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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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BALESTRA, Antonio

 

1. BALESTRA, Antonio

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Maler, Kupferstecher, Radierer

3. BIOGRAPHIE

* 12.8.1666 Verona
† 21.4.1740 Verona (Biographie von Pascoli ca. 1732)

Balestra war laut Saur in der Contrada di S. Vitale, Verona, als Sohn des wohlhabenden Kaufmannes Francesco und der
Lucia Buscheti geboren und 1679 auf dem Steuerschätzschein des Vaters angegeben.

Im Begriff eine humanistische Ausbildung bei den Jesuiten zu beginnen, trat er 1681 in die Werkstatt des Veroneser Malers Giovanni Ceffis (laut Thieme Becker Zeffio) ein, bei dem er ein Jahr blieb. Der Tod des Vaters zwang ihn, Studien und Malerei aufzugeben, um seine Geschwister im Geschäft zu unterstützen. Erst gegen 1687 konnte er sich nach Venedig (laut Thieme Becker Bologna) in die Werkstatt des Antonio Bellucci begeben, wo er sich vor allem mit Tintoretto und dem venezianischen Cinquecento auseinandersetzte.

1691 in Rom Schüler von Carlo Maratta sowie Freund von Benedetto Luti und Tommaso Redi aus Florenz, studierte und
kopierte römische Skulpturen und die Werke Raffaels und Annibale Carraccis.
1694 kurze Reise nach Neapel, im gleichen Jahr gewann er den ersten Preis an der Accademia de San Luca mit der
erhaltenen Zeichnung "Gigantensturz".

1695 kehrte er nach Verona zurück und begann für die lokalen Auftraggeber, etwa die Balladoro, zu arbeiten.
1697 neuerlich in Venedig, wo er fast ohne Unterbrechungen bis 1718 lebte. Erstes bedeutendes Werk ist hier eine Verkündigung aus dem Jahr 1697 für die Scalzi in Verona, mit dem seine erfolgreiche Karriere begann. Vor dem Transport in Venedig ausgestellt, erregte es die Aufmerksamkeit des venezianischen Patriziats (Savorgnan und Zenobio). Balestra erhält nicht nur Aufträge in Venedig und Verona, sondern auch aus anderen Städten wie zum Beispiel Bozen, für dessen Merkantilgebäude Balestra 1698 ein Gemälde schuf, das ihm den Weg zu geistlichen und weltlichen Auftraggebern aus den deutschsprachigen Ländern ebnete.

1700 bereiste Balestra die Lombardei und Emilia, vor allem um die Parmeser Werke Corregios zu studieren, die ihm zu einer leichteren und luftigeren Malerei, schon im Stil des 18. Jahrhunderts verhelfen. Balestra war auch graphisch tätig, sei es als Schöpfer kleiner Radierungen, sei es als Stecker oder Zeichner für Buchbill.

Seine Auftraggeber kamen aus Norditalien, Österreich, Deutschland, Dänemark und England (Saur S. 451 f.).

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Sohn des Francesco und der Lucia Buscheti, Schüler von Giovanni Ceffin (Zeffio), Antonio Bellucci, Carlo Maratta, Freund von Benedetto Luti und Tommaso Redi aus Florenz, Briefverkehr mit dem Florentiner Kunstsammler Gabburri, Lehrer z.B. von G.B. Mariotti, Giuseppe Nogari, Pietro Longhi, G.B. Pittoni, Rosalba Carriera, Mattia Botoloni und Conte Aless. Pompei.

Auftraggeber sind z.B. in Venedig die Balladoro, Savorgnan, Zenobio, in Lucca Stefano Conti, der kurfürstliche Hof in Düsseldorf, in Vicenza die Barbaro und Barbarigo, in Florenz die Gaburri, der Conte Ercole Giusti und Marchese Spolverini aus Verona, Rizzoni in Nogara, die Allegri in Cuzzano die Grezzana und viele mehr.

Ergänzt von Ursula Patauner:
Auftraggeber in Verona waren zum Beispiel die Balladoro, Scalzi, der Conte Ercole Giusti und Marchese Spolverini. Auch im venezianischen Patriziat fand Balestra Förderer seiner Kunst wie zum Beispiel die Savorgnan und Zenobio, zwei Auftraggeber von Rang. Weiters zu erwähnen sind Stefano Conti aus Lucca, die Barbaro und Barbarigo aus Vicenza, Conte Sanvitale aus Parma, Angelo Maria Querini aus Rom und der Hofmarschall Graf von Schulenburg aus Hannover. Auch Bürger aus Bergamo, Padua, Feltre, Brescia, Parma, Piacenza, Mantua, Magonza, Gandino, Innsbruck, Dänemark, England, sowie viele mehr zählten zu seinen Auftraggebern.

