GASTVORTRAG

heer220 Jahre 'Wehrmachtsausstellung': Das Ende der Legende von der 'sauberen Wehrmacht' und der Beginn neuer Legenden

Mittwoch, 18. März 2015, 19.00 Uhr | Buchhandlung Liber Wiederin, Erlerstraße 6

Veranstaltet vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck in Kooperation mit dem Renner Institut Tirol, dem Bund sozialdemokratischer FreiheitskämpferInnen Tirol, der Österreichischen HochschülerInnenschaft (StV Geschichte, StV Phil.-Hist. Lehramt und FstV Phil.-Hist.) und der Buchhandlung liber wiederin.


Die Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" unter der wissenschaftlichen Leitung von HannesHeer war entsprechend der Themenstellung ein deutsch-österreichisches Projekt. Sie wurde in Verantwortung des Hamburger „Instituts für Sozialforschung“  im März 1995 in Hamburg und im Oktober in Wien eröffnet und anschließend in 34 deutschen und österreichischen Städten präsentiert. In Innsbruck wurde sie im November/Dezember 1995 gezeigt. Nach vierjähriger Laufzeit endete die Ausstellung mit einem Eklat: 1999 wurde sie unter dem Vorwand angeblich gefälschter Fotos zurückgezogen. 

Die Ausstellung wies nach, dass der Holocaust nicht in Auschwitz und anderen Vernichtungslagern, sondern 1941 in der besetzten Sowjetunion mit Massenerschießungen der SS-Einsatzgruppen hinter der Front unter Beteiligung der Wehrmacht begonnen hatte, dass neben der Vernichtung der Juden auch die Dezimierung der als „minderwertig“ geltenden sowjetischen Bevölkerung geplant war und mit fast 30 Millionen Opfern genozidale Ausmaße erreicht hatte und dass nicht die SS und ein paar fanatische Nazis in der Wehrmacht, sondern die Wehrmacht als Institution  mit 10 Millionen Soldaten dafür verantwortlich gewesen war.

 

Hannes Heer

Geboren 1941 in Wissen/Sieg. Studium der Geschichte und Literatur in Bonn, Freiburg und Köln.  Arbeit als Rundfunkautor. Lehraufträge und Forschungsprojekte an der Universität Bremen. 1980-85 Dramaturg und Regisseur am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und an den Städtischen Bühnen Köln. 1985-92 Dokumentarfilme für ARD und ZDF. 1993-2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung und Leiter des Ausstellungsprojektes "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944". 1997 Carl-von-Ossietzky-Medaille. Weitere Ausstellungsprojekte: "Viermal Leben. Jüdisches Schicksal in Blankenese", "Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der ‚Juden’ aus der Oper 1933 bis 1945".  Zahlreiche Publikationen zur Geschichte von Nationalsozialismus, Krieg und Nachkriegserinnerung. Lebt als Historiker, Publizist und Ausstellungsmacher in Hamburg.

    Foto: Hannes Heer