Montagsseminarreihe "Aktuelle Probleme des Wirtschaftsprivatrechts"
Wettbewerb um Talente: Kartellrecht und Arbeitsmarkt nach der Entscheidung der Europäischen Kommission iS Delivery Hero/Glovo
Montag, 17.11.2025
18:30 Uhr
University of New Orleans Saal ("UNO-Saal", Innrain 52) und online via Zoom.
Zur Anmeldung.
Vortragende: RAin Dr.in Isabella Hartung
Barnert Egermann Illigasch Rechtsanwälte, Wien
Dürfen Unternehmen vereinbaren, sich gegenseitig keine Mitarbeiter abzuwerben? Oder sind solche "No-Poach"-Absprachen als Wettbewerbsbeschränkungen einzuordnen, die nach Art 101 AEUV jedenfalls verboten sind? Diese Fragen sind aktueller denn je: Im Juni 2025 verhängte die Europäische Kommission Geldbußen iHv insgesamt EUR 329 Mio gegen die Lebensmittellieferanten Delivery Hero und Glovo – unter anderem wegen der Vereinbarung von Abwerbe- und Einstellungsverboten. Dabei handelt es sich um die erste Entscheidung der Kommission, die ein Kartell auf dem Arbeitsmarkt und die kartellrechtswidrige Ausnutzung einer Minderheitsbeteiligung an einem konkurrierenden Unternehmen mit einer Geldbuße sanktioniert. Bereits im Jahr davor hat die Kommission ein Competition Policy Brief zum Thema "Antitrust in Labour Markets" veröffentlicht, in dem sie eine kartellrechtliche Bewertung von Abwerbeverboten sowie von Vereinbarungen über die Festsetzung von Gehältern ("Wage-Fixing Agreements") vornimmt. Auch nationale Wettbewerbsbehörden in den EU-Mitgliedstaaten sowie außerhalb Europas nehmen Arbeitsmarkt-Absprachen verstärkt ins Visier. Die USA verfolgen bereits seit Jahren eine harte Linie gegen No-Poach-Abreden. Wie sich der EuGH dazu positionieren wird, ist vorerst noch offen: In der anhängigen Rechtssache Tondela ua – einem Vorabentscheidungsverfahren betreffend Abwerbeverbote zwischen portugiesischen Fußballvereinen während der COVID-Pandemie – wurden im Mai 2025 die Schlussanträge des Generalanwalts veröffentlicht. Im Vortrag werden die Entscheidung der Kommission iS Delivery Hero/Glovo analysiert, ein kurzer Überblick über die Position anderer Wettbewerbsbehörden zu Abwerbeverboten gegeben und aktuell anhängige EuGH-Verfahren besprochen. Letztlich soll untersucht werden, wo die kartellrechtlichen Grenzen von Absprachen betreffend Arbeitskräfte nun in Österreich konkret verlaufen und wie damit im Hinblick auf häufig vorkommende Sachverhalte in der Praxis umgegangen werden kann.
Vortragende:
Isabella Hartung ist Rechtsanwältin und Partnerin bei Barnert Egermann Illigasch Rechtsanwälte GmbH, Wien. Sie berät seit vielen Jahren spezialisiert im Kartellrecht (einschließlich Fusionskontrolle) sowie in den Bereichen Investitionskontrolle und Energierecht. Isabella Hartung hat zahlreiche Fachbeiträge im Bereich des Kartellrechts verfasst und ist unter anderem Mitautorin des Buches "Das österreichische Kartellrecht – Ein Handbuch für Praktiker" (Linde Verlag, 5. Auflage 2025). Sie trägt regelmäßig zu kartellrechtlichen Themen vor und ist Mitbegründerin der Initiative "WCNA – Women in Competition Law Network Austria".
Ankündigung: "Wettbewerb um Talente: Kartellrecht und Arbeitsmarkt nach der Entscheidung der Europäischen Kommission iS Delivery Hero /Glovo"
Anmeldung 17.11.2025
Mit freundlicher Unterstützung
