Projekte und Forschung

Projektnummer:
P 26405-G21


Projektleiter/MitarbeiterInnen:
Univ.-Prof. Dr. Alessandro Naso / Mag. Simon Hye

Finanzierung:fwf logo

Stadtwerdung und Umfeld von Verucchio vom 11.-7. Jh. v. Chr.
Austausch, Rohstoffversorgung, Kulturkontakte: ein protourbanes Zentrum an der Adria als Drehscheibe zwischen Mitteleuropa, Etrurien und Ionien 

Verucchio 30.08.13

Die Sonderstellung, die das protourbane Zentrum von Verucchio, in der südlichen Romagna gelegen, in der Vorgeschichtsforschung einnimmt, ist nicht nur mit den außergewöhnlichen Funden seiner Nekropolen zu erklären, sondern auch mit seiner Position als etruskischer „Brückenkopf“ im umbrischen Territorium. Die Entstehungsgeschichte und die Einflusszone der Siedlung sind jedoch weitgehend unerforscht. Diesem Forschungsdesiderat soll im Rahmen diese Projektantrages, aufbauend auf den Vorarbeiten der letzten Jahre, auf verschiedenen Ebenen begegnet werden:

Zum einen erfolgt eine landschaftsarchäologische Untersuchung (Survey) der direkt angrenzenden Gebiete auf dem wichtigen Verbindungsweg zwischen tyhrrenischer und adriatischer Küste (Tal des Flusses Marecchia). Aus den gewonnenen Daten soll eine Besiedlungsgeschichte des Tals entwickelt werden, um die Prozesse die zur Zentralisierung in Verucchio führten verstehen zu können. Anschließend sollen die neuen Ergebnisse mit den Kenntnissen vergleichen werden, die über den Wandel weg von der kleinstrukturiert dörflichen Siedlungsweise hin zur Entwicklung von vorstädtischen Zentren im mitteltyrrhenischen und süditalienischen Gebiet erreicht wurden. Erste Untersuchungen wurden von einer Arbeitsgruppe der Universität Innsbruck bereits von 2009-2012 erfolgreich durchgeführt und sollen durch dieses Forschungsvorhaben zum Abschluss gebracht werden.

Zum anderen wird den Handels- und Kulturkontakten über importierte Rohstoffe und exportierte lokal hergestellte Luxusgüter nachgegangen. Naturwissenschaftliche Analysen des verwendeten Bernsteins und Kupfers werden es ermöglichen die bis dato meist im Verborgenen liegenden Bezugsquellen für diese Rohstoffe zu identifizieren. Als Kooperationspartner konnten zwei der weltweit führenden Forschungseinrichtungen – das Amber Research Laboratory (ARL), Department of Chemistry, Vassar College und das Deutsche Bergbau-Museum Bochum (DBM) - gewonnen werden. Die archäologischen Materialstudien konzentrieren sich im Besonderen auf Trachtbestandteile, die aus diesen Materialien hergestellt wurden und Verbindungen nach Mitteleuropa und Ionien andeuten.

Ausgangspukte bilden dabei, neben Objektgruppen aus den Nekropolen der Siedlung, die Bernsteinfunde aus dem Heiligtum der Artemis in Ephesos (Archäologisches Nationalmuseum Istanbul, Archäologisches Museum Selçuk, British Museum London) sowie die in den vergangenen Jahrhunderten über mehrere Museen verstreuten, aber sicher in Verucchio gefundenen und wohl dort produzierten Funde (z.B. Stadtmuseum Wiesbaden, Medelhavsmuseet Stockholm, Peabody Museum of Archaeology and Ethnology, Harvard University).

Die interdisziplinäre Herangehensweise wird es ermöglichen, das Kontaktnetzwerk des protourbanen Zentrums von Verucchio möglichst präzise darzustellen und Aussagen über Austauschbeziehungen und Rohstoffverteilung zu treffen.

Verucchio 04.09.13