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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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CARLONE, Domenico Antonio

 

1. CARLONE, Domenico (Domenicus Anton, Dominik Anton)

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Stuckateur

3. BIOGRAPHIE

* 1680, ?
† 26.8.1728 Linz

Nicht zu verwechseln mit dem älteren kaiserlichen Baumeister Domenico Carlone, der am 26. Jänner 1679 in Wien einem Schlaganfall erlag und drei Söhne hinterließ: Michael, Carlo und Antonio (Guldan, S 234). Die Kombination der Taufnahmen könnte darauf hindeuten, dass Domenico Antonio vielleicht sein Enkel war. Jedenfalls gehörte dieser dem Carlone-Allio-
Kreis an, da er in Amberg und Linz gleichzeitig mit Paolo de Allio nachweisbar ist.

Nachweisbar tätig ist Domenico Antonio von 1704 bis 1726 in Amberg, Linz und Spital am Phyrrn.
1704 wird er in den Baurechungen der Maria-Hilf-Kirche in Amberg geführt. Wahrscheinlich geht er von dort zusammen mit den Mitgliedern der Carlone-Allio-Werkstatt nach Österreich.
1713 und 1714 stuckiert ein nicht näher bezeichneter „Carlone aus Linz“ in der Benediktinerabtei in Ottobeuren mehrere große Zellen im Erdgeschoss sowie das Visitationszimmer im östlichen Konventsflügel. Es könnte sich dabei um Domenico Antonio aber eventuell auch um Diego Carlone handeln.
Ab 1715 ist er in Linz nachweisbar. Er scheint am 3. August neben dem Linzer Bildhauer Giovanni Battista Spaz im
Augustiner-Chorherrenstift St. Florian als Bevollmächtigter der Inventur der Hinterlassenschaft des hier verstorbenen
Stuckateurs Giovanni Manfredi Maderni.

Am 5. September 1722 verpflichtet Freiherr Johann Georg Adam von Hohenegg den Baumeister Johann Michael Prunner zum Umbau seines Linzer Hauses auf dem Hohenberg (Hofgasse 20). Dabei sollen neun Zimmer sowie die Fassade Stuckzier erhalten. Der Architekt liess 1724 Stuckmodelle verfertigen und beauftragte Domenico Antonio mit der Ausführung. Im
Nobember 1725 waren die Arbeiten abgeschlossen.

Am 24. Oktober 1724 empfängt „Domenicus Antoni Carlone“ 412 fl. für die spärlichen Stuckarbeiten im Langhaus der Kollegiatsstiftskirche zu Spital am Phyrrn. Weitere 50 fl erhält er als Nachzahlung.

Am 18. Dezember 1726 quittiert „Domenicus Antoin Carlone Stucatore” in Linz 560 fl. Honorar für fünf Stuckdecken im
jetztigen Bischofshof, der als Absteigquartier der Prälaten des Benediktinerstifts Kremsmünster in der Landeshauptstadt
seit 1721 erbaut worden ist. Aus der Empfangsbestätigung des Meisters sind die einzelnen Räume zu entnehmen. Er erhielt
für „Ihre Hochwürden und Gnaden ...Zimmer 100 fl. (= heute Arbeitszimmer des Bischofs), dann vor das Vor Zimmer 85 fl.,
vor den Saal 200 fl. (= heutiger Audienzsaal), vor das Taflzimmer 100 fl. (= heute großes Sitzungszimmer über der Torhalle)
und vor die Capellen 75 fl.“ (Stiftsarchiv Kremsmünster).

Am 26. August 1728 stirbt er in Linz im Alter von 48 Jahren.
 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Domenico Antonio entstammt der Familie Carlone, die bis in das 14. Jahrhundert im Vall' Intelvi in Scaria zurückverfolgbar ist.

Schon gegen Ende des 15. Jahrhunderts spaltet sich ein Zweig ab, der in Rovio sesshaft wurde, zwei Wegstunden süd-
westlich von Scaria am Ostufer des Luganer Sees. Während die Angehörigen dieser Seitenlinie überwiegend in der Lombardei und in Ligurien tätig waren, sandten die in Scaria verbliebenen Carlone seit dem 16. Jahrhundert ihre besten Kräfte nordwärts über die Alpen.

In der Steiermark verzweigt sich das Geschlecht zur weitläufigsten aller jener italienischen Künstlerdynastien, die im Barock
auf österreichischem Boden Fuß gefasst hatten.
5. WERKE (OBERÖSTERREICH)

5.1 Linz: Stuck in der Herrengasse 19 und Hofgasse 20
Der Bischofshof in der Herrengasse 19 wurde als Stiftshaus von Kremsmünster nach Entwurf von Jakob Prantauer 1721
erbaut. In einzelnen Räumen befinden sich Stuckdecken von Carlone. 1726 erhielt er eine Zahlung von 560 fl. für fünf Stuckdecken.

In der Hofgasse 20 gestaltete er die Fassade und neun Räume nach Stuckmodellen von Johann Michael Prunner in den
Jahren 1724/1725.

5.2 Ottobeuren: Stuck in Zellen und im Visitationszimmer der Benediktinerabtei
In der Benediktinerabtei stuckierte 1713/1714 ein nicht näher bezeichneter „Carlone aus Linz“ mehrere große Zellen im Erdgeschoss sowie das Visitationszimmer im zweiten Stock des östlichen Konventflügels. Der Charakter der Arbeit lässt vermuten, dass es sich um Domenico Antonio handelt (Zuschr. Breuer).

5.3 Spital am Phyrn: Stuck in der Stiftskirche
In der ehemaligen Stiftskirche, jetzt Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt, erbaut von Johann Michael Prunner, schuf Domenico Antonio Carlone 1724 Stuckleisten im Langhaus, in den Seitenkapellen, dem Emporen und der Vorhalle. Eine Zahlung von
462 fl. wird erwähnt.

 
6. BIBLIOGRAPHIE

Saur, Allgemeines Künstler-Lexikon , München Leipzig, 1997, S 437
U. Thieme – F. Beker, Allgemeines Lexikon der Bildenden Künste , Band VI, 1912
DBI; Dizionario biografico degli Italiani , Bd. 1, Roma, 1960 - DBI XX, 1977
Stiftsarchiv St. Florian, Fasz. Stukkat. Nr. 48)
Oberöster. Landesarchiv Linz, Schlüsselberger Archiv, Kasten B, Lädl TZ, Nr. 11
Oberöster. Landesarchiv Linz, Depot St. Florian, Stiftsarchiv Spital am Phyrrn, C.A.L. 4, P IX
Pfarrarchiv zu Spital am Phyrrn, handschriftliche Chronik des Dechanten Ernst Wuschko
Th. Breuer, Stadt und Landkreis Memmingen , München 1959 (Bayerische Kunstdenkmale Bd. 4)
Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Oberösterreichs, 1977
B. Grimschitz, Johann Michael Prunner, 2. Aufl. Wien-München, 1960, S 64
E. Guldan, Quellen zu Leben und Werk italienischer Stukkatoren des Spätbarock in Bayern,
in: Arte e artisti dei laghi lombardi, II, Como, 1964, S 187, 221, 227, 234
H. Kühnel, Forschungsergebnisse zur Geschichte der Wiener Hofburg (IV) , in: Anzeiger der phil.-hist.
Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1960, S 155
F. Oberchristl, Die Baurechungen über den Bischofshof in Linz, in: „Heimaltland“, Linz 1928
J. Schmidt, Linzer Kunstchronik, Bd. 1, Linz 1951, S 90

©Ursula Singer, Oktober 2004

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