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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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CANEVALE, Lorenzo

 

1. CANEVALE, Lorenzo (Lorenz)
Canaval, Canawal, Canaual, Canawäll, Cannaval, Carnevale, Khöniwall, Canabal, Canoval, Gännewöll

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Stuckateur, Stuckbildhauer, Bildhauer

3. BIOGRAPHIE

* 1649
† 07.10.1729, Linz

Lorenzo Canevale dürfte um 1670 nach Linz gekommen sein. Den Ehematriken der Stadtpfarrkirche Linz ist zu entnehmen, dass Gännewöll Laurenz Frau Juliana Maria Speckhnerin ehelichte. In Linz werden ihnen 14 Kinder geboren, von denen nur
drei ihre Eltern überlebten.

1672 beginnt er bereits seine Laufbahn als Stuckateur in Oberösterreich. Es ist nicht auszuschließen, dass er seine Stuckateurausbildung bei der Familie Spazio (Johann Baptist III. und Johann Peter II.), zu der er nachweislich enge Be-ziehungen pflegte, absolviert hat.

Als Mitarbeiter der Spazio-Werkstatt abeitet er 1672 am Stuck im Gästetrakt (Gobelinzimmer) und 1673 in der alten Sakristei von Stift Kremsmünster sowie an den Dekorationen der Ratsstube des Linzer Landhauses, dessen Decke des Präsidenten-Zimmers er 1703 stuckiert wie auch die Decke in der Fürstenbergkapelle (Landstr. 36).

Gemeinsam mit Thomas Ferrada stuckiert er 1679 Räume im Stiftsgebäude sowie die Decken des "Dechantenstöckl"
(heute Pfarrhof) des ehem. Stiftes Spital am Pyhrn/OÖ.

1707 schloss er sich der Werkstatt von Diego Francesco Carlone und Paolo d'Allio an, die an den Stuckdekorationen im Refektorium, Rekreationszimmer sowie der Stiftskirche des Stiftes Lambach/OÖ bis 1713 arbeiteten.

Seine selbständige Tätigkeit beschränkt sich auf die Arbeiten im Linzer Freihaus des Grafen Thürheim (Theatergasse 2):
1687 Kontrakt zur Ausführung der Stuckdecke, 1690 Fries im Alkoven und im Zimmer der Gräfin, 1713 Renovierung der Stuckdecken im großen Tafelzimmer sowie im Alkoven, 1714 zwei Stuckböden.
Obwohl er keine eigene Werkstätte führte, und selbst nie mit eigenen Entwürfen hervortrat, war Lorenzo Canevale offenbar ein begehrter Meister seines Faches.

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Nach dem Maurer Christoph Martin Canevale, der als erster der aus Como stammenden Familie Canevale von 1577 an in
Linz nachweisbar ist, folgen die Baumeister Franz und Anton, in der dritten Generation der Baumeister Carlo Caneval. Der Steinmetz Johann Jakob, welcher an der Fassade der Stiftskirche Garsten die Kompositkapitelle gestaltete, wird mit Lorenz Caneval einer weiteren Generation zugeordnet.

Matthias Panlechner und Johann Friedrich Hayperger, ein Linzer Maurer, der nachweislich enge Beziehungen zur Familie Canevale unterhielt, werden in den Ehematriken vom 24.Okt.1672 als Trauzeugen genannt. Johann Friedrich Hayperger
ehelicht 1676 Maria Johanna Canevale, die erstgeborene Tochter des Maurermeisters Francesco III.

Lorenzo wurde 80 Jahre, und da er seine Tätigkeit entsprechend früher niederlegen musste, hinterließ er seinen Kindern
Johann Paul, Franz Xaver und Maria Anna kein großes Erbe. Keiner seiner Söhne ergriff den Beruf des Vaters.

Lorenzo pflegte enge Beziehungen zu Mitgliedern der Familie Spazio, namentlich zu Johann Baptist III. und Johann Peter II.,
in deren Werkstatt er eintrat. Er arbeitete als Mitglied der Spazio-Werkstatt oder über Vermittlung der Spazio.

