Verstehen, wie Recht emanzipatorische Kraft entfalten kann

Caroline Voithofer wird Assistenzprofessorin für Rechtsphilosophie und -theorie am Institut für Theorie und Zukunft des Rechts und untersucht in ihren Forschungen, welche Regeln die Welt zusammenhalten und warum Tabus und Verbote auch noch wichtig sind.

Verstehen, wie Recht emanzipatorische Kraft entfalten kann

Eine Interview mit Caroline Voithofer anlässlich ihres Starts am Institut für Theorie und Zukunft des Rechts

Frau Dr.in Voithofer, Sie arbeiteten seit einigen Jahren am Institut für Zivilrecht, jetzt seit 1.4. am Institut für Theorie und Zukunft des Rechts. Wieso haben Sie die „Seiten“ gewechselt?

Ach, als Seitenwechsel würde ich das nicht bezeichnen, sondern vielmehr als „back to the roots“, weil meine originären Forschungsinteressen, die über das Zivilrecht und die empirische Rechtsforschung hinausgehen – also ganz explizit etwa in den Legal Gender Studies, der Rechtsphilosophie und der intersektionalen Rechtskritik – am Zukunftsinstitut erwünscht und gefördert werden. Ich begreife meine neue Stelle auch als Auftrag in diesen Bereichen maßgeblich einen wissenschaftlichen Beitrag zu leisten – natürlich mit den Kolleg*innen am Institut. Und zum Glück bleiben mir meine Forschungsschwerpunkte im Zivilrecht sowie die liebgewonnenen Kontakte am Institut auch erhalten. Speziell das Doktoratskolleg für Medizinrecht und Gesundheitswesen, das Michael Ganner und ich begründet haben sowie die Innsbrucker Schriften zur Rechtstatsachenforschung wie auch der Forschungsfokus im Familien- und Erwachsenenschutzrecht begleiten mich wohl hoffentlich lebenslänglich.

Sie forschen zu Rechtstheorie und Rechtsphilosophie: Warum sind diese beiden Grundlagenfächer in unserer Zeit noch besonders bedeutend?

Ich bin überzeugt davon, dass es auch das Recht braucht, um emanzipatorische Verbesserungen für möglichst viele Menschen in einer Gesellschaft zu erreichen. Um zu verstehen, wie Recht emanzipatorische Kraft entfalten kann, braucht es das Einbeziehen von Meta-Perspektiven ergänzend zum dogmatischen Detailblick.

Gerade in unserer heutigen Zeit, in der seit der Jahrtausendwende eine Krise scheinbar die nächste jagt, hilft der Blick aus den Grundlagenfächern – im Übrigen ebenso den historischen – um aktuelle Krisenerscheinungen in den Kontext zu setzen und im Idealfall zu verstehen, wo unsere individuellen sowie kollektiven Handlungsoptionen liegen. Zu verstehen, im Faustschen Sinn, was die Welt im Innersten zusammenhält und zugleich auch etwas von den gewonnenen Einsichten mit den Studierenden zu teilen, das sind für mich die Kernaufgaben aller Menschen, die aus öffentlichen Geldern finanziert sind und an den Universitäten arbeiten.

Sie sind als Expertin für Rechtstatsachenforschung bekannt. Was versteht man denn darunter? 

Dabei werden die empirischen Zusammenhänge von Recht und Gesellschaft erforscht. Es handelt sich dabei also sowohl um einen Teilbereich der Rechtswissenschaft als auch der Soziologie.

Sie forschen viel zu Körpern im Recht: Gibt es denn Grenzen dafür, was wir mit unseren Körpern machen dürfen? Gibt es in der heutigen Zeit überhaupt noch Tabus und Verbote?

Hier bietet es sich an, zwischen den einzelnen Sollensbereichen zu unterscheiden: Was rechtlich nicht verboten ist, kann dennoch unmoralisch sein. Was rechtlich erlaubt ist, kann dennoch zu sozialer Missachtung führen usw. Und ja: es gibt Tabus und Verbote und es kommt darauf an, wo wir hinschauen. Wir müssten genauer eingrenzen, worüber wir reden wollen. Uterus Transplantation zum Beispiel ist rechtlich erlaubt aber in Österreich noch im experimentellen Behandlungsbereich. Leihmutterschaft, um ein anderes Beispiel zu nennen, ist hingegen in Österreich eigentlich unzulässig; wird sie hingegen im Ausland durchgeführt, können Kinder, die andernfalls elternlos wären, dennoch ihre österreichischen Wunscheltern als rechtliche Eltern bekommen. Der Themenkreis ist sehr vielfältig. Ich werde gerne laufend berichten, welche Themen diskutiert werden. Ganz aktuell werde ich zB am 7.5. in Leipzig am Feministischen Juristinnentag mit Friederike Wapler und Sigrid Graumann über die zahlreichen Facetten der Reproduktionsmedizin und ihrer rechtlichen Regulierung diskutieren. Ich bin mir sicher, dass die Kernfrage reproduktiver Autonomie heiß umstritten sein wird. Sollte aber eine Resolution des Feministischen Juristinnentags darüber erreicht werden, werde ich sehr gerne darüber hier berichten.

 

Hier geht's zur Website des Feministischen Juristinnentags.

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