1. Schweizerisch-Österreichisches Online-Informationstreffen
8. Österreichisches Online-Informationstreffen
9. Österreichischer Dokumentartag

Tagungsband erschienen! siehe: Inhaltsverzeichnis (pdf-File)

Ort: Bregenz, Seestudio im Festspielhaus, Platz der Wiener Symphoniker 1
Zeit: Dienstag, 5. Oktober 1999 (abends) bis Freitag, 8. Oktober 1999 (mittags)
Generalthema: Informationssysteme und Informationsberufe im Umbruch

Veranstalter:

Die Veranstaltung wurde gefördert durch die Europäische Kommission (Interreg II-Programm).


Bregenz Online-ODOK'99: Abstracts


Georg Aichholzer und Rupert Schmutzer
Österreichische Akademie der Wissenschaften Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA)

Elektronische Informationsdienste des öffentlichen Sektors:
Entwicklungstrends und Gestaltungsstrategien in Österreich

Das wachsende Angebot an elektronischen Informationsdiensten auf Basis von Informationen des öffentlichen Sektors zählt auch in Österreich zu den neuen Trends am Informationsmarkt. Wesentliche Anstöße dazu liefern die gestiegenen Potentiale der Informations- und Kommunikationstechnologien im Verein mit der Nachfrage durch eine rasch zunehmende Zahl von Internet-Nutzern sowie die Bemühungen um eine Modernisierung und Verbesserung der Dienstleistungsqualität öffentlicher Einrichtungen.
Der Beitrag gibt einen Überblick über die Entwicklung und das gegenwärtige Spektrum elektronischer Informationsdienste im Bereich der österreichischen Bundesverwaltung bzw. ihr zugeordneter öffentlicher Einrichtungen, beschreibt die dabei verfolgten Ziele, Implementierungs- und Nutzungserfahrungen und untersucht die Haltung zu wichtigen informationspolitischen Fragen wie Zugangsbedingungen und Preisgestaltung.
Zur Illustration und Diskussion einzelner Gestaltungsfragen werden unter anderem die elektronischen Informationsdienste des Österreichischen Statistischen Zentralamts und des Österreichischen Patentamts als Anwendungsbeispiele herangezogen.


Michael Bracsevits
Univeristätsbibliothek der Wirtschaftsuniverisität Wien

Thema: Das Ende der Gemütlichkeit
Die Schwächen in Österreichs Bibliothekslandschaft

Die Schere zwischen dem was österreichische Bibliotheken leisten (können) und dem was die Benutzer erwarten scheint immer mehr auseinander zu klaffen. Trotz großem Engagements vieler MitarbeiterInnen werden die Schwächen und Versäumnisse der Vergangenheit sichtbar.
Es fehlt immer noch an der Einsicht, daß nur durch radikale Änderungen den Anforderungen der Zukunft (und auch schon der Gegenwart) entsprochen werden kann. Eines der größten Probleme ist weiterhin das Fehlen eines österreichweiten Dokumentlieferdienstes, die Fernleihe wird weiterhin stiefmütterlich behandelt, obwohl das Bestellaufkommen gesamt gesehen die Zahl der Entlehnungen so mancher Bibliotheken um vieles übertrifft.
Auch die Einführung von Gebühren hat nur teilweise zu einem Rückgang des Bestellaufkommens geführt. Allerdings wird es immer schwerer werden den Benutzern zu erklären, warum sie auf einen Zeitschriftenartikel wochenlang warten müssen und teures Geld dafür bezahlen, es aber möglich ist, denselben Artikel um weniger Geld innerhalb eines Tages aus dem Ausland zu erhalten. Es fehlt außerdem (fast) überall an der Einsicht, daß auf Dauer gesehen kein Unterhaltsträger bereit sein wird, für Dinge zu bezahlen die andere billiger und effizienter erbringen. Das gilt dann aber auch für viele andere Dienstleistungen die derzeit zu den traditionellen Kernbereichen gehören. Anderswo beginnen Verlage zu katalogisieren, mit Suchmaschinen läßt sich Literatur im WWW auch ohne Schlagwort und RAK finden (und das nicht mal schlecht) und professionelle Anbieter liefern "Information" zu jedem Thema. Gefragt wäre daher die Bibliothek als INFO-BROKER, vieles was jetzt verabsäumt wird, wird sich bald nicht mehr aufholen lassen.
Der Vortrag möchte aber auch zeigen, daß sich Österreichs Bibliotheken unter ihrem Wert verkaufen, die guten Bestände teilweise brachliegen und noch die Chance besteht Fehlentwicklungen umzudrehen.


Jean-François Cosandier
Radio Suisse Romande, CH-1010 Lausanne

Europäische Berufskompetenzen im Bereich I&D - das EU- Projekt DECIDOC und dessen praktische Umsetzung in der Schweiz

Berufsverbände aus neun europäischen Länder haben 1998 im Rahmen des Programms Leonardo da Vinci der EU gemeinsam das Projekt DECIDOC (Entwicklung eurokompatibler Kompetenzen im Bererich Information und Dokumentation) gestartet. Zielsetzung dieses Projektes ist es einen europäisches Handbuch zur Feststellung der Kompetenzen im Bereiche Information und Dokumentation. Aufgrund dieses Projekts soll es möglich sein eurokompatible Zertifikationsysteme in den einzelenen Länder zu entwickeln und zu testen sowie Fernlernprogramme auszuarbeiten. In der Schweiz fordert die integrierte Ausbildung für den Bereich Information und Dokumentation besondere Herausforderungen an die Einführung eines solchen Zertifizierungssystems. Diese Projekt wird im hinblick auf einen sich öffnenden europäischen Arbeitsmarkund entscheidende Impulse zur beruflichen Anerkennung der Fachleute im Bereich IuD und deren Mobilität innerhalb Europas beitragen.


