Veranstaltungsarchiv

 

Erste Gesprächsrunde: Weihnachten interreligiös Denken - Jesu Geburt in Koran und Bibel

Am Montag, den 21.12.2020 fand um 18:00 das erste interreligiöse Gespräch unserer Reihe "Miteinander Zukunft gestalten" statt. Dieses trug den Titel "Weihnachten interreligiös Denken - Jesu Geburt in Koran und Bibel". Als geschätzte Gäste und ExpertInnen wurden Prof. Dr. Klaus von Stosch und Jun.-Prof.in Dr.in Muna Tatari eingeladen.

Das Gespräch fand online statt und kann über folgenden Link nachgehört werden.   

 

Auftaktveranstaltung des Zentrums für Interreligiöse Studien am 29.10.2020    

Zentrum für interreligiöse Studien feierlich eröffnet

Am 29. Oktober 2020 fand die Auftaktveranstaltung des Zentrums für Interreligiöse Studien aufgrund der aktuellen Pandemie in virtueller Form statt. Die Freude über die hohe TeilnehmerInnenanzahl war groß. 

Eröffnet wurde das Zentrum für Interreligiöse Studien durch dessen LeiterInnen, Univ.-Prof.in MMag.a Dr.inMartina Kraml und Univ.-Prof. Mag. Dr. Zekirija Sejdini, die sich bei dieser Gelegenheit bei der Universitätsleitung und allen Mitwirkenden für die Unterstützung bedankten.

Es folgten Grußworte des Rektors der Universität Innsbruck, Univ.-Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Tilmann Märk, der beiden Dekane von der Fakultät für LehrerInnenbildung und der Kath.-Theologischen Fakultät, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Stadler MA und Univ.-Prof. Dr. Josef Quitterer, sowie des Bischofs der Diözese Innsbruck, MMag. Hermann Glettler, und des Präsidenten der IGGÖ, Mag. Ümit Vural, welche alle die Bedeutung und die Notwendigkeit des Zentrums für die Universität und die Religionsgemeinschaften betonten.

Im Anschluss wurde das Zentrum für Interreligiöse Studien anhand eines Videos vorgestellt, welches auch auf der Homepage des Zentrums (https://www.uibk.ac.at/zirs/ ) zu finden ist.

Den Höhepunkt der Auftaktveranstaltung markierte die Podiumsdiskussion mit dem Titel: „Kann die Wissenschaft weltanschaulich-religiöse Vielfalt fördern? Chancen und Herausforderungen interreligiöser Forschung statt, zu welcher ExpertInnen, wie Elif Medeni, MEd, Dr.inEva Grabherr, Univ.-Prof. DDr. Martin Rothgangel, Univ.-Prof. Dr. Roman Siebenrock, VR Univ.-Prof.in Dr.inUlrike Tanzer, aus verschiedenen Disziplinen und Blickwinkeln heraus Stellung bezogen. Die Podiumsdiskussion wurde vom Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Palaver geleitet.

Frau Dr.inEva Grabherr, Geschäftsführerin der Projektstelle für Zuwanderung und Integration in Dornbirn, plädiert dafür, dass Universitäten – und in diesem Fall das Zentrum für Interreligiöse Studien – hinaus aus dem „Elfenbeinturm“, mitten hinein in die Gesellschaft gehen. „Religionen sind konflikthafte Themen, triggern Menschen am höchsten. Durch die Alltags- und die wissenschaftlichen Erfahrungen kann eine Übersetzungshilfe für verschiedene Religionen geliefert werden“, so Grabherr. Sie hofft, dass das Zentrum für Interreligiöse Studien zukünftigen Studierenden mehr Kompetenzen in Bezug auf das hochpolitisierte und konfliktgeladene Thema Religion mitgibt, damit gute Kommunikation gelingt.

