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CARNERI, Matthias

 

1. CARNERI, Matthias (Mattia, Mattio)
Carmero

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Architekt, Bildhauer, Skulpteur

3. BIOGRAPHIE

M.C. wurde im Juni 1592 in Trient als Sohn des Architekten, Malers und Bildhauers Paolo Carneri und Elisabetta di Mattero dall’Acqa geboren und wurde am 7. Juni desselben Jahres in der Kirche Santa Maria Maggiore getauft (CESSI, 15; BORTOLI, 31; SCHMIDT, 312).

Seine erste künstlerische Ausbildung erhielt M.C. wohl in der väterlichen Steinmetzwerkstatt in Trient. Leider sind keine gesicherten Quellen erhalten bzgl. der Werken in Trient und Padua, bei welchen er mitgearbeitet haben könnte (RINGLER (1966), 535; CESSI, 15; BORTOLI, 31).

Aus den Jahren 1625 bis 1630 sind uns ebenfalls keine Quellen bekannt, die den weiteren persönlichen Werdegang M.C. gesichert belegen. Es wird jedoch vermutet, dass er nach seinen ersten Lehrjahren Trient verlassen habe um nach Venedig zu gehen und dort in größeren Steinmetzbetrieben zu arbeiten (RINGLER (1966), 535; CESSI, 16).

In den Jahren 1626 bis 1628 hielt sich M.C. vermutlich in Innsbruck auf (RINGLER (1966), 535 ). Zwischen 1631 und ca. 1644 war M.C. wieder in Venedig, wobei er seinen Aufenthalt 1639 möglicherweise für einen Ausflug nach Bozen unterbrochen hat. Ab ca. 1644 arbeitete M.C. in Padua; 1658 zog er jedoch wieder in seine Heimatstadt Trient (SCHMIDT, 312; CESSI, 53).

M.C. verstarb am 13. Oktober 1673 in Trient im Alter von 85 Jahren. Er wurde in der Kirche Santa Maria Maggiore in Trient beigesetzt (RINGLER (1952), 334-335; BORTOLI, 33).

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Eltern: Paolo Carneri und Elisabetta di Mattero dall'Acqa (CESSI, 15)
Geschwister: Giandomenico (*1587), Matteo (*1591), Giovanni Antonio (*1597), Simone (*1604), Caterina, Maria, Lucrezia, Caterina 2° (CESSI,  11)
Großvater: Giandomeniko Carceri (RINGLER (1966), 535)

Die Familie der Carneri hatte sich schon mehrmals die Gelegenheit gehabt sich vor Mitgliedern des Innsbrucker Hofes auszuzeichnen. So hatten M.C., sein Vater P.C. und sein Großvater G.C. in Trient Triumphbögen errichtet, anlässlich der Besuche von Kardinal Andreas von Österreich, Erzherzog Ferdinand von Tirol und Erzherzog Andreas Carl. Im Jahre 1625 errichtete M.C. einen Triumphbogen für Erzherzog Leopold, in dessen Auftrag er ein Jahr später die Arbeiten für den Hochaltar
in der Servitenkirche in Innsbruck durchführte. In eben derselben Kirche arbeitete M.C. eng mit dem Kammermaler Martin Theophil Polak zusammen, welcher 1628 das Altarblatt des Hochaltares fertig stellte (FELMAYER (1967), S.23; BORTOLI, 31).

Offensichtlich entwickelte sich zwischen den beiden Künstlern ein gutes Arbeitsverhältnis, da sie im Marienoratorium der Hofkirche ebenfalls zusammen arbeiteten (RINGLER (1966), S.536-537). Das Marienoratorium wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit von Eleonora Gonzaga, der zweiten Gemahlin Kaiser Ferdinands II., in Auftrag gegeben (OKT, 302).

 

5. WERKE

(TIROL)

5.1 Hochaltar der Servitenkirche in Innsbruck
Nach einem Brand im Jahre 1620 musste die Servitenkirche in Innsbruck neu aufgebaut werden. J. Barchi beziffert den entstandenen Schaden mit 66.000 fl. (FELMAYER (1990), 11). Im Zuge dieser Arbeiten schuf M.C. von 1626-28 den Hochaltar der Vermählung Mariens in Stuck, für welchen ihm im Jahre 1626 424 fl. 26 kr. bezahlt wurden (FELMAYER (1967), 23).

Der Altaraufbau aus Stuckolustro stammt aus der Zeit um 1731 als der Hochaltar im Zuge von Renovierungsarbeiten an die Südwand des Presbyteriums versetzt wurde. Zuvor stand er in der Mitte des zwei-jochigen Chores. Der dahinter liegende
Raum wurde damals als Oratorium benutzt (FELMAYER (1990), 11). Felmayer vermutet, dass die Idee der Nischenarchitektur mit Blendsäulen oder -pilastern und der bogenförmige Giebelabschluss vom Altar M.C.’s übernommen wurde, da das Altarblatt in seiner Hintergrundarchitektur eine derartige Architektur fortzusetzen scheint. Jedoch müssten demnach die ursprünglichen Säulen und Pilaster etwas höher anzusetzen sein. Zudem könnten alte Teile des Altares wieder verwendet worden sein, da der Stuckolustro Unterschiede in der Färbung aufweist. Der ursprüngliche Tabernakel, ein Rundbau mit 22 Säulen, ist ebenfalls
nicht mehr erhalten. Er wurde 1893 ersetzt (FELMAYER (1967), 23).

