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CANEVALE, Antonio

 

1. CANEVALE, Antonio

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Baumeister (SAUR 1997, 139, THIEME-BECKER 1992, 501)
Architekt (DEHIO 2003, 1032)

3. BIOGRAPHIE

* keine Angaben
† keine Angaben

Antonio Canveale war vor allem in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts tätig. Aus einer Quelle geht hervor, dass Antonio Canevale im Jahre 1600 den Baumeister Francesco Silva verklagte, da dieser ihm noch den Lohn der Maurerarbeiten im Stift Wilhering in Oberösterreich schuldig war. (SAUR 1997, 134) Außerdem schloss Antonio Canevale im selben Jahr einen Vertrag mit dem Propst Genger vom Stift Spital am Pyhrn zum Bau einer Taverne und Scheune – den Stadel vor dem Tor und das Wirtshaus betreffend (Riesenhuber 1924, 219) 1605 wurde das Schloss Novè Hrady nach den Plänen von Antonio Canevale errichtet. Bis 1608 wirkte er am Renaissance- Umbau des Wasserschlosses Schwertberg in Oberösterreich mit. Um 1609/10 war er als Maurer im Dienste der oberösterreichischen Landstände; für seine Arbeiten am Festungsbau in Neuhaus an der Donau, mit Zahlungen belegt. Weiters arbeitete Antonio Canevale gemeinsam mit Jakob Spazio und Cipriano Biasino als Bauführer beim Wiederaufbau der Dominikanerkirche in Wien in den Jahren 1630-34 mit. Im Kontakt vom 10.09.1630 verpflichten sich die 3 zum Abtragen der Kirche und zu den Fundamenten für den Neubau samt Kapellen, Grüften, Oratorien, Chor und Fassaden. Nach Vollendung (Weihe am 1.10.1634) wird Antonio Canevale nicht mehr erwähnt. (SAUR 1997, 134)

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Canevale Antonio ist ein Familienmitglied der weitverzweigten Maurer-, Baumeister- und Architektenfamilie Canevale (auch Canabal; Canaval; Canavall[e]; Canavalli; Canavalle; Cannival; Canobel; Carnevale; Ganneval; Kanavalle; Khanabal; Khöniball etc), dessen Mitglieder hauptsächlich aus Lanzo d`Intelvi stammen und im 17./18. Jahrhundert in Böhmen, Mähren, der Slowakei, Schlesien, Ungarn und Österreich (vor allem in Prag und Wien (THIEME-BECKER 1992, 499) tätig waren. (SAUR 1997, 133)
Canevale Antonio, nicht zu verwechseln mit Canevale Marcantonio, ist der Bruder des Linzer Maurer- und Baumeisters Francesco Canevale. (SAUR 1997, 134)
Jakob Spazio und Cipriano Biasino, weitere Künstler die von Italien nach Österreich gekommen sind, kann man ebenfalls zu seinem Bekanntenkreis zählen. Gemeinsam haben sie am Neubau der Dominikanerkirche in Wien gearbeitet. (SAUR, 1995, 461)

 

5. WERKE

(OBERÖSTERREICH)

5.1 Schloss Schwertberg, Aisttalstraße Nr. 1, Oberösterreich, bis 1608
Urkundlich erwähnt wurde die Anlage 1563 als Wasserburg. 1595 fand ein Neubau unter Hanns Tschernembl und unter Georg Erasmus statt. Eine weitere Erneuerung folgte im Jahre 1608 unter Antonio Canevale. Welche Stellen von ihm geschaffen wurden ist allerdings unklar. (DEHIO 2003, 854)

Zum Beispiel weiß man nicht genau, welcher Anteil am südlichen Anbau der Renaissanceflügel, der Ende 16., Anfang 17. Jahrhundert erbaut wurden, Anteil Antonio Canevale zuzuschreiben ist. Ebenfalls unklar ist, ob er der Künstler der Außenfassade der Westlichen Front mit Hauptportal und Durchfensterung war. Auch die Ostfront mit ihrer unregelmäßigen Durchfensterung, dessen Fenster des 2. Geschosses verändert wurden, wann genau weiß man nicht, man vermutet Anfang 17. Jahrhundert was wiederum heißen würde, dass Antonio Canevale die Pläne dafür geschaffen haben könnte. Auch bring man Antonio Canevale mit den Bauten westlich des Bergfriedes in Verbindung. (DEHIO 2003, 854-857)

5.2 Schloss Novè Hrady, 1605

(WIEN)

5.3 Dominikanerkirche Maria Rotunda Wien, 1631-43
Die erste, 1237 geweihte Kirche wurde nach 1258 bzw. 1262 durch einen Neubau ersetzt. Nach 1280 errichtete man einen vierjochigen Chor dessen Triumpfbogen heute noch in der östlichen Abschlusswand der Barockkirche erhalten ist. Im 15. Jahrhundert wurde dem Chor ein neues Langhaus angebaut, dessen Umfassungsgrundmauern beim Neubau des 17. Jahrhunderts Verwendung fand. Im Zuge der Türkenbelagerung 1529 wurde das Langhaus teilweise demoliert, es kam zum Neubau, für den Prior Johannes Valdespino mit den Baumeistern einen Vertrag schloss. Am 29. Mai 1631 wurde der Grundstein gelegt, 1634 war der Rohbau fertig. Das nun auf basilikalem Grundriss entstandene Bauwerk sollte in der Vierung von einer Kuppel, auf achteckigem Tambour ruhend, gekrönt werden, allerdings verwarf man aus finaziellen Gründen diesen Plan und setzte unter Matthias Truckmüller (1666-74) eine Flachkuppel darauf. Dies und die Arbeiten im Inneren (Stuck & Fresken) zogen sich bis zum Ende des Jahrhunderts hin. Am Plan und Bau dieser so entstandenen Kirche waren beteiligt Jacopo Spacio, Cipriano Biasino und Antonio Canevale, also „welsche“ Arichtiekten, die überhaupt für die Verpflanzung des römischen und oberitalienischen Barocks nach Wien und Österreich von großer Bedeutung waren. Der Anteil der einzelnen Bauführer am Bauwerk ist ungeklärt. Der prägnante Einfluss auf den Innenraum dürfte wohl Biasino zuzuschreiben sein, der auf die Fassade Canevale. Gänzlich ungeklärt ist die Beteiligung Tencala am Bau; der immer wieder zitierte Caropforo Tencalla war nach 1670 als Freskant tätig. (INSARD, 1984, 3)

(siehe auch Biasino Cipriano)

6. ABBILDUNGEN

(OBERÖSTERREICH)

6.1 Dominikanerkirche Maria Rotunda Wien, 1631-43
Bildnachweis: Verlag Schnell & Stein, Regensburg/Roman von Götz, Regensburg Seite 5 in: Isnard, 1999

7. BIBLIOGRAPHIE

DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. OBERÖSTERREICH Mühlviertel, Wien 2003, Seite 854-857
DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. WIEN, Wien 1954, Seite 21
INSARD, W. Frank, Dominikanerkirche Maria Rotunda Wien, München/Zürich 1984, Seite 3
RIESENHUBER, Martin, Die kirchliche Barockkunst in Österreich, Linz an der Donau 1924 Seite
SAUR, Allgemeines Künstlerlexikon, Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Band 16, München/Leipzig 1997, Seite 133, 139
SAUR, Allgemeines Künstlerlexikon, Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Band 10, München/Leipzig 1995, Seite 461-462

 
©Stefanie Garber, Januar 2010

 

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