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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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CASTELLAZZI, Passibili

 

1. CASTELLAZZI, Passibili (Passibile, Passible)
Castlazzi, Castellazio; Castellatio

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Architekt, Baumeister

3. BIOGRAPHIE

Castellazzi stammte aus Mailand. Als Witwer heiratete er am 14.05.1606 in Linz Katharina Engelhaupt, die Tochter eines Messerschmieds aus Neuötting.

In Linz erwarb er 1612 das Haus in der Keplerstraße 22. Sicher ist, dass er viele Jahre in Linz gearbeitet hat. Sein Name erscheint in den Dokumenten im Zusammenhang mit der Qualifikation: Architekt. Er erneuerte 1626 die abgebrannte Stifts-kirche Schlägl und barockisierte 1629/30 die Priestersakristei und erbaute 1630 die Prälatensakristei. Dort war er 1640 und
1650 nochmals tätig. Am 12. Oktober 1656 starb er in Linz (vgl. Dehio 1956, 303).

Als Linzer Baumeister 1640 bis 1650 erwähnt.

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Gesichert ist nur seine Arbeit im Prämonstratenserstift Schlägl in Oberösterreich.
Es wurden keine weiteren Angaben zum Bekannten- und Freundeskreis gefunden.

 

5. WERKE

(OBERÖSTERREICH)

5.1 Prämonstratenser-Chorherren-Abtei
Vor 1204 durch Chalhoch von Falkenstein, welcher Zisterzienser aus Langheim (Bramberg) berief (jedoch an anderer Stelle, wahrscheinlich beim heutigen Ödenkirchen), gegr.; doch bald von Mönchen verlassen. Zweite Gründung (am heutigen Ort)
durch Chaljoch 1218, mit Prämonstratensern von Mühlhausen in Böhmen. Frühzeitiger Versuch, sie dem Stift Osterhofen in Bayern zu unterstellen (erst 1764 zugunsten Osterhofen entschieden). 1657 Abtei. Brände um 1320, 1626 (Bauernkrieg),
1702, 1739, 1801, 1850. Niedrige Blechdächer (seit dem Brand 1850).
Unter Propst Heinrich I. entstand zwischen 1242 und 1260 ein Kirchenbau aus Stein, der im 15. Jahrhundert gotisiert wurde.
Im Jahr 1626 kam es nach einem Brand zu Erneuerungsarbeiten unter dem Baumeister Passibili Castelazzi. An der Südseite des Chores entstanden die Priester- und die so genannte Prälatensakristei (vgl. Reischl 1973, 15).

5.2 Prämonstratenser-Stiftskirche Mariae Himmelfahrt
Unter Propst Heinrich I (1242-60) Neubau der Kirche aus Stein; wahrscheinlich unter Propst Andreas I Rieder (1444-81)
gotisiert und erweitert. Nach Brand 1626 barockisierende Erneuerungsarbeiten, wohl durch den Baumeister Passibili
Castelazzi aus Mailand (welcher 1629 die gotische Priestersakristei umbaute und 1630 die Prälatensakristei neu errichtete).
Aus Mailand kam um 1630 der Baumeister Passibili Castelazzi und baute die Stiftskirche und die Priestersakristei um. Es handelt sich um ein dreischiffiges dreijochiges kreuzgewölbtes basilikales Langhaus; das Mittelschiff wurde wohl von der vermutlich einschiffigen spätromanischen Anlage übernommen; das südliche Seitenschiff (an Stelle des nördlichen Kreuz-gangarmes) und das wesentlich breitere nördliche gotische Seitenschiff, vermutlich 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, werden
durch weitgespannte Spitzbögen auf rechteckigen Pfeilern mit dem Mittelschiff verbunden. Das östliche Joch der Seitenschiffe ist verbaut (nördlicher Turm, südliches Kantorium). Im östlichen Mittelschiff – Joch mit 15 Stufiger Aufgang zu dem hohen und langgestreckten, dreijochigen, kreuzgewölbten, gerade geschlossenen gotischen Chor aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Sämtliche Bauglieder sind frühbarock umgewandelt. Ein Chorabschlussstein 1630 bezeichnet eine sechsachsige westliche Orgelempore um 1630. Der außerordentliche Eindruck des Raumes ist durch das dem Besucher sich mitteilende Aufwärts-streben bestimmt. Eingeleitet wird diese durch das Ansteigen der Treppe zum Kirchentor und durch die Treppe in der Vorhalle. Im Inneren der Kirche wirken in diesem Sinne die im Verhältnis zur Länge außerordentliche Höhe des Langhauses, die Höhe
der Trennungsbogen, das außerordentliche schlanke Verhältnis des Fronbogens und besonders die Treppe in dem Vorchore sowie die Beleuchtung, die von dem etwas gedämpften Lichte des Langhauses (infolge des Fehlens von Fenstern in den Obermauern des Mittelschiffes) nach der Abdunkelung des Vorchores eine ausdrucksvolle Steigerung gegen den ganz erleuchteten Chor erfährt. An der West Seite der Kirche über der Vorhalle (mit spätgotischen innerem Westtor) eine im
Kerne offenbar spätrömische quadratische, um ca. 1630 klostergewölbter Raum, der ursprünglichen Empore oder Kapelle
eines Westwerkes (vgl. z. B. Gurk, Lambach) war. Äußeres, sehr bemerkenswertes barockes marmornes West Portal […]
mit guter Statue Maria mit Kind. Turm nördlich des Vorchores, an der Stelle des östliche Joches des nördlichen Seiten-
schiffes, gotisch, 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, 1748 erhöht, mit Zwiebelhelm und Laterne.[…]

