Projekte und Forschung

Kleine Spindeltypologie oder
Die Menschen spinnen - weltweit

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Ist es Ihnen schon aufgefallen? Das Logo der ABT ist eine Spindel. Genauer gesagt eine Handspindel. Noch genauer gesagt eine Fallspindel und noch genauer eine Fußspindel. Warum so genau? Wer glaubt Spindel ist gleich Spindel irrt. Es gibt die unterschiedlichsten Typen, die jeweils auch unterschiedliche Bedienung erfordern. Aber allen ist natürlich das Endergebnis gemein – der gesponnenen Faden. Sei er nun aus Wolle, Leinen, Hanf, Baumwolle, Seide usw.

Anlässlich des fünfjährigen Bestehens der ABT (Gründung Herbst 2007) wollen wir nun eine kleine Spindeltypologie vorstellen mit Bildern von alten Spindeln und Postkarten mit Spinnern (hauptsächlich Spinnerinnen) aus aller Welt, beschränken uns dabei jedoch auf Handspindeln und gehen nicht auf Spinnräder ein.

Handspindeln

Doch zunächst eine kurze Einführung in unterschiedliche Handspindeltypen.

Spindel können zunächst in Fall- und Auflagespindeln (oder Standspindeln) getrennt werden. Fallspindeln werden frei hängend benutzt, während Auflagespindeln, wie der Name schon sagt, mit einer Spitze irgendwo aufgestützt werden. Auf dem Boden, in einer Schüssel, auf dem Oberschenkel des/der Spinner/in oder sie werden permanent in der Hand gehalten und zwischen den Fingern gedreht.

Dann kann man Spindeln dahingehend unterscheiden, wo der Spinnwirtel angebracht ist, und wie viele es davon gibt. Manche Spindeln haben zwei Spinnwirtel, sog. Balkanspindeln, während andere Spindeln, hauptsächlich Auflagespindeln, gar keinen Spinnwirtel haben. Spinnwirtel können am unteren Ende des Spindelstabes angebracht sein, sog. Fußspindeln (oder Tiefwirtelspindeln), in der Mitte, oder am oberen Ende, sog. Kopfspindeln (oder Hochwirtelspindeln). Spindeln mit dem Wirtel in der Mitte werden auch Akha-Spindeln genannt nach der Region in Asien, in der sie hauptsächlich verwendet werden. Während man Fußspindeln in der Regel durch Drehen zwischen den Fingern in Bewegung setzt, werden Mittel- und Kopfspindeln oft durch Abrollen am Oberschenkel in Drehung versetzt.

Aber genug davon – nun zu den Spindeln.

Zunächst eine kleine Auswahl an antiken Spinnwirteln aus Keramik, Stein, Bronze und Knochen.

 

jungsteinzeitliche Tonspinnwirtel / neolithic clay spindle whorls
Jungsteinzeitliche Tonspinnwirtel aus Schweizer Pfahlbauten (1), römische Spinnwirtel aus Knochen und Bronze (2), Steinspinnwirtel aus dem Vorderen Orient (3) und präkolumbianischer Tonspinnwirtel aus Ecuador (4) mit Durchmessern von 2,3 cm bis 4,6 cm.

Spindeltypen in verschiedenen Ländern  

 Spinnrocken 

Zu manchen Handspindeln gehören natürlich auch Spinnrocken (oder Kunkeln). Am Spinnrocken werden die noch ungesponnenen Fasern befestigt.

Kunkel ist das mittelhochdeutsche Wort für Spinnrocken und war im Mittelalter und der frühen Neuzeit ein Symbol des Weiblichen, da Spinnen eine Tätigkeit der Frau war. So gibt es auch die Rechtsbegriffe des Kunkellehens (= an eine Frau verliehenes und in weiblicher Linie vererbbares Lehen) und das des Kunkelteils (=Frauenerbteil). Das Wort Kunkel allein kann im Erbrecht stellvertretend für die weibliche Linie der Verwandtschaft stehen.  Auch der Begriff Kunkeladel lässt sich finden (=eine Person weiblichen Geschlechts, die nicht durch ihre Eltern, Verwandte oder Mann, sondern bloß von sich aus in den höheren oder niederen Adelsstand erhoben wird).

Siehe: Deutsches Rechtswörterbuch - DRW

Seilherstellung
Ägypten 
Amerika


Warum spinnst Du?
Aus dem Magazin Gil Blas vom 17. März 1895
Text: Léon Durocher
Musik: Marcel Legay
Illustration: Theophile-Alexandre Steinlen

Pourquoi files-tu?

Pourquoi files-tu là-bas sur la grève?
Est-ce pour draper le lit dont je rêve,
Le vieux lit breton veuf de notre amour?
Ne te presse pas! Car la mer écume;
Et les matelots perdus dans la brume
Ne voient point briller l'heure du retour.

Pendant que mon Yvonnette
File et tourne sou fuseau,
File au vent, ma goélette !
File entre le ciel el l'eau!

 II

Pourquoi files-tu dans la chambre close?
Est-ce pour draper le bel enfant rose
Dont tu dois cueillir le premier bonjour,
Double les baisers sur sa tête blonde,
Puisque notre enfant doit venir au monde?
Avant qu'au foyer je suis de retour.

Pendant que mon Yvonnette
File et tourne sou fuseau,
File au vent, ma goélette !
File entre le ciel el l'eau!

III

Pourquoi files-tu près de la chaumière?
Est-ce pour dormir, dis! sous la bruyère,
Côte à côte, au pied du clocher à jour?
Ne t'occupe pas de moi, ma jolie!
Car c'est l'Océan qui dans sa folie
Drape les marins perdus sans retour.

Pendant que mon Yvonnette
File et tourne sou fuseau,
File au vent, ma goélette !
File entre le ciel el l'eau!

Gil-Blas_Pourquoi-files-tu_1895


Spinnen als Karikatur

Daumier caricatur, Sevastopol 1854
"Ayant enfin trouvé le moyen d'utilisé leurs loisirs à Sébastopol."
("Endlich haben sie einen Weg gefunden ihre Freizeit in Sewastopol zu nützen.")
Lithographie von Honoré Daumier (1808-1879) aus der Zeitung LE CHARIVARI vom 22. August 1854.

Karikatur zur Belagerung von Sewastopol  während des Krimkrieges von  1854 bis 1855 zwischen Russland einerseits und den Alliierten des Osmanischen Reiches, Frankreich, Großbritannien und ab 1855 auch dem Königreich Sardinien andererseits. Die russische Schwarzmeerflotte hatte ihre Schiffe im Hafen der Stadt versenkt und verhinderte damit einen Angriff der Alliierten Flotte von der Seeseite her.

Diese Lithographie zeigt einen Admiral und zwei Osmanen auf einem Schiffsdeck beim Spinnen  -  einer für das 19. Jahrhundert völlig „unmännlichen“ Tätigkeit. Sie hatten ja sonst nichts zu tun.