Aus islamischer Perspektive verbindet Frau Elif Medeni, MEd, Leiterin des Instituts für Islamische Religion, KPH Wien/Krems, die Praxis mit der Theorie bzw. Wissenschaft. Ihrer Meinung nach könnte sich der gesellschaftliche Auftrag von Forschung auf die Interpretation und den Umgang mit Vielfalt beziehen: „Die Deutung von Pluralität - nicht nur religiöser Pluralität – benötigt vielfältige Kompetenzen, die es zu fördern gilt.“ Medeni bringt Beispiele für den fruchtbaren Beitrag der Wissenschaft, speziell der empirischen Forschung, und nennt die Studien zur muslimischen Jugendforschung. Darüber hinaus stellt sie die Bedeutung der LehrerInnenbildung für eine pluralitätssensible Gesellschaft heraus.

Aus evangelischer Sicht beantwortet Univ.-Prof. DDr. Martin Rothgangel, Professor für Religionspädagogik, Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Wien, die Frage „Kann die Wissenschaft weltanschaulich-religiöse Vielfalt fördern?“ eingangs mit „Ja, aber…“ und fordert kritische wissenschaftliche Betrachtungen ein, die gängige Praktiken im Bereich der Lehrpläne und Schulbücher z. B. mit Vorurteilsforschung verknüpfen und so vorurteilsbehaftete Perspektiven aufdecken können. Rothgangel plädiert dafür, dass ForscherInnen ihre praxisrelevanten Forschungsergebnisse mehr publik machen. Auch sei zu bedenken, dass WissenschaftlerInnen nur ein „Player“ unter anderen sind, wenn es darum geht, den Umgang mit weltanschaulich-religiöser Vielfalt zu fördern.

Aus universitärer Perspektive spricht Frau Univ.-Prof.in Dr. inUlrike Tanzer, Vizerektorin für Forschung der Universität Innsbruck, davon, dass Religion und Theologie bzw. die Theologische Fakultät an einer staatlichen Universität Platz haben sollte. Es brauche die Auseinandersetzung mit Menschen anderer Weltanschauung, mit Andersgläubigen, Andersdenkenden, auch mit Menschen, die keine religiöse Sicht auf die Welt haben. Ein weiteres Spannungsfeld sieht die Vizerektorin in der LehrerInnenausbildung und der pädagogischen Bildung. Forschungsergebnisse sollten kurze Wege in die Schule haben. Im Sinne der Third Mission könnte gerade hier das Zentrum eine wichtige Aufgabe übernehmen. Tanzer wünscht sich, dass die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Wissenschaften und den Religionen gestärkt werden.

Für Univ.-Prof. Dr. Roman Siebenrock, Leiter des Instituts für Systematische Theologie an der Kath.-Theologischen Fakultät Innsbruck, stellt sich die Frage, mit welcher Haltung Wissenschaft betrieben wird. Seiner Meinung nach muss die Theologie von der Realität und der Lebensgemeinschaft der Menschen ausgehend denken. „Wir sollen in den anderen Traditionen suchen, achten, anerkennen und fördern, was dort an Werten und Wahrheiten zu finden ist. Das heißt: Den anderen mehr zu achten als sich selbst, also eine Zurückhaltung gegenüber sich selbst.“, so Siebenrock. Er sieht die Theologie als eine Wissenschaft, die scheitern kann, persönlich und sachlich.

In einer Schlussrunde formulieren die PodiumsdiskussionteilnehmerInnen Wünsche an das Zentrum für Interreligiöse Studien. Vizerektorin Tanzer wünscht sich eine Zusammenarbeit über die Disziplinen und Religionen hinweg. Martin Rothgangel viel Freude in der interreligiösen Zusammenarbeit, insbesondere auch um Widerstände gut zu bewältigen. Elif Medeni findet eine Erweiterung der Zusammenarbeit auf mehrere Religionen hin erstrebenswert Religionen. Eva Grabherr empfiehlt dem Zentrum, „nach draußen“ zu gehen, verschiedene Formate anzubieten und nicht nur innerhalb der universitären Räume zu bleiben. Roman Siebenrock erhofft sich Irritation und radikale Offenheit. Moderator Wolfgang Palaver reiht sich zum Abschluss mit dem Wunsch ein, dass all dies vom Zentrum wahrgenommen wird und die Wünsche in Erfüllung gehen mögen.



