Projekte und Forschung

Projektnummer: 99/08
Beginn 1995; Ende 2003

 

Projektleiter/MitarbeiterInnen:
Tomedi/Nicolussi Castellan/Neuner

Finanzierung:
Gedächtnisstiftung des Landes Tirol; Verein zur Förderung der urgeschichtlichen Forschung im südöstlichen Mittelgebirge bei Innsbruck; private Spenden

Aktivitäten und Arbeitsstand:
Acht Grabungskampagnen; ausführlicher Vorbericht sowie Diplomarbeit in Vorbereitung.

Grabungen an einem umwallten Kultplatz der frühen Bronze- und Eisenzeit auf dem Goldbichl bei Igls, Bez. Innsbruck-Stadt

Der Goldbichl galt bislang als befestigte eisenzeitliche Höhensiedlung der jüngeren Eisenzeit (ca. 500 bis 15 v. Chr.). Nach dem Befund der Grabungen muss aber die mehrteilige Anlage völlig anders interpretiert werden.
Die Kuppe selbst trägt eine von Norden ansteigende rampenartige Wallanlage mit einem von Osten anlaufenden, etwa hufeisenförmigen Annex, die drei deutliche Einsenkungen umfassen und die zuerst für Gruben im natürlichen Gelände gehalten wurden. Als man 1997 den Annex sondierte, um eine eventuelle Innenbebauung feststellen zu können, wurde erst klar, dass der gesamte Bereich der Kuppe künstlich aufgeschüttet worden war, wobei dort die Schüttung bis zu 3,8 m über den anstehenden Fels ragte. Auf der Krone der hallstattzeitlichen Wallschüttungsphase wurden mehrfach verziegelte Flächen mit kalzinierten Knochen angetroffen, die sicher keinem profanen Zweck dienten. Ein Brandopferplatz mit recht komplexer Architektur deutete sich somit erstmals an.
Nach den neueren Befunden lässt sich die Abfolge der Bebauung wie folgt rekonstruieren: Frühbronzezeitlich (Beginn Bz A 2) ist eine mit niedrigen Steinmauern eingefasste Lehmtenne, auf der die ersten Opferfeuer entzündet wurden. Dann wurde eine Reihe von kegelstumpfförmigen Brandaltären errichtet. Diese Anlage wurde letztlich durch ein intentionell gelegtes Feuer zerstört, wobei man eine Temperatur über längere Zeit erreichte, die sogar das angeschlichtete Schiefergestein zum Verschlacken, ja sogar bis zur rinnenden Laufschlacke gebracht hat.

Goldbichl


Erst im Laufe der frühen Eisenzeit wurden dann die gewissermaßen batterieartig angelegten mittelbronzezeitlichen Brandaltäre zu einer Wallschüttung vereinigt. Die letzte, späteisenzeitliche, Ausbauphase prägt das heutig obertägig noch erkennbare Relief der Oberfläche: Eine etwa L-förmige von Norden rampenförmig ansteigende Anlage mit einer zusätzlichen aus SWW zulaufenden Rampe.
Zumal die bronze- und späteisenzeitliche Wallanlage mit vorgelagertem Graben das Heiligtum einfasst, muss sie wohl als Temenos – als Einfassung eines heiligen Bezirkes – angesehen werden. Dazu passt auch das Vorhandensein eines bronzezeitlichen Grabes innerhalb des Bezirkes: In einer seichten mit Steinplatten gefassten Grube wurden kärgliche Reste der verbrannten Knochen einer Frau gemeinsam mit wenigen Keramikbruchstücken und einem intentionell zerbrochenen Webstuhlgewicht aus Stein hinterlegt.
Auch die Häuser – eines wurde bereits teilweise erforscht – die sich durch künstliche Terrassen am Westabhang abzeichnen, dürften mit dem Heiligtum in enger Beziehung stehen. Allenfalls profan zu deuten sind die baulichen Strukturen außerhalb der Wallanlage.
Der Befund der Kultanlage am Goldbichl ist bislang einzigartig. Die in ihrer Morphologie vergleichbaren Brandopferplätze in Südtirol sind noch weitgehend unerforscht. Der monumentale Bau lässt zwanglos den Schluss zu, hier ein überregionales Heiligtum mit offensichtlich zentralörtlicher Wirkung sehen zu dürfen. Der osteologische Befund (Prof. Joris Peters, Univ. München) erbrachte die Opferung überwiegend von Schaf und Ziege; selten im Bestand sind Rind und Schwein.
Die Baubefunde der Anlage sowie die Kleinfunde werden im Rahmen der Diplomarbeit von Moritz Neuner wissenschaftlich bearbeitet.

Plan Goldbichl


Die Forschungen am Goldbichl wurden von Mag. Hubert Held initiiert, dem an dieser Stelle für die große Hilfe herzlichst gedankt sei. Er gründete den Verein zur Förderung der urgeschichtlichen Erforschung des südöstlichen Mittelgebirges bei Innsbruck (Obmann: Mag. Hubert Held; Obmann-Stellvertreter: Univ.-Prof. Dr. Gernot Patzelt; Kassierin: Dr. Ilse Patzelt; Schriftführer: Ernst Skaderassy; Rechnungsprüfer: Sepp Hofer), der die Plattform zur Beschaffung der finanziellen Mittel und der Logistik dient. Für Ihren Mühen gilt allen ebenfalls ein herzliches Dankeschön.


Publikationen:

  •  Osw. Menghin, Wiener Prähist. Zeitschr. 26, 1939, 22-51 bes. 36-37.
  • Osw. Menghin, Wiener Prähist. Zeitschr. 29, 1942, 156-194 bes. 165.
  • S. Nicolussi Castellan/G. Tomedi, Urnenfelderzeit, Tirol, SG Innsbruck, KG Igls. Fundber. Österreich 34, 1995, 661.
  • G. Tomedi/S. Nicolussi Castellan/H. Müller, Fundberichte aus Österreich 38, 1999, 773-775.
  • G. Tomedi/S. Nicolussi Castellan/H. Müller, Fundberichte aus Österreich 39, 2000, 590-592.
  • G. Tomedi/S. Nicolussi Castellan, Ein bronze- und eisenzeitlicher Brandopferplatz am Goldbichl bei Igls (Bez. Innsbruck-Stadt). In: J. Zeisler/G. Tomedi (Hrsg.), Archäologische Forschungen in Ampass/Grabungsberichte aus Tirol. ArchaeoTirol Kleine Schriften 2 (Wattens 2000) 122-123.
  • G. Tomedi/D. Mair/S. Nicolussi Castellan/M. Neuner, Fortsetzungen der Grabung am Brandopferplatz am Goldbichl bei Igls. In: J. Zeisler/G. Tomedi (Hrsg.), Archäologische Forschungen und Grabungsberichte aus Tirol. ArchaeoTirol Kleine Schriften 3 (Wattens 2001) 171-175.