Universität im Dorf

Samstag, 29. November bis Sonntag, 30. November 2008
im "Haus Valgrata" in
 Außervillgraten

Wappen Gemeinde Ausservillgraten


Das Versprechen vom guten Leben
– Möglichkeiten und Grenzen von Wissenschaft und Forschung

Samstag, 29.11.08
ab 14.00h
Moderation: Josef Quitterer

 

Risiken und Chancen der Genomforschung für die Medizin

ao. Univ.-Prof. Dr. Gabriele Werner-Felmayer
Biozentrum Innsbruck, Sektion für Biologische Chemie

Seit im Jahr 2000 die Aufklärung des menschlichen Genoms gefeiert wurde, werden große Hoffnungen in die medizinische Anwendung der daraus gewonnenen Informationen gesetzt. Große Chancen auf eine individuellere und damit bessere Behandlung von Kranken ergeben sich bei sorgfältiger Bewertung dieser Informationen vor allem  für die Entwicklung  von maßgeschneiderten Therapien. Risiken liegen jedoch in der medienwirksamen Vereinfachung vielschichtiger Lebensprozesse, die von der Wissenschaft erst teilweise verstanden werden: die Annahme, dass alles, was in unserem Genom "niedergeschrieben" steht, sich auch auf unser Wohlbefinden oder Kranksein auswirkt, scheint derzeit weit verbreitet zu sein. Damit werden nicht nur Ängste geweckt, sondern es ergeben sich auch Wünsche und Ansprüche, die weit über die Möglichkeiten einer naturwissenschaftlich-technisch orientierten Medizin hinausgehen und deshalb unerfüllt bleiben müssen.

Gabriele Werner-Felmayer 

Wunder reichen nicht -
Über die Entwicklung eines neuen Therapieansatzes gegen Krebs

ao. Univ.-Prof. Dr. Christina Heufler-Tiefenthaler
Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie

Medienwirksame Auftritte tragen dazu bei, die mühevolle Entwicklungsarbeit für neue Tumortherapien zu bagatellisieren und vor allem im relativ fortgeschrittenen Stadium der klinischen Erprobung eines solchen neuen Ansatzes die aktuellen Möglichkeiten der Therapie weit zu überschätzen. Am Beispiel der dendritischen Zelltherapie wird die Entwicklung einer solchen Therapie nachvollzogen und die weiteren Entwicklungspotentiale und -strategien erläutert.

Christine Heufler 
Menschen-Ökonomie und ihre Grenzen

MMag Dr. Andreas Exenberger
Fakultät für Volkswirtschaft und Statistik,Institut für Wirtschaftstheorie, -politik und -geschichte

Die Inwertsetzung des menschlichen Körpers ist in Zeiten der globalen Liberalisierung von Märkten und der Reformdebatten um Gesundheitssysteme von besonderer Aktualität. Geht es im einen Fall auch um den oft ungenierten Verkauf aus dem "Ersatzteillager Mensch", geht es im anderen um die Leistbarkeit medizinischer, oft lebensnotwendiger Dienstleistungen.
Der Beitrag beginnt daher mit der Frage, wer heute welche Therapie bekommt und nach welchen Kriterien das bestimmt werden kann und bestimmt wird. Er setzt fort mit einer Diskussion des globalen Körperteilhandels, wo das technisch und ökonomisch Machbare besonders deutlich an die Grenze des ethisch Wünschbaren stößt. Und er endet bei der Frage, wie man eigentlich heute sonst noch Geld aus dem eigenen Körper machen kann.
Dabei geht es sowohl darum darzustellen, dass oft gerade ökonomisches Denken in der Lage ist, Möglichkeiten und Konflikte erst wirklich offen zu legen, als auch darum, die ethischen Grenzen dieses Denkens bewusst zu machen.

