Projekte und Forschung

Flohmarktschätze
Textilgerätschaften des 18. und 19. Jahrhunderts 

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Gehen Sie auch gerne auf Flohmärkte? Da gibt’s immer viel zu sehen. Klar – oft ist das meiste Ramsch – aber manchmal kann man da echte Schätze finden und das auch noch zu günstigen Preisen. Manchmal weil der/die Verkäufer/in selbst nicht so recht weiß was Sie oder Er da eigentlich hat aber viel öfter weil das was da zum Verkauf steht nur schlecht oder gar nicht an den Mann oder die Frau zu bringen ist. Warum? Weil so etwas  heutzutage niemand mehr gebrauchen kann. Oder spinnen und weben Sie den Stoff für all Ihre Kleidung noch selbst? Daher findet man hin und wieder richtige Schnäppchen. Alte Gerätschaften die eigentlich würdig sind in einem Heimat- oder Volkskundemuseum ausgestellt zu werden.

Deshalb bietet die ABT Ihnen hier ein kleines virtuelles Museum mit allem was sich sonst auf Flohmärkten oder alten Dachböden versteckt. Preise werden hier aber nicht verraten.

Vorbereitung der Fasern  

Flachsbreche
Flachsbreche, Steiermark 1793. Gesamtlänge 95 cm.
Handkarden/hand cards
Handkarden aus der Steiermark, Österreich.

Handkarden sind meist zwei gleich große Brettchen mit Handgriffen, die an der Innenseite mit vielen kleinen abgewinkelten Häkchen aus Stahl besetzt sind. Dieses Paar Handkarden besteht jedoch aus einem größeren unbeweglichen Unterteil (Länge 108 cm) und einem beweglichen Oberteil mit Griff (Länge 48 cm). Auf dem in der Hand gehaltenen beweglichen Teil ist das Jahr 1839 eingeschnitzt. Karden werden verwendet um zwischen ihnen Wolle so lange zu bürsten, bis die Fasern mehr oder weniger in der gleichen Richtung ausgerichtet sind. Wird diese Wolle anschließend versponnen so erhält man Streichgarn.

 

Wollkarde

Wollkarde mit IHS-Monogramm, Steiermark, datiert 1797. Länge mit Stiel: 38 cm; Breite: 21,2 cm.

Wollkäemme/wool combs
Flachskämme/flax combs
Flachskämme. Links: eingeschnitzt 1793 und die Initialen HG und ZG, Länge 37,7 cm. Mitte: eingeschnitzt 1844, Länge 35 cm. Rechts: eingeschnitzt  1799 und das Christusmonogramm IHS, Länge 38 cm. Steiermark, Österreich.
Flachshechel

Flachshechel, datiert mit 1799, Österreich. Länge: 42 cm.

Kamm

Flachskamm, 18. Jh. Österreich. Länge: 47,5 cm; Breite: 33 cm.

 

Flachshecheln_2
Flachshechel. Oben: datiert 1816, Länge: 47 cm. Unten: Flachshechel mit Marienmonogramm, datiert 1795, Länge 77,5 cm. Steiermark, Österreich.
 
Flachshecheln/flax hetchels
Flachshecheln. Links oben: datiert mit 1777, Länge 55 cm. Rechts unten: datiert 1774, Länge 41 cm. Steiermark, Österreich.

 

Garnherstellung – Spinnerei

 

Spinnrocken, Spinnrad
Beidseitig verzierter Spinnrocken für Spinnrad aus dem Ausseer Land, Steiermark, Österreich. Auf einer Seite das Christus-monogramm IHS und die Jahreszahl 1888, Länge 50,5 cm.
 