Robert Kimberley
Director, International Sales & Marketing, BIOSIS

Mergers and Acquisitions in the Information Industry
Consolidation in the business of information: where is it leading?

This paper considers the trend toward concentration in the information supply chain, arising from an increasing number of mergers and acquisitions (M&A). Focussing on scientific, technical and medical (STM) information, and using specific examples of publisher portfolios, it examines a variety of issues which give rise to the growing consolidation of suppliers and distributors. The paper looks at commercial and other factors which drive the M&A activity, and tries to assess some of the impacts of consolidation both on the management of information-supply companies and on users of information services. Alternatives to acquisition, including partnerships and linkage models, are discussed. In addition to reviewing supply-side trends, the paper also describes some demand-side initiatives - ranging from resource-sharing and consortia, to partnerships with publishers and the development of new products. The question of the impact which these activities, alongside trends in Internet use, have on the STM information business is discussed. Finally, the paper considers the STM information industry in the broader context of trends in business generally.


Adalbert Kirchgaessner
Informationssysteme im Umbruch - Entwicklungen am Medienmarkt

Die Medienmärkte befinden sich in einem rasanten Umbruch. Bis vor wenigen Jahren erfolgte die Informationsproduktion in einer eindeutigen Reihenfolge: Erarbeitung der Information, Auswahl der Information, Herstellung des Informationsträgers, Vertrieb und Rezeption. Bibliotheken, Archive und Dokumentationszentren hatten ebenfalls ihre spezifischen Aufgaben. Da in der Wissenschaft die Informationshersteller - die Autoren - gleichzeitig die Informationskonsumenten sind, die die Informationen anderer zur Erarbeitung neuer Informationen benötigen, schließt sich der Kreis. Die Beschleunigung der Kommunikation durch die weitgehende Nutzung der elektronischen Dienste in der Wissenschaft stellt die früher übliche Arbeitsteilung in Frage. Die bisher gültigen Abgrenzungen werden in Frage gestellt, die Funktionen überschneiden sich immer mehr. In diesem Beitrag wird der Frage nachgegangen, wie sich die Rollen der Teilnehmer am Wissenschaftsmarkt verändern und was dies für die Teilnehmer bedeuten kann.


Rudolf Legat (Umweltbundesamt Wien), Wolf-Dieter Batschi (Umweltbundesamt Berlin), Hermann Stallbaumer (Fa. TBHS)

Der Österreichische Umweltdatenkatalog als Zugangsinstrument zu Umweltinformationen

Die Suche nach Daten zu umweltbezogenen Themen gestaltet sich für Fachleute, insbesondere aber für die interessierte Öffentlichkeit nicht immer einfach, vor allem, wenn nicht bekannt ist, ob die gesuchten Daten überhaupt erhoben wurden, von wem sie erhoben wurden und wo man sie bekommen kann. Um diesem Informationsbedürfnis gerecht zu werden, wurden in den letzten zehn Jahren in vielen Staaten elektronische Umweltdatenkataloge aufgebaut. Diese Metainformationssysteme über umweltrelevante Datenbestände enthalten wichtige Hinweise über die Verwendbarkeit und den Zugriff auf die Daten, wie fachliche Beschreibung, fachlicher Kontext, Raum- und Zeitbezug sowie Angaben zur Zuständigkeit, Verfügbarkeit und Aktualität.

Auch die Gesetzgeber in den Staaten Europas unterstützen aus demokratiepolitischen Gründen die Entwicklung, den Zugang zu Umweltdaten so einfach wie möglich zu gestalten und darüber hinaus eine aktive Umweltinformationstätigkeit der Behörden zu entwickeln.

Das Umweltinformationsgesetz (UIG) hat mit seinem "verbrieften Recht des Bürgers auf Umweltinformation" einen wesentlichen Beitrag zu mehr Transparenz und ürgernähe der Umweltverwaltung geleistet. Der Österreichische Umweltdatenkatalog (UDK gemäß § 10 UIG) bietet mit Hilfe seines multilingualen Thesaurus die Möglichkeit, die bei den Behörden vorhandenen Umweltinformationen gezielt aufzufinden.

Mit Hilfe des UDK und des UDK-Thesaurus lassen sich mehr Informationen von höherer Qualität auf effektivere Art und Weise beschaffen und verwalten als vorher.

Dem Stand der Technik entsprechend ist der UDK Österreich unter der URL http://udk.ubavie.gv.at im Internet zugänglich.


Wim Luijendijk
General Manager EBSCO Information Services Europe, Aalsmeer, Niederlande

Verlinkte elektronische Ressourcen und die hybride Bibliothek

Der Paradigmenwechsel für die Bereitsstellung und den Vetrieb wissenschaftlicher Information hat weitreichende Auswirkungen auf alle Beteiligten. Gefahren ergeben sich sowohl für die Verlage als auch für die Zeitschriftenagenturen und Bibliotheken. Verlage sehen sich massivem Druck von Seiten der Bibliotheken und der wissenschaftlichen Gesellschaften ausgesetzt, insbesondere weil die Preissteigerungen der vergangenen Jahre nicht mehr akzeptiert werden. Agenturen entwickeln Systeme für Zugriff und Verwaltung von elektronischen Zeitschriften, und erleben gleichzeitig, dass die Verlage bevorzugt direkt mit Bibliothekskonsortien Mehrjahresverträge abschliessen, an denen die Agentur weder finanziell noch von der technischen Seite her Dienstleistung anbieten kann. Der Vortrag stellt zwei Modelle vor. Erstens, das Modell der Dänischen Technischen Universität, die auf Papierabonnements weitgehend verzichten und direkt mit den Verlagen über elektronischen Zugriff für Zeitschriftenpakete verhandelt. Und zweitens, das kalifornische Pharos-Modell, das unter einer eigenen und von Pharos kontrolierten Nutzeroberfläche elektronische Inhalte verschiedenster Anbieter integriert (Datenbanken, e-journals und OPAC).


