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Vortrag und Diskussion:
Gen-Ethik: Wem gehört die Vielfalt?

 

Vortrag: Dr. Christoph Then (Gen-Ethische Stiftung)


Zeit: Mittwoch, 20. Oktober 2010 19:30 Uhr
Ort: Zukunftszentrum Tirol, Arena Universitätsstr. 15a, 6020 Innsbruck

 

Seit etwa 20 Jahren erteilt das Europäische Patentamt in München Patente auf Gene, Pflanzen und Tiere. Landwirte, Züchter und Verbraucher werden mit einem neuen Netz von Abhängigkeiten überzogen. Die Patente beruhen nicht auf echten Erfindungen, sondern auf Entdeckungen, sie erstrecken sich auf Pflanzen- und Tierzucht, auf die Tiere und Pflanzen und zum Teil sogar auf Lebensmittel. Das Patentrecht wird missbraucht: Statt der Belohnung von Erfindungen geht es um die Aneignung von Lebensgrundlagen wie Saatgut, Ernte und Lebensmittel.

Die Folgen der Patentierung von Saatgut werden in den letzten Jahren vor allem in den USA immer deutlicher: Während der züchterische Fortschritt stagniert, schießen die Preise für Saatgut nach oben. Der Konzentrationsprozess ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass die Kartellwächter aktiv geworden sind. Bisher waren in Europa die Patente bei Pflanzen und Tieren im Wesentlichen auf den Bereich der Gentechnik begrenzt. Doch derzeit steigt die Zahl der Patentanträge auf Pflanzen und Tiere aus der konventionellen Züchtung beständig: 2008 machten diese Anträge bereits etwa 25 % aller Patentanträge auf Pflanzen und Saatgut aus.

Viele dieser Patentanträge betreffen auch Entwicklungsländer und Zentren der biologischen Vielfalt: Systematisch werden regionale Sorten und die biologische Vielfalt nach den wirtschaftlich interessantesten Varianten durchsucht, die Biopiraterie auf dem Acker erreicht ein neue Qualität.

Die massenhafte Patentierung von Saatgut, Pflanzen und Lebensmitteln kann einen erheblichen Einfluss auf deren Preise und Verfügbarkeit haben und künftig zu einer Verschärfung von Hungerkrisen beitragen. 

Notwendig sind klare gesetzliche Regelungen, die Patente auf Saatgut und Nutztiere verbieten. Es geht um die Kontrolle der Grundlagen der Ernährung: Vom Tierfutter bis zum Mastschwein, vom Maiskorn bis zum Salatöl und Biodiesel – fast alle Ebenen der Produktion von Lebensmitteln können betroffen sein.

 

Dr. Christoph Then ist promovierter Tierarzt und befasst sich seit über 20 Jahren mit aktuellen Fragen der Gen-und Biotechnologie. Er ist Mitbegründer der Initiative „Kein Patent auf Leben!“, war Mitarbeiter der Grünen im Bayerischen Landtag und bis Ende 2007 Leiter des Bereiches Gentechnik und Landwirtschaft bei Greenpeace.

 

WuV gemeinsam mit Ethucation

 

Schwerpunkt: Die ethischen Fragen des neuen Jahrtausends

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