Haspel
Sechsarmige Drehhaspel oder Weife mit Zählwerk, Deutschland. Diese Haspel ist, bedingt durch die Art des Zählwerks, eine  Klickhaspel oder Schneller. Eine schmale Leiste aus Holz wird durch einen Splint am Zahnradgetriebe angehoben (siehe Detailansicht rechts im Bild). Beim Erreichen der vorgeschriebenen Zahl der Umdrehungen schnellt diese „Zunge“ zurück und erzeugt einen schnarrenden Warn-Ton. Höhe  58 cm, Umfang 137 cm
 
Kreuzhaspel_niddy noddy
Kreuzhaspel zum Aufwickeln der gesponnenen Fäden. Länge 37 cm; Länge der Arme 35 cm.


Kreuzhaspel, niddy noddy 2
Kreuzhaspel zum Aufwickeln der gesponnenen Fäden. Frankreich, 19. Jh. Länge 49 cm; Länge der Arme 28 cm.

In der Spinnerei dient die Haspel dazu, Garn in die Form eines Stranges zu bringen, der durch Waschen, Bleichen, Färben weiterverarbeitet werden kann oder in dieser Form gehandelt wird. Drehhaspeln haben mindestens vier Arme, aber auch fünf- bis achtarmige Exemplare existieren, sehr üblich sind Haspeln mit sechs Armen. Sie können frei stehen oder an einen Tisch angeschraubt werden. Jede Haspel besitzt ein Hilfseinrichtung zum Drehen: einen Drehknauf, eine Kurbel, die in der Nähe der Achse angebracht ist. Die Haspel wird in kreisförmige, vertikale Bewegung versetzt und der Faden über die Querholme auf den Haspelarmen geführt.

Viele Haspeln besitzen darüber hinaus ein Zählwerk, das meist durch hölzerne Zahnräder angetrieben wird. Mit dem Zählwerk, das die Anzahl der Umdrehungen misst, und dem festgesetzten Umfang konnte eine genau definierte Länge Garn gehaspelt werden.

Auszug aus: Wikipedia Haspel

Spinnschachtel


Spinnschachtel (oder: Taiga-Rad / Spinnständer).
Länge der Schachtel: 43 cm.
Eine Spinnschachtel ist ein Mittelding zwischen einer Handspindel und einem Spinnrad. Sie besteht aus einer Holzkiste mit verlängerten Seitenteilen, in die eine Spindel mit Antriebsrad eingespannt wird. Man betreibt es, indem man das Antriebsrad in der Schachtel mit der Hand oder dem Fuß anschubst und den Faden wie bei einer Auflagespindel beim Spinnen über die Spitze des herausragenden Stabes springen lässt. Hat die Spitze eine aufsteckbare Spule, kann man einfach die Spule abziehen und muss das Garn nicht mühsam von der Spindel abwickeln.
Es gibt auch die Theorie, dass diese Spinnschachteln nicht zum Spinnen, sondern lediglich zum Aufwickeln von Fäden auf eine Spule, z.B. für ein Weberschiffchen, dienten.

Weben 

 

Schärbretter/warping boards
Zettel-, Schär- oder Lesebretter (Steirisch: Schwoafbrettl) aus der Steiermark, Österreich. Zettel-oder Schärbretter werden verwendet um die Kette für den Webstuhl herzurichten. Links: datiert 1834, Länge 44 cm (ohne Haken). Rechts: Länge 34 cm.

 




Einfädeln ins Zettelbrett/mounting a warping board

Einfädeln ins Zettelbrett.
Mounting a warping board.

Siehe:  Karl ManherzBeiträge zur volkskundlichen Beschreibung des Weberhandwerks in Pula (Plattenseeoberland)   (28.06.2016)

 

Alter, handgeschnitzter Bandwebstuhl aus der Steiermark, Österreich. Wie die unregelmäßigen Zähne der Zahnräder und zahllose Schnitzspuren (siehe Detailbild rechts unten) belegen wurde dieser Bandwebstuhl ohne Zuhilfenahme von Maschinen hergestellt. Länge 122 cm.

 

Gatterkamm/rigid heddle

Gatterkamm fürs Bandweben. Länge 28,5 cm. Österreich.