Andreas Exenberger 
  

 

19.00h Pfarrkirche St. Gertraud:
Gelegenheit zur SONNTAG-Vorabendmesse

Predigt: o. Univ.-Prof. P. Dr. Bernhard Kriegbaum SJ
„Der Mensch – Manager seiner selbst?“

 

Kriegbaum

 

20.15h – 21.15h
Podiumsdiskussion

Das gute Leben – Chancen und Grenzen wissenschaftlicher Versprechungen

Moderation: o. Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Töchterle
Am Podium: Gabriele Werner-Felmayer / Christine Heufler-Tiefenthaler / Andreas Exenberger / Josef Quitterer / Bernhard Kriegbaum

Rektor 

 


Sonntag, 29.11.08

8.15h Pfarrkirche St. Gertraud:
Gelegenheit zur Sonntagsmesse

Predigt: o. Univ.-Prof. P. Dr. Bernhard Kriegbaum SJ
„Der Mensch – Manager seiner selbst?“


 

9.15 – 10.00h
Brauchen wir ein neues Menschenbild? Anspruch und Wirklichkeit der Hirnforschung

ao. Univ.-Prof. Dr. Josef Quitterer
Vorstand Institut für Christliche Philosophie der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck

Der Nobelpreisträger und Entdecker der DNA Francis Crick meint, dass in Zukunft Hirnforscher die Sonntagspredigten halten sollten, weil nur sie wissen 'was die Seele wirklich ist'. Ermutigt durch die Erfolge der neueren Hirnforschung stoßen die Naturwissenschaften heute in Bereiche vor, die bisher Philosophie und Theologie vorbehalten waren: Willens- freiheit, Bewusstsein und Personsein werden als wissenschaftlich erklärbare Phänomene angesehen.
Im Vortrag werden zunächst wichtige Entdeckungen vorgestellt, die zu diesem gestärkten Selbstbewusstsein der Hirnforscher beigetragen haben.
Eine Revision unseres alltäglichen Menschenbildes kann man daraus jedoch nicht ableiten. Vielmehr läßt sich zeigen, dass zwischen den großen Verheißungen und den tatsächlichen empirischen Erkenntnissen der Neurowissenschaften eine unüberbrückbare Kluft besteht.
Josef Quitterer 

10.15–11.00h
Neuromythologie. Welche Wege Populärwissenschaft manchmal geht und warum man nicht alles glauben sollte 

ao. Univ.-Prof. Mag. DDr. Winfried Löffler
Institut für Christliche Philosophie

 

Kann man menschliche Handlungen leicht extern stimulieren, durch Elektroden im Gehirn, Magnetfelder etc.? Der "gesunde Hausverstand" ist hier skeptisch. Ich zeige an einem Beispiel, wie derlei Behauptungen in der Populärwissenschaft zustande kommen.

Winfried Löffler 

 

 


 

Die Arbeitsgemeinschaft „Universität im Dorf“ Außervillgraten 
Universität im Dorf 2001-2007

In der Arbeitsgemeinschaft „Universität im Dorf“ haben sich 2001 der Vorstand des Instituts für Historische Theologie und Leiter der Abteilung Sakramententheologie und Ökumene der Theologischen Fakultät Innsbruck, Univ.-Prof. P. Dr. Lothar Lies SJ, der Bürgermeister der Gemeinde Außervillgraten, Mag. Josef Mair, und der Volksschuldirektor i.R. OSR Josef Told zu einer Initiative zusammengeschlossen, die Bevölkerung an den Erkenntnissen unserer Landes-Universitäten teilnehmen zu lassen. Ausgehend von der Überlegung, dass die moderne Universität, den Kontakt mit den Menschen sucht, wurden im Juni 2001 erstmals die Bevölkerung von Außervillgraten und Interessierte im weiteren Umkreis eingeladen, "ihre Fragen, Erfahrungen und vitalen Bedürfnisse in den Forschungs- und Lehrbetrieb einzubringen" (Presseaussendung).

Mit dem Tod von Univ.-Prof. P. Dr. Lothar Lies SJ hat die ARGE Universität im Dorf das wichtige und verdienstvolle Bindeglied zur Landesuniversität verloren. Da die Gemeinde Außervillgraten großes Interesse an der Fortführung der seit 2001 bestehenden Veranstaltungsreihe hat, wurde Kontakt mit der Universitätsleitung in Innsbruck aufgenommen. Am 15. Juli 2008 wurde die ARGE UNIVERSITÄT IM DORF neu gegründet, welche nun aus je zwei Mitgliedern der Leopold-Franzens-Universität und der Gemeinde Außervillgraten besteht -  Bgm. Mag. Josef Mair, OSR Josef Told, Rektor Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Töchterle, Dr. Barbara Gant.

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