Oskar Müller
Fachhochschulstudiengänge Vorarlberg

"Der neue Studiengang iTec"

Gesellschaft und Organisationen befinden sich im Umbruch: In Vorarlberg nimmt die Anzahl der in der Güterproduktion und im Dienstleistungssektor Beschäftigten beständig zu. Auch die Werkzeuge, derer sie sich bedienen, verändern sich ständig. Das Büro ist überall. Wir treffen auf Mitarbeiter, die ständig mit ihrer Firma in Kontakt sind: von Telearbeitsplätzen aus, im Außendienst oder verteilt über großräumige Produktionsareale. Öffentliche Verwaltung, Gesundheitswesen und Archive werden den Menschen von zu Hause aus zugänglich. Für das Jahr 2005 wird die Zahl der Internetbenutzer auf eine Milliarde geschätzt - eine Milliarde Menschen, deren Computer zu einem "virtuellen siebenden Kontinent" vernetzt sind. Vor diesem Hintergrund planen die Fachhochschul·Studiengänge·Vorarlberg für Oktober 2000 den Start eines neuen Studienangebotes: iTec, ein Studium für "Information and Communication Engineering".


Edgar Schiebel
Österreichisches Forschungszentrum Seibersdorf

Mapping von Informationen – Neue Brücken von der Information zum Wissen

Die verfügbaren Informationen sind mit dem Eintritt des Internets in den privaten und gewerblichen Gebrauch aber auch mit dem Angebot von online-Informationsanbietern unüberschaubar geworden. Auch wenn man sich nur über ein spezielles Gebiet informieren will, gibt es verschiedene Zugangsbarrieren, wie beispielsweise Unsicherheit über die richtigen Begriffe oder die Abfragesprachen der verschiedenen Anbieter.

Erste Ansätze, um solche Barrieren zu überwinden, liegen in der Idee Informationen zur direkten Auswahl anzubieten, wie auf einem Marktplatz, wo man die Ware sieht und sie auch aussuchen kann oder auf einer Landkarte, wenn man zu einem bestimmten Ort möchte, von dem man nur ungefähr den Namen weiß und nur ungefähr die Lage kennt, dennoch soll die Information rasch gefunden werden.

Lösungen für die Darstellung von Informationslandkarten liegen derzeit vereinzelt von. Beispiele sind das sogenannte NewsMaps von Cartia Inc. sowie BibTechMon vom Forschungszentrum Seibersdorf. Im Rahmen des Vortrages werde die beiden Systeme beispielhaft vorgeführt und ihre Rolle zur besseren Gewinnung von Wissen aus Informationen gewürdigt.


Alexander Schneider
(AK Wien)

Wissensmanagement und die "Vier Seiten einer Nachricht"

Der Titel des Referats bezieht sich auf die Arbeiten des Hamburger Kommunikationspsychologen Schulz v. Thun. Aufbauend auf Bühler, der Symbol, Symptom und Appell als drei Aspekte der Sprache unterscheidet und Watzlawicks Axiom "Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt" hat Schulz v. Thun eine Konzeption der Nachricht entwickelt, die sich als Quadrat mit den vier Seiten:
Sachaspekt - Beziehungsaspekt - Selbstoffenbarungsaspekt - Appellaspekt darstellen läßt.

Diesen Aspekten entsprechend hat der Informations- bzw. Wissensvermittler gleichsam mit "Vier Ohren" zu hören und sich die Fragen zu stellen, was der Inhalt, die Sache der Kommunikation ist, in welcher Beziehung er zu den Kunden, bzw. Klienten steht, welches Wissen über die Sache sie selbst offenbaren und was sie, schließlich, erwarten, daß er tun soll. Erst wenn diese Aspekte bedacht und in Form von Feedbacks genauer und zielgerichtet erarbeitet werden, kann, so die Grundannahme, erfolgreiches Informations- bzw. Wissensmanagement stattfinden.

Möglichkeiten und Schwierigkeiten dieser Methode werden am Beispiel meines konkreten Arbeitsumfelds in einer auf die Produktion von Wissen und Expertise gerichteten Organisation, der AK Wien bzw. der Bundesarbeitskammer, mit ihrer spezifischen Kultur und Führungsstruktur anhand von praktischen Fallkonstellationen dargestellt.


Elisabeth Vogel
Helvetia Patria Versicherungen

Die Information + Dokumentation auf dem Weg zum Knowledge Management. Das Praxisbeispiel Helvetia Patria Versicherungen.

In den Helvetia Patria Versicherungen wurde Anfang der 90er Jahre mit dem Aufbau einer Information + Dokumentation begonnen. Das Aufgabenspektrum der Stelle (zur Zeit 3,1 Sollstellen und ca. 1'200 potentielle Kunden) wurde kontinuierlich erweitert und umfasst heute zusätzlich zu den üblichen Aufgaben auch die Bereitstellung und Betreuung der "Anwendungsarchitektur" des Intranets (Informationsstrukturierung, Betreuung der Service Provider, Evaluation der Benutzertools usw.) sowie den Lead für das unternehmensweite Wissensmanagement, das in Kooperation mit anderen Unternehmenseinheiten aufgebaut wird.
In dem Beitrag werden

Hinweis für das Programmkomitee:
Zum Intranet siehe auch Beitrag unten. Zum Wissensmanagement siehe auch:
Elisabeth Vogel: Wissensmanagement bei den Helvetia Patria Versicherungen. Ein Vorgehen zur Bewertung des Ist-Stands und zur Entwicklung eines Grobkonzepts: Ralph Schmidt (Hrsg.): 21. Online-Tagung der DGI. Aufbruch ins Wissensmanagement. Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und -praxis, Frankfurt 1999, S. 117-128.


