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BARTOLETTI, Sebastiano

 

1. BARTOLETTI, Sebastiano

Bartoleto, Bartoletto, Pargoletti

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Maurer, Baumeister

3. BIOGRAPHIE

Ist von 1663 bis 1672 urkundlich erwähnt (SAUR, 256).

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Graf Paul Esterházy war der Auftraggeber zum Umbau des Schlosses Esterházy in Eisenstadt, welche er zuerst als Polier von Carlo Martino Carlone und anschließend zusammen mit Antonio Carlone durchführte (HARICH, 34). Weiters arbeitete er dort
mit den Stuckateuren Andrea Bertinalli und dem Maler Carpoforte Tencala zusammen (HOLZSCHUH, 149)
.

Der Bildhauer Andrea Bertinalli, der vielleicht mit Bartolotti Andrea ident ist, arbeitet 1670 unter Sebastiano Bartoletti und Antonio Carlone am Eisenstädter Schloss (vgl. A.I.A.-Beitrag zu Bartolotti Andrea von AMANN Klaus, März 2002.).

 

5. WERKE

(BURGENLAND)

5.1 Umbauarbeiten am Schloss Esterházy in Eisenstadt
1663 betraute Paul Esterhàzy den aus Como in der Lombardei stammenden Meister Carlo Martino Carlone mit den Umbauarbeiten des Schlosses Esterhàzy in Eisenstadt (HARICH, 34). Die praktische Ausführung übernahmen seine Polier
S.B. und Antonio Carlone (SAUR, 256; CZEIKE, 81; LUCHNER, 323). Am 10. April 1663 wurde der Bauvertrag mit S.B. und A.C. abgeschlossen. Als jedoch C.M. Carlone 1667 verstarb (in weiterer Literatur findet sich das Jahr 1665; FIDLER, 202-203), schloss Paul Esterházy mit den beiden Polieri am 10. April 1669 einen neuen Vertrag ab, in welchem S.B. und A.C. 15.700 fl. zugesichert werden. Zudem wurde vereinbart, dass die Bauarbeiten innerhalb von vier Jahren zum Abschluss gebracht werden sollten (HARICH, 34-35). S.B. wurde beauftragt „den Trakt mit dem großen Saal in Angriff zu nehmen“ (FIDLER, 202-203). Die Umbauarbeiten sollten jedoch länger dauern, da das Gebiet neuerdings von den Türken angegriffen wurde (CZEIKE, 81).

Den Plänen von A.C. folgend ummantelten die Baumeister den Bau, sodass das Schloss rundum um ein Zimmer vergrößert wurde. Die neuen Außenwände erhielten eine barocke Fassadengestaltung, wogegen die Mauern des Innenhofes kaum verändert wurden. Die Ecktürme wurden teilweise in den oberen Geschossen neu aufgebaut. Lediglich der südöstliche Turm ist noch original erhalten. Dies ist durch einen originalen Wappenstein an der inneren Grabenwand gesichert. Um den eckigen Türmen ihren Wehrcharakter zu nehmen, wurden sie mit doppelten Zwiebelhelmen versehen, welche jedoch beim klassi-zistischen Umbau durch Carles Moreai – 1794/1805 – durch flache Zeltdächer ersetzt wurden (CZEIKE, 82; DEHIO, 75;
HOOTZ, 378; HOLZSCHUH, 148).

Die Fassaden wurden auf allen Seiten mit rhythmisierender Gliederung überzogen. Eine toskanische Riesenpilasterordnung
der Haupt- und Hoffassade fassten den 1. und 2. Stock sowie ein Mezzaningeschoss zusammen (PICKLER, 36). Dieser kolossalen Ordnung wird ein feingliedriges Raster von Gesimsen und Bänderungen entgegen gesetzt. Zudem unterstreichen die Büsten ungarischer Könige und Heerführer die dichte Oberflächenstruktur (LORENZ, 30). Die Seitenfassaden wurden ohne Pilaster und mit weit auskragenden Konsolengesimsen zurückhaltender gestaltet (HOLZSCHUH, 149). Durch die Ummantelung der mittelalterlichen Anlage wurde der Burggraben teilweise überbau und wurde mit Abbruch- und Aushubmaterial der Keller zugeschüttet. Es wurde jedoch ein mit Werkstein ausgekleideter Wassergraben errichtet.

im Bezug auf den Fortgang der Arbeiten ist zu erfahren, dass im Jahr 1664 bereits der Südturm fertig gestellt war. „Ab 1666 folgen Südwestturm und Westtrakt mit der Kapelle.1667 werden die Uhr für den Südostturm und die 18 Büsten der ungarischen Heerführer und Könige für die Hauptfassade bestellt. Von 1668 datieren die Kontakte über die Errichtung der Nordtraktes und des Aushubes des Schloßgrabens an der Ostseite unter Verwendung der alten Grabenmauern. 1669 bricht man die alte Ringmauer ab, um Platz für der großen Saal im Nordflügel zu schaffen, errichtet die große Stiege um Osttrakt und leitet
Wasser in das Schloß ein.“(HOLZSCHUH, 149). Laut Bauinschriften im Hof wurde der Bau im Jahre 1672 fertig gestellt. Die Endabrechung der Baukosten dürfte aber erst 1674 durchgeführt worden sein, da bis zu diesem Zeitpunkt noch Stuckateur-arbeiten ausgeführt wurden. Die Kosten für den Bau beliefen sich auf 26.670 fl., wobei die Naturalien, welche für die Verpflegung der Bauleute verwendet wurden sowie das Baumaterial nicht einkalkuliert sind (HOLZSCHUH, 149).

