Dokumente aus dem Universitätsarchiv

Dokument 1:
1901: Ernst Mach schreibt 1901 an Franz Hillebrand (1863-1926). Hillebrand ist seit 1896 Professor für Philosophie an der Universität Innsbruck. Er gründete das Innsbrucker Institut für Experimentelle Psychologie. Mach bezieht sich auf Hillebrands bahnbrechende Studie "Theorie der scheinbaren Größe beim binokularen Sehen"

Vgl. Franz Hillebrand: Die experimentelle Psychologie, ihre Entstehung und ihre Aufgaben. Antrittsvorlesung gehalten am
19. Oktober 1896 in Innsbruck, hrg. von Joachim Gatterer, Pierre Sachse und Peter Goller, in:
Journal. Psychologie des Alltagshandelns 11/1 (2018), 47-63.

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Dokument 2:
1932: Der international renommierte Geochemiker Victor M. Goldschmidt, 1933 von den Nazis aus seiner Göttinger Professur vertrieben, bittet Bruno Sander (1884-1979), um ein Berufungsgutachten. Es geht um sehr maßgebliche Geologen in Deutschland, um Hans Stille und Hans Cloos. Bruno Sander, seit 1922 Professor für Mineralogie und Geologie - Sander lehnte zahlreiche Berufungen an auswärtige Universitäten ab - antwortet am 21. Juni 1932

Vgl. Peter Goller und Gerhard Oberkofler: Mineralogie und Geologie an der Universität Innsbruck (1867-1945).
(=Forschungen zur Innsbrucker Universitätsgeschichte 15), Innsbruck 1990.

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Dokument 3:
Wolfgang Gröbner (1899-1980), aus Gossensaß am Brenner stammend, lehrte von 1947 bis zu seiner Emeritierung 1969 an der Universität Innsbruck Mathematik. Gröbner gilt als einer der Pioniere der algebraischen Geometrie, der "Lie-Reihen-Forschung", im 20. Jahrhundert. Im folgenden finden sich u.a. mehrere biographische Würdigungen, so etwa eine durch den Wiener Mathematiker Edmund Hlawka. Anfang der 1990er Jahre wurde der wissenschaftliche Nachlass von Wolfgang Gröbner der Universität Innsbruck übergeben. Allein die vielen internationalen Anfragen nach den "Gröbner-Papieren" zeigen den weltweit renommierten Rang dieses Mathematikers.

Der für ein rational-mathematisches Weltbild eintretende Gröbner hielt als Freidenker wiederholt "Grenzprobleme"-Seminare ab. 1963/64 wurde ihm die Abhaltung dieser Seminare von der Philosophischen Fakultät nach Intervention des Bischofs von Innsbruck verboten.

Vgl. Peter Goller und Gerhard Oberkofler: "... dass auf der Universität für die Lehre, die dort vertreten wird, wirkliche Gründe gegeben werden!" Wolfgang Gröbner (1899-1980). Mathematiker und Freidenker, in: Österreichische Mathematik und Physik, hrg. von der Zentralbibliothek für Physik in Wien, Wien 1993, 9-30.

 
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Wolfgang Gröbner

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Dokument 4:
1932 habilitierte sich Franziska Mayer-Hillebrand (1885-1978) mit experimentalpsychologischen Arbeiten für das Fach "Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Psychologie". Alfred Kastil, ein Schüler des Philosophen Franz Brentano,
hat als Fakultätsreferent das Gutachten erstellt. Theodor Erismann und Richard Strohal unterstützten als nahestehende Fachkollegen das Ansuchen. Nur knapp zuvor - 1929 - hatte sich mit Martha Moers erstmals in der Geschichte der Universität Innsbruck eine Frau habilitiert. Die in der angewandten Psychologie tätige Martha Moers hat sich für das Gesamtfach der Philosophie habilitiert.

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Dokument 5:
Der zwischen 1901 und 1909 in Innsbruck Kosmische Physik (Meteorologie) lehrende Wilhelm Trabert, 1909 als Ordinarius für Physik der Erde und als Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geophysik nach Wien berufen, erstellt 1906 das Gutachten über die Dissertation von Heinrich Ficker "Innsbrucker Föhnstudien". Heinrich Ficker (1881-1957) lehrte als Vertreter der "Innsbrucker Meteorologischen Schule" später an den Universitäten Graz, Berlin und Wien.

Vgl. 100 Jahre Institut für Meteorologie und Geophysik an der Universität Innsbruck 1890-1990, hrg. vom Institut für Meteorologie und vom Universitätsarchiv Innsbruck. (=Veröffentlichungen der Universität Innsbruck 178), Innsbruck 1990.

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Dokument 6:
1877. Ignaz Zingerle, Professor für deutsche Sprache und Literatur, und Arnold Busson, Professor für allgemeine und mittelalterliche Geschichte, urteilen über Josef Eduard Wackernells Dissertation "Walther von der Vogelweide in Österreich". Wackernell lehrte später bis 1920 ebenfalls als Professor für deutsche Literatur.

