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BENEDETTI (Bildhauerwerkstätte)

 

1. BENEDETTI, Bildhauerfamilie

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Bildhauer, Steinbildhauer, Steinmetz

3. BIOGRAPHIE

Familie aus Castione bei Mori, südlich von Trient. Sie residiert bereits seit 1572 in diesem Ort und ist bis 1783 nachweisbar. Begründer der Werkstätte war Cristoforo Benedetti (1660-1741), Teodoro, Sohn des Cristoforo übernahm sie. Seine weiteren Söhne waren Cristoforo III, Giacomo und Sebastiano I, die allesamt in der väterlichen Werkstatt tätig waren. Dominikus Molling (1691-1761) trat im Jahr 1733 in die Werkstatt ein. Er arbeitete vorher in Italien und in Dresden bei Balthasar Permoser. Die führenden Meister sind die Brüder Cristoforo III und Sebastiano II wie auch Teodoro. Hinzu kommen der ladinische Bildhauer Dominikus Moling und die Brüder Sartori.

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Der als Architekt genannte älteste der Benedetti ist Cristoforo (Cristoforo I oder der Ältere). Dieser errichtete den Hauptaltar von S. Maria Maggiore in Trient. Sein Sohn „Maestro Giacomo“ (geboren um 1610, Todesjahr unbekannt, aber um die Jahrhundertwende), Bildhauer und Architekt half ihm dabei. Der Gründer der Werkstatt war Cristoforo (Cristoforo der Jüngere), Sohn des Giacomo (1660-1737/40), der seinen Vater in seiner Kreativität und seinem Kunstschaffen übertraf. Sein Bruder Sebastiano war ebenso Künstler, sowie sein Sohn Teodoro, der die Werkstatt übernahm.

Cristoforo hatte noch weitere drei Söhne: Francesco Antonio (geb. 1700), Sebastiano Antonio (geb. 1703), Domenico Lucio (geb. 1706).

Lutterotti vermutet, dass an die 200 Arbeiter, d. h. Steinmetze und Künstler für die Werkstatt beschäftigt waren.

Die Werkstatt belieferte Süd- und Nordtirol von Mori aus. Sie befand sich bei der Pfarrkirche von Castione und in Quellen wird in diesem Zusammenhang ein „laboratorio“ bei Mori genannt.

 

5. WERKE

Italienische Säulenarchitektur des Altarbaus. In Castione befand sich ein Marmorbruch, den die Familie Benedetti berühmt machte. Die Werkstatt fertigte vor allem Altäre, Kapellen, Portale, Statuen, Kapitelle, Putten, Vorhangdraperien, Urnen, Inschriften, Wappen, u. a.

Nach Lutterotti (Monographie aus dem Jahr 1941) wurden um die 50 Altäre an fast 20 verschiedenen Orten geschaffen. Dazu kommen noch profane Arbeiten wie Portale, Denksäulen, Kanzeln, Marmorintarsien, ecc.

Aufgrund der fehlenden Signaturen gibt es Probleme in der Händescheidung innerhalb der Werkstatt.

In Tirol führten die Benedettis den Typus des römischen Hochbarockaltares ein. Sie wurden von den Plastiken Berninis inspiriert.

Das Material wurde in rohem Zustand oder bereits bearbeitet an Ort und Stelle gebracht und vor Ort wurde die Arbeit beendet.

(SÜDTIROL)

1705: Innsbruck, Spitalskirche, Hochaltar

1704-06: Innsbruck, Maria-Theresien-Straße, Annasäule

sind die ersten größeren Werke der Benedettis in Tirol

1708-10: Brixen, Hofburgkapelle, Portal und Altar
Werkbeschreibung: Aus der Werkstatt der Benedettis aus Mori stammen das Doppelwappen am Triumphbogen in Marmorintarsia, links das Wappen der Diözese und des Domkapitels Brixen, rechts das Familienwappen der Künigl, das Marmorprotal mit dem Wappen des Fürstbischofs und der Immaculata von 1709, die Chorschranken, der Marmoraltaraufbau mit Tabernakel, die Seitenskulpturen Joachim und Anna sowie das Speisegitter (im Jahr 1710). Der Altar besteht aus verschiedenen Marmorsorten. Den Architrav tragen vier Säulen, deren Kapitelle und Basen sich farblich vom Säulenschaft abheben. Bekrönt ist der Altar über dem Architrav mit einer Kuppel und einer Laterne, die von zwei Putti flankiert wird. Über dem Rundbogen des Altarbildes schweben ebenfalls zwei Putti aus Stuck. Das Altarblatt stammt von Maler Johann Georg Dominikus Graßmair, das die Unbefleckte Maria zeigt. Es wurde 1717 angebracht.

Brixen, Stiftskirche Neustift, Marienaltar.
Werkbeschreibung: Der Marienaltar und die Balustrade am Eingang der Marienkapelle im Augustiner-Chorherrenstift Neustift sind der Benedetti-Werkstatt zugeschrieben. Der Ausführende war Teodoro. Der Architrav des Altars wird von sechs Säulen getragen, auf dessen gesprengten Giebel zwei Putti und zwei Engelfiguren aus Stuck angebracht sind. Im Zentrum des Giebels wird das Herz Jesu, von Strahlen umrahmt, gezeigt. Die rundbogige Altarnische, in die eine Plastik der thronenden Madonna gestellt ist, wird von einem Sattelgiebel begrenzt. Auf diesem sind wiederum zwei Putti zu sehen.

1721: Montan, Pfarrkirche Hl. Bartholomäus. Seitenaltar aus buntem Marmor. Säulenaufbau mit Rundbogennische, verkröpfte Gebälkstücke, Volutengiebel, Baldachin und Skupturen. Gestiftet von Pfarrer Alexander Giovanelli.

6. ABBILDUNGEN

(SÜDTIROL)

6.1 1708-10: Brixen, Hofkirche, Altar , Bildnachweis: Karl Wolfsgruber, Die Brixner Hofburg, Athesia, Bozen 1983, 41.

6.2 Brixen, Stiftskirche Neustift, Gnadenkapelle, Marienaltar, Bildnachweis: Martin Peintner, Chorherrenstift Neustift, 1973, 32.

7. BIBLIOGRAPHIE

Günter Brucher (Hg.), Die Kunst des Barock in Österreich, Residenz Verlag, Salzburg und Wien 1994.
Erich Egg, Die Hofkirche in Innsbruck, Tyrolia, Innsbruck 1974.
Handwerk und Genie. Eine Ausstellung aus Anlass der Restaurierung des Domes zu Innsbruck, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck, 1993.
Otto v. Lutterotti, Eine Bildhauerwerkstatt des Barocks: Die Benedetti und Dominikus Molling, Beihefte „Jahrbuch für Geschichte, Kultur und Kunst“, Nr. 7, Bozen 1941.
Nicolò Rasmo, Cristoforo Benedetti. Architetto e scultore, o.O. 1984.
Nicolò Rasmo, Kunst in Südtirol. Eine Auswahl der schönsten Werke, Bozen 1976.
Ulrich Thieme, Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der antike bis zur Gegenwart, Band 3/4, Bassano bis Brevoort, E. A. Seemann, Leipzig 1999.
Karl Wolfsgruber, Diözesanmuseum. Hofburg – Brixen. Führer durch die Historische Abteilung, Bozen o. J.

 
©Simone Rungger, Februar 2010
 

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