Stefan Illwitzer/Herbert Vorhauer
(Biochemie Kundl)

Business Intelligence Tools im Rahmen der Wissensmanagement -Aktivitäten bei Biochemie GmbH, Kundl

Derzeit werden mit Datawarehouse, OLAP, Business Intelligence Tools und Data Mining neue, erfolgversprechende Ansätze zum Aufbau entscheidungsorientierter Informations- und wissensbasierender Systeme auch in der Pharmaindustrie realisiert.
Eine kurze Übersicht dieser Entwicklungen zeigt Herr Stefan Illwitzer auf*).
Die Biochemie in Kundl, im Sektor "Generics" des global in der Gesundheitsindustrie agierenden Konzerns Novartis AG eingegliedert, realisierte eine "Knowledge Base" auf der Plattform von Lotus Notes.
Wie nun quantitative Marktdaten in Form von "Datacubes" in diesem "Knowledge Neworking" Prozess angewendet werden, zeigt Herr Herbert Vorhauer (Leiter der Marktforschung, Biochemie) an praktischen Beispielen auf.
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*) Literaturhinweis: Schinzer/Bange/Wehner/Zeile (1997): "Management mit Maus und Monitor: ausgewählte Business-intelligence-,OLAP- und Data-warehouse-Werkzeuge im Vergleich, Verlag Vahlen, München ISBN 3-8006-2239-4


Engelbert Zass
ETH Zürich, Informationszentrum Chemie (Chemie-Bibliothek)

Neue Medien, neue Aufgaben: Fachbereichs-Bibliotheken als Anbieter elektronischer Chemie-Information

Nachdem in den siebziger Jahren elektronische Datenbanken verfügbar wurden, stellte sich nach gewissen "Gewöhnungsproblemen" ein vorerst stabiles Informationssystem ein, dessen wesentliche "Pfeiler" elektronische und gedruckte Sekundär- bzw. gedruckte Primärliteratur waren. Bei der Bereitstellung dieser Information für Chemiker spielten Bibliotheken eine zentrale Rolle, sowohl in ihrer "klassischen" Funktion bei den gedruckten Medien, als auch in einer (damals aus Kosten/Qualitätsüberlegungen unverzichtbaren) Funktion als Informationsvermittler für Datenbanken.

Das Informationsangebot in der Chemie hat sich wie in den anderen Naturwissenschaften aber in den letzten fünf Jahren noch einmal wesentlich geändert: zentrale, grosse Chemie-Datenbanken stehen nun auch als spezielle Endnutzer-Systeme zur Verfügung (z.B. Beilstein CrossFire, Chemical Abstracts SciFinder oder CA on CD), die meistens als "in-house"-Systeme auf einem eigenen Server betrieben werden, das World-Wide-Web als originäre Informationsquelle und als wichtigste Plattform für elektronische Primärliteratur hat zu einer enormen Popularisierung der Endnutzer-Recherche geführt - die Information direkt am Arbeitsplatz des Chemikers ist nicht nur möglich, sie wird vehement verlangt. Gleichzeitig erzwingt der Kostendruck im gesamten Bibliotheksbereich verstärkte Kooperation sowohl bei den traditionellen Aufgaben wie Erwerbung und Katalogisierung, und erst recht bei neuen Aufgaben wie dem Betrieb von Informations-Servern für die eigene Institution oder für Konsortien. Diese Veränderungen erzwingen sowohl wegen ihrer hohen Geschwindigkeit als auch wegen ihrer tiefgreifenden Wirkung eine Neudefinition der Rolle von wissenschaftlichen Bibliotheken.

Am Beispiel der Chemie-Bibliothek (jetzt Informationszentrum Chemie) der ETH Zürich, der grössten Fachbereichsbibliothek, wird gezeigt, wie eine dezentrale Informationseinrichtung auf diese Herausforderungen reagieren kann: verstärkte Dienstleistungs- und Benutzerorientierung, Engagement in der Ausbildung, Betrieb von Informationsservern (lokal und im Konsortium), Kooperation mit anderen Bibliotheken und Fachbereichen, (inter)nationale Kontakte und Teilnahme an Projekten zur Weiterentwicklung des Informationsangebots. Schlüssel zum erfolgreichen Bestehen dieser Umbruchphase sind unserer Erfahrung nach starke Benutzeroentierung (u.a. Einbindung der Dozenten in die Beschaffung, gezielte Nutzerschulung), hohe Flexibilität und Setzen von Prioritäten, permanente Evaluation, Motivierung und Weiterbildung des Personals.


Ute Krauß-Leichert
FH Hamburg | FB Bibliothek und Information

Wanted Information Specialists
Qualifikationen und Kompetenzen von Informationsberufen für die Multimedia-Branche.
Ergebnisse aus dem EU-ADAPT-Projekt MoDelDok.

Ausgangslage:

Die Frage stellt sich:

Sind die Informationsfachleute von heute (Bibliothekare, Dokumentare, Informationsmanager, Informationswirte etc.) die Experten, die in Zukunftsbranchen, wie der Multimedia-Branche, benötigt werden?

