Projekte und Forschung

FWF Projectnummer:
P 293880 - G26

Projektleitung:
Mag. Dr. Bendeguz Tobias

Finanzierung: fwf logo


Kontakte über die Alpen: Untersuchungen zu Gürtelgarnituren vom Typ Bieringen

Hätten Sie einen hochwertigen Gürtel im 7. Jahrhundert n. Chr. in Mitteleuropa erwerben wollen, wäre ihre Wahl auf den Typ Bieringen gefallen. Im Gegensatz zu den meisten vielteiligen Gürteln dieser Zeit, die aus Eisen gefertigt waren, bestand dieser aus Bronze. Überraschenderweise fand der Gürtel eine weite Verbreitung, die vom Karpatenbecken bis in die West-Schweiz und von Mitteldeutschland bis nach Süditalien reichte. Wie können wir den enormen Erfolg der Gürtelgarnitur in einem relativ kurzen Zeitraum von rund 80 Jahren über ein so großes Verbreitungsgebiet erklären? Nur die hohe Qualität allein ist als Erklärung dafür zu wenig. Sie ist zunächst der Ausgangspunkt für alle weiteren Überlegungen.

Was kennzeichnet seine Qualität aus, wie wurde der Gürtel hergestellt und welcher Voraussetzungen bedurfte es dafür? Die gesamte Herstellungskette ausgehend vom Rohmaterial bis hin zum fertigen Produkt solle mit Hilfe von chemischen Untersuchungen und Bleiisotopenanalysen schrittweise nachvollzogen werden.

Vor allem die Chronologie der Gürtelgarnituren stellt ein Forschungsproblem dar, da es leider sehr wenige unabhängig vom Gürtel selbst zeitlich einordenbare Grabbefunde gibt. In Kombination von Radiokarbonanalysen und der gut datierbaren Gräber sollte ein neuer chronologischer Rahmen geschaffen werden.

Für die kulturhistorische Interpretation des Gürtels sind die beiden Eckpfeiler des Herstellungsprozesses und der chronologischen Einordnung unerlässlich. Um die Bedeutung des Gürtels zu verstehen, sind verschiedenen soziale und kulturelle Ebenen zu beleuchten: Die anthropologischen Daten der Bestatteten selbst, denen ein Gürtel bzw. Beschläge vom Typ Bieringen beigelegt waren, sollen hinsichtlich ihrer Grabausstattung sowohl in einem lokalen als auch weiträumigen Kontext verglichen und ausgewertet werden. Ob der charakteristische Nebenriemen – gleich einem schwanzförmigen Fortsatz – am rückwertigen Teil des Gürtels mit sogenannten "Wolfskriegern" des 7. Jahrhunderts n. Chr. in Zusammenhang gebracht werden kann, wird ebenfalls Gegenstand der Untersuchungen werden.

Schließlich werden die Verbreitungswege des Gürtels dargelegt. Die Distribution mit einem klaren Schwerpunkt in Südtirol und dem Trentino zeigt, dass die Mehrheit der Gürtel über die beiden wichtigsten Alpenpässe (insbesondere den Brenner) nach Norden und von dort weiter bis ins Karpatenbecken kam.