Als Zeichner und Stecher arbeitete er für Buchbill. Als Stecher arbeitete er gemeinsam mit Alessandro Pompei. Zu seinen Schülern zählten Giovanni Battista Mariotti, Giuseppe Nogari, Pietro Longhi, Giovanni Battista Pittoni, Rosalba Carriera,
Mattia Bortoloni und Conte Alessandro Pompei.

Balestra hatte einen enormen Einfluss auf die Maler des reifen Veroneser Klassizismus des 18. Jahrhunderts von Carlo
Salis und Giorgio Anselmi bis zu Pietro Rotari und Giambettino Cignaroli, aber auch auf zweitrangige Schüler wie die kaum
bekannten Giovanni Antoni Simbenati und Matteo Brida (Saur S. 451 f.)
.

 

5. WERKE

(TIROL)

5.1 Innsbruck
Dom - Hochaltarblatt
Heilige Dreifaltigkeit mit dem Heiligen Kassian, Jakobus und Antonius Abbas
Ölgemälde, 1728, 467 x 265 cm, (heute im Ferdinandeum Innsbruck)
"In strenger Dreieckskomposition und in kräftigen leuchtenden Farben gehalten

In der Mitte der unteren Gruppe der stehende Heilige Jakobus mit Buch und Pilgerstab. Links kniet der Heilige Kassian, auf Jakobus verweisend, in einem damastizierten Pluviale mit Madonnenbild. Ein hell erleuchteter Putto zu seinen Füßen hält den Bischofsstab, ein zweiter kleiner eine Märtyrerpalme und eine Schrifttafel: "Ant. Balestra, Veronensis, fec. 1728". Ein nur mit Kopf und Schulter sichtbarer Engel neben Jakobus blickt zu Kassian auf. Rechts unten kniet, über einen Stein mit Buch gebeugt und zu Jakobus anbetend aufblickend, der Heilige Antonius Abbas, vor seiner Figur Krückstab und Glöckchen.
In der oberen Bildhälfte die Heilige Dreifaltigkeit mit mächtiger Weltkugel, getragen und umgeben von Wolken, Putten und Engelsköpfen (Zitat Felmayer)
.

Dom - Bozzetto zum Altarblatt
Öl auf Leinwand, 1728, 133 x 78 cm, (heute im Ferdinandeum Innsbruck); mit dem Gemälde übereinstimmend, nur etwas weicher und weniger intensiv in der Farbe.

5.2 Wallfahrtskirche Servitenkloster Maria Waldrast
Vorhallenkapelle
Madonna und die sieben Väter des Servitenordens
2.Viertel des 18. Jh., rechtes Altarblatt, (Zuschreibung Dehio)

(SÜDTIROL)
Bearbeitet von Ursula Patauner:

 5.3 Merkantilgebäude – Der Reichtum der Erde, 1698, 165 x 175, Öl auf Leinwand
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurden in Voraussicht des Baus des neuen Magistratsitzes in Bozen drei großformatige Gemälde allegorischen Inhalts bestellt. Für die Werke „Der Reichtum der Erde“ und für „Gerechtigkeit und Frieden vereinen Italien und Deutschland durch den Handel“ wendet man sich jeweils an Antonio Balestra und Alessandro Marchesini, mit
dem Bild „Der Reichtum des Meeres“ wird hingegen ein einheimischer Künstler, Ulrich Glantschnigg, beauftragt. Die starke Präsenz veronesischer Kaufleute auf den Bozner Märkten – unter ihnen Raffaele, der Bruder Antonio Balestras – sowie der ständige kulturelle Austausch entlang der Etsch begründen die Entscheidung für die veronesischen Maler. Dieser eben
erwähnte Raffaele kam 1698 unter den Stimmzählern der Wahlen für die Konsulats- und Ratsämter im Merkantilmagistrates
vor. Auch der Architekt des Neubaus des Merkantilmagistrates, Francesco Perotti, stammte aus Verona. Die drei Bilder entstanden 1698 und entsprechen den Forderungen der Auftraggeber mit einer allen dreien gemeinsamen Ikonographie, die darauf ausgerichtet war, die Handelstätigkeit in ihrer wirtschaftlichen und politisch-sozialen Bedeutung zu rühmen, alle drei zeigen aber eigenständige Lösungen (Spada Pintarelli S. 37 f.).