Erhalten sind noch die vier Statuen, welche ursprünglich sehr eng mit der Architektur verbunden gewesen sein müssen.
P. Zinkl vermutete fälschlicherweise sie seien aus Marmor. Doch anscheinen wurden sie geschliffen und poliert und bei Restaurierungsarbeiten weiß übermalt (RINGLER (1952), 334). Zu beiden Seiten des Altarblattes stehen in von jeweils
zwei Säulen eingerahmten Nischen zwei Stauten. Zur rechten ist die Figur des Hl. Marcellus, Lanze und Dolch tragend, zu erkennen. Auf seinem Mantel erscheint der Panter Mantuas, der auf den Stifter der Statue hinweisen könnte. Zur linken Seite des Altarblattes befindet sich die Statue des Hl. Coelestinus, welcher einen Bihänder trägt. Die geschwungene Haartracht, als auch der Faltenwurf der Kleidung unterstreichen die Bewegung und Dynamik der Statuen. Die „zu dicken Unterarme beider Figuren dürfte N. Moll 1720 restauriert haben“ (RINGLER (1966), 535; FELMAYER (1990), 30).

Auf dem Giebel des Hochaltares finden wir zwei weitere Statuen in halb liegender Pose, welche mit ihrer Kopfbedeckung an
der Decke anstoßen. Es handelt sich hierbei auf der rechten Seite  um König David mit Harfe, Turbankrone und Pallium und
auf der linken Seite um den Hohepriester Aaron mit umgehängter Gesetzestafel, Mitrakrone, blühenden Zweig und Weihrauchfass.

Am oberen Ende des Hochaltares schweben neben einer Kartusche mit der Inschrift ‚Ite as Joseph’ zwei schlanke Putten, welche sich in der Mitte eine Hand reichen und mit der anderen auf die Kartusche weisen (RINGLER (1966), 535; FELMAYER (1990), 30-31).

5.2 Marienoratorium der Hofkirche
Östlich des Fürstenchores der Hofkirche befindet sich im ersten Stock des Franziskanerklosters ein Marienoratorium. Es
wurde um 1626/27 errichtet und wird gemeinhin M.C. sowie Martin Theophil Polak zugeschrieben. Der Kapellenraum entstand durch die südliche Verlängerung eines ‚Stübchens’, das sich Kaiser Ferdinand I 1554 hatte erbauen lassen (ÖKT, 302-304).
Es ist nicht gesichert, ob der Stuck in allen Teilen von der Hand Carneris stammt, doch wird vermutet, dass die Gesamt-konzeption von ihm entworfen wurde, deren illusionistisch barocke Gestaltung wichtige Impulse für die barocke Kirchen-gestaltung in Tirol gab. Die Kapelle ist ein kleiner, annähernd runder Bau mit einem Kuppelgewölbe, in welchem Stuckaturen und Freskomalerei eindrucksvoll zusammenwirken.

Seitliche Wandpilaster und eingestellte Säulen aus gelblichem Marmor mit ionisierenden Voluten bilden den Eingang zum
Chor. Die Wand des Chorraums selbst wird durch zierlich kannelierte und teilweise vergoldete Pilaster in fünf Felder unterteilt und durch ein weit vorkragendes Abschlussgesims des Gebälks von der Kuppelzone getrennt. Die Pilaster setzen sich in der Kuppel als Gurte mit Eierstabmuster fort und enden, sich verjüngend, in einem ovalen von einem Fruchtkranz und stuckierten geflügelten Engelköpfen eingefassten Kuppelauge.

Die heute verdeckte Altarnische wird zu beiden Seiten durch Pilaster mit weit in den Raum auskragenden Volutenbasen und stark verkröpften Kapitellen eingerahmt. Auf den Volutenbasen und den Kapitellen sitzen jeweils 2 Putti. Die oberen zwei Engelkinder halten eine, oberhalb einer Kartusche mit der Inschrift ‚ Tota pulchrs es / Maria et Macula / non est in te.’ angebrachte, Krone. In der heute durch ein Altarblatt verdeckten Nische befand sich ursprünglich eine Marienstatue mit Kind
von M.C. Der Sockel wurde von zwei Engelkindern gestützt. Die gesamte Figurengruppe wurde (mit Ausnahme der Zehen Mariens) 1915 zerstört (RINGLER (1966), 536-537; EGG (1974), 80; ÖKT,  305-306)
.

