Projekte und Forschung

TWF Projektnummer:
UNI-115281

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Finanzierung: Fördergelder des Tiroler Wissenschaftsfonds 

Projektleiter: Mag. Caroline Grutsch

Kooperationspartner: 
Dipl.-Min. Klaus Peter Martinek (München)
Dr. Matthias Krismer und Mag. Dr. Peter Tropper (Institut für Mineralogie und Petrographie, Universität Innsbruck) 


Prähistorische Kupfergewinnung im Nordtiroler Oberland

Geognostische Karte
Geognostische Karte Tirols (1849). Kartenausschnitt mit zahlreichen Kupfererzvorkommen in der
Umgebung des mittelbronzezeitlichen Depotfundes vom Moosbruckschrofen am Piller Sattel.

Prämissen

Die bisherigen Forschungen des österreichischen FWF-Projekts Spezialforschungsbereich HiMAT konzentrierten sich auf die großen Montanreviere mit überregionaler Bedeutung, wie den Mitterberg in Salzburg, Schwaz/Brixlegg und Kitzbühel im Tiroler Unterland sowie Bartholomäberg und Silbertal im Montafon („key areas“) – nicht aber auf das Tiroler Oberland. Dort befinden sich viele kleine Bergbaue, die historisch meist nur regionale Bedeutung hatten.

Es konnten im Oberland aber bereits Spuren vorgeschichtlicher Kupfergewinnung entdeckt werden, auch Belege für Gießerhandwerk liegen inzwischen vor. Hier setzt das Projekt „Prähistorische Kupfergewinnung im Nordtiroler Oberland“ an. Es soll Grundlagenforschung zum prähistorischen Bergbau und Hüttenwesen für das Tiroler Oberinntal und seine Seitentäler leisten und der Auftakt sein, die vorhandene Forschungslücke zu schließen.


Ziele des Projektes

1. Die analytische Charakterisierung von Kupfererzen des Oberlandes als Datenbasis für den Vergleich mit Fertigprodukten

2. Klärung der Frage, ob es prähistorische Erzgewinnung und Verhüttung im Tiroler Oberland gab und somit

3. Grundlagenforschung um die bergbaugeschichtliche Forschungslücke zwischen den Regionen Salzburg/Tiroler Unterland und Vorarlberg zu schließen

4. Vergleich und mögliche Korrelation zwischen Rohstoffen aus dem Oberland und dem mittelbronzezeitlichen Depotfund vom Moosbruckschrofen/Piller

5. Dokumentation und Publikation einiger bereits bekannter Funde

6. Die Schaffung einer Grundlage für nachfolgende archäologische Grabungen.


Das Thema prähistorischer Bergbau und Hüttenwesen im Tiroler Oberland wurde bislang archäologisch noch nicht bearbeitet. Es gibt jedoch Anhaltspunkte in der Literatur sowie unveröffentlichte Belege, die auf prähistorische Kupfergewinnung deuten. Hinweise für die Verhüttung von Kupfererzen sind aus dem Umfeld von Wenns im Pitztal bekannt (Tomedi 2002). Weitere Anhaltspunkte für metallurgische Aktivitäten sind die Gusskuchenstücken sowie ein nur wenig überschmiedeter Gussrohling für ein Beil aus dem mittelbronzezeitlichen Depotfund vom Moosbruckschrofen/Piller (Tomedi 2002), Rohkupferstücke aus dem mittelbronzezeitlichen Haus von Fließ-Silberplan (Nicolussi/Tomedi 2008), eine Gussform für eine Flügelnadel, die aus der bronzezeitlichen Siedlung am Kiahbichl bei Faggen stammt (Sydow 1998) sowie Bronzeschmelztropfen aus Grab 3 im Gräberfeld Karrösten (Plank 1973).  Neben diesen indirekten Anhaltspunkten gibt es auch bislang unveröffentlichte, direkte Hinweise auf prähistorischen Bergbau im Tiroler Oberland – diesen gilt es nachzugehen. Zusätzlich lassen auch die reichen Metallfunde, wie der Depotfund vom Moosbruckschrofen/Piller als größter und zugleich vielseitigster mittelbronzezeitlicher Depotfund Mitteleuropas (Tomedi 2004), die Depots von Ried im Oberinntal (Sölder 2002), Zams-Kronburg (Marchhart 2004), Stanz bei Landeck und Anreit/Zams (Huijsmans 1994) sowie zahlreiche Einzelfunde (Huijsmans 1994, Wada 1975) und die Funde vom Brandopferplatz auf der Piller Höhe (Tschurtschen-thaler/Wein 1998), eine Nutzung lokaler Vorkommen in der Bronzezeit wahrscheinlich erscheinen. Dies ließe sich durch Vergleiche von Metallanalysen an Erzen und Fertigprodukten überprüfen. Bisher fehlten hierfür die Erzproben aus dem Oberland als Datenbasis. Eine Aufgabe des Projektes ist es daher, diese Datenbasis zu schaffen.

In starkem Kontrast zum montanarchäologischen Forschungsstand im Oberland steht der wesentlich bessere Wissensstand der Lagerstättenkunde, Geologie und Mineralogie. Schon Mitte des 19. Jhs. hat der „Verein zur geognostisch-montanistischen Durchforschung des Landes Tirol und Vorarlberg“ mit der wissenschaftlichen Erkundung von Bodenschätzen aller Art begonnen (Geognostisch-montanistischer Verein von Tirol und Vorarlberg 1839-1842, Tagebücher). Grundlegende Werke, die die zahlreichen Erzvorkommen und historischen Bergbau-reviere im Tiroler Oberland verzeichnen, wurden von Max von Isser (Isser 1888), Georg Gasser (Gasser 1913), Robert R. v. Srbik (Srbik 1929), Reinhard von Klebelsberg (Klebelsberg 1935, 1939), Georg Mutschlechner (Mutschlechner 1954, 1955, 1956, 1961, 1990, 1991), Kurt Vohryzka (Vohryzka 1968), Franz Vavtar (Vavtar 1986) und Peter Gstrein (Gstrein 1990, 2009) verfasst. Basierend auf diesen Arbeiten lassen sich im Oberland, inklusive Stubai- und Wipptal sowie Hötting, mehr als 70 Erzvorkommen identifizieren (vgl. auch Haditsch 1995). Dabei handelt es sich nicht nur um reine Kupfervererzungen (Kupferkies, Fahlerz), teilweise dominieren Blei-Zink-Erze mit untergeordneten Kupfergehalten. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Vorkommen in prähistorischer Zeit nicht auch aufgrund des Kupfers aufgesucht und genutzt wurden. Unter anderem haben Untersuchungen in der Steiermark gezeigt, dass selbst kleinste Kupfervererzungen prähistorisch beschürft wurden (Presslinger/Eibner 2004, Klemm 2003).

Während also für den Bergbau im Oberland faktisch keine archäologische Forschung vorhanden war, lässt sich auf den geologisch-lagerstättenkundlichen Untersuchungen hervorragend aufbauen. Für den prähistorischen Kupfer-bergbau interessante Plätze können gezielt aufgesucht und untersucht werden.