Fachbereich Ur- und Frühgeschichte sowie Mittelalter- und Neuzeitarchäologie

Institutsprofil

Begriffsbestimmungen, Qualifikationsprofil und Ziele:

Das Studium der Ur- und Frühgeschichte sowie Mittelalter- und Neuzeitarchäologie hat als geistes- und kulturwissenschaftliches Studium der wissenschaftlichen Berufsvorbildung in historisch-kulturkundlicher und philosophisch-humanistischer Grundlegung zu dienen. Entsprechend den primären Berufsbildern soll das Studium auf die Tätigkeit in Denkmalämtern, Museen und Forschungs- bzw. Lehrinstitutionen, wie den Universitäten und Akademien, vorbereiten.

Neben den praxisbezogenen Bereichen, der Prospektion, Vorbereitung, Organisation, Leitung und Durchführung von archäologischen Ausgrabungen und Forschungsprojekten, der eigenständigen Bearbeitung archäologischer Fundkomplexe, der Erstellung von wissenschaftlichen Manuskripten und Vorlagen für Öffentlichkeitsarbeit sind in der Lehre auch die theoretischen Grundlagen einer idiographischen Wissenschaftsdisziplin sowie die speziell für die Auswertung archäologischer Funde notwendigen interdisziplinären, teilweise auch naturwissenschaftlichen Methoden anzubieten. Die Voraussetzungen für die Anwendung moderner elektronischer Datenerfassung und Analyseverfahren sowie einer postmodernen Methodologie werden jeweils dem aktuellen Forschungsstand entsprechend angeboten. Nicht zuletzt soll das Studium der Ur- und Frühgeschichte und der Mittelalter- und Neuzeitarchäologie im Sinne einer anthropologischen und (kultur)historischen Disziplin ein Verständnis für gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturpolitische Prozesse fördern.

Forschungsbereich:

Der Forschungsbereich des Institutes umfasst den Zeitraum vor dem Auftreten des Menschen vor vier Millionen Jahren bis in die Gegenwart. Teilgebiete sind daher Jägerische Archäologie (Paläolithikum und Mesolithikum), ältere Urgeschichte (Neolithikum), Metallzeiten (Bronze- und Eisenzeit), Frühgeschichte, Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit.

Methoden:

Ausgehend von der materiellen Hinterlassenschaft (Artefakte und Geländedenkmale) des Menschen erforscht unsere Disziplin besonders jene kulturellen Leistungen aus Epochen und Regionen, über die die schriftlichen Quellen entweder völlig fehlen oder weitgehend schweigen. Konsequenterweise werden auch jene Bereiche menschlichen Tuns und Schaffens ergründet, die abseits der historischen Tradierung unerwähnt blieben.

Fachimmanente Methoden sind z. B. die Artefaktmorphologie und Technologie, Chorologie, Kalenderchronologie, Kombinationsstatistik, Seriation und Clusteranalyse, Stratigraphie sowie die allgemeine Grabungstechnik. Gemeinsame Paradigmen finden sich in der Alten und Neuen Geschichte, der Klassischen Archäologie, der Volks- und Völkerkunde, der Religionswissenschaften, der Kulturphilosophie und der Sprachwissenschaften. Das Fach ist zudem streng interdisziplinär bezüglich der Naturwissenschaften ausgerichtet. Intensive Zusammenarbeit bestehen mit der Physischen Anthropologie und der Medizin, der Paläozoologie, der Botanik, der Geologie und Mineralogie, der Bodenkunde, der Geodäsie sowie der Kriminaltechniken. Es obliegt dem Fach, sämtliche Einzelinformationen zu einem gesamten historischen Bild zu bündeln, weshalb die Methoden dieser Nachbarwissenschaften auch verstanden werden müssen. Vielfach trägt unsere Disziplin den Primat für die Effizienz nachbarwissenschaftlicher Forschungen. Beispielsweise wäre der Botaniker gewissermaßen orientierungslos, wollte er z. B. das Werden einer Kulturlandschaft anhand von Pollenanalysen zwar sehr genau beschreiben, ohne das kulturelle Potential (technologisches Niveau, Siedlungs- und Bevölkerungsdichte) der damaligen Gesellschaft zu kennen.

