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BRUSASORCI, Felice

 

1. BRUSASORCO, Felice
Ursprünglicher Name der Malerfamilie wahrscheinlich Ricci de Brusasorci. Der Zuname Brusasorci wird erstmals 1543 belegt (Saur 1996, 588).

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Maler

3. BIOGRAPHIE

* Verona,1539/1540
† Verona, 1605

Felice Brusasorci wurde um 1539/40 in Verona geboren, verstarb dort 1605 und wurde in S. Bartolomeo begraben.

Grundausgebildet in der väterlichen Werkstatt, rundete Brusasorci diese durch urkundlich gesicherte und von Vasari überlieferte Aufenthalte in Florenz ab. Wie sein Vater vor ihm, wurde Felice 1564 Mitglied der Accademia dei Filarmonici, wodurch er in engen Kontakt mit dem venetischen Adel trat und sich dadurch eine Reihe von Aufträgen sichern konnte (Saur 1996, 590; Scarmagnan 1994, 145).

Seine Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Stilrichtungen trug entscheidend zu seiner künstlerischen Reife bei und er avancierte zur führenden Künstlerpersönlichkeit der veronesischen Malerei des 16. Jahrhunderts (Botteri Ottaviani 1994, 76).

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Brusasorci entstammte einer italienischen Malerfamilie aus Verona. Sein Vater, Domenico Brusasorci, war ebenfalls ein bedeutender Künstler und Mitbegründer der Accademia dei Filarmonici. Da Felice seine Lehrjahre in der Werkstatt des Vaters absolvierte, war sein Frühwerk von dessen mantuanisch-manieristischen Stil beeinflusst (Saur 1996, 590).

Wie Felice, schlugen auch seine beiden Geschwister, Cecilia (Miniaturmalerin) und Giambattista (Maler), eine künstlerische Laufbahn ein, konnten es jedoch nicht mit dessen Bedeutung und Ruhm aufnehmen (Saur 1996, 588 und 591).

Zu Felices Auftraggebern gehörte der venetische Adel. Für diesen schuf er eine Reihe von Gemälden mythologischen, vor allem aber biblischen Inhalts. Ein Großteil seiner Bilder war für Kirchen bestimmt (Saur 1996, 590).

 

5. WERKE

(SÜDTIROL)

5.1 Altarblatt Maria mit Kind und drei Erzengeln, vor 1580
Dieses Gemälde stammt vermutlich aus der Hand von Felice Brusasorci und gehört zu seinen ersten Werken. Früher wurde
es seinem Vater zugeschrieben. Es befand sich in einer Friedhofskapelle im südlichen Trentino und wird heute in der Collegiata von Arco aufbewahrt. Brusasorci führte das Altarblatt wahrscheinlich mit Hilfe eines Gehilfen aus, was anhand des qualitativen Unterschiedes zwischen der oberen und der unteren Hälfte zu erkennen ist. Neben dem Mantuaner Manierismus seines Vaters nahm Felice stilistische und koloristische Anregungen aus dem Kreis um Vasari sowie von Parmigianino in seinem Werk auf. Erkennbar ist dies unter anderem an den gelängten Figuren der Erzengel (Botteri Ottaviani 1994, 74; Saur 1996, 590).
 

5.2 Altarblatt des Hl. Hieronymus, Kapuzinerkloster S. Marco in Rovereto, 1599
Bei diesem Gemälde weicht Brusasorci von seiner manieristischen Malweise zugunsten einer naturalistischeren, weniger gezierten Darstellung ab. Der Heilige Hieronymus sitzt halb bekleideten in bewegter Haltung an einem Felsen, seinen Blick
nach oben zu den Engeln gerichtet. Rechts im Bild ist ein Ausschnitt einer fernen Landschaft zu erkennen (Botteri Ottaviani 1994, 74; Saur 1996, 590; Scarmagnan 1994, 145).

