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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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BARBARINO, Giovanni Battista

 

1. BARBARINO, Giovanni Battista (Gian Battista; Johann Baptist)
Barbarini; Barberini; Barbarigo; Barbarino (Lechner, 1970)

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Stuckateur, Plastiker, Maler, Architekt und Baumeister (Grassi, 1966, 27)

3. BIOGRAPHIE

* 1625 ?, Laino
† vor 2.3. 1691, ?

Als Geburtsort für Barbarino ist in der einschlägigen Literatur Laino in Val d'Intelvi angegeben.( DBI, 1964, 176).
Die Valle d'Intelvi ist ein Verbindungstal zwischen Comer- und Luganer-See. Das genaue Geburtsdatum Barbarinos ist nicht bekannt. Persönliche Aufzeichnungen, Briefe, Zeichnungen und Entwürfe fehlen vollständig. In Laino, dem Heimatort des Künstlers, sind aber auch die Pfarrbücher, die Aufschluss über Geburts- und Todesjahr gegeben hätten, verloren gegangen.
Die einzigen urkundlichen Quellen sind Akten im Notariatsarchiv in Como (Kauf- und Pachtverträge, Vollmachten, Testamente usw.). Sie ermöglichen es, Barbarinos Geburtsjahr nur annähernd zu ermitteln. Barbarino dürfte somit um 1625 das Licht der Welt erblickt haben (HOFFMANN, 1928, 14f.). In der Publikation von Eugenio Riccòmini ist 1627 als Geburtsjahr angegeben (RICCOMINI, 1972, 86).

Aus einer eigenhändigen Bestätigung des Stuckateurs Giovanni Battista Barbarino über erhaltene 220 und 200 Gulden für die Stuckarbeiten in der Servitenkirche Wien-Rossau vom 9. September und 6. November 1669 ist zu entnehmen, dass er mit
dem Namen "Gio: Batt: Barbarino" unterschrieben hat (LECHNER, 1970, Tafel 10). Es darf daraus geschlossen werden,
dass in der Geburts- bzw. Taufmatrikel der Name Giovanni Battista Barbarino aufscheint. In den Kremsmünsterer Quellen,
die später als diejenigen der Wiener Servitenkirche datiert sind, wird der Künstler ebenso als Barbarino namentlich geführt (PÜHRINGER-ZWANOWETZ, 1977, 205).

Zwischen dem 17. Juni 1690 und dem 2. März 1691 ist Barbarino gestorben; denn am 2. März 1691 verteilen seine beiden Töchter, Lodovica Muttoni und Lucia, die Witwe des Stuckateurs Lorenzo Aliprandi, seine Erbschaft (HOFFMANN, 1928, 15).

Herkunft und verwandtschaftliche Beziehungen lassen erkennen, dass Giovanni Battista Barbarino in der alten künstlerischen Tradition der Valle d'Intelvi aufwuchs. Wer Barbarinos Lehrmeister war und wo er gelernt hatte, konnte bis heute noch nicht eindeutig verifiziert werden. Saur, Allgemeines Künstlerlexikon, berichtet, dass die Lehrzeit Barbarinos ab 1637 bei Intelvi-Meistern begann. Eugenio RICCOMINI (1972, 86f.) erwähnt in seiner Publikation, dass Barbarino Schüler von Ercole Ferrata
war. Barbarino blieb Zeit seines Lebens ein Wanderkünstler.

Das früheste Werk, das mit Barbarino in Verbindung gebracht wird, ist die fragliche Zuschreibung einer Stuckdekoration am Hauptaltar von San Michele in Biumo Inferiore/Varese im Jahre 1645 (SAUR, 1992, 665) Nach Pietro CONTI (1896, 183f.) arbeitete er 1647 in Pellio Inferiore/Intelvi.

Die erste gesicherte Arbeit Barbarinos befindet sich in der Pfarrkirche San Lorenzo seines Heimatortes Laino (1664/67). (HOFFMANN, 1928, 21ff., 35ff., 39ff., 46ff., 50ff., 66ff., 73ff., 80ff.; BARBIERI, 1966, 703-712; TELLINI PERINA, 1973, 22-34; BARBIERI, CEVESE, MAGANATO, 1953, 83; BRUN, 1967, 81). Weitere erhaltene Werke befinden sich u.a. in Claino/Intelvi (1660 und 1689), Vicenza (1662-64), Cremona (1664 bis 1667), Genua (ab 1672), Bologna (1673 bis 1675 mit Unter-brechungen), Mantua (1669 bis 1678, um 1684,1688), Rovenna di Cernobbio/Como (1676 und 1690, 1692), Laino (1677), Dizzasco/Intelvi (1679), San Benedetto Po (1679), Parma (1681), Bergamo (um 1683), Bellinzona/Tessin (1687, 1689), Como (1687).

