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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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CARLONE, Pietro Francesco

 

1. CARLONE, Pietro Francesco (Peter Franz); (List, 1967)
Carloni, Pietro Francesco; Carlon, Peter Franz (DA V, 1996)

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Baumeister

3. BIOGRAPHIE

* vor 1607, Scaria (Val d'Intelvi)?
† 1680 (AKL XVI, 1997, 446)

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Vater des Baumeisters Carlo Antonio Carlone und des Stuckateurs und Bildhauers Giovanni Battista Carlone.

Nach dem Tode des in Leoben ansässigen Vaters Pietro (Peter) Carlone 1628 folgt er diesem im Baugewerbe und erbt den heimatlichen Besitz in Scaria.

Ab ca. 1630 in Röthelstein bei Frohnleiten, betreut von dort aus die innerösterreichischen Aufträge in Kärnten und in der Steiermark, bis er anlässlich des Neubaus der Passauer Jesuitenkirche um 1665 dorthin übersiedelt.
Von da an übernimmt er verstärkt auch Bauten in Oberösterreich.

 
5. WERKE (STEIERMARK)

5.1 Göss: ehemalige Benediktinerinnenstift: Konventgebäude, 1650-54.
5.2 Leoben: Badehaus, 1630/31;

5.3 ehem. Jesuitenkirche, 1660-66. Die Jesuitenkirche von Leoben eröffnet eine Reihe von Sakralbauten für verschiedene
Orden in Passau, Linz, Garsten und Schlierbach. Ihre gleichartige Raumstruktur wurde als "Carlone-Kirche" apostrophiert,
wobei das Phänomen ihrer Dekoration vom architektonischen Aspekt zu trennen ist. Als gemeinsame Baumerkmale zeigen
die Räume eine additive Grundrissbildung, bestehend aus der Vorhalle zweier Flankentürmen, einem dahinter liegenden dreijochigen Langhaus und einem leicht eingezogenen Rechteckchor. Alle Elemente sind deutlich voneinander abgesetzt
und lassen sich in Rechtecke oder Quadrate einschreiben. Durch kräftig vortretende Wandpfeiler entsteht eine von der Innenfassade bis zur Chorschlusswand durchlaufende Raumflucht, die seitlich von je drei tiefen Langhauskapellen und
darüber liegenden, etwa gleich hohen Emporen begleitet wird. Abgesehen von Leoben, das Kreuzgewölbe aufweist,
dominiert die Stichkappentonne mit Gurtbogen über einem verkröpft durchlaufenden Gebälk. Dieses Raumschema wird
bereits drei Jahrzehnte vor Leoben in der Jesuitenkirche von Steyr eingesetzt und von Carlone zu einer der dominanten Raumlösungen österreichischer Klosterkirchen der 2.Hälfte des 17.Jh. entwickelt. Zu seiner Entstehung haben mehrere
Quellen beigetragen: u.a. die gegenreformatorisch geprägte Kirchen-Architektur Mailands und die Jesuitenkirche St. Michael
in München.

5.4 Seckau, Domstift: Gebäude, Umbau der Kirchenfassade, Barockisierungspläne für die Kirche, 1658-79.
5.5 Tragöss-Oberort: Pfarrkirche, 1640, 1658.
 
6. BIBLIOGRAPHIE

Kohlbach, 1961;
J.Sturm, Oberösterreich 18: 1968(1) 7-13;
id., in: Passavia sacra (K), Passau 1975, 34-45;
G.Brucher, Barock-Architektur in Österreich, Köln 1983;
K. Möseneder, Der Dom in Passau, Passau 1995.

 
©Stefan Üner, Februar 2006
 

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

AKL XVI Allgemeines Künstlerlexikon, Band XVI

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