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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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BUSSI, Carlo Anton

 

1. BUSSI, Carlo Anton
Bossi, Busi

 

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Freskant

 

3. BIOGRAPHIE

Gottfried Schäffer nimmt an, dass Carlo Antonio Bussi im Jahr 1650 geboren wurde (vgl. ebd. 1966, 178). In Wirklichkeit
wurde er allerdings 1658 als zweites von acht Kindern eines Malers  in Bissone/ Luganer See geboren (vgl. Saur 1997,
343/ Leitner 1990, 11).
In der Literatur ist auch unter seinem zweiten zusätzlichen Namen Santonio zu finden (vgl. Leitner 1990, 11).

1682 heiratete er die Tochter des berühmten Künstlers Carpoforo Tencalla (vgl. Saur 1997, 343) unter dessen Einfluss er zu Beginn nachweislich stand, obwohl sich seine Malweise letztlich doch unterschied.

Nach dem Tod des Schwiegervaters im Jahr 1685 vollendete er den Freskenzyklus in der Pfarrkirche S. Carpoforo in Bissone, genau genommen den Chorraum (vgl. Leitner 1990, 12). Danach vollendete er die ebenfalls von Tencalla begonnenen Fresken
im Seitenschiff des Domes St. Stephan in Passau mit dem Apsisfresko. Im April 1687 erhielt er den Auftrag für die Freskierung an der Orgelunterwölbung und je vier Joche der Seitenschiffe im Passauer Dom, die er im Sommer 1688 vollendete.
Im darauf folgenden Jahr stattete er die Hofkapelle in der fürstbischöflichen Residenz in Passau aus (vgl. Saur 1997, 344).
Davon ist allerdings lediglich das Deckenfresko erhalten. Im gleichen Jahr entstanden die Fresken im Chor der Wallfahrts-
kirche Gartlberg bei Pfarrkirchen. Am 10. November 1689 wurde der Vertrag für die Freskierung der Ägidiuskirche in
Vöcklabruck gezeichnet.

Am 15. Juli 1690 starb Bussi überraschend in Vöcklabruck (vgl. Saur 1997, 343).

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Carlo Antonio Bussi stammte aus einer alteingesessenen Künstlerfamilie in Bissone. Sein Großvater Santo Bussi war Baumeister. Er war mit Carina Carata aus Bissone verheiratet. Aus dieser Ehe gingen Carlo Antonio, Giovanni Francesco
und Giovanni Battista hervor. Santo Bussi starb am 12. 4. 1632 im Alter von 52 Jahren (vgl. Leitner 1990, 9).

Carlo Antonia Bussis Vater war der Maler Giovanni Francesco Bussi (vgl. Saur 1997, 343). Aus seiner zweiten Ehe mit Anna Maria Pusterela gingen acht Kinder hervor unter anderen Carlo Antonio und sein Bruder war Santino Bussi (vgl. Leitner 1990, 10). Giovanni Francesco war eng verbunden mit der Familie Tencalla, die Taufpaten der Kinder der Familie Bussi waren. Carlo Antonio heiratete auch eine der Töchter der Tencallas, Johanna Margerita.

Es wird vermutet, dass Carlo Antonio die Freskomalerei bei ihrem Vater, Carpofora Tencalla, erlernt hat. Im Zuge der Arbeiten
im Passauer Dom entstand eine enge Verbindung zwischen Bussi und dem Bau- und Ausstattungsunternehmen der Gebrüder Giovanni Battista.

Nach dem Tod Bussis vollendete sein Schüler Giovanni Battista Colomba die Freskierung der Ägidiuskirche in Vöcklabruck. Bussis Bruder Santino war zu diesem Zeitpunkt in Wien tätig, daher veranlasste er, dass der Nachlass Carlo Antonias von Giovanni Battista und Carlo Antonio Carlone erledigt werden sollte (vgl. Saur 1997, 343).

 
5. WERKE (OBERÖSTERREICH)

5.1 St. Ägidiuskirche („Dörflkirche“) in Vöcklabruck
Diese kleine barocke Kreuzkuppelkirche wurde 1688 von Carlo Antonio Carlone fertig gestellt. Die Deckenfresken stammen
von Carlo Antonio Bussi (Dehio Oberösterreich 1958, 352). Für die Freskierung der Kirche wurde am 10. November 1689 ein Kontrakt aufgesetzt. Carlo Antonio Bussi verstarb unerwartet am 15. Juli 1690, weshalb die Fresken durch seinen Schüler Giovanni Battista Colomba fertig gestellt wurden (Saur 1997, 343f.). Die Deckenfresken zeigen Szenen zum Leiden Christi
und zum Marienleben (Gilbert Trathnigg und Otto Götzinger 1958, 17).