Als Auftraggeber erscheint 1687 Graf Thürheim in einem Kontrakt mit Lorenzo, laut welchem dieser sich verpflichtete, die Stuckdekorationen im Freihaus des Grafen durchzuführen.

 
5. WERKE (OBERÖSTERREICH)

5.1 Stuckaturen im Stift Kremsmünster
1672 Mitarbeit am Stuck im Gästetrakt (Gobelinzimmer),
1673 Stuck in der alten Sakristei

5.2 Arbeiten im Linzer Landhaus
1672 Mitarbeit an den Dekorationen der Ratsstube
1703 Stuckdecke im Präsidenten-Zimmer

5.3 Stuckdekorationen des Stiftes Spital a. Pyhrn
Bei der Erbauung des Stiftsgebäudes (1642 bis ca. 1700) werden die Stuckateure Lorenzo Canevale und Thomas Ferrada genannt, auf welche die Stuckarbeiten der Räume im Stiftsgebäude zurückgehen sowie die Decken des "Dechantenstöckls" (heute Pfarrhof).
Für die durch zwei Stockwerke gehende Schatzkammer schuf Canevale 1679 die Stuckdecken.

5.4 Stuckdecke der Fürstenbergkappelle, Landstraße 36, Linz um 1703

5.5 Barockisierung des Innenraumes der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Pfarrkirchen im Mühlkreis,
Bezirk Rohrbach/OÖ, 1695 bis 1697

Als Mitarbeiter des Stuckateurs Giovanni Battista Carlone werden Pietro Camuzzi und Lorenzo Canevale angegeben. So entstand 1696 die barocke Wandgliederung des Chorraumes mittels ¾ Säulen mit Kompositkapitellen durch Canevale.

5.6 Stuckdekorationen im Stift Lambach
Im Rahmen seiner Arbeit für die Werkstatt von Diego Francesco Carlone und Paolo d'Allio, die mit Stuckdekorationen des Stiftes betraut war, arbeitete er an diesen im Refektorium, im Recreations-Zimmer und in der Stiftskirche.

5.7 Stuckierungen im Freihaus des Grafen Thürheim, Theatergasse 2, Linz
Am 16. April 1687 wurde Canevale mit den Stuckierungen verpflichtet.
Am 24. Aug. 1690 machte er im Alkoven und im Zimmer der Gräfin ein Fries "in- und auswärts" (und weißt zwei Zimmer aus).
Am 15. April 1713 erhält "Lorenz Canaual, Stukkator" vom Grafen Thürheim ein Salär für die Weißigung der Stuckaturböden
des großen Tafelzimmers, des Nebenzimmers und der Fenster. 5. Mai 1714 erfolgt die Bezahlung für weitere zwei Stuckböden.

6. BIBLIOGRAPHIE

Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs: Oberösterreich,6. Aufl. Wien 1977
Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs: Oberösterreich I: Mühlviertel, Horn, Wien 2003
Dizionario biografico degli Italiani, Bd 18, Roma 1975
Hartl, Augustine: Die Künstlerfamilie Carnevale in Österreich: Quellen zu Leben und Werk. Diss., Salzburg 1987
Linzer Stukkateure. Katalog der ersten Ausstellung des Stadtmuseums Linz in Norico: 27. Sept. bis 26. Nov. 1973. Linz 1973
L'opera del genio Italiano all'estero: gli artisti in Austria. Vol. 2, Roma 1962, 70 f, 133
Preimesberger, Rudolf: Notizen zur italienischen Stukkatur in Österreich, in: Arte e artisti dei laghi Lombardi, Bd 2, Como 1964, 325-346
Saur Allgemeines Künstlerlexikon. Bd 16, Leipzig 1997
Sturm, Johann: Beiträge zur Architektur der Carlone in Österreich. Bd 2, Diss., Wien 1969
Thieme, Ulrich, Becker, Felix (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler, Bd 5. Leipzig 1911

 
©Daria Daniaux, November 2003


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