 Um diese Frage klären zu können, werden Ergebnisse aus der Arbeit zum Berufsbild 2000 und aus dem EU-ADAPT-Projekt MoDelDok (Mobilisierungskampagne auf der Basis von Delphi-Studien zur Image- und Transferförderung dokumentarischer Berufsbilder in Kompetenzzentren für die Multimedia-Branche) präsentiert, miteinander verglichen und analysiert. Dabei soll das Augenmerk vor allem auf (Schlüssel-)Qualifikationen bzw. auf Kompetenzen gelegt werden. Dazu werden Ergebnisse aus empirischen Untersuchungen aus der Region Hamburg, Berlin-Brandenburg und Süddeutschland herangezogen.

 Ein Ziel dieses Projektes soll sein: bibliothekarisch- und dokumentationsbezogenen Ausbildungsgängen Anregungen zur Aktualisierung ihrer Curricula zu geben.


Gerhard Silvestri und Walter Koch

Die Aufarbeitung der Sammlung Univ. Prof. Dr. Heinz Zemanek, Wien unter Anwendung des modularen Dokumentationssystems MODOK

Der Erfolg des Internet, die weltweite Vernetzung von EDV-Systemen und die damit verbundene Globalisierung im Bereich des internationalen Informations- und Dokumentationswesens (IuD) führen zu einer Neuordnung im Bereich der Wissensspeicherung und des Zuganges zu weltweit vernetzten Informations- und Datenspeichern. Voraussetzung für die Entwicklung neuer Informations- und Dokumentationssysteme ist die Entwicklung und Anwendung von IuD-Standards die nicht nur für einen Anwendungsbereich (Domain), zum Beispiel für Bibliotheken allein Gültigkeit haben, sondern bereichsübergreifend (Cross Domain/XD) von Bedeutung sind. Dem liegt ein Szenario zugrunde demzufolge für eine(n) Informationssuchende(n) nicht nur Daten aus Bibliothekskatalogen sondern beispielsweise auch aus Museums- oder Archivkatalogen relevant sind. Im Bereich des Information Retrieval (IR) sind zwei Entwicklungen nennenswert: Die Entwicklung von allgemein anwendbaren Beschreibungsdaten (Metadaten) im Rahmen des DC- (Dublin Core) Metadatenprojektes und die Einführung eines IR-Standards (Z39.50) der einen einheitlichen Zugang zu heterogenen Archivbeständen (über digitalisierte Kataloge) ermöglicht. Um nun schon bei der Dokumentationsarbeit diesem Vernetzungsgedanken Rechnung tragen zu können wird im Projekt MODOK im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft und Verkehr ein Modell entwickelt, das nicht nur den einheitlichen Zugang über Z39.50 unterstützt, sondern auch zu bereichsspezifischen Standards (Z.Bsp. UNIMARC, ISAD(G), IASA, ICOM-Information Categories, etc) kompatibel ist. Die konzeptionelle Arbeit im Rahmen des Projektes beinhaltet die Abstimmung der Beschreibungselemente für bibliographisches Material, Archivmaterial und Realien (Artefakte und Naturfakte) und die Anforderungen an Datenbankdesign und die Erarbeitung von funktionalen Systemerfordernissen für die mit der Dokumentaions- und Informationstätigkeit von "Informationserzeugern" und "Informationssuchenden". Das Konzept wird prototypisch umgesetzt wobei vorerst eine Client/Server-orientierte Systemarchitektur realisiert wird. Für die Client-Programmierung wird VisualBasic verwendet, als Datenbankmanagementsystem kommt SQL-Server (relationales DBMS) zu Einsatz. Dieser Prototyp wird als Basis für eine zukünftige komponenten-orientierte Realisierung (Java) dienen. Der Zugang über Z39.50 wird mithilfe der von IndexData entwickelten Basissoftware (YAZ) realisiert. Auf der Client- und Server-Seite werden Standard-PCs eingesetzt, als Betriebssystem wird Windows (NT, 95/98) verwendet. Der Z39.50-Server ist auf einer LINUX-Plattform verfügbar. Parallel zum Aufbau der bereichsübergreifenden Datenbank wird eine Schnittstelle zum elektronischen Publizieren (WWW, CD-ROM) entwickelt um neben den Informations- und Dokumentationsdienstleitungen auch die Erstellung Informationsprodukten unterstützen zu können. Als Demonstrationsobjekt dient die Sammlung von Prof.Zemanek, die sowohl bibliographisches Material umfaßt als auch Archivstücke und Artefakte. Die Produktion einer CDROM erfolgt über die im Publikationsbereich gebräuchlichen Standardprodukte die auf MAC-Plattformen erhältlich sind (FileMaker, QuarkXPress, Acrobat, Macromedia Director).

Da die Österreichische Gellschaft für Informatikgeschichte (ÖGIG) in ihrer Informationsstelle mit den 4 Abteilungen Bibliothek, Archiv, Dokumentationsstelle und Museum über verschiedenen Informationsträger verfügt, war die Entwicklung von MODOK eine wichtiger Schritt zur Erreichung unseres Zieles, sowohl real als auch virtuell die Informationen der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Im Referat wird auf Einzelheiten eingegangen, die es ermöglichen alle relevanten Informationsträger nach einheitliche Gesichtspunkten zu erfassen und für den Information retrieval zur Verfügung zu stellen.


Martin Gabathuler
Hochschule für Technik und Architektur

Das Vollzeitstudium Information und Dokumentation an der HTA Chur

Im Herbst letzten Jahres wurde in der Schweiz gleichzeitig an verschiedenen Orten das neue, zweistufige Modell einer integrierten Ausbildung für Informationsberufe in die Tat umgesetzt. An Berufsschulen in Lausanne für die französischsprachigen, in Zürich für die deutschsprachigen Lehrlinge in Archiven, Bibliotheken und Dokumentationen begann erstmals die 3-jährige gemeinsame Ausbildung zu «Informations- und DokumentationsassistentInnen / assistant en information documentaire». Gleichzeitig nahmen die ersten Studenten an den neuen Fachhochschulen in Genf und Chur ihr Vollzeit-Studium Information und Dokumentation als angehende «InformationsspezialistInnen / specialistes en information documentaire» auf. Der Vortrag stellt den neuen Vollzeitstudiengang an der Hochschule für Technik und Architektur (HTA) in Chur nach seinen verschiedenen Aspekten wie Ausbildungsziele, Aufbau des Studienganges in struktureller und inhaltlicher Hinsicht, sowie Zulassungsbedingungen vor.