In Österreich war er zweimal tätig: in Wien (1669/70), Kremsmünster 1680/82) und Linz (1681 bis 1683).

Maria G. AGGHÁZY führt in einer ihrer Publikationen an, dass sich Barbarinos Formenvokabular auch im ehemaligen Ungarn, heute Slowakei, befindet (AGGHÁZY, 1965, 98-109, Aggházy, 1966, 163-168). Durch Stilvergleiche untermauert, sind dies: Vágujhely/Nove Mesto nad Vahom am Fluss Vág (1667) und Nagyszombat/Trnava (um 1680). Betrachtet man die Aktivitäten von Barbarino in den Jahren 1667 und 1680 bis 1682 in Österreich und im besonderen in Wien, so ist es nicht gewagt daran
zu denken, dass er in den vorher genannten Orten seine Ideen verwirklicht hat. Die archivalischen Quellen erlauben bis heute keine konkrete Zuschreibung dieser zwei Werke in Vágujhely und Nagyszombat an seine Person.

Es wird in der Literatur für wahrscheinlich gehalten, dass Giovanni Battista Barbarino in Kontakt mit der künstlerischen Welt
des römischen Hochbarocks stand (MAGNI, 1964, 319; PANDAKOVIC, 1966 (2), 161). Eine vermittelnde Rolle wird hier
seinem intelvesischen Landsmann Ercole Ferrata (1610 in Pelsotto im Valle d'Intelvi geboren) zugedacht, der Schüler bzw. Mitarbeiter Algardis und Berninis war.

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Der Vater des Giovanni Battista Barbarino, Sebastiano Barbarino, wird namentlich 1613 anlässlich einer Gemeindever-
sammlung als "filius emancipatus" erwähnt (HOFFMANN, 1928, 15f.). Die Nachrichten über seinen Vater Sebastiano sind
sehr spärlich. Er besaß ein bäuerliches Anwesen. Seine Unterschrift findet sich in Urkunden bis 1650. 1652 war er schon gestorben, da sein Sohn f.q. (= filius quondam) Sebastiani genannt wird.

Der Großvater Barbarinos, der ebenso Giovanni Battista hieß, besaß in Laino Wiesen und Äcker sowie ein kleines Bauerngut. Einen Bruder des Künstlers mit dem Namen Francesco findet man 1619 im Notariatsarchiv Como als Pronotarius. Dieser war demnach älter als Giovanni Battista. Die alte, urkundlich nicht gesicherte Nachricht von der Mitarbeit eines Bruders an den Werken in Cremona, erhält damit eine gewisse Stütze. In einem Kaufbrief vom 17. April 1658 findet sich eine Schwester als Gattin des Giacomo Scotti, der, wie sich aus einer Anwesenheit bei Arbeiten Barbarinos zu Rovenna am Comersee im Jahre 1676 ergibt, ebenfalls Stuckateur war.

Die Mutter des Künstlers soll den Ledigennamen Bolla getragen haben. Sicher ist, dass Barbarino mit dem Geschlecht der Bolla verwandt war, da seine Tante Caterina einem Marco Bolla angetraut war.

Gegen 1650 verheiratete sich Barbarino mit Francesca Feraboschi, der Tochter des Giovanni Pietro Feraboschi, sodass er
auch dieser um die Wende des 16. zum 17. Jahrhundert im höchsten Ansehen stehenden Familie nahestand. Giovanni
Battista Barbarino hatte nur zwei Töchter: die ältere, Lucia, war die Gattin des Stuckateurs Lorenzo Aliprandi, der kurz vor
1684 in Österreich verstarb; die jüngere, Lodovica, war die Gattin des Notars Carlo Celso Muttoni, dessen Großvater schon Notar in Laino gewesen, und dessen Verwandter der Architekt Bartolomeo Muttoni war.

