COLLEGIUM MUSICUM INNSBRUCK 1945-1996

 

(Versuch einer Rekonstruktion anhand des erhaltenen Briefverkehrs)

Nach Kriegsende wurde das weitgehend zerfallene Collegium durch Dr. Alf in seinem vokalen Teil, durch Dr. Anton Steyrer auf dem Instrumentalsektor wieder aufgebaut. Finanzielle Probleme bestanden zunächst – außer der (meist vergeblichen) Fahndung nach „verlagertem“ Eigentum des Collegiums – nicht; Die Wertlosigkeit der Währung, wie auch der allgemeine Kulturhunger der Menschen erlaubte zunächst ein Musizieren, das weder nach Ausgaben, noch nach Einnahmen fragt. Ehrenamtliche Tätigkeit und Mitwirkung war selbstverständlich; namhafte Künstler konnten damals vom Collegium für Konzerte oder Vorträge honorarlos gewonnen werden.

Etwas später, 1946 oder Anfang 1947, erhielt Dr. Alf seinen Lehrauftrag für das Collegium Musicum. Eine gewisse Rivalität zwischen dem Chor und dem Orchester (und den Leitern) führte dazu, dass Institutsmittel vorwiegend dem Chor zugute kamen. Dr. Anton Steyrer baute indes das Orchester unter großer Mühe und offensichtlich auch privaten Geldmitteln auf.

Im Winter 1947/48 wurde Dr. Alf vom Ministerium seiner Assistentenstelle enthoben; zur selben Zeit war eine Umformung und Neukonstituierung des Collegiums auf vereinsrechtlicher Basis aus verschiedenen Gründen notwendig geworden.

Im Februar 1948 trat die „Akademische Musikgesellschaft (Collegium Musicum) an der Universität Innsbruck“ ins Leben. Durch die vereinsrechtliche Basierung war nun erstmals konkret die Frage nach Finanzierung gestellt; sie wurde vorgesehen durch:

-Mitgliedsbeiträge (aktive und fördernde)

-Spenden

-Subventionen

-Konzerteinnahmen

 

1948 hatte der allgemeine Kulturhunger schon etwas nachgelassen; Mitglieder und engagierte Gäste begannen ihre Mitwirkung allmählich als Arbeit, als Leistung zu betrachten, sie wurden musikalisch wie finanziell anspruchvoller. Die Musikgesellschaft begegnete dieser unvermeidlichen Entwicklung durch größere und schönere Aufgaben, durch bessere Qualität ihrer Aufführungen und schließlich durch immer steigende Ausgaben. Auch auf der Einnahmenseite konnte eine Steigerung erzielt werden, jedoch hielt diese mit den wachsenden Ausgaben nicht Schritt.

1952-53 wurde diese Entwicklung nochmals vorübergehend rückläufig; zufällig ergaben sich in diesem Zeitraum mehrere Großaufträge für den Chor, die vom Landestheater, den Konzerten der Stadt und einer jubilierenden Wirtschaftsinstitution sehr gut honoriert wurden. Die Jahre 1954-55 haben aber gezeigt, dass diese damalige Anhäufung lukrativer Mitwirkungen eine zufällige gewesen war. In den Jahren 1954-56 sah sich das Collegium Musicum also einer existentiellen Krise gegenüber, in der es ohne anderweitige Subventionen nicht mehr weiterging.

„…ist der Hauptgrund dafür, dass das Collegium Musicum seine Tätigkeit einstellt, die Tatsache, dass der bisherige Leiter von Chor und Orchester, Dr.Anton Steyrer, nicht weiterhin in der Lage ist ohne geldliche Entschädigung seine Kraft dem Collegium zu widmen. Mehrere Versuche, eine andere Persönlichkeit für die Leitung zu gewinnen, erwiesen sich als ergebnislos. Es ist bei dem besonderen Charakter der Zusammensetzung des Collegium Musicum notwendig, dass der Leiter nicht nur die entsprechenden fachlichen und musikalischen Fähigkeiten besitzt, sondern dass er zu den Mitwirkenden in einer gewissen kollegialen Beziehung steht, welche ihm ermöglicht, die zahlreichen Schwierigkeiten bei der Ansetzung und Gestaltung der Proben, Lehrgänge und dgl. und der Durchführung der Veranstaltungen zu überwinden.“ (Prof. Dr. Strohal)

Im Zuge der anschließenden Diskussion gelang es, Subventionen des Bundesministeriums und der Universität zu erlangen; dadurch konnte die Proben- und Konzerttätigkeit des Collegiums wieder aufgenommen werden. Dabei wurden der Chor und das Orchester als „Collegium Musicum am Musikwissenschaftlichen Institut“ neu definiert.

In dieser Zeit (ca. 1958) bekam das Collegium auch einen neuen Leiter: Dr.Othmar Costa.