5.2 Umbauarbeiten am Despot-Haus in Großhöflein (SAUR, 256)

6. ABBILDUNGEN

(BURGENLAND)

6.1 Schloss Esterhàzy, Entwurfsvariation, um 1663
in: Holzschuh, S. 148

6.2 Schloss Esterhàzy, Kupferstich von Matthias Greischer, um 1687
in: Holzschuh, S. 149

6.3 Schloss Esterhàzy, Grundriss
n: Czeike, S. 85

6.4 Schloss Esterhàzy, Fassadenansicht
in: Lorenz, S.31

7. BIBLIOGRAPHIE

CZEIKE, Felix: Das Bugenland. Land der Störche und der Burgen. Kultur, Landschaft und Geschichte zwischen Ostalpen und Pussta, 2. Aufl., Köln 1991
DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Burgenland, bearbeitet von Schneller-Kitt, Adelheit, 2. Aufl., Wien 1980
FIDLER, Petr: Architektur des Seicento. Baumeister, Architekten und Bauten des Wiener Hofkreises, Innsburck 1990
HARICH, Johann: Schloss Esterházy Eisenstadt. Geschichte und Beschreibung, Wien 1993
HOLZSCHUH, Gottfried: Zur Baugeschichte des Fürstlich Esterhàzyschen Schlosses in Eisenstadt; in: Kathalog der Ausstellung der Republik Österreich des Landes Burgenland und der Freistadt Eisenstadt, Die Fürsten Esterházy. Magnaten, Diplomaten & Mäzene, S. 144-155, Eisenstadt 1995
HOOTZ, Reinhard: Kunstdenkmäler in Österreich. Ein Bilderhandbuch. Niederösterreich/Oberösterreich/Burgenland, 2. Aufl., München/Berlin 1978
LORENZ, Helmut: Architektur; in: Bucher, Günter: Die Kunst des Barock in Österreich, S. 11–128, Wien 1994
LUCHNER, Laurin: Schlösser in Österreich. Bd. I: Residenzen und Landsitze in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland, München 1978
PICKLER, Harald: Burgen und Schlösser im Burgenland, 2. Aufl. Wien c 1972
SAUR: Allgemeines Künstlerlexikon, Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Bd. 7, München/Leipzig 1993

sowie

AMANN, Klaus, A.I.A.-Beitrag zu Bartolotti Andrea, März 2002.
http://www.uibk.ac.at/aia/bartolotti_andrea.htm (Stand vom 26.11.2009).
BOLAFFI, Giulio (Hsg.), Dizionario Enciclopedico Bolaffi dei Pittori e degli Incisori Italiani, Dall’ XI al XX secolo, Band I, Turin 1972.
Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Österreich, Band I, Wien/Berlin 1938.
Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Österreich, Band II, Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und Burgenland, Berlin/Wien 1935, Seite 642.
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Burgenland, Wien 1983, Seite 74.
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Graz, Wien 1979.
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Kärnten, Wien 2001.
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Niederösterreich südlich der Donau, Teil 1, A bis L, Wien 2003.
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Niederösterreich südlich der Donau, Teil 2, M bis Z, Wien 2003.
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Oberösterreich, Wien 1958.
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Oberösterreich, Mühlviertel, Wien 2003.
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Salzburg Stadt und Land, Wien 1986.
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Steiermark, Wien/München 1956.
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Steiermark (ohne Graz), Wien 1979.
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Tirol, Wien 1980.
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Vorarlberg, Wien 1983.
Dehio-Handbuc h, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Wien I. Bezirk – Innere Stadt, Wien 2003.
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Wien II. bis IX. Bezirk, Wien 1993.
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Wien X. bis XIX. und XXI. Bis XXIII. Bezirk, Wien 1996.
LIST, Rudolf, Kunst und Künstler der Steiermark, Ein Nachschlagewerk, Ried im Innkreis 1967.
MORPURGO, Enrico, Gli artisti in Austria, Dalle origini al secolo XVI, Band I, Libreria dello Stato 1937.
MORPURGO, Enrico, Gli artisti in Austria, Il Secolo XVII, Band II, Libreria dello Stato 1962.
SAUR, Allgemeines Künstlerlexikon, Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Band 7, München/Leipzig 1993, Seite 256.
SCHMIDT, Rudolf, Österreichisches Künstlerlexikon, Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Wien 1974.

 
©Daniela Unterholzner, April 2008; ergänzt von Brigitte Ferdigg November 2009

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