Univ.-Prof. Dr. Harald Stadler

Der Schatz aus Schloss Lengberg

 

Schloss Lengberg, Foto: Graf
Schloss Lengberg, Foto: Graf

Die seit Mai 2008 stattfindenden Umbau- und Renovierungsarbeiten in Schloss Lengberg werden sowohl bauanalytisch als auch archäologisch begleitet. Dies ist vor allem deswegen notwendig, weil viele Teile der  Baugeschichte noch ungeklärt sind. Im Zuge dieser vom Land Tirol geförderten wissenschaftlichen Arbeiten konnte in Zusammen-arbeit des Bundesdenkmalamtes, Landes-konservatorat für Tirol (Walter Hauser, Martin Mittermair), des Archäologischen Dienstes Thomas Tischer und dem Institut für Archäologien der Universität Innsbruck eine besondere Entdeckung gemacht werden. Im südwestlichen Raum des 2. Oberschosses der Burg wurde eine Gewölbezwickelfüllung geborgen, die eine immense Anzahl von Kleinfunden aus der Zeit vom 14. bis ins 16. Jh. n. Chr. erbracht hat. Neben hunderten von Münzen, kolorierten Spielkarten aus Karton, Eisen- und Buntmetallgeräten, diversen Holzgefäßen und –geräten, hochwertiger Importkeramik aus Spanien, Resten von Kleidung und Taschen, Waffenteilen, einer beschrifteten Wachstafel aus Holz, konnte auch ein für Westösterreich einmaliger Fundkomplex an Lederschuhen (Kinder, Frauen und Männer) geborgen werden. Aufregend sind auch über 15 Schriftstücke (Rechnungsaufzeichnungen, Schuldverschreibungen, Zinsregister, liturgische Texte etc) auf Papier. Besonders herausragend ist eine Einhandflöte aus Holz, da es sehr wenige Holzblasinstrumente dieser Zeit aus archäologischen Untersuchungen gibt. Die Erstausführung der Flöte weist allererste Qualität auf und wurde später zu einem möglichen „Kinderinstrument“ umgearbeitet.

Die wissenschaftliche Leitung der archäologischen Belange liegt bei Harald Stadler. Der umfangreiche Fundkomplex wird am Institut für Archäologien, Fachbereich: Mittelalter- und Neuzeitarchäologie der Universität Innsbruck gesichert, restauriert und in einem internationalen Team wissenschaftlich untersucht. Das ungewöhnliche Ensemble soll dann nach Abschluss der Arbeiten in einer Ausstellung und in Buchform der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Die Archäologie des Mittelalters und der Frühen Neuzeit hat ein weites Betätigungsfeld für die Zeit von etwa 800 bis 1500 n. Chr.

schuhvitrine

Ein wenig erforschtes Gebiet sind dingliche Hinterlassen-schaften menschlicher Beschuhung. Die wissenschaftliche Definition beschränkt „Schuhe“ auf die Schutzeigenschaften von Füßen und möglicher Bewegungsfunktionen. Dies verwundert, ist doch die Wechselwirkung Schuh und sozialer Status durch Schrift- und Bildquellen hinlänglich evident.

In Museen finden sich vor allem Schuhe prominenter und wohlhabender Leute, die raschen Modeströmungen (Schnabelschuh, Kothurne) folgten und aus heutiger Sicht mitunter auch unbequem und die Bewegung stark einschränkend wirkten. Diese lassen sich aber kaum mit dem schlichten Schuhwerk nachgeordneter Stände vergleichen.

Die meisten Schuhfunde Europas stammen nicht aus Kirchenschätzen oder Gräbern, sondern wurden – aus bislang nicht hinreichend geklärten Gründen – in Gebäuden deponiert.

Für Tirol liegt bisher eine sehr geringe Anzahl von Schuhen aus dem 13. bis 16. Jh. vor. Umso bedeutender ist ein Komplex von über 25 Exemplaren, der 2008 in einem Gewölbehohlraum von Schloss Lengberg, Osttirol entdeckt wurde.

 


Harald Stadler, Margarethe Greiner, Oskar Bauer