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BISTOLI, Giovanni

 

1. BISTOLI, Giovanni (Johannes Maria)
Bistolli; Pistoli; Pistolly; Pistory; Wistoly (SAUR, 1995, 248)

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Stuckateur (SAUR, 1995, 248)

3. BIOGRAPHIE

Das Geburtsdatum als auch das Sterbedatum von Bistoli ist nicht bekannt. Sicher ist, dass er ursprünglich aus der italienischen Schweiz bzw. Graubünden stammt und somit eine Tradition fortsetzt, welche für das Gebiet der steirischen Stuckdekorationen schon im 17. Jahrhundert eine große Bedeutung hatte. (DEDEKIND, 1958, 55)

Es ist nachgewiesen, dass Bistoli zwischen 1731 und 1746 in der Steiermark lebte, wo er in Graz 1732 die Tochter des dort ebenfalls tätigen Stuckateurs Carlo Federigo Formentini, Maria Theresa, heiratete. 1730 stirbt in Graz seine Tochter Catarina und acht Jahre später, 1738, sein Sohn Giuseppe. 1734 erwirbt er das Bürgerrecht in Graz als Nachfolger des Caspar Posdiz.
Bistoli ist einer der wichtigsten Hauptvertreter der Bandlwerk-Stuckaturen in der Steiermark: der Reichtum der Formen, die minuziöse Raffinesse aller Einzelheiten und der stark differenzierte Umgang mit Oberflächen verleihen seinem Werk einen besonders ausgeprägten optischen Effekt. (DBI, 1968, 710) Abgesehen von den Bandlwerkelementen in den Dekorationen Carlo Federigos, Pietro Angelos und Johann Formentini, wird das steirische Bandlwerk am besten durch die Arbeiten von Bistoli und Johann K. Androy vertreten. Androy ist allerdings nicht so wandlungs- und entwicklungsfähig, wie der geistig beweglichere Bistoli. (DEDEKIND, 1958, 55f)  Es scheint, dass Bistolis künstlerische Entwicklung in gewissem Sinn jener von seinem Schwiegervater, Carlo F. Formentini, ähnlich ist und dass er seine technisch ausgezeichneten Stuckdekorationen in immer stärkerem Maß der Fläche anpasste. (DEDEKIND, 1958, 71). Sein Schaffen kann leider nur anhand von ca. 10 Jahren verfolgt werden. (DEDEKIND, 1958, 55f) Von 1746 an, fehlen weitere Informationen. Trotz einer relativ großen Zahl an gesicherten Werken von Bistoli, ist man nicht in der Lage, ihm mit einiger Sicherheit weitere Arbeiten nachzuweisen. (DEDEKIND, 1958, 68)

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Es ist sehr wenig über Bistoli`s Familien- und Freundeskreis bekannt. Bistoli war ein Sohn des in der Schweiz tätigen Maurermeisters Johann Baptist Wistoly. (DBI, 1968, 710) Popelka schreibt in Bezug auf seine gesellschaftliche Stellung, dass er einer von insgesamt vier, überwiegend italienischen, Stuckateuren war, welcher der Zunft in Graz angehörte. Die weiteren Mitglieder waren Androy, Formentini und Boscogo. (POPELKA, 1935, 671) Des Weiteren geht aus der Literatur hervor, dass Bistoli zusammen mit Androy gearbeitet hat (Stift Vorau). (KRENN, 1981, 64).
Seine erste nachweisbare Arbeit im Jahr 1731 sind die Stuckaturen im Stift Vorau, dieser folgen seine Stuckdekorationen in den Filialkirchen St. Erhard und St. Lambrecht. Für seine Arbeit in den zwei Kirchen erhielt er am 16.08.1735 insgesamt 195 fl ausbezahlt. 1741 und 1742 ist Bistoli mit der Stuckausstattung des ehemaligen Palais Thinnfeld in Graz beschäftigt. Über den Bau und die Ausstattung dieses Hauses hat sich ein, vom Bruder des Bauherren Anton von Thinnfeld genau geführtes Rechnungsbuch erhalten, anhand dessen der Verlauf der Arbeit verfolgt werden kann. Daraus geht hervor, dass  Pietro Angelo Formentini im September 1741 von Bistoli und Schretbacher abgelöst wurde. (DEDEKIND, 1958, 69f)

 

5. WERKE

(STEIERMARK)

5.1 Stift Vorau, Prälatur bzw. ehemaliges Handschriftenzimmer
Im 1. Stock des Bibliothekensaales, 1731 (DEDEKIND, 1958, 68)
Bitsoli fertigte zusammen mit Johann K. Androy zarten Bandlwerkstuck in mehreren Räumen der neu erbauten Prälatur, die um 1935 fertig gestellt wurde, und an der langen Hoffront an. (KRENN, 1981, 304) Bistolis Arbeit ist auf einem Schild bezeichnet: „Joh. Maria Bistoli 1731…“. Der Text war ursprünglich länger, wurde aber im Zuge von Kriegszerstörungen unleserlich. Diese Dekorationen weisen eine starke Übereinstimmung mit einer Reihe von Stuckdecken in den Räumen des 2. Obergeschoßes, welche nach Dehio um 1730/1735 datiert werden. (Dehio, 1982, 591) Diese Datierung und bis zu einem gewissen Grad sogar die Zuschreibung an Bistoli, ist insofern problematisch, als es erstens bis heute noch nicht möglich ist, den künstlerischen Werdegang von Bistoli eindeutig festzulegen und zweitens zur gleichen Zeit, wie bereits erwähnt, noch andere Stuckateure tätig waren. (DEDEKIND, 1958, 68)