Yolande Estermann-Wiskott
Hochschule für Wirtschaft, Genf an der Fachhochschule Westschweiz

Das Studienprogramm der Fachhochschule Genf

Die Genfer Schule für Informationsstudien (Gründungsjahr 1917) gehört zur genfer Hochschule für Wirtschaft, seit das schweizer Fachhochschulsystem eingeführt wurde. Seit ca. 10 Jahren bieten wir einen polyvalenten Studiengang (Bibliothekswesen – Information Management – Record Management) an. Nach dieser Ausbildung können unsere Absolventen/tinnen alle Funktionen in den Bereichen Information und Dokumentation sowohl in der öffentlichen Verwaltung wie auch in der Privatwirtschaft übernehmen.

Das Ausbildungsprogramm dauert 3'500 Stunden, welche sich in drei verschiedene Bereiche unterteilen.

  1. Allgemeinbildung. Auf diesem Gebiet bieten wir Kurse an, die einen direkten Zusammenhang mit beruflichen Bedürfnissen haben. z.B Kurse in Technischem English.
  2. Managementausbildung
  3. Information und Informationstechnologie

Zwischen dem 2. und 3. Studienjahr absolvieren unsere Studenten/tinnen ein Berufspraktikum von 12 Wochen an einer I+D Institution.

Das Studium wird mit einer Diplomarbeit beendet.


Sabine Graumann
Infratest Burke, Bereich Information und Dokumentation, Muenchen

Die Nachfrage nach elektronischen Informationsdiensten in Europa

Ziel des Vortrags ist es, wesentliche Ergebnisse einer europaweiten Erhebung in 16 Ländern vorzustellen, die die Nachfrage nach elektronischen Informationsdiensten analysiert. Besonderer Focus wird dabei auf folgende Fragestellungen gelegt:

Wieviel % der Bevölkerung nutzen einen PC und werden ihn in 2 Jahren nutzen?

Welche elektronischen Informationsdienste (E-Mail, Online-Datenbanken, CD-ROMs) werden derzeit genutzt?

Was geben die Deutschen derzeit für Electronic commerce aus?

Wer sind die Nicht-Nutzer und wie können sie charakterisiert werden?

Was passiert derzeit in den europäischen Nachbarländern?

Der Vortrag legt insbesondere Wert auf den 2 Länder-Vergleich Österreich/Deutschland. Es werden die wichtigsten Ergebnisse der Studie vorgestellt.


Christian Schlögl
Institut fuer Informationswissenschaft, Universität Graz

Der Bedarf an Informationsspezialisten in der Wirtschaft

Es wird eine explorative Untersuchung vorgestellt, deren Ziel es war, den Bedarf an Informationsspezialisten in österreichischen Unternehmen grob abzuschätzen und die an Sie gestellten Anforderungen zu erheben.
Die Untersuchung bestand aus einer schriftlichen Befragung und einer Annoncenanalyse. Befragt wurden die 500 größten österreichischen Handels- und Industrieunternehmen sowie die 40 größten Banken und Versicherungen (Rücklaufquote: ca. 10 %).

Die schriftliche Befragung gibt einen ersten Einblick in das Informations- und Dokumentationswesen in österreichischen Unternehmen. Darüber hinaus wurde untersucht, wie groß der Bedarf an Informationsspezialisten im weiteren Umfeld des Informations- und Dokumentationswesens sein könnte und welche Qualifikationen und Ausbildung sich die Unternehmen erwarten. Letzteres war auch Gegenstand der Annoncenanalyse.


Hannes Hug
Universitätsbibliothek Basel

Informationssysteme und Informationsberufe im Umbruch

Die technisch bedingten Umwälzungen der Informationsversorgung schreiten in immer höherem Tempo voran. Längst sind die neuen, über Netzwerke verteilten, elektronischen Medien in die wissenschaftlichen Bibliotheken eingezogen. Die Uni Basel beispielsweise, eine eher kleine Universität mit einem ausgeprägt geistewissenschaftlichen Schwerpunkt, leistet sich derzeit gegen 1700 elektronische Zeitschriften im Netz. In den Bibliotheken, die sich so gerne als ”Informationszentralen” sehen, stecken jedoch die organisatorischen Anpassungen an diese neue Art der Informationsversorgung noch sehr in den Anfängen.

Im Beitrag geht es vor allem um den personellen Aspekt zur Bewältigung der neuen Anforderungen. Wie organisieren wir die Beschaffung oder die Erstellung, die Erhaltung, das Angebot und die Erschliessung des elektronischen Informationsangebots? Auf welche Funktionen müssen wir uns künftig stärker konzentrieren, welche eher abbauen? Welche Kenntnisse und Fähigkeiten müssen wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vermitteln?

Das sind Fragen, die sich die Bibliotheken bald beantworten müssen – um sich den schnell ändernden Anforderungen anzupassen; um wirklich lernende Organisationen zu sein!