Verwandte des Künstlers waren die Aliprandi, Bolla, Feraboschi, Muttoni, Scotti, alle Mitglieder von Künstlerfamilien aus Laino (HOFFMANN, 1928, 13). Paolo Frisoni, Giulio Quaglio, Leonardo Retti und Antonio Viscardi, die alle aus Laino stammen,
gelten als Barbarinos Zeitgenossen und waren teilweise seine Freunde und Mitarbeiter. Aus der Nachbargemeinde Pellio Inferiore (Pelsotto) stammen Barbarinos Zeitgenosse Ercole Ferrata und die Daria, aus Pellio Superiore die Luraghi, aus Ramponio die Orsolini, aus Scaria die Familien Carlone und Allio, aus Lanzo Cannevale und Andrea Vanoni, aus Argegno die Bianchi, und von Montronio die Piazzoli.

Eine Vermittlung Barbarinos nach Wien durch Carlo Martino Carlone, Franz und Carlo Canevale, die als Architekten, Planentwerfer und Bauleiter der Servitenkirche Wien in Schriftstücken des Servitenarchivs erwähnt sind, wäre denkbar (LECHNER, 1970, 18f.; DEHIO, 1993, 377; Vgl. KUTSCHA LISSBERG, 1936, 11ff und Anhang I, I 14, 10. Nov. 1662;
LAVICKA, 1971, 65.). Barbarinos Dekorationsformen weisen auf den Bolognesen Agostino Mitelli (1609-1660), deren Stichvorlagen ein Umsetzen in Stuck durch Barbarino, nicht kopierend, sondern als Anregung gedient haben könnten (SCHEMPER, 1983, 161). Dies würde den Schluss zulassen, dass Kontakte zwischen diesen beiden Künstlern bestanden hatten. Eine Verbindung zu dem Passauer Dombaumeister Carlo Lurago (verstorben in Passau 1684) ist als sicher anzunehmen, da dieser im selben Dorf wie Barbarino geboren wurde (PÜHRINGER-ZWANOWETZ, 1977, 205f.; ÖKT XLIII. 1, 1977, 210f.). Dass Barbarino bei seiner Auftragsbewerbung auf Empfehlungen von Seiten des Passauer Dombaumeisters rechnen konnte, liegt in den nachweislich guten Kontakten der Prioren und Äbte der Klöster zum Bischof von Passau
begründet. Ein Naheverhältnis Barbarinos mit Giovanni Battista Colomba (geboren 1638 in Arogno bei Lugano), der 1677/78 nach eigenem Entwurf die Wallfahrtskirche Maria Taferl stuckiert und mit Fresken ausgemalt hatte, ist bezeugt. Eine Zusammenarbeit Colombas mit der Werkstatt Barbarinos wird in der Stuckdekoration der Kapelle des Baumgartenberger Stiftshauses in Linz um 1693 vermutet (ÖKT L.2, 1986, 169; OÖLA, Handschrift 1, 326; LINZER STUKKATEURE, 1973, 121)
.

 

5. WERKE

(WIEN)

Innenraumgestaltung der Servitenkirche Mariä Verkündigung in der Rossau (Wien) in den Jahren 1669/70:
Für die Innenraumgestaltung der Kirche waren zwei Kontrakte entscheidend, die im Jahre 1669 mit dem Stuckateur
Giovanni Battista Barbarino
über die Stuckarbeiten der ganzen Kirche geschlossen wurden (LECHNER, S. 19;
Servitenarchiv II A, Fasc. IV, Nr. 4; LAVICKA, 73; FIDLER, 1990, S. 206 (Fußnote 436)).Der erste Kontrakt
(um 880 Gulden) vom 27. August 1669 betrifft im besonderen:

5.1 Kapelle der Schmerzhaften Mutter Gottes (Grabstätte des Fürsten Ottavio Piccolomini unter dem Altar), mit den Wandstukki (Militärische Insignien) mit klick Ansicht vergrössern an den Seitenpfeilern des Kapelleneingangs, den auf den Gebälkaufsätzen der beiden Pfeiler sitzenden Putti und den zwei Sibyllen mit klick Ansicht vergrössern(Sibylla Persica rechts und Sibylla Tiburtina links) mit klick Ansicht vergrössern über dem Gewölbebogen.