 

5.2 Filialkirche St. Erhard, Göss, 1935.
Ab 1733 wurde die Filialkirche renoviert. Bistoli übernahm dabei die Versehung mit Stuckaturen und der Brucker Maler Johan Christoph Marxer schmückte die Kirche mit Fresken aus. (KOHLBACH, 1953, 23)  Es sind die gleichen feingliedrigen Bandlwerkformen in Verbindung mit zartem Laubwerk, wie im Stift Vorau, die Bistoli an der Flachdecke der Filialkirche stuckierte. (DEDEKIND, 1958, 69)
1797 wurde die Kirche profaniert und in ein Wohnhaus umgebaut. (SAUR, 1995, 248)

5.3 Filialkirche St. Lambrecht, 1735.

5.4. Stift Admont, Barabara Kapelle, 1738
(Dehio: 1735) (SAUR, 1995, 248)
Chor- und Langhausdecken mit zartem Laub-, Bandl- und Gitterwerkstuck werden dem Stuckateur Bistoli zugeschrieben. (Dehio, 1982, 167 bzw. KOHLBACH, 1953, 53)
Die Kapelle wurde 1865 durch einen Brand zerstört. (DEDEKIND, 1958, 68)

5.5 Ehemaliges Palais Thinnfeld, Graz, 1741/42
Hier arbeitete Bistoli als Nachfolger von P. A. Formentini ab September 1741 zusammen mit Sebastian Schretbacher. Von August bis November waren sie an dem Eingangskabinett und an drei gegen den Südtirolerplatz gelegenen Dachzimmern tätig. Mit dem „großen Zimmer“, dessen Decke Bistoli auch zusammen mit Schretbacher ausführte, und das beide am 21.11.1741 neu zu stuckieren begannen, wobei auch ein Basrelief erwähnt wird, dürfte der an den Ecksaal anschließende Raum gemeint sein. (DEDEKIND, 1958, 70) Der besonders reiche Stuck des SW-Ecksaales stammt ausgeschlossen von Bistoli. (Dehio, 1979, 170) Sicher ist, dass Bistoli den Hauptteil an diesen Stuckdekorationen vorgenommen hat. Es bleibt allerdings die Frage offen, wer schlussendlich für den Entwurf der Thinnfeldschen Stuckaturen verantwortlich ist. Wenn schon vor Beginn der Tätigkeit Bistolis ein genauer Riss vorlag, so hat dieser ihn mit großer Wahrscheinlichkeit weitgehend umgestaltet. Auf jeden Fall ist in den teilweise vergoldeten Stuckaturen des Ecksaales vom ersten Stock die Hand Bistolis zu erkennen, vor allen Dingen in der Art der Umrahmung des mittleren Reliefs, dem optisch betonten Gesamteindruck und der stark differenzierten Detail- und Oberflächenbehandlung und besonders bei dem zarten, mit vegetabilischen Elementen verbundenen Bandlwerk. (DEDEKIND, 1958, 70f)

6. ABBILDUNGEN

(STEIERMARK)

6.1 Ausschnitt aus dem großen Saal der Bibliothek, Stift Vorau.
(Augustiner-Chorherrenstift, ca. 1950, Abb. VII)

6.2. Stuckierte Prälaturarkaden, 1730, mit Glockenturm, 1597.
(Augustiner-Chorherrenstift, ca. 1970, Abb. 40)

6.3. Blick vom Handschriftenzimmer in den 24 Meter langen Bibliothekssaal.
(Augustiner-Chorherrenstift, ca. 1970, Abb. 45)

7. BIBLIOGRAPHIE

O. A., Die Bürgerschaft der Stadt Graz von 1720-1819, in: o. A., Veröffentlichung des Wiener Hochkammer-Archivs, V, Baden bei Wien 1941.
Augustiner-Chorherrenstift, Stift Vorau, Vorau ca. 1950.
Augustiner-Chorherrenstift, Das Stift Vorau in Bildern., Vorau ca. 1970.
DBI, Dizionario Biografico degli Italiani, Band 10, Rom 1968.
DEDEKIND, Annedore, Grazer Stuckdekorationen des 18. Jahrhunderts, Dissertation, Graz 1958.
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Steiermark, Wien 1982.
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Graz, Wien 1979.
KOHLBACH, Rochus, Die Stifte Steiermarks, Graz 1953.
KRENN, Peter, Die Oststeiermark, Salzburg 1981.
ÖKL, Österreichisches Künstlerlexikon von den Anfängen bis zur Gegenwart, Band 3, Wien 1977.
POPELKA, Fritz, Geschichte der Stadt Graz, II, Graz 1935.
PREIMESBERGER, Rudolf, Notizen zur italienischen Stukkatur [sic] in Österreich, in: o. A., Arte e artisti die laghi lombardi, II, Como 1964.
SAUR, Allgemeines Künstlerlexikon, Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Band 11, München-Leipzig 1995.
WOISETSCHLÄGER-MAYER, Die Kunstwerke des Stiftes Göss, in: BRACHER, Karl, Stift Göss: Geschichte und Kunst, Wien/Linz 1961.

 
©Mag. Lara Fritz, Mai 2009

 

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