Alois Kempf
Forschungsanstalt WSL Birmensdorf

Grenzgänger im globalen Dorf - oder die Kunst zwischen den Zeilen zu lesen

Dank Internet und World Wide Web ist die Welt zum globalen Dorf geworden, sagt man, und suggeriert damit indirekt ein idyllisches Zusammenleben von Erdenbewohnern in der versprochenen Wissensgesellschaft. Alles sei im Prinzip von jedem Ort aus rund um die Uhr mitteilbar und zugänglich. Der Kreis von Informationsnachfragern und Anbietern könne kurzgeschlossen werden. Was bleibt da noch für Informationsvermittler? - Vor Ort sieht "global" freilich anders aus und schafft viele paradoxe Situationen: Die Vielsprachigkeit bleibt, die Interpretationsunschärfe weitet sich aus, Dokumenttypen werden zahlreicher, elektronische Bücher müssen vor der Lektüre erst wieder aufgeschnitten werden und Informationsproduzenten verschwinden angesichts der Masse von Angeboten in der Anonymität. Da freuen sich BenutzerInnen schon ein bisschen, wenn Softwarehersteller mit ihren regelmässigen Updates noch bessere Lösungen für das gerade anstehende Informationsproblem versprechen. Und 30-Tage-Demoversionen werden zur rettenden Schwimmweste in den Springfluten von Daten.

Der Beitrag zeigt mit Fallbeispielen, dass man bei der gegenwärtigen Entwicklung im Informationssektor trotz benutzerfreundlicher Web-Schnittstelle Support und Moderation durch Spezialisten gebrauchen kann. Grenzgänger-Kompetenzen sind im dynamischen Kräftefeld von Benutzerwünschen, verfügbaren Informationsressourcen und technologischen Neuerungen besonders gefragt. Ungewiss ist hingegen, wieweit BenutzerInnen für solche Dienste bezahlen wollen.
Neue Nischen eröffnen sich ferner bei der Benutzerberatung und zur Stärkung der information literacy. Ein interessanter Grenzsaum ergibt sich dadurch, dass mittels Meta-Daten in der HTML/XML-Welt (versteckt) Informationsspuren weitergereicht werden, die von BenutzerInnen kaum wahrgenommen werden.


Gerhard Wagner
Verband für Informationswirtschaft Wien

Elektronische Signatur - elektronische Archivierung - elektronische Urheberrechtsmodelle
Neuer Wein in neue Schläuche: Rahmenbedingungen für die digitale Bibliothek

Die Entwicklung des E-Commerce führte in den letzten Jahren zur Thematisierung und Diskussion folgender Themenbereiche: Entwicklung neuer Wertschöpfungsketten, Business Modelle und Kontroll- und Identifikationssysteme. Wie man dabei neuen Wein in neue Schläuche gießt, konnten bisher nur wenige Anbieter vorexerzieren. Der Einsatz neuer Technologien (z.B. Smartcards) entbehrt jeglichen Nutzens, wenn bisherige Lösungsansätze weitertradiert werden, wie die Einführung des Krankenscheins auf Chipkarte zeigt, der den Ausdruck des Krankenscheins bloß vom Arbeitgeber auf den behandelnden Arzt verlagert. An einer ähnlichen Weggabelung stehen wir bei der Implementierung der digitalen Bibliothek. Im Zuge der Verhandlungen über die Ausweitung des Pflichtexemplars in Österreich wurde der Bereich der online-Produkte noch ausgespart, weil seitens der Depositarbibliothek elektronische Identifikations- Archivierungs- und Urheberrechtssysteme noch nicht im Einsatz sind. Speziell Electronic Rights Management Systems (EMRS) böten im Urheberrecht die Chance, traditionelle Vergütungssysteme (kollektive Verwertung) und Abgabeformen (Reprographieabgabe, Bibliothekstantieme) zu überdenken und neue Modelle – zum Nutzer aller – einzuführen. So könnte die Ausdehnung von ERMS auf gedruckte Medienwerke dazu führen, daß die Kopiertätigkeit der Bibliotheksnutzer wie die Abgaben der Bibliothek entfallen und der Urheber denoch einen höhere Vergütung erhält als bisher. Dies erfordert neben Pilotprojekten einen intensiven und konstruktiven Dialog aller Betroffenen und den Mut zu neuen Lösungen. Welche Chancen diese neuen Technologien eröffnen, soll im Vortrag beleuchtet werden.


Urs Naegeli
KPMG Zürich

Endnutzerberatung, redaktionelle Fähigkeiten, soziale Kompetenzen, Informatikkenntnisse - Das neue FH-Studium zwischen Wunschdenken und Wirklichkeit

Die Informationsberufe im Umbruch! So tönt es nun seit geraumer Zeit in unseren Fachzeitschriften und auf unseren Kongressen und Tagungen. Gleichzeitig werden neue Studiengänge erschaffen und angeboten, so z.B. das neue Fachhochschulstudium zum Informations- und Dokumentationssezialisten FH in Chur und Genf, das letzten Herbst den ersten Studiengang in Angriff nahm. Der Autor möchte bei dieser Gelegenheit aufzeigen, was den dieser vielgerühmte Umbruch bewirkt, und was für Konsequenzen zu ziehen sind, auch im Hinblick auf die Studienpläne der neuen Ausbildungsgänge.
Man spricht von Disintermediation und Reintermediation, da ist die Rede von starken IT Kompetenzen, von redaktionellen Fähigkeiten, von Business Intelligence und vermehrter Schulungsaktivitäten. Alles nicht unbedingt "klassische" IuD-Aktivitäten. Was generieren solche Tätigkeiten für Ansprüche an die Studienplane und an die Studierenden? Bereitet das aktuelle Fächerangebot die Studierenden genügend auf solche Anforderungen vor? Sind sich die Studierenden bei Aufnahme des Studiums bewusst, was allenfalls im Berufsleben auf sie zukommen kann? Insbesondere, wenn sie den Weg in die Privatwirtschaft suchen? Diesen Fragen sollen hier näher beleuchtet werden.


