum herum ist mit Blattwerk- und Rankenfries geschmückt (Dehio Salzburg 1986, 583).
Der rechteckige Tugendsaal  zeigt in seiner Stuckkassettendecke allegorische Figuren: in den Mittelfeldern die drei theologischen Tugenden - Glaube, Liebe und Hoffnung - und in den Zwickelfeldern die vier Kardinaltugenden - Gerechtigkeit, Stärke, Weisheit und Mäßigkeit. Die Stichkappen und Schildbogenfelder sind mit ornamentalem Stuck versehen (Dehio Salzburg 1986, 583). Dieser Saal wurde ursprünglich als Vorzimmer zu den folgenden Repräsentationsräumen verwendet
(Dehio Salzburg 1963, 95).
Gegen Westen öffnet sich der ursprüngliche Empfangssaal, der Gloriensaal: ein quadratischer Raum mit quadratischem Stuckfeld in der Deckenmitte. Dieses Feld zeigt eine Gloriole von Engelschören um das Zeichen Gottes und ist von vier rechteckigen Feldern umgeben, die Szenen der Verkündigung, der Heimsuchung, der Anbetung der Hirten und der Dar-
bringung im Tempel zeigen (Dehio Salzburg 1986, 583).
Der Ständesaal ist der größte der Repräsentationsräume. Er ist rechteckig und in den drei Feldern der Deckenmitte sind Szenen staatstreuen, aufopfernden Verhaltens aus der römischen Geschichte, als Symbol der weltlichen Macht des Erzbischofs dargestellt. So kann man Mucius Scaevola erkennen, wie er vor dem König Porsenna seine Hand ins Feuer legt, oder den Opfertod des Marcus Curtius. Daneben sind fünf Medaillons mit Büsten angebracht (Dehio Salzburg 1986, 583).
Richtung Osten befindet sich der beinahe quadratische Feldherrensaal. Das Achteckfeld in der Deckenmitte stellt das Wappen Wolf Dietrichs auf Goldmosaikgrund dar. Es wird von vier Feldern mit halbfigürlichen Darstellungen Karls des Großen, Gottfried von Bouillon, Karl V. und Juan d’ Austria umrahmt (Dehio Salzburg 1986, 583).
Zum Schluss noch der kleinste Raum, rechteckig mit einer ovalen Kuppel und Pendentifs: das Badezimmer. Die Kuppel ist
mit Keramikmosaiks und vier Stuckengeln mit Hohlspiegeln und Palmzweigen geschmückt (Dehio Salzburg 1986, 583). Die Putten mit Spiegeln und die mosaikartigen Keramik - Inkrustationen findet man auch in der Gabrielskapelle, die auch Elia Castello zugeschrieben wird (Dehio Salzburg 1963, 95).

(OBERÖSTERREICH)

5.3 Würting, Schloss
Die Stuckarbeiten an der Einfahrt, im Treppenhaus und am Arkadengang werden Elia Castello zugeschrieben (SAUR 1997, 204f).
                                                                                          

6. ABBILDUNGEN

(SALZBURG)

Außenansichtinnen, StuckGrundriss

zu 5.1:     Gabrielskapelle des Sebastian-Friedhofes, Salzburg
                  Links: Außenansicht
                  Mitte:  Innen – Stuck, Reliefs und Wandverkleidung
                  Rechts: Grundriss

(Bilder: Franz Fuhrmann, Kirchen in Salzburg, 1949. Manfred Erhardt, Die Salzburger Barockkirchen im 17. Jh., 1975)

DeckenstuckaturGrundriss

zu 5.2:     Neubau Residenz, Salzburg
                  Links: Deckenstuckatur; Anbetungsszene im Gloriensaal
                  Rechts: Grundriss. 2. Obergeschoss

(Bilder: Franz Martin, Kunstgeschichte von Salzburg, 1925; Dehio Salzburg, 1986)

Neubau, Salzburg (Reclams Kunstführer 1974, 608 Tafel)

Castello_Sbg.ResidenzNeubau

 

7. BIBLIOGRAPHIE

DEHIO Salzburg, Stadt und Land, 1986
DEHIO Salzburg, 1963
DEHIO, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler/Österreich, Band 1: Kärnten, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg / 1933
SCHMIDT, Österreichisches Künstlerlexikon
EBHARDT, Salzburger Barockkirchen, 1975
BAROCK in Salzburg, 1977
MARTIN Franz, Kunstgeschichte von Salzburg, 1925
THIEME BECKER, Künstlerlexikon
SAUR, Allgemeines Künstlerlexikon

Bernd Euler und Rotraud Acker - Sutter, Die Kunstdenkmäler Österreichs. Salzburg (Dehio Salzburg), Wien 1986
Hellmut Lorenz, Architektur. Die Anfänge, in: Günter Brucher (Hg.), Die Kunst des Barock in Österreich,
Salzburg – Wien 1994, 11 – 128, 14
Franz Martin und Franz Fuhrmann, Die Kunstdenkmäler Österreichs. Salzburg (Dehio Salzburg), Wien ⁿ1963
Karl Oettinger (Hg.), Reclams Kunstführer Österreich, Bd. II, Stuttgart 1974
SAUR. Allgemeines Künstlerlexikon, Bd. 17, München – Leipzig 1997

Thieme (Hg.), Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler, Bd. 6, Leipzig 1912

©Maria Markl, 2005 - ergänzt von Maria Theresia Hofmann, 2007

 

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