Text: Antigona Shabani                                                                                         

Tagung Laïcité (11.11.2020)  

Der Tagungsbericht kann hier im orginal nachgelesen werden.

 

Liberté, Égalité, Fraternité, Laïcité?

 

Zu einer Podiumsdiskussion: „Laïcité: Ist die Trennung von Staat und Religion, wie sie in Frankreich gelebt wird, ein Modell für Europa?“ luden am 11.11.2020 der Frankreich-Schwerpunkt, die Katholisch-Theologische Fakultät und das Zentrum für interreligiöse Studien der UIBK ein. Die virtuelle Veranstaltung fand großen Anklang beim interessierten Publikum.

In ihrer Begrüßung beschrieb die Leiterin des Frankreich-Schwerpunkts, Prof. Eva Lavric, die Laïcité als „eine sehr französischen Besonderheit, die neben Liberté, Égalité, Fraternité als viertes Prinzip der Republik in der politischen Kultur Frankreichs eine für uns nicht immer verständliche und nach­vollziehbare Rolle spielt.“

Wie war es zu der Idee dieser Veranstaltung gekommen? Am Anfang stand, wie so oft, eine Studierende: Mag. Petra Juen, die ihre Diplomarbeit über die Laïcité an Frankreichs Schulen geschrieben hatte, wie sie sie während ihres Sprachassistenz­jahres in Bordeaux hautnah erlebt hatte. Für diese Arbeit hatte Petra Juen den Frankreich-Preis 2018 bekommen, und bei der Verleihung dieses Preises hatte sich, bei Wein und Brötchen, zwischen ihrer Betreuerin, Prof. Martina Kraml, Prof. Eva Lavric vom Frankreich-Schwerpunkt und dem Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Prof. Josef Quitterer, ein Gespräch ergeben, bei dem die Idee der Veranstaltung geboren wurde.

Als Gastvortragende konnte Frau Prof. Sylvie Le Grand gewonnen werden, eine Germanistin von der Universität Paris Nanterre, die als Zivilisationistin schon etliche Publikationen zur Laïcité, oft vergleichend zwischen Frankreich und Deutschland, herausgebracht hat.

Die Diskussion brachte sehr vielfältige Beiträge aus der Perspektive der verschiedensten Disziplinen; als Modera­torin fungierte Frau Prof. Dr. Brigitte Mazohl vom Institut für Geschichts­wissen­schaften und Europäischer Ethnologie.

Einen wichtigen Impuls gab die schon erwähnte Mag. Petra Juen, inzwischen Mitarbeiterin und Dissertantin am Institut für Praktische Theologie im Bereich Religionspädagogik. Sie berichtete folgende Beobachtung: In einer Deutschstunde an einer Schule in Bordeaux hatte die Lehrerin ganz nebenbei ihre Religionszugehörigkeit erwähnt. In der letzten Reihe diskutierten daraufhin zwei Schülerinnen heftig darüber, ob sie das überhaupt tun dürfe: Die eine meinte, das widerspreche dem Prinzip der Laïcité, also der religiösen Neutralität des Staates; die andere entgegnete, die Lehrerin dürfe sehr wohl ihr religiösies Bekenntnis preisgeben, sie dürfe allerdings auf keinen Fall die SchülerInnen missionieren.