Achim Oßwald
Fachhochschule Köln

Studiengang Informationswirtschaft: - Die Antwort der FH Köln auf erweiterte Dienstleistungsbedürfnisse von Wirtschaft und Wissenschaft

Der Vortrag stellt die inhaltlichen Zielsetzungen des neuen Studiengangs Informationswirtschaft am Fachbereich Bibliotheks- und Informationswesen der Fachhochschule Köln vor. Es wird erläutert, worin der angestrebte, spezifische Arbeitsmarktvorteil von Informationswirten im Vergleich zu Betriebswirten einerseits und Dokumentaren andererseits besteht. Hierbei ist ein Vergleich zu den Studiengangangeboten in Eisenstadt und Chur integriert. Anhand von Fallbeispielen wird konkretisiert, für welche Aufgabenstellungen Informationswirte in der Praxis von Wirtschaft und Wissenschaft welche Qualifikation einbringen, um ihre informationswirtschaftlichen Vermittlungs- und Aufbereitungsaufgaben zu erfüllen.


Bärbel Hegenbart
Fachhochschule Eisenstadt

Zwei Jahre Fachhochschul-Studiengang Informationsberufe Eisenstadt

Der FHS Informationsberufe wurde im Herbst 1997 nach relativer kurzer Vorbereitungszeit ins Leben gerufen. Der erste Jahrgang mit 30 Studierenden begann seine Ausbildung im Oktober 1997, im heurigen Jahr 1999 werden 70 neue StudentInnen als 3. Jahrgang das Studium beginnen.

Die Kombination von bibliothekarisch-dokumentarischem Grundwissen und Kenntnis der neuen Technologien hebt den FHS von allen anderen Studiengängen ähnlichen Inhalts deutlich ab. Die Zielrichtung der Ausbildung ist die Vermittlung von Fähigkeiten, die es erlauben in vielen Aspekten der Informationswirtschaft tätig zu sein. Die Berusfsmöglichkeiten reichen von Bibliothekar über Unternehmensberater hin zu Leiter des Knowledge-Managements in einem Unternehmen.

Dieses Ziel soll mit einem 2 jährigen Grundstudium, das für alle Studierenden gleich ist, sowie einer 2-jährigen Ausbildung in einem von 4 Spezialgebieten erreicht werden. Während der gesamten Studienzeit wird auf Praxisnähe größten Wert gelegt. Das zeigt sich in der Betonung der Projektarbeit - fast jedes Semester sind die Studenten in ein Projekt mit Unternehmen, Organisationen oder öffentlichen Institution eingebunden-, sowie in den beiden Praktikumsblöcken zu Beginn und am Ende des Studiums. Der Aufbau des Curriculum trägt diesem Umstand ebenfalls Rechnung.

Um einen möglichst engen Kontakt mit den Ereignissen in der Berufswelt und den Entwicklungen im Bereich Informationswesen zu halten, werden die meisten Lehrveranstaltungen, insbesondere aber die der höheren Semester von Praktikern aus der Wirtschaft abgehalten. Die guten Kontakte mit Institutionen und Unternehmen sowie die Gestaltung des Curriculums ermöglichen eine bedarfsgerechte Ausbildung von kreativen, pro-aktiven, teamfähigen und mit solidem Fachwissen ausgestatteten Informationsspezialisten.


Vortrag
Norbert Bolz "Weltkommunikation - die neuen Medien und die Folgen"

"Ich sehe eigentlich die Möglichkeit der prägnanten Orientierung und der formalen Befriedigung von Sinnbedürfnissen in der Tat nur auf der Ebene alter Medien. Bei den Neuen Medien gibt es eine andere Möglichkeit, die ich viel anspruchsvoller finde, nämlich die der Komplexität unserer Welt einigermaßen gewachsen zu sein. Wenn Sie ein Sinnform-Angebot in einem Buch machen, dann geschieht das unter Bedingungen radikaler Reduktion von Komplexität, während Sie hingegen mit Multimedia, mit Hypertext, mit der Verschränkung der unterschiedlichsten medialen Darstellungsformen in der Lage sind, in Ihre Darstellung eine Komplexität zu bringen, die in linearen Darstellungsmedien vollkommen unerreichbar ist." (http://xmac.macnews.de/magazin/bolz.html)

Norbert Bolz

1953 in Ludwigshafen geboren. Studierte in Mannheim, Heidelberg und Berlin Philosophie, Germanistik, Anglistik und Religionswissenschaften. Doktorarbeit über die Ästhetik Adornos bei dem Religionsphilosophen Jacob Taubes. Habilitation über "Philosophischen Extremismus zwischen den Weltkriegen". Bis zum Tod von Taubes dessen Assistent. Forschungsaufenthalte in Paris, Utrecht und Sao Paulo. Gastprofessuren in Bochum, Klagenfurt und Bloomington (Indiana). Seit 1992 Universitätsprofessor für Kommunikationstheorie am Institut für Kunst- und Designwissenschaften der Universität Essen. Arbeitsschwerpunkte: Medien- und Kommunikationstheorie, Designwissenschaft.

Publikationen:

Theorie der neuen Medien, München 1990
Eine kurze Geschichte des Scheins, München 1991
Chaos und Simulation, München 1992
Am Ende der Gutenberg-Galaxis, München 1993
Das kontrollierte Chaos, Düsseldorf 1994
Kultmarketing, Düsseldorf 1995
Die Sinngesellschaft, Düsseldorf 1997
Die Konformisten des Andersseins, München 1999


zurück zur Übericht "ODOK"    |    Letzte Änderung: 30/01/2004    |    Kontakt: heinz.hauffe@uibk.ac.at