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Straßburger Kleiderordnung 1370 bis 1493

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Strassburg

 

Straßburger Kleiderordnung 1370

Item daz man deheinen rog noch wambesch kürtzer tragen sol danne ein vierteil einre eln[1] obewendig der knieschiben, so sie hie in der stat gänt, doch so sie riten wellent, so mügent sie riten in reisigen wambeschen wie sie wellent, also doch, wenne sie wider in die stat koment so süllent sie wambesch und rocke tragen als da vor ist bescheiden; und sol man daz gebieten bi fünf pfunden, und süllent ez schöffel und rat ruogen und ein schöffel dem andern und ein rat dem andern.
           Item daz keine frowe, were die ist, hinnanfürme sich nit me schürtzen sol mit iren brüsten, weder mit hemeden noch gebrisen, rocken noch mit keinre ander gevengnüsze[2], und daz ouch kein frowe sich nit me verwe oder löcke von totenhar anhencken sülle[3] und sunderliche das houptloch[4] sol sin daz man ir die brüste nit gesehen müge, wenne die houptlöcher untze an die angonden ahseln süllent sin, bi V lib.[5] pfennige.
           Es soll ouch keine frowe, wer die ist, keinen rog tragen der me kostete denne XXX florin oder darunder, ouch bi V lib. Und sol ouch keine lantfrowe in dirre stat zuo dem tantze oder sus keinen rog tragen der me koste danne XXX florin, und welhe ez darüber dete, welre unsere burgere die lantfrowe enthielte oder über naht, der beszert für sie ouch fünf pfunde, ez werent danne frye frowen, die sol das gebot nit angän.
           Es sol ouch keine frowe keinen kürtzer mantel noch knabenmentel tragen danne ein viertel einre elen obe den knuwen angonde, lenger mügent sie sie wol tragen; welhe das brichet die beszert V lib.
           Item sie duhte ouch guot sin daz nieman keinen schuch mit snebeln me trage lenger denne über einen zwerchtumen[6], und wer das brichet der beszert XXX ß[7]; doch also, welre riten wil, der mag fuoren sine stifollen[8] wie er wil; und sol ouch kein schuochsŭter[9] weder unsern burgern noch in daz lant lenger snebel machen denne über einen twerch tumen, und welre das brichet der bessert ouch XXV ß.

Verordnung gegen unzüchtige Kleidung 1493

Als sich jetz begit das ettlich mannespersonen, die gotsvorht nit habent, unerbere schampere cleyder tragent, die oben tief uszgesnitten sind bisz uf die schultern, oder unden so kurtz das sie ime vornan und hinden sin schame nit bedecken mögen, mit anderer schentlicher ungestalt, das doch in erberer personen ougen lesterlich zuo sehen und nit zuo liden ist, darumb so habent unser herren meister und rät und die XXI erkant, das menglich sollicher cleyder in dieser stat nit me tragen sol, und das ein jeglicher sol sin cleydung, es sy rock oder mantel, zuo rihten zuo machen das die zuom mynesten ein halb vierteil gange für sin schame und obenuf ouch bedecke noch zymlicher gebüre; und wer hiewider tete, den wil man darumb strofen ye nach gestalt der sachen, und sollichs nyemans übersehen noch faren lossen.

Actum feria sexta post Udalrici, anno 1493. (5. Juli.)
Proclamatum eodem die uf der pfaltzen.

Verordnung die öffentlichen Weibsleute betreffend 1471

Und umb daz dieselben dirnen und öden frowen under erbern frowen erkant werden mögen, so ist erkant, was mentel dieselben frowen tragent, die sollent kein bast haben und darzuͦ drijer finger breit ob der erde sin; sie sollent ouch under iren menteln weder vehe noch sidin fuoter tragen; sie söllent ouch keinen rock noch schuhe tragen mit vehe oder siden gefütert, ouch dehein veheproge tragen an iren kleidern, oben oder unden, ouch kein guldin spangen daran tragen; und welhe der vorgeschriben stücke dheins verbreche, die soll bessern 5 ßo[10] so dick das beschee; und sollent ouch die ratzboten, die ammeisterknechte, die thurnhüter und der süben knecht, wo die derselben dirnen eine also findent, gon sie pfenden für 5 ßo.
           Es soll ir dhein dheinen güldin gürtel, dhein corallen noch katzidonien[11] fünftzig güldin noch ouch dhein fingerlin über eins güldin wert tragen ; es soll ouch ir dehein kein rolle tragen oder keinen langen sturtz; aber sie mögent wol tragen gezwangete umbwindelinge und kurtz stürze; und welich solichs daruober trüge, wann dann der stette knecht, einer oder me, sie findet also gon, so söllent sie ir solichs, es sy güldin gürtel, corallen oder katzidonien fünftzig güldin, fingerlin, rolle oder lange stürze, nemen und es inen nit wider geben, ir eine habe dann von jedem stück das sie also getragen hette 1 ßo geben; und welhe solich gelt git, die mag das stücke das sie also gebessert hette, denselben tag us wol tragen; würde sie aber darnoch me funden, soll sie aber gebessert und gehalten werden wie vor stot. 


Aus: J. K. Brucker, Straßburger Zunft- und Polizei-Verordnungen des 14. und 15. Jahrhunderts (Strassburg 1889), 292-293 und 459-460.


[1] Straßburger Elle = 0,538 m
[2] Verbot von (Unter)kleidung, die die Brüste anhob. Eine Art BH?
[3] Verbot die Haare zu färben oder sich Zöpfe aus Fremdhaar, meist von Toten stammend, anzuhängen
[4] Halsausschnitt des Kleides
[5] Libra
[6] „Querdaumen“ = Daumenbreite
[7] Schilling
[8] Stiefel
[9] Schuhmacher
[10] Schock, Schockgroschen
[11] Chalzedon – Achat