Lehre und Ausbildungsziel:

Periodisch finden Lehrveranstaltungen aus den naturwissenschaftlichen Nachbarwissen-schaften statt, die das Verständnis der einzelnen Fachmethodiken fördern. Im Frontalunterricht werden an sich nur die Grundzüge der Gesellschaftsentwicklung gelehrt.

Neben einer eingehenden Kenntnis der wesentlichen kulturhistorischen Abläufe ist die Ausbildung besonders praxisorientiert. Sämtliche Schritte von der Erkundung über geophysikalische Prospektionen, zur Grabungsstrategie und Grabungstechnik, Fundbergung und Fundsicherung, Restaurierung und Konservierung, Befund- und Funddokumentation, Bestimmung und Ausstellungswesen werden in Form von Praktika und Vorlesungen mit Übung angeboten. Einen wesentlichen Teil bilden daher die Grabungspraktika, bei denen die StudentInnen in die zahlreichen Forschungsprojekte des Institutes bewusst involviert werden, zumal sich die Feldforschung nicht im Labor simulieren lässt. Forschung und Lehre werden bei uns aus Prinzip nicht getrennt.

Einrichtungen:

Das Institut verfügt über eine technisch hinlänglich ausgestattete Restaurierungswerkstätte, in der die Fundmaterialien aus den zahlreichen Forschungsprojekten indes nur zum Teil fachmännisch konserviert werden können. Doch kann anhand der Einrichtung zumindest eine Einführung in die Restaurierungstechniken angeboten werden. In der Einrichtung für graphische Dokumentation, in der Grabungspläne und Fundzeichnungen sowie Modelle auf höchstem Standard hergestellt werden, können die StudentInnen jederzeit Hilfestellung bei eigenen Zeichenproblemen einholen.

Öffentlichkeitsarbeit:

Zumal unsere Forschungsarbeiten sowohl von der öffentlichen Hand wie auch privaten Sponsoren gefördert werden, sehen wir es als Verpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit an, über unsere Ergebnisse entsprechend zu informieren. Die Grabungen unseres Institutes werden von der Bevölkerung stets mit großem Interesse wahrgenommen, so dass unser Fach als höchst populär gilt. Das Interesse wird weiter durch Informationsveranstaltungen (öffentliche Führungen durch die Grabungen und Fundpräsentationen) sowie durch die ständige Medienpräsenz gefördert.

Zu Recht dürfen wir uns als eines jener Institute bezeichnen, das auf ein großes Echo in den Funk- und Printmedien stößt.

Publikationen:

Ein Forschungsprojekt darf erst dann als abgeschlossen gelten, wenn es entsprechend publiziert und somit als Teil des aktuellen Wissensstandes von der internationalen Forschung aufgenommen wurde. Daher werden die Schriftenreihen Nearchos und Praearchos geführt. Daneben gibt unser Institut auch kleinere populärwissenschaftliche Schriften heraus oder hilft wissenschaftlich orientierten Vereinen bei der Herausgabe in technisch-redaktioneller Weise (Heimatkundliche Blätter des Heimatkunde- und Museumsvereins Wattens-Volders; ArchaeoTirol Kleine Schriften), damit unsere Forschungsergebnisse auch interessierte Laien erreichen.

Umstrukturierung seit Wintersemester 2003/04:

Am Institut wurden die Studienrichtungen Ur- und Frühgeschichte sowie Mittelalter- und Neuzeitarchäologie als Bakkalaureats- und Diplomstudium eingerichtet. Um dem Bedarf an Fachleuten nachzukommen, dem im benachbarten Ausland längst schon Rechnung getragen wurde, erschien es unerlässlich, als zweite Studienrichtung Mittelalterliche und Neuzeitliche Archäologie einzurichten. Eine personelle Ausstattung steht indes noch an.