5.3 Altarblatt Hl. Franziskus erhält die Zweite Regel, Kapuzinerkirche Bozen, 1600
Dieses Bild wird erst seit 1957 durch Wart Arslan dem Spätwerk des Felice Brusasorci zugeordnet. Früher ging man davon
aus, dass ein Ordensbruder dieses Gemälde schuf. Es wurde 1603 bei Einweihung der Kirche als Altarbild aufgestellt. Das in naturfarben gehaltene Gemälde konzentriert den Blick auf das Wesentliche – dem Armutsideal des Franziskanerordens. Das Altarblatt ist in mehrere Szenen gegliedert: Vorn befindet sich die Gruppe der Heiligen Andreas, Antonius und Paulus, die das ganze Geschehen zu kommentieren scheint und durch ihre realistische und naturgetreue Abbildung besticht. Rechts hinter der Heiligengruppe steht eine Gruppe von Mönchen, die sich mit einer gewissen Skepsis über die Franziskanerregel unterhalten. Etwas dahinter auf der gegenüberliegenden Seite wohnen andere Mönche mit Freude dem Empfang der Zweiten Regel durch den Heiligen Franziskus bei. In der oberen Hälfte des Bildes ist der Heilige Franz von Assisi in dem Moment dargestellt, in
dem er von Jesus die Zweite Regel erhält und sie dem Mönch Leo zur Niederschrift diktiert. Rechts im Hintergrund sieht man den Heiligen Franziskus auf Knien Maria mit dem Jesuskind anbeten, die von einer Wolke aus auf ihn herabblickt.

Der Landschaftsausschnitt im linken Teil des Bildes und die Lichteffekte geben einen Hinweis darauf, in welche Richtung sich die Malerei des kommenden Jahrhunderts bewegen wird (Botteri Ottaviani 1994, 74-76; Scarmagnan 1994, 145f; Saur 1996, 591).

Von Weingartner wird dieses Werk nicht mit Der Heilige Franziskus erhält die Zweite Regel betitelt, sondern als St. Antonius zwischen Andreas und Paulus. Dies kommt vermutlich daher, weil im Vordergrund des Bildes die drei Heiligen Antonius, Andreas und Paulus dargestellt sind und lediglich im Hintergrund das eigentliche Thema, der Empfang der Zweiten Regel durch den Heiligen Franziskus, dargestellt ist (Weingartner 71991, 51).

6. ABBILDUNGEN

(SÜDTIROL)

6.1 Altarblatt des Hl. Hieronymus, Kapuzinerkloster S. Marco in Rovereto, 1599
Bildnachweis: SPADA PINTARELLI, Silvia (Hg.), Bozen im 17. Jahrhundert. Die Malerei, Mailand 1994, 74.

6.2 Altarblatt Hl. Franziskus erhält die Zweite Regel, Kapuzinerkirche Bozen, 1600
Bildnachweis: SPADA PINTARELLI, Silvia (Hg.), Bozen im 17. Jahrhundert. Die Malerei, Mailand 1994, 75.

 

7. BIBLIOGRAPHIE

KRONBICHLER, Johann, Tafelmalerei des Barock, in: Naredi-Rainer, Paul, Lukas Madersbacher (Hg.), Kunst in Tirol, Band II, Innsbruck-Wien 2007, 137-147
BOTTERI OTTAVIANI, Marina, Von Brusasorci zu Balestra: Beiträge zur Veroneser Malerei im Etschtal, in: Spada Pintarelli, Silvia (Hg.), Bozen im 17. Jahrhundert. Die Malerei, Mailand 1994
RASMO, Nicolò, Kunstschätze Südtirols, Innsbruck 1985
SAUR, Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Band XIV, München/Leipzig 1996
SCARMAGNAN, Claudia, Felice Brusasorci, in: Spada Pintarelli, Silvia (Hg.), Bozen im 17. Jahrhundert. Die Malerei, Mailand 1994, 145f.
SPADA PINTARELLI, Silvia (Hg.), Bozen im 17. Jahrhundert. Die Malerei, Mailand 1994
THIEME-BECKER, Allgemeines Lexikon de Bildenden Künstler. Von der Antike bis zur Gegenwart, Band V, Leipzig 1911
WEINGARTNER, Josef, Die Kunstdenkmäler Südtirols. Bozen und Umgebung, Unterland, Burggrafenamt, Vinschgau, Band II, Bozen 71991

 
©Sabine Moser, Oktober 2008

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