Projekte und Forschung

Turkmenistan
Zentralasien 

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Iran, Yomut woman spinning

Yomut1 Frau beim Spinnen im nordöstlichen Iran. Obwohl diese Spindel als Fallspindel verwendet werden könnte, wird sie hier wird auf dem Boden abgestützt und somit wie eine Auflagespindel benutzt.

Aus: Louise W. Mackie and Jon Thompson (eds.), Turkmen Tribal Carpets and Traditions (The Textile Museum, Washington, D.C. 1980), Seite 225.

Turkmen double whorl spindle

Spindel einer Turkmenin mit zwei Spinnwirteln. Interessant ist, dass hier nicht, wie bei anderen Doppelwirtel-Spindeln, der gesponnene Faden zwischen den zwei Wirteln auf den Stab gewickelt wird. Auch hier wird die Spindel als Auflagespindel am Boden abgestützt.

Aus: Roland and Sabrina Michaud, Caravan to Tartary, Thames and Hudson (London 1985), Ausschnitt aus Bild Nr. 592.

Turkmenistan,silver top whorl spindle








Kopfspindel der Yomut mit silbernem Spinnwirtel und Haken.
Am unteren Ende des Holzschaftes befindet sich eine rundumlaufende Einkerbung, die vermuten lässt, dass diese Spindel gelegentlich auch als Fußspindel verwendet wurde. Länge: 39 cm; Spinnwirteldurchmesser: 5,5 cm; Gesamtgewicht: 60,36 g. 20. Jahrhundert.

Turkmenistan, spindle bag

Yomut-Spindeltasche oder -beutel (igsyalyk oder igsalik) aus Turkmenistan (eine eines Paares). 21 x 38 cm, 20. Jh.

Zu turkmenischen Hochzeitsbräuchen siehe: Robert Pinner, The Turkmen Wedding. In: HALI, International Magazine of Antique Carpet and Textile Art 100, 1998, 104-107.

Turkmenistan, spindle bags
Yomut-Spindeltaschen oder -beutel (igsyalyk oder igsalik) aus Turkmenistan. Diese Torbas (Teppichtaschen) waren Teil einer Mitgift  einer turkmenischen Braut und wurden verwendet, um die Seiten des Kamels der Braut während der Hochzeitsprozession zu schmücken. Vorderseite mit dekorativem Wollflor, Rückseite in einfacher Leinwandbindung. Die unteren Enden weisen noch die ursprünglichen Quasten auf. 22 x 43 cm, ca. 1925.

Spindeltasche (igsyalik) oder Zeltstangensack (okbash) – die unendliche Diskussion

Wurden diese Spindeltaschen tatsächlich zur Aufbewahrung von Spindeln benutzt? Nun – zumindest eignen sie sich sehr gut dafür und auch der Name lässt diese Verwendung vermuten ( = Spindel, igsyalik = Spindeltasche).
Kommen wir also noch einmal darauf zurück was bereits am Ende der Seite für die Türkei angesprochen wurde. Dort steht:

„Die Diskussion unter den Sammlern orientalischer Teppiche und Gewebe ist teils recht intensiv und die länglichen Taschen, die aus einer dekorativen Vorderseite und einer Rückseite aus meist einfachem Stoff bestehen, werden mal als mögliche Pfeilköcher, mal als Schutzhüllen für die Enden von Zeltstangen während einer Übersiedlung des Nomadenlagers angesprochen.“

Weitergehende Recherchen ergeben, dass eben jene Taschen oder Säcke die vorgeblich als Schutzhüllen für die Enden von Zeltstangen dienen nicht nur anders benannt (nämlich okbash oder ok bash), sondern auch anders konstruiert sind und sich mit ihren viereckigen Querschnitt und größerer Länge viel besser für Zeltstangen eignen als die schmalen Spindeltaschen.

Im Folgenden werden Wörterbucheintrage sowie Beschreibungen und Abbildungen aus Büchern zum Thema turkmenische Teppiche aufgeführt und es dem/der Leser/Leserin überlassen Seine/Ihre Entscheidung selbst zu treffen.
Ob man letztendlich in einer Spindeltasche auch Spindeln aufbewahren möchte ist allein die Entscheidung des Besitzers.

Wörterbucheinträge

Igsyalik: kleine Tasche für eine Spindel

Okbash: Kleine Taschen, in der Regel mit dreieckiger Basis und oft mit langen geflochtenen Schnüren mit Quasten verziert. Offenbar verwendet, um die Enden von Zeltstangen zu verhüllen. Die meisten alten Beispiele werden den Yomut zugeschrieben, obwohl mindestens drei von den Tekke bekannt sind. Es scheint eine gewisse Verwirrung zwischen einem okbash und einem igsyalyk in der Literatur vorzuherrschen, wobei die führende zeitgenössische sowjetische Spezialistin Elena Tzareva zwei Gewebe als "igsalik" beschreibt, die man im Westen okbash nennen würde.

Aus: K.K. Maitra, Encyclopaedic Dictionary of Clothing and Textiles (New Delhi 2007), p. 218, 298-299.

Bücher zu turkmenischen Teppichen










Ok bash
– Schutzhüllen für die Enden von Zeltstangen. Textile Museum Washington D.C., Inv. Nr./Inv. no. R 37.14.1 und 1977.36.18.

Aus: Louise W. Mackie and Jon Thompson (eds.), Turkmen Tribal Carpets and Traditions (The Textile Museum, Washington, D.C. 1980), Seite/page 171.


Yomut, ok bash

Yomut, igsalik or ok bash

Links: Dieses als „Spiegeltasche“ bezeichnetes Stück entspricht dem was man meist unter einer Spindeltasche versteht.
Rechts: Hier wird ein sonst als okbash bezeichnetes Textil als Spindeltasche angesprochen. Bei dieser Tasche wurden die Nähte aufgetrennt und das Stück flach ausgelegt.

Aus: Elena Tzareva, Teppiche aus Mittelasien und Kasachstan (Leningrad 1884), Seite 124 – 125.


1 Die Yomut sind eine Turkmenen-Stamm der hauptsächlich im Westen Turkmenistans beheimatet ist. Einige leben jedoch im nordwestlichen Iran entlang der Küste des Kaspischen Meeres.

Im Buch wird das gesamte Bild allerdings irrtümlich mit “Turkmenian woman with her distaff” beschrieben (Turkmenin mit ihrem Spinnrocken). Im Bild ist jedoch kein Spinnrocken zu sehen. Das Buch wurde allerdings aus dem Französischen übersetzt, so dass hier wohl ein Fehler des Übersetzers vorliegt. Im französischen Originaltext steht: „Femme turkmène à sa quenouille“. Zwar wird das Wort „quenouille“ tatsächlich mit Spinnrocken übersetzt im Französischen aber manchmal auch für die Spindel benutzt.