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20. September 2011

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Anlässlich einer Studie der Arbeitsgruppe für Bekleidung und textile Techniken (ABT) zur Geschichte des Zeug- und Blaudrucks in Tirol, gesponsert von der Firma Durst Phototechnik AG, Brixen besuchte Herr Hans Joachim Frindte, einer der letzten Formstecher Europas, und seine Frau am 20. September 2011 das Institut für Archäologien der Universität Innsbruck . Hier wurde dann eifrig über die Herstellung von Zeugdruckmodeln und alte Zeug- und Blaudruckmuster diskutiert.

Formstecher oder auch Formschneider stellen unter anderem Druckformen für das bedrucken von Tapeten oder Textilien her. Hans Joachim Frindte arbeitet für Auftraggeber in Deutschland und Österreich und fertigt neue  Modeln für den historischen Tapeten- und Blaudruck an, restauriert alte Modeln und stellt Tapetenwalzen für neuzeitliche Tapeten her.

 

Formstecher Frindte
Formstecher Hans Joachim Frindte und seine Frau (rechts) im Gespräch mit Frau Beatrix Nutz von der ABT. Foto: H. Stadler, Innsbruck

  Hier geht’s zur Formstecherei Frindte mit Information zum Handwerk und zur Herstellung von Druckmodeln.

Neben Herrn Frindte arbeitet nur noch Herr Ewald Drescher im deutschsprachigen Raum an der Herstellung von Druckmodeln für den Textildruck. Damit ist Formstecher ein aussterbender Beruf. Seit dem 1. August 1996 ist Formstecher in Deutschland auch kein anerkannter Lehrberuf mehr (siehe: Bundesagentur für Arbeit). Entsprechende Informationen für Österreich liegen leider nicht vor. 

Zeug- und Blaudruck

Mit Zeugdruck wird generell jede Art von Textildruck bezeichnet, also das Verzieren von Stoffen mit (bunten) Mustern mittels Bedrucken mit Farbe. Beim  Blaudruck hingegen entstehen in der Regel blau-weiße Muster. Neben dem Direktdruck und dem Ätzdruck kommt hier  häufig die sog. Reservetechnik zur Anwendung. Der „Druck“ des Musters erfolgt mittels einer Deckmasse („Papp“) auf dem Gewebe das bei der anschließenden Färbung im Färbebad ausgespart wird. So entstehen

weiße Muster (ursprüngliche Farbe des Stoffes) auf blauem Grund. Es wird also eigentlich nur blau gefärbt nicht blau gedruckt.

Vor allem im 18. und 19. Jahrhundert wurden auch in Tirol viele Textilien mit Blaudruck-Mustern von den Färbermeistern hergestellt. Verwendung fanden diese Stoffe für Kleider und Schürzen, Kopftücher aber auch als Bettwäsche und Tischtücher. Auch heute noch sind die Schürzen einiger Tiroler Trachten aus Stoffen mit Blaudruck-Mustern, obwohl die modernen Stoffe nicht mehr im alten Handdruckverfahren (Reservetechnik mit Papp) sondern maschinell mittels Direktdruck (meist weißer Druck auf blauem Grund) hergestellt werden. 

Model und Muster
Altes Blaudruck-Model (oben) und das entsprechende Muster (unten) aus dem Musterbuch einer Färberei des 19. Jahrhunderts in Sillian (Osttirol). Heute im Museum Schloss Bruck, Lienz. Foto: B. Nutz, Innsbruck