(SÜDTIROL)

5.3 Entwurf für die Merkantilkapelle (Kapelle der Kaufleute) und den Dominikusaltar in der
Dominikanerkirche in Bozen

Im Jahre 1639 wurden an der Dominikanerkirche Ausbauarbeiten vorgenommen, im Zuge jener das Merkantilmagistrat eine Kapelle der Kaufleute errichten ließ, welche dem Hl. Domenikus geweiht werden sollte. Diese Kapelle hatte einen viereckigen Grundriss und eine achteckige Kuppel (PINTARELLI/BASSETTI, 22). Einschlägige Literatur weißt diesen Bau M.C. zu (RASMO(1976), 58; FIDLER, 20-Anm. 18; RASMO (1985), 64; SCHMIDT, 312). Cessi berichtet jedoch lediglich, dass M.C. 1639 eine Zeichnung für die Kapelle und den darin errichteten Altar anfertigte und nach Bozen sandte oder direkt vor Ort einreichte (CESSI, 499).

Durch die Säkularisierung Josephs II begann eine Zeit des langsamen Verfalls der Bozner Dominikanerkirche. In den Jahren 1803 bis 1820 wurden das gesamte Gebäude als Kaserne und Militärmagazin benutzt. Im Zuge dieser Umnutzung werden die vier östlichen Kapellen, darunter auch die Merkantilkapelle, abgerissen (PINTARELLI/BASSETTI, 23). Der ursprünglich in der Kapelle aufgestellte Marmoraltar befindet sich heute im linken (östlichen) Seitenschiff der Kirche. Er wurde im Jahre 1641 von Mattia Pezzi errichtet und dem Hl. Dominikus geweiht. Die zwei Stauten der Hoffnung und des Glaubens wurden erst nachträglich von Domeniko Tomezzoli ergänzt. (PINTARELLI/BASSETTI, 41).

6. ABBILDUNGEN

(TIROL)

6.1.1 Servitenkirche, Innenansicht; in: Felmayer (1990), S. 28.

6.1.2 Servitenkirche, Statue des Hl. Marcellus; in: Felmayer (1990), S. 34.

6.1.3 Servitenkirche, Staute des Hl. Coelestin; in: Felmayer (1990), S. 35.

6.2.1 Marienoratorium, Säulenkapitell am Choreingang; in: ÖKT, Bd. XLVII, S. 304.

6.2.2 Marienoratorium, Zustand des Altars vor 1915 mit Marienstatue und sechs Putten; in: ÖKT, Bd. XLVII, S. 304.

6.2.3 Marienoratorium, Kuppelgewölbe; in: ÖKT, Bd. XLVII, S. 305.

5.2.4 Marienoratorium, Kuppelgewölbe – Detail der Wandzone mit Gewölbeansatz; in: ÖKT, Bd. XLVII, S. 305.

(SÜDTIROL)

6.3.1 Dominikanerkirche, Grundriss; in: Pintarelli, S.11.

6.3.2 Dominikanerkirche, Altar der Kaufleute; in: Pintarelli, S. 70

7. BIBLIOGRAPHIE

BORTOLI, Michele: L’architetto trentino Mattia Carneri. Il probabile ‘interlocutore longheniano’; in: Lucchese,Vincenso (Hsg.): Giovanni Gavignani e la scagliola Carpigiana illusionismo barocco nella parrocchiale di Brancolino, S. 31-33, Selbstverlag 1996
CESSI, Franceso: Mattia Carneri (Collana Artisti Trentini di Riccardo Maroni), Trient 1964
EGG, Erich: Die Hofkriche in Innsbruck. Das Grabmal Kaiser Maximilians I. und die Silberne Kapelle, Innsbruck / Wien / München 1974
FELMAYER, Johanna: Die Altäre des 17. Jahrhunderts in Nordtirol, Innsbruck 1967
FELMAYER, Johanna: Servitenkirche Innsbruck, Innsbruck 1990
FIDLER, Petr: Architektur des 17. und 18. Jahrhunderts; in: Naredi-Rainer, Paul/Madersbacher Lukas: Kunst in Tirol, Bd. 2,
S. 13-46, Innsbruck/Wien 2007
ÖKT, Österreichische Kunsttopografie, Band XLVII, Die profanen Kunstdenkmäler der Stadt Innsbruck. Die Hofbauten,
bearbeitet von Johanna FELMAYER u.a., Wien 1986
PINTARELLI, Silvia Spada/ BASSETTI, Silvano: Dominikanerkirche und Kloster in Bozen, Bozen 1989
RASMO, Nicolò: Kunst in Südtirol. Eine Auswahl der schönsten Werke, Bozen 1976
RINGLER Josef: Ein unbeachtetes Werk des Matthias Carneri in Innsbruck; in: Der Schlern, Nr. 7/8, S. 334-335, 1952
RINGLER, Josef: Ein Matthias Carneri leider weniger; in: Der Schlern, Nr. 11, S. 535-537, 1966
SCHMIDT, Rudolf: Österreichisches Künstlerlexikon. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Bd. 1, Wien 1980

 
©Daniela Unterholzner, April 2008

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