Projekte und Forschung

Laufzeit:
2015 - 2019
 

Finanzierung:
Land Niederösterreich, Abteilung Kunst und Kultur

Projektleiter: Univ.-Prof. Mag. Dr. Peter Trebsche

Kooperationspartner: 
Prof. Dr. Stephan Fichtl (Université de Strasbourg/UMR 7044 ArcHiMédE)
Dr. Andreas Heiss, DI Silvia Wiesinger (Österreichisches Archäologisches Institut) – archäobotanische Analysen
Dr. Erich Pucher, Mag. Konstantina Saliari (Naturhistorisches Museum Wien, Archäozoologische Sammlung) – archäozoologische Analysen
Dr. Roderick B. Salisbury, Julia Längauer MA (Universität Wien, Vienna Institute for Archaeological Sciences) – geoarchäologische Analysen
PhDr. Jiří Militký (Národní Muzeum Praha, Tschechische Republik) – numismatische Auswertung

Keltische Siedlungszentren in Ostösterreich

Das französisch-österreichische Ausgrabungsprojekt im latènezeitlichen Siedlungszentrum von Haselbach untersucht mit innovativen Grabungsmethoden die Siedlungsorganisation sowie Wirtschaftsstruktur und leistet so einen Beitrag zum Verständnis der Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse im 3.–1. Jahrhundert v. Chr.

Französisch-österreichisches Grabungstem

 

Forschungsziele

 Die Kenntnis der latènezeitlichen Siedlungsstrukturen in Ostösterreich hat im letzten Jahrzehnt großartige Fortschritte gemacht, einerseits durch zahlreiche Rettungsgrabungen, andererseits durch geomagnetische Prospektionen. Dabei konnte vor allem die Kategorie der Großsiedlungen genauer erschlossen werden, die sich nach heutigem Forschungsstand in zumindest drei Siedlungstypen differenzieren lassen. Nach der Fläche der Fundstellen unterscheidet man zwischen mittleren Zentren (6-10 Hektar), großen Zentren (30-40 Hektar) und sehr großen Zentren (rund 100 Hektar). Die mittleren Zentren sind bislang nur durch Oberflächenfunde und geomagnetische Prospektionen bekannt. Sie setzen sich in ihrer Größe deutlich von den durchschnittlichen Dörfern, Weilern und Gehöften ab. Die drei bislang am besten untersuchten Beispiele (Haselbach, Stripfing und Etzersdorf in Niederösterreich) zeichnen sich durch eine bis zu einem gewissen Grad geplante Siedlungsstruktur und die Existenz je einer quadratischen Einfriedung ab.

Eine genauere Erforschung der Bebauung und der wirtschaftlichen Struktur der mittleren Zentren stellt ein Desiderat der archäologischen Forschung dar, weil damit die Entstehung der Siedlungshierarchie im Verlauf der mittleren Latènezeit besser erklärt werden könnte. Im Fokus des internationalen Kooperationsprojektes steht die planmäßige Ausgrabung des mittelgroßen Zentrums in Haselbach, Gemeinde Niederhollabrunn, im Bezirk Korneuburg, das in fünf Ausgrabungskampagnen von 2015 bis 2019 ausschnittsweise untersucht wird. Dabei stehen Fragen nach der Architektur, besonders der Funktion und Nutzung der charakteristischen Grubenhäuser, der Siedlungsorganisation und des Bebauungsplanes sowie der wirtschaftlichen Produktions- und Distributionstätigkeiten im Vordergrund. Diese Fragen sollen mittels neuer, zum Teil bislang in Österreich nicht angewandter Grabungs- und Analysemethoden beantwortet werden. Besonderer Wert wird auf die systematische Probennahme für die Gewinnung archäobotanischer Funde, für die Gewinnung von Mikroresten, für geochemische Analysen sowie für mikromorphologische Analysen gelegt.

Der Mehrwert der französisch-österreichischen Kooperation bildet sich in mehreren Aspekten ab: In Frankreich und in Zentraleuropa (Österreich, Tschechische Republik, Slowakei, Ungarn) wurden in den letzten Jahren ähnliche Großgrabungen und Prospektionen durchgeführt, die aufzeigten, dass unbefestigte Flachlandsiedlungen während der Mittel- und Spätlatènezeit (ca. 250 bis 15 v. Chr.) die wirtschaftlich und politisch bedeutsamste Kategorie von Siedlungen darstellen. Dennoch gibt es bislang keine länderübergreifenden Synthesen, was sich auch in der bislang verwendeten uneinheitlichen Terminologie widerspiegelt. Die Kooperation ermöglicht es also, die Erkenntnisse auszutauschen und die Siedlungsstrukturen vom Atlantik bis zur Theiß systematisch zu vergleichen.


Publikationen (Auswahl)

Trebsche 2016
P. Trebsche, Structuration et planification des agglomérations laténiennes en Basse-Autriche. In: G. Blancquaert/F. Malrain (Hrsg.), Évolution des sociétés gauloises du Second âge du Fer, entre mutations internes et influences externes. Actes du 38e colloque international de l’AFEAF, Amiens, 29 Mai – 1er juin 2014. Revue Archéologique de Picardie, Numéro spécial 30 (Senlis 2016) 363-375.

Trebsche/Fichtl 2016
P. Trebsche/S. Fichtl, Die latènezeitliche Zentralsiedlung von Haselbach (Gemeinde Niederhollabrunn) – zum Beginn des französisch-österreichischen Forschungsprojektes. In: E. Lauermann/P. Trebsche (Hrsg.), Beiträge zum Tag der Niederösterreichischen Landesarchäologie 2016. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums 531 (Asparn/Zaya 2016) 20-36.

Trebsche/Fichtl 2016
P. Trebsche/S. Fichtl, Das keltische Siedlungszentrum von Haselbach – die französisch-österreichischen Ausgrabungen 2015–2016. Arch. Österreich 27, 2, 2016, 2-19.

Fichtl/Trebsche 2018
S. Fichtl/P. Trebsche, L'agglomération celtique de La Tène moyenne de Haselbach (Basse-Autriche) : premiers résultats des campagnes de 2015 à 2017. Bulletin de l'Association Française pour l'Étude de l'Âge du Fer 36, 2018, 25–28.

Trebsche/Fichtl 2018
P. Trebsche/S. Fichtl, Im Zentrum der latènezeitlichen Siedlung von Haselbach - Ergebnisse der französisch-österreichischen Ausgrabungen 2017. In: F. Pieler/P. Trebsche (Hrsg.), Beiträge zum Tag der Niederösterreichischen Landesarchäologie 2018 (Asparn/Zaya 2018) 68-82.

Trebsche/Fichtl 2019
P. Trebsche/S. Fichtl, Unerwartete Befunde im latènezeitlichen Siedlungszentrum von Haselbach. Bericht über die französisch-österreichische Ausgrabung 2018. In: F. Pieler/P. Trebsche (Hrsg.), Beiträge zum Tag der Niederösterreichischen Landesarchäologie 2019 (Asparn/Zaya 2019) 55–70.


 

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