Das frühe Gemälde des Veroneser Künstlers zeigt die Erdkugel mit Gea, aus deren rechter Brust Milch fließt, während die Göttin Minerva als Symbol der menschlichen Tätigkeit und der Feldarbeit aus der linken Brust Milch drückt. Die Milch stellt
das Symbol der Fruchtbarkeit dar. Daneben befinden sich zwei weitere Personen. Herkules, Symbol der Menschheit, der sich die Natur untertan gemacht hat. Auf der Keule, die Herkules in seiner rechten Hand hält, hat der Künstler, der einer Veroneser Kaufmannsfamilie entstammte, seinen Namen und das Jahr der Anfertigung eingetragen: „Antonius Balestra Veronensis fecit
– 1698“. Auf der anderen Seite hackt Pluto mit dem Zweizack „auf die Gegend von Peru“, um Erze zu gewinnen. Am linken Bildrand steht Zerberus, der Wachhund des Jenseits (Merkantilmuseum – Katalog S. 146 f.).

Die Darstellung ist reduziert und auf wenige, schlichte Figuren, die frei von jeglichem Blendwerk sind, begrenzt. Diese
umspielen die Erdkugel, werden sozusagen von der Zentripetalkraft der Erdkugel angezogen (Spada Pintarelli S. 37).
Die Bozner Allegorie ist charakterisiert durch die in strengen Grenzen linearer Einfassung gewiesene Farbigkeit.

Die Komposition zwischen der bewegten Gebärde des Spätbarocks und dem inzwischen fortgeschrittenen Klassizismus
halten sich die Waage. Pluto, der die Erde besucht und Juno, die der Natura Milch aus der Brust drückt, stellen durch ihre Bewegung einen Kontrast zu dem ruhigen posierenden Herkules und der Natura, die bereitwillig ihre Gaben der Erde gewährt, dar. Durch das von links einfallende Licht wird die angespannte Muskulatur des Pluto und die statuarische Leichtigkeit der Natura betont. Dies alles wird im Sfumato aufgesogen, der sich in der Beschaffenheit der Erdkugel erhärtet, um die die Figuren kreisen (Spada Pintarelli S. 77).

„Der Reichtum der Erde“ ist das erste signierte und datierte Werk von Antonio Balestra. Es handelt sich um ein Gemälde mit allegorischem Inhalt. Das Werk zeigt die klare, vollkommene Anordnung der vier mythologischen Figuren – der Natur, Pallas Athene, Herkules und Pluto – die um die Erde herum dargestellt sind. Fast greifbar wirkt die Erdkugel in ihrer Rundheit, fast porös in ihrer Masse, die das Blaue des Himmels im Hintergrund aufzusaugen scheint. Die sich im oberen Teil des Bildes befindende Natur, eine nackte Gestalt mit blassen, jedoch klar definierten Gliedern, lässt aus den Brüsten Milch hervor-
quellen, das heißt jenes primäre Nahrungsmittel, das für jedes irdische Wesen und Leben notwendig ist – unterstützt von
Pallas Athene, die links von ihr dargestellt ist. Ohne jegliche Härte wird diese Figur vom Künstler betont, der durch einen weitläufigen Zug und eine Freiheit in der Bewegung die Komposition anreichert, indem er ein wallendes Tuch einsetzt, gekennzeichnet durch eine für das Barock typische, aber ständig gezügelte, rotierende Spannung. Die Klassizität weitet
sich aber über das ganze Gemälde aus und verleiht jeder einzelnen Komposition eine plastisch-monumentale Struktur. Die Leichtigkeit des Bildes breitet in maßvollen klaren Verfahren aus, das den Formen Solidität verleiht. So werden die Figuren durch ein kontinuierliches, sich ausbreitendes Fließen von Natürlichem und Künstlichem miteinander verbunden. Pallas
Athene ist mit Helm und Speer bewaffnet, um für eine gute Sache zu kämpfen. Sie presst die Brust der Natur aus, als wollte
sie – die Schutzherrin der Institutionen, der Künste und der Wissenschaften – diese Gebiete noch in höherem Maße nähren. Der von ihr geschützte Herkules sitzt zu ihren Füßen auf einer Wolke und ist in Gedanken vertieft. Der würdevolle Heros ist
mit seinen traditionellen Attributen dargestellt: dem Löwenfell als Trophäe seiner ersten Tat und der Keule, die er auf die Meerenge Gibraltar legte, als er die gleichnamige Straße zwischen den als Herkulessäulen bekannten Bergen eröffnete.
Der Heros der physischen Kraft und des Mutes ist eine in sich geschlossene Figur, was auf die klare vollendete Linienführung zurückzuführen ist. Das auf Ebenen und Körpern gut verstreute Licht, die tiefe Resonanz der Farben bei bestimmten Details,
wie am roten Mantel Plutos, verleihen den Figuren eine eigene Räumlichkeit. Pluto bildet eine Art Gegengewicht zu der ihn überragenden Gruppe. Der griechische Gott des Reichtums, der ursprünglich nach dem Namen seines Reiches Hades
genannt wurde und dessen Eingang von Kerberos bewacht wurde, durchsticht die Erde mit einer zweizinkigen Gabel, steckt
sie in Brand und lässt so jede Quelle des Erdreichtums erglühen. Der Wächter seines Landes, der Hund Kerberos, ist am
linken Bildrand, zu Füßen Plutos, abgebildet. Der Farbauftrag ist durch Vollständigkeit und Kohärenz charakterisiert, was
der Komposition Ausgewogenheit verleiht. Die mächtigen und prägnanten Formen erinnern an römische Werke der ersten
Hälfte des Jahrhunderts (Spada Pintarelli S. 160 f.).