5.2 Sebastianaltar (anschließend an die Kapelle der Schmerzhaften Mutter Gottes vor dem Hauptaltar) mit zwei Propheten mit klick Ansicht vergrössern und einem in der Mitte sitzenden Putto über dem Gewölbebogen.

Karl Lechner vermerkt in seiner Publikation über Kirche und Kloster der Serviten in der Rossau auf Seite 19: "Der erste vom
27. August im besonderen betrifft die kleine Kapelle hinter der Pietà de la sede mit den zwei Fassaden (gemeint sind die
beiden Lisenen beim Eingang zum Schmerzensaltar), ferner die Sibyllen und Propheten und den Engel (um 880 fl.)". Mit der Definition "kleine Kapelle hinter der Pietà" hat der vorher genannte Autor bestimmt an den in einer Wandnische positionierten Sebastianaltar gedacht, der an die Kapelle der Schmerzhaften Mutter Gottes anschließt.
Claudia Ullrike Lavicka schreibt in ihrer Dissertation (Seite 73, Abb. 7) die Stuckelemente (Propheten und Putto) dem Sebastianaltar - gemäß Kontrakt August/September 1669 - zu, so dass die Zuordnung der kleinen Kapelle zum Sebastian-
altar dadurch ihre Bestätigung erfährt.

In der bereits erwähnten Arbeit von Lechner findet sich in der Fortsetzung des Erstkontraktes ein weiterer vom 18. Dezember 1669, der die Statuen in der kleinen und großen Kapelle, die zur Begräbnisstätte des Fürsten Piccolomini gehörten; sie waren bis 1670 zu vollenden; und endlich noch die zwei Sibyllen an der Fassade mit dem Engel, der auf dem Gewölbebogen sitzt,
zum Inhalt hat. Bei diesem Zweitvertrag handelt es sich offensichtlich wiederum um die Stuckformen, die den Dekor der
Kapelle der Schmerzhaften Mutter Gottes und den der Sebastiansaltarnische betreffen, jedoch einen Fertigstellungstermin
bis 1670 vorschreiben.

In den beiden vorher genannten Kontrakten dürften die folgend angeführten, jedoch Barbarino zuerkannten Arbeiten, im Detail nicht erwähnt worden sein, da Karl Lechner darüber nichts berichtete.

5.3 Hauptraum:
Das Kuppelgewölbe mit klick Ansicht vergrössern ist von schweren, weißen, die Freskenmedaillons rahmenden Stukki mit Putten, Stuckmedaillons, Fruchtgirlanden und Laubwerk überzogen. In der Längsachse der Kuppel befindet sich im Blindfenster über dem Chorbogen und Gesims eine plastische Verkündigungsgruppe mit klick Ansicht vergrössern mit Stuckvorhang und Putten. Barbarino verstand es dabei meisterhaft, das Geheimnis von Maria Verkündigung, dem die Kirche geweiht ist, in den Mittelpunkt seiner gestalterischen Idee zu rücken. Über den Kapellenöffnungen sowie dem Chor- und Eingangsbogen hat der Künstler Sitzfiguren von Propheten und Sibyllen mit klick Ansicht vergrössern positioniert. Diese Figuren zeigen auffallende Ähnlichkeit in Haltung, Gebärde, Gewandung und Gesichtsausdruck mit den acht Zwickelfiguren über den ersten beiden Arkaden in der SS. Pietro e Stefano -Kirche in Bellinzona ( HOFFMANN, 1928, 19). Sie zählen wegen ihrer kühnen Haltung, der originellen Gewandung und ausdrucksvollen Modellierung zu den schönsten ihrer Art in der Kunstgeschichte.


(OBERÖSTERREICH)

Stukkierung der Stiftskirche Kremsmünster in den Jahren 1680 bis 1682
Während seines zweiten Aufenthaltes in Österreich in den Jahren 1680 bis 1682 widmete sich Barbarino unter der organisatorischen Leitung von Giovanni Battista Colomba der Stukkierung der Stiftskirche Kremsmünster. Barbarino und Colomba waren von Abt Erenbert Schrevogl (1669 bis 1703) für die Barockisierung der Stiftskirche unter Vertrag genommen worden.