 

kleiner Bandwebstuhl/small band loom
Kleiner Bandwebstuhl, Dachbodenfund. Länge 44 cm. Vermutlich aus dem ehemaligen Jugoslawien.


Klöppelspuler/bobbin winder
Klöppelspuler, Ende 19. – Anfang 20. Jh. Gesamtlänge: 61 cm. Mit diesem Gerät wird der Faden zur Herstellung von Klöppelspitze auf die Klöppel aufgespult. Auvergne, Frankreich.
 
Webschiffchen

Webschiffchen (Steiermark oder Kärnten) mit IHS-Monogramm, den Initialen M.W. und dem Jahr 1807 ins Holz geschnitzt. Länge: 50,5 cm.

Textilien müssen auch mal gewaschen werden 

Waeschebleuel/washing beetle
Wäschebleuel mit dem Christusmonogramm IHS und der Jahreszahl 1794, Länge 38 cm. Steiermark, Österreich. Die ursprüngliche Art Wäsche zu reinigen bestand im Schlagen der Wäsche. Auf die Wäsche wurde mit  Holzbrettern, die sich auf einer Seite zu einer Griffform verengten, geschlagen. Das Wasser mit dem Schmutz, bzw. mit der Seife oder der Lauge wurde dabei aus dem Gewebe gepresst. Das Wort Bleuel kommt von ahd. plûwil oder bliuwil über mhd. bliuwel, bzw. als Verb bleuen, was „Klopfen“ oder „Schlagen“ bedeutet. Das Wort hat sich bis heute in den Begriffen „einbleuen“ und „verbleuen“ erhalten.
Austria_Waeschebleuel2
Wäschebleuel aus der Steiermark mit Christusmonogramm IHS sowie der Jahreszahl 1797. Es scheint so als wäre hier ein ehemaliges Walkbrett verkürzt und als Wäschebleuel wiederverwendet worden. Länge  44 cm.


Waschrumpel/washboard

Rein hölzerne Waschrumpeloder Walkholz mit dem Christus-monogramm IHS, einem Marien-monogramm und der Datierung 1842, Länge 72 cm. Steiermark, Österreich. Walken ist ein Schritt in der Tuchherstellung der die Reinigung des Stoffes (insbesondere Wolle) beinhaltet, um Öle, Schmutz und andere Verunreinigungen zu entfernen und das Gewebe zu verdicken. Der Stoff wird auf dem Walkholz oder Waschbrett so lange gerieben bis er so weit wie möglich geschrumpft ist.

Waschrumpel_Maria_Monogramm / Itemized Virgin Mary Monogram
Aufgeschlüsseltes Marienmonogramm.
Mangelbretter aus der Steiermark zum Glätten der Wäsche, die, um ein Rollholz gewickelt, mit dem Mangelbrett hin und her gerollt wird. Links: Mangelbrett mit Marienmonogramm, Christusmonogramm IHS, Dreinagelherz, den Initialen S W und W M sowie der Jahreszahl 1841. Länge 74 cm. Rechts: Mangelbrett mit dem Christusmonogramm IHS, den Initialen I R und der Jahreszahl 1859. Länge 65 cm.
Mangelbrett
Walkholz / Mangelbrett mit Christusmonogramm IHS sowie der Jahreszahl 1823. Länge 66,5 cm. Steiermark, Österreich.
Rollholz
Gedrechseltes Rollholz aus der Steiermark. Länge 62 cm.

 

 

Mangelbrett und Rollholz
Mangelbrett mit gedrechseltem Rollholz. Länge des Rollholzes 90cm.
Austria_Mangelbrett_Rollholz
Mangelbrett und Rollholz aus dem Burgenland mit Ungarischer Inschrift. Übersetzung: Hergestellt von Jozsef Kecskés im Jahr 1822 für Marika. Mangelbrett Länge 69 cm; Rollholz: Länge 53 cm.