Das auf der Keule des Herkules signierte und datierte Werk wird im Rechnungsbuch des Bozner Merkantilmagistrats erwähnt, und zwar in einer Rechnung über einen Betrag von 867:15 Gulden. Die Summe wurde für drei Bilder ausgegeben. Neben dem Gemälde von Balestra werden auch die Bilder von Ulrich Glantschnigg und Alessandro Marchesini erwähnt, in welcher „Der Reichtum des Meeres“ beziehungsweise „Die Gerechtigkeit und der Frieden, die Italien und Deutschland durch den Handelsverkehr verbinden“ dargestellt sind (Spada Pintarelli S. 161).

6. ABBILDUNGEN

(TIROL)

6.1 Innsbruck, Dom, Altarblatt

ÖKT, Fotografische Dokumentation Inge Kirchhof

(SÜDTIROL)

6.3 Bozen, Merkantilgebäude: Der Reichtum der Erde, 1698

Merkantilmuseum Bozen – Katalog, Handelskammer Bozen, 1998, S. 147

 
7. BIBLIOGRAPHIE

DEHIO-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Tirol, Wien 1980
SAUR, Allgemeines Künstler Lexikon, Die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Band 6, München 1992
THIEME BECKER VOLLMER, Allgemeines Lexikon der bildenden Künste, Band 2, Leipzig 1908, Engelmann Verlag
Die sakralen Kunstdenkmäler der Stadt Innsbruck - Innere Stadtteile, Johanna Felmayer Verlag Schroll, 1995
NICOLO RASMO, Kunstschätze Südtirols, Rosenheim 1985
NAREDI-RAINER Paul (HG), MADERSBACHER Lukas (HG), Kunst in Tirol – Vom Barock bis in die Gegenwart,
Tyrolia-Verlag Innsbruck-Wien, 2007 S. 154.
Merkantilmuseum Bozen – Katalog, Handelskammer Bozen, 1998, S. 146 f.
SPADA PINTARELLI Silvia (HG), Bozen im 17. Jahrhundert – Die Malerei, 1994 Milano, Edizioni Gabriele Mazzotta.
RASMO Nicolo, Dizionario artistico atesino – Volume secondo B, Bolzano 1998, S. 49 f.
GALETTI Ugo, CAMESASCA Ettore, Enciclopedia della pittura italiana A-E, 1951 Garzanti, S. 183 f.
http://bolzano.net/deutsch/merkantilmuseum.html, 24. 08, 2008
.

©Elisabeth Reichl, Juni 2003; überarbeitet und um Werke Südtirol ergänzt Ursula Patauner, Oktober 2008 

 

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