5.4 Das Deckengewölbe des Hauptschiffes der Stiftskirche Kremsmünster
Von Giovanni Battista Colomba als leitendem Baumeister und Giovanni Battista Barbarini als Stukkateur wurden die Gewölbeteile mit Holzverschalungen ausgekleidet, die gotischen Kreuzrippen mit Festons verziert und die Pfeiler mit
vorgelegten Stuckpilastern, die im Mittelschiff ein schweres verkröpftes Gesims tragen, ummantelt.

5.5 Detail der Umrahmung der Gewölbefresken
Die Blumen- und Fruchtschnüre an Rippen, Gurten und Gewölbefresken führte Barbarini mit Hilfe mehrerer Mitarbeiter
(Santino Kapone, Wolfgang Grinzenberger u.a.) aus.

5.6 Die figürlichen Teile an den Zwickeln der Arkadenbögen
Die figürlichen Teile an den Zwickeln der Arkadenbögen, Engel mit liturgischen Geräten, stammen durchwegs von Barbarini.

5.7 Die Fassade der Stiftskirche Kremsmünster
Die Fassade der Stiftskirche Kremsmünster ist das einzige gesicherte Werk Barbarinis als Architekt. Die mit Laternenhelmen geschmückten beiden Türme und die zweigeschossige Schauwand mit vorgeblendeter Altane verleihen der Fassade einen schlossähnlichen Charakter. Fertiggestellt wurde die Fassade jedoch erst im Jahre 1705.

5.8 Der Hochaltar der Jesuitenkirche in Linz
In den Jahren 1681 bis 1683 schuf G.B. Barbarini in Zusammenarbeit mit G.B. Colomba den Hochaltar der Jesuitenkirche in
Linz (St. Ignatius - Alter Dom). Der dreigeschossige Hochaltar ist von einem gewaltigen Stuckvorhang umgeben. Das Altarbild zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel (1785). Als die Kirche zum Dom der Diözese Linz erhoben wurde, holte Bischof Herberstein das Gemälde von Antonio Bellucci aus der aufgehobenen "Schwarzspanierkirche" in Wien und ersetzte das ursprüngliche Ignatius-Bild. Das Oberösterreichische Landeswappen, das von zwei Engeln im Segmentgiebel über dem
Altarbild gehalten wird, erinnert an die großzügige Spende der Landstände für den Bau des Hochaltars. Das Aufsatzbild zeigt
die Hl. Dreifaltigkeit. Es ist von einem Laubkranz aus Marmor umgeben, der von vier Putti gehalten wird. Über dem Aufsatzbild erhebt sich eine von Engeln gehaltene Krone als Symbol der Majestät Gottes. Der eindrucksvolle Hochbau schließt mit einem Kreuz, über das zwei Engel einen goldverzierten Baldachin halten. Aus diesem öffnet sich ein seidenartiger, mit Goldfransen verzierter Vorhang, der von achtzehn Engelsfiguren gehoben wird und so den Blick auf den Altar freigeben. Marmorsäulen und sechs Heiligenfiguren begrenzen die Altarbilder. Links unten steht der Hl. Franz Xaver mit einem Kreuz in der Hand. Ihm zu Füßen sitzen zwei Putti. Das Bibelwort auf den von ihnen gehaltenen Tafeln weist auf die Tätigkeit des Missionars hin: "Dedite in lucem gentium, ut sis salus mea usque ad extremum terrae." ("Ich habe dich gesetzt als ein Licht für die Heidenvölker,
dass du mein Heil für sie seiest bis zu den Grenzen der Erde."). Neben ihm - zwischen den Säulen - befindet sich der
Hl. Josef, Schutzpatron der Kirche, mit dem Jesuskind. Rechtsseitig steht der Babenberger Herzog Leopold III. als Gründer
und Förderer vieler Klöster und Kirchen mit einem Kirchenmodell. Ganz rechts befindet sich der Hl. Franz Borja, der ein Kreuz und einen Totenkopf in seinen Händen hält. Unterhalb der Statue verweisen von Engeln gehaltene Inschrifttafeln auf sein
Leben: "Prodigium factus sum multis et adiutor fortis." ("Ein staunenswertes Wunder bin ich für viele geworden und ein starker Helfer."). Auf der linken Seite des Altaraufsatzbildes befinden sich die Hl. Katharina mit dem Rad und rechts die Hl. Barbara
mit dem Turm als Attribut (P. Heinz Urban, SJ, Kirchenführer Alter Dom, Linz).