Der Bruder Carlo Antonio Bussis Santino Bussi hat die angefangenen Bilder seines Bruders nach dessen Vorlagen zu Ende geführt. Unterschiede in der Qualität sind zu erkennen. Vielleicht liegt darin der Grund, dass Santino Bussi in weiterer Folge nicht mehr als Maler, sondern als Stuckateur in Erscheinung treten sollte (vgl. Leitner 1990, 43).

Es ist sogar möglich, dass er als Freskant für die Stiftskirche in St. Florian vorgesehen war  (vgl. Saur 1997, 343), weil auch
dort das Künstlerteam der Carlones tätig war. Allerdings schloss das Stift St. Florian mit Johann A. Gump und Melchior Steidl am 12. Juli 1690 den Vertrag zur Ausmalung der Stiftskirche ab (vgl. Korth 1975, 52). Es wird vermutet, dass Carlo Antonio Bussi als Kandidat nicht mehr in Betracht gekommen ist, weil er zu diesem Zeitpunkt möglicherweise schon sterbenskrank
war (vgl. Leitner 1990, 23).

 

6. ABBILDUNGEN

(OBERÖSTERREICH)

Vöcklabruck Dörflkirche, Fotos von Johanna Mathauer

6.1 Christus im Garten Gethsemane

6.2 Darbringung Christ im Tempel

6.3 Der zwölfjährige Jesus im Tempel

6.4 Fresko über dem Hochaltar

6.5 Kuppelfresko, Christi Auferstehung

6.6 Kuppelfresko, Christi Himmelfahrt

6.7 Kuppelfresko, Christus mit Wundmalen

6.8 Kuppelfresko, Heiliger Geist

6.9 Kuppelfresko, Krönung Mariae

6.10 Kuppelfresko, Krönung Mariae und 4 Szenen aus NT

6.11 Mariae Verkündigung

6.12 Pendentif, Dornenkrönung

6.13 Pendentif, Geißelung

6.14 Pendentif, Kreuzigung

6.15 Pendentif, Kreuztragung

Die Arbeiten Bussis sind geprägt durch ihre starken Konturen. Im Grundton ist das Kolorit hell und warm, kräftige Blautöne heben sich davon ab. Ocker- und Gelbtöne bestimmen die Wolken. Die Figuren sind schmal und gelängt und häufig stark bewegt. Bussi beherrscht den Einsatz von Licht und Schatten, Perspektive und Pysiognomie zeugen von seinem Können
(vgl. Saur 1997, 344). Bussis Figuren sind schmalgesichtig und schlank. Seine Kompositionen sind frei und lebendig (vgl. Leitner 1990, 35 f.).

 
7. BIBLIOGRAPHIE

DEHIO-Handbuch die Kunstdenkmäler Österreichs. Oberösterreich. Wien 1956. S. 352
KORTH, Thomas: Stift St. Florian. Die Entstehungsgeschichte der barocken Klosteranlage. Nürnberg 1975
LEITNER, Franz: Der Freskomaler der Dörflkirche. Carlo Antonio Bussi. Vöcklabruck 1990
LEITNER, Franz: Der Edle Pilgrim von Wenig. ein Geschichtsbeitrag anläßlich der 850 Jahrfeier der Weihe der Dörflkirche
(1143 - 1993). Vöcklabruck 1993
PÖMER, Karl: Kunst in Oberösterreich. Salzkammergut. Alm- und Kremstal. Eisenwurzen. Linz 1983
SCHÄFFER, Gottfried: Der Freskomaler Carlo Antonio Bussi und seine Werke in Passau und Vöcklabruck. In: Arte
Lombardia 1966
SAUR, Allgemeines Künstlerlexiko,. Band 15. München/ Leipzig 1997. S. 343f

Erwin Hainisch und Kurt Woisetschläger, Die Kunstdenkmäler Österreichs. Oberösterreich (Dehio Oberösterreich), Wien ³1958
S
AUR, Allgemeines Künstlerlexikon, Bd. 15, München/ Leipzig 1997
Gilbert Trathnigg und Otto Götzinger, 600 Jahre Stadt Vöcklabruck, Wels 1958
Sekundärliteratur:
Günter Brucher, Einführung, in: Die Kunst des Barock in Österreich, Salzburg/Wien 1994, 7 – 10
Günter Brucher, Deckenfresken, in: Die Kunst des Barock in Österreich, Salzburg/Wien 1994, 197 - 296

 
©Elisabeth Streicher, März 2006 - überarbeitet von Maria Theresia Hofmann, 2007; Fotos ergänzt von Johanna Mathauer, November 2009

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