In den kommenden Jahren wurde durch ihn das Collegium Musicum weiterhin zu einer immer wichtiger werdenden Institution aufgebaut. Dabei entstand bereits ein ähnliches Selbstbild, welches das Collegium heute hat; neben den Semesterabschlußkonzerten wurden akademische Feiern der Universität umrahmt. Musiker, die zur Aufführung notwendig waren, aber nicht aus dem Collegium selber gestellt werden konnten, wurden als Substitute dazugekauft. Bei freiem Entritt/freiwilligen Spenden wurde einem Publikum (Universitätsangehörigen , v.a. auch Studenten), welches vielleicht ansonsten nicht die primäre Zielgruppe darstellte, der Zugang zur Musik ermöglicht. Auf der anderen Seite hatte die Repräsentation der Universität nach außen eine hohe Priorität. Anbei wurde begonnen, Notenmaterial anzukaufen; bereits damals fand man mit dem Kaiser-Leopold-Saal der Theologischen Fakultät (damalige Alte Universitätsbibliothek) einen schönen Aufführungsort. 1969 trat Prof.Dr.Costa nach 12jähriger Leitung und Aufbau des Orchesters zurück.

Sein Nachfolger wurde Mag. Michael Mayr. Dieser führte das Orchester bis Ende 1993 im gewohnten Stil fort. (Über diese Zeit fehlen mir allerdings genauere Angaben.) In wechselhafter Besetzung wurden weiterhin Semesterkonzerte gegeben, die Repräsentation an universitären Veranstaltungen dürfte allerdings abgenommen haben. Irgendwann gegen Ende seiner Leitung oder danach scheint das Collegium aus der universitären Satzung verschwunden zu sein, was aber offensichtlich kaum wahrgenommen wurde.

Die Nachfolge trat 1993/94 der bisherige Konzertmeister Prof.Dr. Waldo Gottardi an.

 

 

 

Herbst 1945-Februar 1948 Aufbau der Orchesters unter Dr.Anton Steyrer

 

Februar 1948-1956 Einrichtung der „Akademischen Musikgesellschaft (Collegium

Musicum) an der Universität Innsbruck“ auf Vereinsbasis

 

1956-58   Finanzielle Krise und Beginn der Subventionen von Bund und

Universität. „Collegium Musicum am Musikwissenschaftlichen Institut“. Neuer Leiter: Prof. Othmar Costa

 

1958-1969   Aufbau des Orchesters und rege Konzerttätigkeit

 

14.Juni 1958  Konzert im Kaiser-Leopold-Saal (Alte Universitätsbibliothek).

Öffentliches Musizieren bei freiem Eintritt. Werke von G.Fr.Händel,

Jos.Haydn und H.Purcell für Orchester, Chor und Solisten. L: O.Costa

 

WS 1958/59  G.F.Händel: „Judas Makkabäus“, L: O.Costa

 

4.Juli 1959 Akad.Schlussgottesdienst, Jesuitenkirche, Mozart: Missa brevis

in D KV65

 

17.Dezember 1959 „Öffentliches Musizieren“ im Kaiser-Leopold-Saal; Händel-Ouvertüre,

Hindemith-Musik der Trauer, Geminiani-Concerto grosso in g-moll,

Haydn-Oboenkonzert in C-Dur, J.S.Bach-Weihnachtskantate Nr.142,

Eintritt frei, L:O.Costa

 

24.Feber 1962 Kaiser-Leopold-Saal, Hindemith-5 Stücke für Streichorchester,

v.Dittersdorf-Konzert in A für Cembalo, 2 Violinen und Bass, Vivaldi-Concerto grosso in a-moll (Solisten: Waldo Gottardi und Oswald Hollmann), Pergolesi-Stabat mater; Frauenchor des Kammerchores Walther von der Vogelweide Innsbruck, L:O.Costa

 

1967 Wunsch auf Umorganisation im Sinne eines eigenen Institutes von Seiten des Orchesters

 

März 1969 Rücktritt von Dr.O.Costa. Neuer Leiter: Mag.Michael Mayr

 

22.6.1991   Hofkirche Innsbruck, W.A.Mozart: Kirchensonate in C;Exsultate,

jubilate;Vesperae solennes de Confessore, Mag.Michael Mayr, Domchor

St.Jakob Ibk

 

31.5.1992  Kaiser-Leopold-Saal,H.Genzmer: Sinfonietta,W.A.Mozart: Konzert in

C für Harfe,Flöte,W.A.Mozart: Sinfonie in g, KV183,Mag.Michael

Mayr,Flöte: Alexandra Schlenck,Harfe: Mariagrazia Pistan

 

19.6.1993  Kaiser-Leopold-Saal,L.Boccherini: Sinfonia No.17 in A

(G511),A.Honegger: Concerto da camera für Flöte, Englischhorn und

Streichorchester,J.Haydn: Sinfonia No.6 („Le Matin“) Hob.

I:6,Mag.Michael Mayr

 

25.6.1994  Kaiser-Leopold-Saal,G.F.Händel: Concerto grosso in e-moll,

op.6/3,Carl Stamitz: Concerto Nr.3 in C-Dur für Violoncello und

Orchester,F.Schubert: Sinfonie Nr.1 in D-Dur (D.82) Prof.Waldo 

Gottardi,Violine: Agnes Silbernagel,Violine: Peter

Buchberger,Violoncello: Ulrich Winzberger

 

4.7.1995  Kaiser-Leopold-Saal,G.F.Händel: Concerto grosso in F op.3 Nr.4 für

2Oboen, Streicher und B.C.,G.F.Händel: Suite in D für Trompete

(2Oboen), Streicher und B.C.,P.Hindemith: Trauermusik für Bratsche und Streichorchester,J.Haydn: Sinfonia in G Nr.47,Mag. Michael Mayr,Trompete: Hans Mair,Viola: Waldo Gottardi,Cembalo: Reinhard Jaud

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