6. ABBILDUNGEN (WIEN)

5.1 Stuck des linken Seitenpfeilers, Detail, Bildnachweis: Mag. Martin M. Lintner, O.S.M., Servitengasse 9, 1092 Wien.Gewölbeausschnitt mit Putti und Sibyllen, Bildnachweis: Mag. Martin M. Lintner, O.S.M., Servitengasse 9, 1092 Wien.
Sibylla Persica, Detail, Bildnachweis: Mag. Martin M. Lintner, O.S.M., Servitengasse 9, 1092 Wien.

5.2 Prophet Isaias, Detail, Bildnachweis: Mag. Martin M. Lintner, O.S.M., Servitengasse 9, 1092 Wien.

5.3 Kuppelgewölbe, Detail, Bildnachweis: Mag. Martin M. Lintner, O.S.M., Servitengasse 9, 1092 Wien.
Verkündigungsgruppe mit Stuckvorhang und Putten, Bildnachweis: Mag. Martin M. Lintner, O.S.M., Servitengasse 9, 1092 Wien.
Sitzfiguren von Propheten und Sibyllen über den Kapellenöffnungen, Detail, Bildnachweis: Mag. Martin M. Lintner, O.S.M., Servitengasse 9, 1092 Wien.

 

ABBILDUNGEN (OBERÖSTERREICH)

5.4 Das Deckengewölbe des Hauptschiffes der Stiftskirche Kremsmünster; Bildnachweis: 1200 Jahre Kremsmünster, Stiftsführer, Linz 1977, S. 64.

5.5 Detail der Umrahmung der Gewölbefresken; Bildnachweis: 1200 Jahre Kremsmünster, Stiftsführer. Linz 1977,
S. 66.

5.6 Die figürlichen Teile an den Zwickeln der Arkadenbögen; Bildnachweis: 1200 Jahre Kremsmünster, Stiftsführer,
Linz 1977, S. 72.

5.7 Die Fassade der Stiftskirche Kremsmünster; Bildnachweis: 1200 Jahre Kremsmünster, Stiftsführer, Linz 1977, S. 59.

5.8 Der Hochaltar der Jesuitenkirche in Linz; Bildnachweis: Kirchenführer Alter Dom Linz, St. Ignatius, Kunstverlag
Hofstetter, Ried im Innkreis 1994, S. 5.
7. BIBLIOGRAPHIE

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CONTI, Pietro, Memoria storia della Val d'Intelvi, Como 1896.
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KUTSCHA LISSBERG, Paul von, Die Wiener Servitenkirche und ihr Meister, Diss., Wien 11.7.1936.
LAVICKA, Claudia Ullrike, Geschichte der P.P. Serviten in der Rossau in Wien bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, Diss.,
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ÖKT XLIII. 1, Österreichische Kunsttopographie, Band XLIII, Die Kunstdenkmäler des Benediktinerstiftes Kremsmünster, I.
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weiters:

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KIRCHENFÜHRER, Alter Dom Linz, St. Ignatius, Kunstverlag Hofstetter, Ried im Innkreis 1994.
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ÖKL V, 1979 (Nachtrag), Österreichisches Künstlerlexikon von den Anfängen bis zur Gegenwart, verfaßt von Rudolf Schmidt, Band 5, Wien 1979 (Nachtrag).
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OÖLA, Oberösterreichisches Landesarchiv, Baumgartenberg, Handschrift 1.
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SAUR, Allgemeines Künstler-Lexikon, Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Band 6, München-Leipzig 1992.
STIFTSFÜHRER, 1200 Jahre Kremsmünster, 5. Auflage, Linz 1977.

 
©Klaus Amann und Alfons Kleiner, November 2004
 

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

a.a.O. am angeführten Orte
biogr. biografico
Diss. Dissertation
Diz. Dizionario
Fasc. Faszikel
f., ff. folgende Seite/n
fl. Floren(us), florin, Gulden
Inst. Institut
Mitt. Mitteilung/en
O.S.M. Ordo Servorum Mariae
ÖNB Österreichische Nationalbibliothek
oberösterreichisch
P.P. Patres
S. Seite/n
SS Sante, Santi
StML Stadtmuseum Linz
Vgl. Vergleich

 

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