5.3 Priestersakristei
Die im Kern gotische Priestersakristei wurde von Castelazzi 1629/30 umgebaut und die, sich anschließende Prälatensakristei wurde 1630 neu erbaut. 
Die Priestersakristei ist im ihrem Kern gotisch (vgl. Luger 1958, 8). 1629 barockisierte Castelazzi diese (vgl. Saur 1997, 167). Sie liegt an der Stelle der alten oberen Sakristei, welche bis zu dem Zeitpunkt als Schatzkammer, Bibliothek und Archiv ge-dient hatte (vgl. Reischl 1973, 15). Von der Kirche aus wird diese Sakristei als erste betreten.
Licht erhält sie durch drei Fenster, von denen zwei zusammengezogen sind und durch die darüber liegenden ovalen Ochsenaugen (vgl. Reischl 1973, 36).

5.4 Prälatensakristei
Passibili Castelazzi erbaute 1630 die Prälatensakristei im Stift Schlägl. Sie wurde neu erbaut (vgl. Lehr 1987, 131) und
schließt nun nach Osten an die Priestersakristei an (vgl. Reischl 1973, 15).
Beide Sakristeien sind etwa gleich groß und weisen einen quadratischen Grundriss auf. Besonders auffallend ist des
Gewölbe, das seitlich in gotischen Rippen beginnt, die in der Mitte von einem Spiegelgewölbe aufgefangen werden. Es
handelt sich hier um ein seltenes Beispiel aus der Übergangszeit von der Gotik zur Renaissance (vgl. Reischl 1973, 36).

6. ABBILDUNGEN

(OBERÖSTERREICH)

6.1 Die Stiftskirche Schlägl: Innendarstellung (Pömer 1985, 151).
6.2 Grundriss des Prämonstratenser-Stifts Schlägl (Luger 1958, 4).

 

7. BIBLIOGRAPHIE

DEHIO-Handbuch die Kunstdenkmäler Österreichs. Oberösterreich. Wien 1956. S. 303- 305.
FELHOFER, Martin: Prämonstratenserchorherrenstift Schlägl. Ried im Innkreis 1992.
HAINISCH, Erwin: Dehio- Handbuch Oberösterreich, Wien 1958.
LEHR, Rudolf: Landeschronik Oberösterreich. Das Tagebuch des Landes ob der Enns. Linz 1987.
LUGER, Walter: Kunst der Heimat. Das Prämonstratenser- Stift Schlägl. Linz 1958.
MORPURGO, Enrico: Gli artisti italiani in Austria, Band II, Rom 1962.OETTINGER, Karl: Reclams Kunstführer Österreich, Stuttgart 1974.
PÖMER, Carl: Kunst in Oberösterreich. Band 3. Linz 1985. S. 150, 151.
REISCHL, Friedrich: Stift Schlägl. Aigen-Schlägl 1973.
SAUR- DEHIO- Handbuch die Kunstdenkmäler Österreichs. Oberösterreich. Wien. 1956. allgemeines Künstlerlexikon.
Band 17. München/ Leipzig 1997. S. 167.
SCHMIDT, Rudolf: Österreichisches Künstlerlexikon, Band 1, 1978.
SONDERDRUCK aus: "Jahrbuch der Diözese Linz 1980": Ein Kloster stellt sich vor: Stift Schlägl in Geschichte und
Gegenwart. Linz 1980.
K.G. SAUR, Allgemeines Künstlerlexikon . Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Band 16, München- Leipzig 2004.

 
©Elisabeth Streicher, März 2006; ergänzt von Aleaxandra Ruth, Juli 2007 und Sabine Schwienbacher, Januar 2008

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