Als zweite Rednerin betonte Prof. Sylvie Le Grand die Vielschichtigkeit des Begriffs „Laïcité“, der seit seiner Prägung im 19. Jahrhundert (Troisième République) vor allem eine neutrale Haltung des Staates gegenüber sämtlichen Religionsgemeinschaften bezeichnete, die sich insbesondere in Institutionen wie der Schule konkretisieren sollte. Es gehe also um einen sekulären Staat im Gegensatz zu dem lange mit der Monarchie assoziierten Klerikalismus. Das bedeutete damals bei machen Politikern durchaus eine dezidiert antireligiöse Haltung. Die meisten, insbesondere der für die Schulreform verantwortliche Jules Ferry, sahen im Prinzip der Laïcité aber vor allem eine Freiheit und Gleichheit für Personen verschiedener Religionsbekenntnisse. Heute sei es nicht mehr katholische Kirche, die eine Gegenposition zur Laïcité einnehme, sondern in Frage stehe viel häufiger der Islam, wenn z.B. über das Verbot religiöser Symbole (Kleidung…) in der Schule und in anderen Institutionen diskutiert werde.

Der nächste Redner war Prof. Dr. Anton Siebenrock vom Institut für Systematische Theologie, Koordinator des Forschungsschwerpunkts „Religion-Gewalt-Kommunikation-Weltordnung“. Er betonte, dass die katholische Kirche in Frankreich die Laïcité inzwischen internalisiert und beim Zweiten Vatikanischen Konzil die Anerkennung der Religionsfreiheit als Verfassungsrecht vertreten habe. Die Sekularität des Staates sei eine der größten Errungenschaften des Westens; im Sinne Karl Rahners betonte er: „Ich als Katholik kann für meine Freiheit nur eintreten, wenn ich gleichzeitig für die Freiheit aller anderen eintrete. Wenn das der Kern der Laïcité ist, bin ich dafür!“

Schließlich kam der der bekannte Politikwissenschaftler Prof. Dr. Anton Pelinka zu Wort, der nach Professuren an der Universität Innsbruck und an der Central European University in Budapest nun an dem von ihm gegründeten Institut für Konfliktforschung in Wien und als Universitätsrat an der UIBK wirkt. Er unterschied zwischen der rechtlichen Trennung von Kirche und Staat einerseits und der mehr oder weniger großen Bedeutung des Religiösen in der Politik andererseits: In staatsrechtlicher Hinsicht sei die Laïcité sowohl in Europa als auch in den USA weitestgehend verwirklicht, im Alltagsleben und im politischen Diskurs gebe es aber große Unterschiede, da in den USA religiöse Motivationen in der Politik eine bedeutende Rolle spielen.

In der darauffolgenden Diskussion mit reger Publikumsbeteiligung ging es auch um die Rolle des Islam und das Modell des konfessionellen Staates, wie es in der arabischen Welt verbreitet ist. Eine Stellungnahme dazu kam von Mag. Dr. Zekirija Sejdini, dem Leiter des Instituts für Islamische Theologie und Religions­pädagogik an der UIBK: Er erinnerte daran, dass Einschränkungen wie das Konversionsverbot und Diskriminierungen religiöser Minderheiten in der Regel mit einem diktatorischen Regime einhergingen, das Menschenrechte generell – nicht nur in religiöser Hinsicht – missachte.

Die Schlussrunde der PodiumsteilnehmerInnen brachte einen überraschenden Konsens durch eine von Prof. Sylvie Le Grand eingebrachte und von Prof. Anton Pelinka aufgegriffene Dimension: Die Gastvortragende beschrieb die Besonderheit der französischen Laïcité damit, dass um sie so viel Aufhebens gemacht und dass sie so verkrampft gelebt werde. Sie appellierte an mehr Gelassenheit und einen lockereren Umgang mit Ausnahmen. Prof. Pelinka brachte daraufhin das Beispiel der Sikhs in Großbritannien, einer religiösen Minderheit, die sich durch strenge Kleidervorschriften, u.a. einem Turbanzwang für Männer, auszeichne. Trotzdem seien die Sikh eine der Stützen der britischen Armee und Polizei, weil für sie bei der Kopfbedeckung ganz einfach, mit britischer Gelassenheit, eine Ausnahme gemacht werde…

Text: Eva Lavric


 

 

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