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Dokument 7:
1899. Emil von Ottenthal, Professor der allgemeinen Geschichte und der historischen Hilfswissenschaften, und
Ferdinand Kaltenbrunner, Professor der historischen Hilfswissenschaften, urteilen über Hermann Wopfners Dissertation
"Der Bauernkrieg in Deutschtirol 1525". Wopfner lehrte ab 1908 als Professor für Österreichische Geschichte, bekannt sein "Tiroler Bergbauernbuch".

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Dokument 8:
1924 Friedrich Woeß, Professor des römischen und österreichisch bürgerlichen Rechts, beurteilt die Habilitations-Arbeiten von Franz Gschnitzer (u.a. über "die Kündigung nach deutschem und österreichischen Recht"). Franz Gschnitzer (1899-1968) lehrt ab 1927 als Professor für römisches Recht und modernes bürgerliches Recht. Bekannt "der Gschnitzer", das mehrbändige Lehrbuch des österreichischen Zivilrechts.

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Dokument 9:
Aus der Korrespondenz des Innsbrucker Mathematikers Leopold Vietoris (1891-2002)

  • 1918 (August). Der einige Jahre an der Universität Bonn lehrende Wiener Mathematiker Hans Hahn diskutiert mit Vietoris Fragen der Mengenlehre.
  • 1918 (Juni/Juli). Der in Greifswald lehrende Felix Hausdorff, Mitbegründer der modernen Topologie (Mengenlehre), später als Bonner Professor vom NS-Regime verfolgt, korrespondiert mit Leopold Vietoris.
  • Im Nachlass von Vietoris findet sich ein Exemplar von Hausdorff' klassischen "Grundzügen der Mengenlehre". In späten Jahren hat Vietoris die Abschriften seiner Briefe an Hausdorff transkribiert.

 



 






Dokument 10:
Zur Lage der Wiener und Innsbrucker Geschichtswissenschaft nach der Befreiung vom Faschismus 1945: Der vor allem wegen seiner 1939 veröffentlichten Schrift "Land und Herrschaft" bedeutende Theoretiker der Mediävistik, der Wiener Historiker
Otto Brunner (1898-1982) schreibt an seinen Innsbrucker Freund und Kollegen Franz Huter (1899-1997): Die beiden wegen
ihres Naheverhältnisses zum NS-Regime suspendierten Historiker besprechen ihre Lage. Brunner wird 1954 an die Universität Hamburg berufen. Der als Herausgeber des "Tiroler Urkundenbuchs" renommierte Franz Huter kann schon 1949 wieder in die Innsbrucker Professur für österreichische Geschichte einrücken.

Brunner spricht Fragen der Herausgabe einer gemeinsam mit Taras Borodajkewycz geplanten Festschrift für den 1945 aus Wien nach Tirol geflüchteten "großdeutschen" Historiker Heinrich Srbik an. Ferner berichtet Brunner, dass Leo Santifaller die zentralen Machtpositionen in der Wiener Geschichtswissenschaft übernommen hat. Er berichtet über die Aktivitäten seines Nachfolgers Alphons Lhotsky, der u.a. an einer Geschichte des "Instituts für österreichische Geschichtsforschung" arbeite. Ende der 1940er Jahre plante Franz Huter, Otto Brunner für die vakante Innsbrucker Professur der mittelalterlichen Geschichte zu gewinnen. Die Philosophische Fakultät reihte Brunner an erste Stelle. Brunner berichtet Huter, dass er gerne käme und mit Franz Huter und dem Neuzeithistoriker Hans Kramer ein gutes Team bilden könnte.



Dokument 11:
Die Philosophische Fakultät Innsbruck erstellt 1950 einen Berufungsvorschlag für die Lehrkanzel der mittelalterlichen Geschichte und der historischen Hilfswissenschaften. Der an erster Stelle gereihte Otto Brunner wird Professor an der Universität Hamburg. Heinrich Fichtenau wird zu einem zentralen Geschichteordinarius an der Universität Wien. Der Ruf geht an Karl Pivec, der das Fach dann bis Mitte der 1970er Jahre betreut. Auf Pivec sollte 1975 der Wiener Privatdozent Othmar Hageneder folgen. 1981 nahm Hageneder eine Berufung nach Wien an.

Dokument 12:
Ein Mathematiker-Briefwechsel im 19. Jahrhundert: Otto Stolz und Felix Klein

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Im Anhang zwei Korrespondenzkarten von Georg Cantor aus 1875 und ein Brief von Felix Klein an Otto Stolz aus dem Jahr 1884. Klein empfiehlt den Prager Privatdozenten Georg Pick (1859-1942 im KZ Theresienstadt) für eine Innsbrucker Mathematik-Professur. 

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